Wollen die Grünen wirklich in Wien mitregieren, ist noch viel Basisarbeit notwendig
Am Ende war ihnen ihr Recht auf Mitbestimmung dann doch ziemlich wurscht. Wochenlang trommelten die Grünen-Sympathisanten von der Plattform gruenevorwahlen.at, für wahre Erneuerung sei Öffnung notwendig und die grüne Parteispitze müsse bei der Listenerstellung so viele Nichtparteimitglieder wie möglich zulassen. 230 von 445 Bewerbern schafften schließlich den Sprung auf die Liste der Stimmberechtigten. Den Weg ins Austria Center fanden am Sonntag dann gerade einmal 100 Nichtparteimitglieder - darunter viele, die gar nicht über vorwahlen.at einen Unterstützungsantrag gestellt hatten.
Der Großteil der Vorwahlen-Aktivisten hatte offenbar Besseres zu tun, als an einem sonnigen Novembertag in einem fensterlosen Saal zu sitzen und sich stundenlang mehr oder weniger eloquent vorgebrachte Wahlkampfreden anzuhören. Das ist zwar verständlich, zeigt aber, dass die Grünen gut daran taten, die vermeintlichen Unterstützer nicht allzu begeistert aufzunehmen. Man setzte auf den vorderen Plätzen lieber auf die paar Profis, die man hat.
Allerdings wurde beim basisdemokratischen Abstimm-Marathon auch klar: Ganz unrecht haben die Vorwähler mit ihrem Ruf nach Erneuerung nicht. Ein Gutteil der Reden für die hinteren Plätze hörte sich an, als wäre in den letzten 20 Jahren nichts passiert - viel Öko, viel Binnen-I, wenig Konkretes. Wollen sich die Grünen wirklich als nächster Junior-Regierungspartner in Stellung bringen, ist da im nächsten Jahr noch viel Basisarbeit notwendig. (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 15.11.2009)