Gefangen in den eigenen Ansprüchen

15. November 2009, 19:11

Hannover hat Torwart Robert Enke die letzte Ehre erwiesen. Vater Dirk Enke spricht über den hoffnungslosen Kampf gegen die Angst

Hannover - Angeführt von Kapitän Michael Ballack und Per Mertesacker hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag kurz vor elf Uhr persönlich Abschied von Robert Enke genommen. Unter zurückhaltendem Applaus der rund 35.000 Zuschauer in der Hannoveraner AWD-Arena verharrten sie vor dem im Mittelkreis aufgebahrten Sarg und gedachten ihres langjährigen Teamkollegen. Anschließend erwiesen DFB-Präsident Theo Zwanziger, Liga-Chef Reinhard Rauball, Franz Beckenbauer und Bundestrainer Joachim Löw dem nur 32 Jahre alt gewordenen Enke, der sich am vergangenen Dienstag vor einen Zug geworfen hatte, die letzte Ehre. Der Tormann litt an Depressionen.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff forderte in seiner Trauerrede ein Umdenken in der Gesellschaft. "Die Welt ist nicht im Lot. Wir brauchen doch keine fehlerfreien Roboter. Wir brauchen Menschen mit Ecken und Kanten und mit allen ihren Schwächen und ihren wunderbaren Eigenschaften", sagte der CDU-Politiker. Wulff wandte sich persönlich an Enkes Witwe Teresa, die nur 19 Stunden nach dem Selbstmord die Öffentlichkeit über die Krankheit ihres Mannes informiert hatte. "Sie haben sich mutig, stark und eindrucksvoll an die Menschen gewandt. Dadurch ist für uns all das erst erkennbar geworden."

Dirk Enke, Roberts Vater und promovierter Psychotherapeut, hat im Nachrichtenmagazin Der Spiegel über den Tod seines Sohnes gesprochen. "Ich glaube, dass das keine von innen entstandene, angelegte Krankheit gewesen sein kann, sondern eine, die aus den Lebensumständen heraus entstanden ist." Enkes Vater geht davon aus, dass Ängste bei seinem Sohn die schwere Depression ausgelöst und letztlich in den Suizid geführt haben: "Eine ganz große Rolle hat die Angst gespielt."

Diese Meinung vertritt auch Jörg Neblung, engster Freund und Berater von Robert Enke. "Angstzustände, mangelnder Antrieb. Durch die Angst zu versagen und die Angst, am Morgen aufzustehen, wurde der Wunsch massiv, sich zu verkriechen." Dirk Enke ist überzeugt, dass sich die Angst im Jugendalter entwickelt habe und nicht erst 2003, als Enke erst Barcelona, danach Fenerbahce verließ und den Tiefpunkt seiner Karriere erlebte.

Wie Der Spiegel weiter schreibt, war der Torhüter als großes Fußballtalent oft in höhere Altersklassen eingestuft worden. "Schon dabei kam es immer wieder zu Krisen. Weil er Angst hatte, nicht mit den Älteren mithalten zu können. Er war in den eigenen Ansprüchen gefangen", zitiert das Magazin den Vater. "In kritischen Phasen hatte Robert Angst, dass ein Ball auf sein Tor geschossen würde." Dirk Enke betonte ausdrücklich, dass es bei dem Selbstmord seines Sohnes keine Rolle gespielt habe, dass ihn Löw nicht für die geplanten Länderspiele gegen Chile und die Elfenbeinküste berufen habe. "Ein wichtiges Anliegen ist mir, Herrn Löw von der Frage zu entlasten."

Vater Enke hat zuletzt mehrfach das Gespräch mit seinem Sohn gesucht, doch dieser habe abgeblockt. "Es geht mir darum zu verstehen, warum es zu so einer Mauer kam. Robert hat die anderen ganz intensiv im Glauben gehalten, dass alles gut ist."

Auf dem Empeder Friedhof, wo seit 2006 sein verstorbenes Töchterchen begraben liegt, wurde Robert Enke am Sonntagnachmittag im Familienkreis bestattet. (red, DER STANDARD Printausgabe 16.11.2009)

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14 Postings
cheesus
00
16.11.2009, 19:57
Auf dem Empeder Friedhof, wo seit 2006 sein verstorbenes Töchterchen begraben liegt, wurde Robert Enke am Sonntagnachmittag im Familienkreis bestattet

vielleicht haette dieser umstand in anbetracht enke's labiler verfassung ein bisschen mehr als eine randbemerkung verdient.

Alexandre P
110
16.11.2009, 13:40
da wird ein wirbel gemacht..

.. als ob die gesamte deutsche nationalmannschaft mit dem flugzeug abgestürzt wäre.

s.c
 
11
16.11.2009, 21:02
Enke Hatte Charakter, dass die gesasmte öster. Nationalmannschaft nie besitzten wird!

