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15.11.2009 18:48

"Spontan bin ich wirklich nur im Strafraum"
Salzburgs Stürmer Marc Janko über das Nationalteam, die Öffentlichkeit und den Panzer, den er sich zugelegt hat - 1 Foto

Bad Tatzmannsdorf - Marc Janko hat sich ein wenig zurückgenommen. Obwohl er vor und nach einem Fußballspiel nie laut gewesen ist. Während einer Partie hört man natürlich regelmäßig von ihm, die Deutlichkeit hängt unmittelbar mit der Anzahl der geschossen Tore zusammen. Der Wunsch, kein gläserner Mensch zu werden, ist im Laufe der Jahre gewachsen. Und der 26-jährige Janko hat ihn sich selbst erfüllt. Nicht ganz, "aber so, dass meine Intimsphäre gewahrt bleibt. Man lernt das Geschäft kennen, ich habe zu einer gewissen Wurschtigkeit gefunden."

In den vergangenen Tagen hat er im Teamquartier in Bad Tatzmannsdorf Dokumentationen über den Selbstmord des Robert Enke gesehen. Janko war tief betroffen. "Auch wenn es ein spezieller Fall ist, und er offensichtlich krank war, denkt man nach. Über diese Parallelwelt, in der wir Fußballer leben." Vor ein paar Wochen ist einer von Jankos besten Freunden tödlich verunglückt, am Tag nach dem Begräbnis druckte eine Boulevardzeitung Bilder des am Friedhof trauernden Salzburg-Stürmers ab. "Da fragt man sich schon: Muss das sein? Ab wann ist man Teil der Öffentlichkeit?"

Rein und wieder raus

Janko hat Antworten gefunden. "Leg dir einen Panzer oder Schutzmantel zu, mache keine Homestorys, lasse die Öffentlichkeit nie zu nahe an dich ran. Sei freundlich, aber doch bestimmt." Janko über eine typische Situation: "Du betrittst einen Raum, dich kennen alle, und du kennst keinen. Da musst du dir sagen: Na und, bald bist du wieder draußen." Anderseits dürfe man nie vergessen, "dass man als Fußballprofi privilegiert ist. Es ist ein schöner Job."

Janko hinterlässt mitunter einen arroganten Eindruck. Dies sei Pech, entspreche nicht der Realität. "Privat bin ich herzlich, meine Freunde wissen das." In den nächsten Monaten könnte in Jankos Leben einiges passieren. Dass er bis 2014 bei Red Bull Salzburg unter Vertrag steht, "gibt mir ein Gefühl der Sicherheit". Im Sommer 2010 ist ein Transfer ins Ausland zumindest angedacht. "Ich bin einer, der alles genau überlegt. So schnell wie bei einem Maierhofer oder Hoffer geht es bei mir nicht. Spontan bin ich wirklich nur im Strafraum."

Janko ist mit seiner sportlichen Entwicklung prinzipiell zufrieden. Als Huub Stevens das Traineramt bei Red Bull Salzburg übernommen und die Spielweise des Schützenkönigs kritisiert hat, "war ich perplex. Da schießt du 39 Treffer, und dann kommt einer und behauptet, dass du dich ändern musst. Reflexartig habe ich mich aufgeregt." Monate später sagt Janko: "Recht hat er gehabt. Es ist meine Pflicht, auch defensive Aufgaben zu übernehmen." Salzburg hat in der Europa League alle vier Partien gewonnen. "Auch wenn es optisch nicht immer attraktiv war: Letztendlich zählt nur der Erfolg."

Freund und Vorgesetzter 

Am Mittwoch wird Janko in Wien gegen Europameister Spanien stürmen, in 13 Länderspielen hat er siebenmal genetzt.Teamchef Dietmar Constantini lobt Janko: "Er hat Anlagen von einem Weltklassespieler, das ist Fakt." Zur Causa prima im Fußball, zum Darben des Andreas Ivanschitz in Mainz, hat Janko eine Meinung: "Ich äußere sie aber nicht. Der Andi ist mein Freund, Constantini mein Vorgesetzter. Warum sollte ich mich bei einem der beiden ins Out spielen?"

György Garics wurde in Bad Tatzmannsdorf deutlicher, der Legionär von Atalanta kritisierte das Fehlen von Ivanschitz und plädierter für "härtere Zugangskriterien" bei Einberufungen. Frei nach Peter Pacult: Zweimal mit dem Hintern wackeln sollte nicht reichen. Constantini reagierte übrigens gelassen: "Warum soll einer nicht sagen dürfen, was er denkt? Trotzdem entscheide ich und trage die Verantwortung." Möglich, dass Janko mit Garics sympathisiert. Aber das gehört eindeutig zur Intimsphäre.

Spanien hat am Samstagabend in Madrid gegen Argentinien 2:1 gewonnen, die Furcht vor Österreich wird begrenzt sein. Janko weiß das und wird ein bisserl egoistisch. "Es ist eine Bühne, um sich zu präsentieren. Die Breitenwirkung bei so einem Spiel ist enorm." Abgesehen davon sei es stets eine Ehre, im Nationalteam zu kicken. "Klingt kitschig, ist aber so." Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit so einer Partie sei vernachlässigbar. "Man lebt doch für internationale Matches und nicht für den österreichischen Cup. Wobei ich den Cup nicht abwerten möchte." Das Klagen über Überbelastung und Wehwehchen gehöre abgestellt. "Wobei: Das Jammern steckt in jedem von uns. Auch in mir. Dagegen muss man ankämpfen." Privat und öffentlich. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 16.11.2009)

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