Verkehrspsychologin

"Eine Alkomatkontrolle ist immer noch ein seltenes Ereignis"

16. November 2009, 16:58
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    Die Dunkelziffer ist hoch: Auf eine entdeckte Alkofahrt kommen bis zu 589 unentdeckte, schätzen Experten

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    Verkehrspsychologin Bettina Schützhofer kritisiert: "Alkohol am Steuer ist in Österreich noch immer ein Kavaliersdelikt"

Auf eine entdeckte Alkofahrt kommen bis zu 589 unentdeckte - Verkehrspsychologin Bettina Schützhofer über Österreichs Defizite im Umgang mit Alkolenkern

"Ziel ist es Alkohol und Autofahren zu trennen. Ziel ist es nicht, alle zu Alkoholabstinenten zu machen", sagt Bettina Schützhofer, Verkehrspsychologin bei "sicher unterwegs". Die Rückfallhäufigkeit halbiert sich durch verkehrspsychologische Nachschulungen. Das ergaben regelmäßige wissenschaftliche Evaluierungen, zuletzt ein EU-Projekt, das sich Druid (Driving under the influence of alcohol, drugs and medicines) nennt. Gegenüber derStandard.at kritisiert Schützhofer Österreichs Scheinheiligkeit im Umgang mit Alkohol, zu seltene Alkomatkontrollen und die neue Regelung, dass auch psychologisch nicht geschulte Sanitäter mit Alkolenkern arbeiten dürfen.

Schuldbewusste Klienten

Mehr als die Hälfte von Schützhofers Klienten sind alkoholauffällige Lenker. Zur Nachschulung kommt man, wenn man erstmals mit mehr als 1,19 Promille oder innerhalb von fünf Jahren zwei Mal mit einer Alkoholisierung zwischen 0,8 und 1,19 Promille  im Straßenverkehr auffällig wird. Zur Nachschulung wird auch gebeten, wer zwei Mal innerhalb von zwei Jahren mit einer Alkoholisierung zwischen 0,5 und 0,8 erwischt wird – dabei handelt es sich um eine Nachschulung nach dem Vormerksystem. "Für Probeführerscheinbesitzer gibt es strengere Bestimmungen, die kommen schon ab 0,11 Promille zu uns", erklärt die Verkehrspsychologin.

Der typische Nachschulungsklient sei zwischen 35 und 45 Jahre alt ist. Denn das ist eine Altersgruppe, für die es noch keinen Probeführerschein gab. Dieser habe die Anzahl der jugendlichen Alkolenker reduziert, meint Schützhofer. Alkoholauffällige Lenker seien in der Regel schuldbewusst und nehmen die Nachschulung als Anlass, ihr Leben zu verändern. "Es gibt Klienten, für die bedeutet Freizeit: Stammlokal und Alkohol trinken. Sie sind am ächsten Tag oft verkatert und haben keine Energie für Familie, Sport oder Hobbies", sagt Schützhofer.

Die Nachschulung findet in der Gruppe statt. Es gibt vier Sitzungen, eine pro Woche, eine Sitzung dauert drei Stunden und 15 Minuten. Ziel ist es, in der Gruppendiskussion zur Selbstreflexion anzuregen und neue Verhaltensmodelle zu erarbeiten. "Die Gruppen sind sehr heterogen, ein Hilfsarbeiter sitzt neben einem Primararzt. Die Teilnehmer merken rasch, dass die Gründe, warum sie trinken sehr ähnlich sind und es viel Verbindendes gibt und sie voneinander lernen können", sagt Schützhofer.

