Heute steigt die entscheidende Metallerrunde - Scheitern die Gespräche, gibt es am Dienstag einen Arbeitskampf
Wien - Dass der Lohnabschluss des traditionell bescheideneren Metallgewerbes der mächtigen Metallindustrie je ein Vorbild sein würde, war bis zum Wochenende unvorstellbar. Neuerdings sind die 1,45 Prozent Erhöhung für Ist- und Kollektivvertragslöhne im Gewerbe sogar erstrebenswert.
Dem Vernehmen nach liegt das Angebot der Arbeitgeber rund um Leitz-Chef Hermann Haslauer für rund 170.000 Metallarbeiter und Industrieangestellte sogar unter dem Gewerbe-KV - und ist damit unannehmbar für Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer und Privatangestelltengewerkschafter Karl Proyer.
Ungehalten, gereizt, ratlos
Dementsprechend die Laune nach dem 19-stündigen Verhandlungsmarathon, der bis Samstagmorgen dauerte. Beide Seiten sind ungehalten, gereizt und ratlos, wie das Patt aufzulösen sei. "Es ist zum Verzweifeln", hieß es am Sonntag auf beiden Seiten. Um Ernsthaftigkeit und guten Willen zu demonstrieren, haben die Gewerkschafter ihren ersten Warnstreik auf Dienstag verschoben. Fixiert sind auch Betriebsversammlungen, in denen die Vorgangsweise fixiert wird.
Dass es den Betriebsräten ernst ist, zeigt sich an Überstunden-Boykotts, die ab heute, Montag, in einigen Unternehmen beginnen. Sie könnten den Schichtbetrieb in Gefahr bringen - was wiederum die Arbeitgeber auf die Palme bringt. "Die sollen froh sein, dass es Aufträge und Arbeitsplätze gibt", sagt ein Unternehmer, der nicht genannt werden will, kopfschüttelnd zum STANDARD. "Nach der Kurzarbeit kommen sowieso Kündigungen." 11.000 Arbeitsplätze sind bereits weg, davon mehrheitlich Leiharbeitsplätze.
Neuer Fahrplan zeichnet sich ab
"Die zwingen uns ja zum Streiken", kontert Gewerkschafter Wimmer. Er hat nach 60 Stunden Verhandlungen wohl die Entkopplung von Arbeitszeit und Lohnrunde erreicht, sieht sich jetzt aber mit Daumenschrauben bei den Prozenten konfrontiert.
Nach dem Kompromiss vom Freitag sieht der Fahrplan so aus: Bis März wird über den Entfall von Überstundenzuschlägen und die von den Arbeitgebern verlangte Verlängerung des Durchrechnungszeitraums für Überstunden gestritten. Ab Mai soll die neue Regelung in Kraft treten. Als Opferlamm auf dem Altar des sozialen Friedens gilt der "Nürnberger-Strafzuschlag", ein 25-prozentiger Aufschlag auf jene Überstunden, die innerhalb des einjährigen Durchrechnungszeitraums nicht verbraucht werden können und deshalb ausgezahlt werden müssen. Dieser Zuschlag kommt in Zeiten der Wirtschaftskrise praktisch nicht zur Anwendung. Ein Verzicht würde daher kaum jemandem wehtun.
Dieses Paket könnte angesichts der angebotenen Mini-Lohnerhöhung nun wieder aufgeschnürt werden. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.11.2009)