Tom Kranich
015
15.11.2009, 21:10

Da einzelne verbissene arme Seelen über einen Medienhype und Sensationismus faseln, wie der Tod des innerlich zerrissenen und zerrütten Enkes dargestellt wird, muss man ganz klar festhalten: Es war eine beispielgebende Trauerarbeit und Trauerfeier, welche die dt. Medien seit Dienstag Abend praktiziert haben:Sachliche,ehrliche und diskrete Berichterstattung um das Ableben des MENSCHEN und stillen Stars Robert Enke,einem Sportler,der innerlich kaputt war und stets seinem Umfeld gefallen wollte.Dass man aus diesem tragischen Freitod eines zweifelnden Menschen Lehren im Sport,wenn nicht sogar in der Gesellschaft zieht, bedarf eines Umdenkens: Die Welt ist nicht im Lot, diese Worte Zwanzigers sollten sich viele vor Augen halten....

Wisgiboidl
00
17.11.2009, 23:34

Nicht bös sein, aber die Berichterstattung war für meine Empfindung sülzig und vorhersehbar. Wenn man sehen muss, wie aus dieser tragischen Geschichte ein Heldenepos geschmiedet wird und jede Handbewegung und jeder Gesichtsausdruck der Gattin als Beweis ihrer "unglaublichen Stärke" herhalten muss, dann hebt es mir mit Verlaub den Magen. Ich warte nur auf den Aufmacher in irgendeinem Schundblatt "Jetzt spricht sie zum ersten Mal" und auf sinnfreie Auftritte bei Günther Jauch oder was weiß der Geier. Das ist Betroffenheitsjournalismus at its worst und verdient es, angeprangert zu werden. Vielleicht sollte man ab 22:00 wieder das Tesbild bringen und die Zeitung nur mehr achtseitig erscheinen lassen.

Alex667
01
16.11.2009, 15:08
Ihr Posting

kann ich nur mit Grün bewerten.

wobei ich 2 Dingen anmerken möchte.
Bei der Berichterstattung habe ich bewusst DSF und RTL gemieden, welche in das Fahrwasser der Bild geraten sind, und sich an den Dutzenden Feuerwehr, Rettungs und Polizeiautos am Schauplatz begeilt haben (stundenlang).

Ach ja und warum man im Österreichischen Fernsehen ausgerechnet den Polster interviewen musste bleibt mir ein Rätsel.

Dessen Gestottere zu einem komplexem Thema wie Depression zeigte schon wieder Ansätze eines Kabaretts.




Süffisant
00
17.11.2009, 12:40

...weil polster, genauso wie wallner, ehemaliger teamkollege enkes war.

DieBo
80
16.11.2009, 10:50
"So, jetzt haben wir auch mal über Freitod geredet"

In Hannovers Stadion wurde vor allem dem Selbstmitleid eine Bühne geboten. Ein kollektives Tränenmeer. Ist das nicht merkwürdig? Ein Mann der den Freitod gewählt hat wird verehrt? Ausnahmslos wurde diese Zeremonie begleitet von englischsprachigen Liedern. Fehlt es den deutschen Liedermachern an passenden Worten, oder meinen die Verantwortlichen mit trauriger Musik und Texten die vage bleiben und keiner versteht fährt man besser? Wie fühlen sich nach diesem Medienhype die Angehörigen der gefallenen Soldaten in Afghanistan? Wo bleibt da die kollektive Trauer? Und: Durch diese Sensations-Veranstaltung wird der Leistungsdruck was erreichen zu müssen in unserer Gesellschaft eher erhöht als weniger. Fazit: Das Theater war überflüssig!

Jürgen Rembremerding
00
17.11.2009, 17:46
Bitte!

Das Regime für das Du schwärmst, benutzt Stadien nur als Hinrichtungsstätten!

Also schreib nicht zu Sachen, von denen Du nix verstehst!

Kanonier
00
17.11.2009, 10:25

Ich finde dein Post schwer unnötig!!
1. 96 Wahre Liebe ist übrigens schon deutsch gell!!
Und wenn sich die Frau Enke ein bestimmtes Lied beim Verlassen des Sarges ihres Mannes aus dem Stadion wünscht weils vielleicht eine höhere Bedeutung für Sie hat dann kann dir das echt egal sein obs nun deutsch oder englisch ist.Und you will never walk alone fand ich auch nicht unpassend.
2.Sollte durch diese wie du sie nennst Sensations-Veranstaltung daran erinnert werden das "Fußball nicht alles ist"
3.Wie kommst du dazu dich über die Freunde, Kolegen und Fans auszulassen die sich in einem tollem Rahmen von Ihm verabschieden und vielleicht bedanken wollten, wohl wissend das es kein Unfall war

Ein bisschen mehr Respekt wär jedenfalls angebracht

Kanonier
00
17.11.2009, 14:10

96 alte Liebe natürlich!!

D-AUT 0-0 nach 30 j
00
16.11.2009, 23:27
fehlt es..usw.

an ihnen merkt man , welch verzerrten , kruden blick hier manche auf die deutsche gesellschaft haben. wahnsinn!

Heinz Böhönisch
00
16.11.2009, 09:55

Zwanziger sehr bewegend.

Marvin Stiefel
00
15.11.2009, 19:37
Ich glaube,

der Begriff "Zuschauer" ist in diesem Zusammenhang unpassend...

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