"Ein Kavaliersdelikt"

Pro Jahr müssen zwischen 19000 und 20000 Menschen eine Nachschulung machen. Die Dunkelziffer sei jedoch sehr hoch, so Schützhofer: Auf eine entdeckte Alkofahrt kommen bis zu 589 unentdeckte. "In Österreich ist eine Alkomatkontrolle immer noch ein seltenes Ereignis. Es gibt Statistiken, dass Autofahrer alle 33 Jahren in Österreich einen Alkomattest machen müssen. Das ist in anderen Staaten anders", sagt Schützhofer. "Ich mache den Job seit zehn Jahren und ich habe einige tausend Alkolenker gesehen. Ich hatte noch keinen einzigen, der das erste Mal alkoholisiert gefahren ist", berichtet sie. Das bedeutet, dass viele Klienten oft über Jahrzehnte verfestigte Verhaltensmuster entwickeln.

Alkohol am Steuer sei für viele weiterhin ein Kavaliersdelikt. Das Problem ist: Je regelmäßiger und je mehr man trinkt, umso höher wird die Alkoholtoleranz. Schützhofer habe viele Klienten, die seit 25 Jahren regelmäßig alkoholisiert fahren. Jedoch oft nicht mit der Höhe an Alkoholisierung, mit der sie dann einen Unfall bauen oder auffällig fahren. "Wir haben Klienten, die zehn bis 15 Krügerl Bier getrunken haben. Wenn man nach so einer Hohen Alkoholmenge noch Autofahren kann, dann hat man das trainiert", sagt Schützhofer.

Gewohnheit und Restalkohol

Und es gebe gewisse Punkte, die sich wiederholen: "Zu 95 Prozent sind es sehr kurz Strecken, auf denen Unfälle passieren. Bei langen Strecken ist den Lenkern klar, dass sie diese nicht mehr schaffen." Auch Restalkohol ist ein wichtiges Thema. "Wir haben in fast jeder Gruppe einen Klienten, der mit dem Taxi nach Hause, jedoch am nächsten Tag mit dem Auto in die Arbeit gefahren ist. Der Klient hat meistens nicht damit gerechnet, dass der Alkoholspiegel noch so hoch ist", sagt Schützhofer. 

Ein gewisser sozialer Druck ist auch nicht selten dabei. "Es gibt Staaten, in denen Fahrgemeinschaften positiv beworben werden. Der Fahrer ist der Bob und bekommt sogar gratis anti-alkoholische Getränke im Lokal. Aber gerade in Österreich ist es oft noch negativ besetzt, wenn man nichts trinkt", sagt die Verkehrspsychologin.

Kritik an Coaching

Seit ersten September sind die neuen Regelungen für Verkehrscoaching gültig: Alkolenker, die mit 0,8 bis 1,19 Promille erwischt werden, sollen künftig zwei Stunden lang von Rettungssanitätern und zwei weitere Stunden von Psychologen ohne weiterführender verkehrspsychologischer Ausbildung geschult werden. Bisher war die Arbeit mit alkoholauffälligen Lenkern ausschließlich Verkehrspsychologen vorbehalten. "Verkehrspsychologen müssen eine lange postgraduelle Ausbildung absolivieren: Umso schockierender ist, dass nun per Gesetz auch nicht ausreichend qualifizierte Personen mit unserer Klientel arbeiten dürfen", kritisiert Schützhofer. Versuche, bei denen Rettungssanitätern Nachschulungen durchgeführt haben, sind in Europa bereits mehrmals gescheitert. Eine Schweizer Studie ergab, dass solche Kurse keinen Einfluss auf die Rückfälligkeit der Teilnehmer gezeigt haben.

Scheinheiligkeit

In Österreich gebe es eine gewisse Scheinheiligkeit bezüglich Alkohol am Steuer, sagt die Verkehrspsychologin. "Wir haben die 0,5 Promille-Grenze. Doch dadurch, dass wissenschaftlich so gut abgesichert ist, dass man schon ab 0,3 Promille beeinträchtigt ist, holen sich viele Versicherungen im Schadensfall das Geld im Regress zurück." Auch wenn eine Unfallursache auf eine so genannte "Minderalkoholisierung" zurückzuführen ist, kann man für schuldig befunden werden - und man kann schon unter 0,5 beeinträchtigt sein. "Die sicherste Variante ist, Alkohol und Autofahren strikt zu trennen", sagt  Schützhofer. (jus, derStandard.at, 16. November 2009)

