EU-Kommissarsverteilung noch immer unklar

16. November 2009, 15:22

Regierungskreise und EU-Kreise weisen Bericht über Hahn als Umweltkommissar zurück - Spindelegger: "Bis Donnerstag alles offen"

Brüssel/Wien - Die Ressortverteilung für die neue EU-Kommission sei noch nicht fix, hieß es am Montag in Regierungskreisen in Wien zu Berichten, wonach der von Österreich nominierte Johannes Hahn neuer Umweltkommissar werden soll. Es handle sich im Augenblick um "Kaffeesud-Lesen", weil zunächst die beiden Spitzenpositionen eines Ratspräsidenten und eines Hohen Beauftragten für die EU-Außenpolitik ernannt werden müssten. Erst danach könnte Kommissions-Präsident Jose Manuel Barroso über die Ressortverteilung reden.

Auch in EU-Kreisen in Brüssel wurde betont, dass es noch keine Entscheidung gebe. Die Konsultationen würden weiter geführt, aber zunächst müsse der Hohe Beauftragte ernannt werden, der ja auch Vizepräsident der EU-Kommission sei. Erst danach sei es möglich, über die Verteilung der Ressorts zu reden, hieß es in der Kommission.

Swoboda: Zuerst kommt der Außenminister

Der SPÖ-Europaabgeordnete Hannes Swoboda bestätigte zudem, bei seinem jüngsten Gespräch mit Barroso habe der Kommissionspräsident betont, er könne solange keine Entscheidung über die Verteilung der Dossiers treffen, solange nicht vor allem der EU-Außenminister (Hohe Repräsentant für die EU-Außenpolitik) ernannt sei. Außerdem habe ihm Barroso erklärt, dass ihm noch Nominierungen für die Kommission aus sechs EU-Staaten fehlten. Darüber hinaus gab Swoboda zu bedenken, dass Barroso einen eigenen Kommissar für Klimwandel ernennen wolle, und da sei noch offen, was dies für das Ressort Umwelt bedeute. Die lange ebenfalls diskutierte Verschmelzung der Klima-Agenden mit dem Energieportfolio ist laut dem scheidenden Umweltkommissar Stavros Dimas mittlerweile vom Tisch.

Die Tageszeitung "Österreich" berichtete am Montag, dass sich Barroso schon auf Hahn für das Umweltressort festgelegt habe. Das ursprünglich angepeilte Forschungsressort für Wissenschaftsminister Hahn werde fix nicht an Österreich gehen. Angeblich wolle Hahn noch das Ressort für Regionalpolitik, wobei die Chancen nicht sehr hoch wären, heißt es in dem Bericht.

"Bis Donnerstag ist alles offen"

Außenminister Michael Spindelegger sagte am Montag, dass die für Donnerstag beim EU-Gipfel in Brüssel geplante Entscheidung über die Besetzung von EU-Spitzenposten vertagt werden könnte. "Wenn es keine Einigung gibt, und momentan sieht es so aus, als würde vieles blockiert sein, dann muss man sich entweder am Freitag darüber unterhalten oder möglicherweise das überhaupt vertagen", sagte Spindelegger vor dem EU-Außenministerrat in Brüssel.

"Es ist noch nichts entschieden. Bis Donnerstag ist alles offen", sagte Spindelegger. Es gebe auch noch keine Vorentscheidungen. Bis Donnerstag würden die entscheidenden Gespräche stattfinden, dann falle entweder eine Entscheidung oder diese müsste vertagt werden. (APA)

Ava Tar
11
16.11.2009, 18:33
Die Transparenz des "Bestellungs"prozesses ist ein Wahnsinn

Immerhin geht es darum, wer unser Europa regieren wird

und wir haben damals über das Politbüro der KPdSU gelacht :-(

Christoph ************
01
16.11.2009, 23:27

Na sind wir froh dass bei der Bestellung der österreichischen Regierung ein jedes mal alles irrsinnig transparent zugeht.

Der einzige Unterschied scheint wohl zu sein, dass in Ö schon gar nicht mehr soviel darüber spekuliert wird, weil es aufgrund der nicht ganz so komplexen Situation und der größeren Macht einzelner Akteure schneller von statten geht.

Übrigens, anders als in Ö, traut sich das EP wirklich die Exekutive abzulehnen sollte sie in den parlamentarischen Interviews durchfallen. Sollten Sie nicht gewählt haben, ist das ihr Problem.

luquas
10
17.11.2009, 06:15

Von denen, die Sie gewählt haben, wird jetzt wer genau was?
Klugsheyzer.

Ava Tar
10
16.11.2009, 23:54

Anders als in Ö ergibt sich die Exekutive ja auch nicht aus dem gewählten Parlament, sondern aus Mauschelei hinter dem Vorhang

Was die österr. Regierung betrifft, da weiß ich bei der Wahl aber schon, wer Kanzlerkandidat ist, dem ich meine Stimme gebe, und meist auch die wichtigsten Ministerkandidaten. Bei der EU-Kommission hingegen hab ich keine Stimme und kann nur zuschauen, wie die Medien Kaffeesud lesen.

Wie gesagt, den Sowjetbürgern ging es ähnlich.

X Y
02
17.11.2009, 04:13
Das EU-Parlament

soll also Ihrer Meinung nach die Exekutive bestellen, sodass Sie sich im Vorhinein eine Meinung über die Regierung bilden können? Das wäre dann eine parlamentarische Demokratie unter Ausschaltung der Nationalstaaten, also eine Bundesrepublik Europa. Ich habe kein Problem damit, weg mit den Nationalstaaten, obwohl ich eher mit den Vereinigten Staaten von Europa spekuliert habe, wo die Vertreter der Einzelstaaten einen Senat bilden, als Gegenkammer zum Parlament.
Nur, offen gesagt, ich glaube Ihnen das nicht. Sie wollen nur die EU beschimpfen, ganz einfach.
Es sind übrigens die Nationalstaaten, die auf das jetzige Modell pochen, beschweren Sie sich also über Faymann, Merkel, Sarkozy und Berlusconi, und nicht über die EU.

Haider - Straches Vorbild!
00
16.11.2009, 14:08
Schön dass Pröll Gusenbauer unterstützen will!

Alle wollten ja den Gusenbauer weg haben und jetzt betteln sie um ihn!
Politik ist halt doch etwas eigenartiges!
Sieht man am Besten an Strache!

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