Nach den Kriegsdrohungen von Chávez gegen Kolumbien wurden nun vier venezolanische Soldaten in Kolumbien festgenommen - Chávez verweigert den Dialog mit dem Nachbarland
Puebla/Caracas - Die Spannung an der venezolanisch-kolumbianischen Grenze hält an. Am Wochenende nahm Kolumbien vier venezolanische Soldaten bei einem illegalen Grenzübertritt fest. In einer „Geste des guten Willens" würden die vier freigelassen und abgeschoben, teilte die kolumbianische Regierung mit. „Nichts wird unsere Freundschaft zum Brudervolk beeinträchtigen", fügte Präsident Álvaro Uribe hinzu. Die vier waren in zivil auf einem Fluss im Grenzgebiet unterwegs, hatten ihre Uniformen aber im Gepäck. Venezuelas Präsident Hugo Chávez, der vorigen Sonntag seine Landsleute dazu aufgerufen hatte, sich „auf den Krieg vorzubereiten", lehnte unterdessen jegliches Gespräch mit Uribe ab. Der Sozialist Chávez und der rechte Uribe sind ideologische Gegenspieler in Südamerika.
„Auch wenn mich der spanische König oder befreundete Präsidenten darum bitten - es gibt nichts zu bereden mit diesen Verrätern", sagte Chávez am Samstag. Uribe sei ein Vaterlandsverräter, ein Lakai des Imperiums. „Es ist ein Krieg gegen uns geplant, das US-Imperium bedroht uns." Damit erteilte er dem Vermittlungsversuch des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva eine Absage, der beide Staatschef zu einem Treffen in Manaus Ende November eingeladen hatte.
Eingefrorene Beziehungen
Kolumbien hatte wegen der „Kriegsdrohungen" von Chávez die Uno und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) angerufen. Die Beziehungen beider Nachbarländer sind seit Juli eingefroren wegen des jüngsten Militärabkommens Kolumbiens mit den USA. Der Vertrag sieht vor, dass die USA sieben Militärbasen in Kolumbien im Kampf gegen Drogenhandel und die Guerilla nutzen dürfen. Die USA haben mehrere hundert Soldaten und zivile Berater in Kolumbien stationiert.
Das jüngste Abkommen wurde geschlossen, nachdem die USA ihre Basen in Panama und Ecuador schließen mussten und weitet diese Zusammenarbeit deutlich aus. Chávez hält das Abkommen für eine Bedrohung der regionalen Stabilität. Auch im Rest Südamerikas hat es zu Beunruhigung geführt. Venezuela ist als fünftgrößter Erdölexporteur der Erde strategisch wichtig für die USA. Der erklärte Sozialist Chávez, der mit seinen Petrodollar in der Region eine antiimperialistische Allianz gegen Washington geschmiedet hat, ist den USA ein Dorn im Auge.
Die Krise spielt sich vor Wahlen in beiden Ländern ab. In Kolumbien wird 2010 der Präsident neu gewählt, und Uribe möchte gerne erneut antreten, was die Verfassung bisher aber verbietet. In Venezuela wird das Parlament neu gewählt, in dem Chávez Anhänger bisher dominieren. (Sandra Weiss, DER STANDARD, Printausgabe, 16.11.2009)