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aH3
12.01.2010 14:38
wenn man wenig trinkt

und wenn man dann langsam fährt könnte man das Risiko eindämmen. Nur sagen darf man das auch nicht!
übrigens: mit 0,5 Promille könnte ich glaube ich nicht mehr fahren; an einem längeren Abend hatte ich ca. 3 Achtel Wein getrunken. Ich wurde promt aufgehalten. Plötzlich fühlte ich mich unsicher ob es nicht zuviel gewesen wäre. Ja ich mußte blasen: 0,8 Oje...nein ich hatte mich verlesen 0,08 !!!na dann...ich konnte weiterfahren. Ich dachte: wahrscheinlich ist die messung nicht besonders genau, aber ich wurde am anderen Ortsende nochmals aufgehalten und die Anzeige war genau gleich!
Also mit 0,5 Promille sollte man sehr, sehr langsam fahren...oder besser zu fuß gehen!

ich finde keinen namen
22.11.2009 23:52
jetzt war ja wieder die prämierung des jungen weines...

und im tv wurde mächtig werbung gemacht für die guten jungen weine aus österreich und die jugend wurde extra angesprochen und animiert jungen österreichischen wein zu trinken..
tja, wenn die wirtschaft aufruft zum alkoholkonsum - pardon jungen wein zu trinken aus österreich....
dann ist es korrekt.

Stephan Fadinger
22.11.2009 20:05
Was heißt hier eine Alkoholkontrolle ist selten???

Ein Polizeikontrolle überhaupt ist total selten:
Führerschein: 14 Jahre
Polizeikontrollen 4, davon mit Alokotest: 0!

Gefrierflügelverpacker
18.11.2009 16:17
So schauen dann die Kontrollen aus:

http://www.youtube.com/watch?v=OajSdkF9iH4

;))

Die Blume aus dem Gemeindebau
18.11.2009 14:08
Ich sag beim Planquadrat immer

dass mein Mann Inspektor ist. Dann lassen die mich in Ruhe weiterfahren.

tintifaxx
18.11.2009 12:02
mann solls nicht übertreiben

es ist halt wieder glühweinsaison ! die problemfälle werden sich auch bei höchststrafen nicht an die regeln halten. für alle duchschnittstrinker mit 2, 3 achterl gilt -hoffen nicht erwischt zu werden. zum glück sind die geräte ja kundenfreundlich und liegen auch bei 4 oder mehr "achterl" mit einigen glass wasser im grünen bereich - also unter 0,5. wenn es so bleibt kann ich zum glück beruihgt weitertrinken.

derPolizist 
18.11.2009 02:03

Mit ein bissl Interesse hätte die Redaktion auch ein Foto von einer Alkokontrolle in Österreich gefunden... schwach...

Der kleine Lord
18.11.2009 12:53
Wie denn?

Die sind doch so selten. :-)

ich bins nur
17.11.2009 21:49

Regress bei 0,3. Nie davon gehört. Kennt jemand einen solchen Fall?

OGG Vorbis  |  
17.11.2009 20:40
der knochenmann

legt viele km pro jahr zurück, wohl um all die alkoleichen einzusammeln, herr gscheidel hat genau erkannt wo die dunkelziffer hingehört, und barcardi adi nimmt regelmäßig das taxi...

DANKE für den unverhofften lacher! geile serie aus nick und inhalt, wie ich finde. ps @bacardi adi: übertreib's halt nicht, der alk hinterlässt nicht nur beim autofahren seine spuren!

nonori
17.11.2009 20:01
...bis zu 589 unentdeckte, schätzen Experten.

Grandios, solch genaue "Schätzungen"!

Knochenmann
17.11.2009 17:47

12 Jahre Führerschein.
750.000 gefahrene Kilometer.
Eine Alkoholkontrolle.

Papa Breitfuss 
17.11.2009 21:48
Positiv?

Herr Gscheidl 
17.11.2009 17:36

"Pro Jahr müssen zwischen 19000 und 20000 Menschen eine Nachschulung machen. Die Dunkelziffer sei jedoch sehr hoch, so Schützhofer"........machen in Wirklichkeit viel mehr eine Nachschulung?

Bacardi Adi
17.11.2009 17:22

Was ich gemerkt hab ist das viele am Land nicht 1-3 Std auf ein Taxi warten wollen und dann noch gleich viel bezahlen sollen wie sie versoffen haben.

Vielleicht sollte man da ansetzten statt mehr Kontrollieren.

PS mein Auto bleibt regelmäßig irgendwo stehen und ich fahr dann mit dem Taxi heim :)

Phinix3
17.11.2009 17:05
Erschreckend

Kenne persönlich mehrere Leute die mehr oder weniger betrunken Auto fahren und das finde ich absolut verwerflich.
Meiner Meinung nach müsste wirklich ein Alkomat in jedes Fahrzeug eingebaut werden und solange man mehr als 0,5 Promille hat, springt das Auto nicht an.

tintifaxx
18.11.2009 12:02

mit solchen aussagen braucht man wirklich nichts mehr zu trinken - da hat man es schon ohne alkohol lustig

vis comica
17.11.2009 18:40

super - eine neue Einnahmequelle für Leute die in Grinzing nüchtern bleiben und von Auto zu Auto blasen gehen (na ja, auch eine Form von Strassenstrich)

marty fink
17.11.2009 16:32
Hab noch bei keinem Planquadrat

ins Röhrl oder den Automaten pusten müssen!

blasmal
17.11.2009 16:18
...erfahrungen

..also ich habe schon mehrmals jetzt storys gehört ( von freunden) die betrunken gefahren sind ( find ich eigentlich scheisse) ..eine kontrolle hatten und mit 0,0 promille davongekommen sind, also scheinbar sind die testgeräte eher sehr fehler anfällig

Henry Flower
17.11.2009 16:11
ca. 9 jahre schein,

noch keine alkkontrolle.

eine verkehrskontrolle am rande einer bezirksstadt um mitternacht, aber da hats dem beamten gereicht sich sehr nahe vor mir aufzubauen, wahrscheinlich um eine eventuelle fahne zu beurteilen.

Daniel Reisinger 
17.11.2009 18:55

Seit 10 Jahren den Führerschein und hatte ausnahmslos bei jeder Verkehrskontrolle auch eine Alkkontrolle!! Glaub alleine im letzten Jahr 5 mal!!

1116er
17.11.2009 15:44
20.000 machen die nachschulung. auf jeden davon kommen ca. 600 unentdeckte

dh. ca 12 mio alkfahrten.

um ein vielfaches wird diese große zahl aber übertroffen von denjenigen, die wie besoffen fahren, obwohl sie nicht einen einzigen tropfen getrunken haben!

helge schneider
17.11.2009 15:29
Auf eine entdeckte Alkofahrt kommen bis zu 589 unentdeckte

wenn man diese (wissenschaftlich natürlich absolut unhaltbare) aussage ernst nimmt müsste JEDER beim 590.mal erwischt werden.

also löst sich das problem bei jedem alkolenker nach 589 tagen oder weniger, kommt darauf an wie oft er fährt.

man könnte auch in jedes auto einen gsm-gps-alkomaten einbauen, dann könnte man jede dieser 589 wahnsinnsfahrten verhindern.

oder autos UND alkohol abschaffen.

na dann prost, ihr profistatistiker und unbelehrbare weltverbesserer.

Blutarsky
17.11.2009 15:15
Kompetent

Frau Schüthofer habe ich als äusserst kompetente Expertin kennengelernt. Der Standard hätte keine bessere Meinung einholen können.

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