Nachlese

"Es ist zum Verzweifeln"

16. November 2009, 09:21
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    foto: apa/dpa/patrick pleul

    Bisher wurde 60 Stunden verhandelt, heute könnte es zu einem Durchbruch kommen.

Heute steigt die entscheidende Metallerrunde - Scheitern die Gespräche, gibt es am Dienstag einen Arbeitskampf

Wien - Dass der Lohnabschluss des traditionell bescheideneren Metallgewerbes der mächtigen Metallindustrie je ein Vorbild sein würde, war bis zum Wochenende unvorstellbar. Neuerdings sind die 1,45 Prozent Erhöhung für Ist- und Kollektivvertragslöhne im Gewerbe sogar erstrebenswert.

Dem Vernehmen nach liegt das Angebot der Arbeitgeber rund um Leitz-Chef Hermann Haslauer für rund 170.000 Metallarbeiter und Industrieangestellte sogar unter dem Gewerbe-KV - und ist damit unannehmbar für Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer und Privatangestelltengewerkschafter Karl Proyer.

Ungehalten, gereizt, ratlos

Dementsprechend die Laune nach dem 19-stündigen Verhandlungsmarathon, der bis Samstagmorgen dauerte. Beide Seiten sind ungehalten, gereizt und ratlos, wie das Patt aufzulösen sei. "Es ist zum Verzweifeln", hieß es am Sonntag auf beiden Seiten. Um Ernsthaftigkeit und guten Willen zu demonstrieren, haben die Gewerkschafter ihren ersten Warnstreik auf Dienstag verschoben. Fixiert sind auch Betriebsversammlungen, in denen die Vorgangsweise fixiert wird.

Dass es den Betriebsräten ernst ist, zeigt sich an Überstunden-Boykotts, die ab heute, Montag, in einigen Unternehmen beginnen. Sie könnten den Schichtbetrieb in Gefahr bringen - was wiederum die Arbeitgeber auf die Palme bringt. "Die sollen froh sein, dass es Aufträge und Arbeitsplätze gibt", sagt ein Unternehmer, der nicht genannt werden will, kopfschüttelnd zum STANDARD. "Nach der Kurzarbeit kommen sowieso Kündigungen." 11.000 Arbeitsplätze sind bereits weg, davon mehrheitlich Leiharbeitsplätze.

Neuer Fahrplan zeichnet sich ab

"Die zwingen uns ja zum Streiken", kontert Gewerkschafter Wimmer. Er hat nach 60 Stunden Verhandlungen wohl die Entkopplung von Arbeitszeit und Lohnrunde erreicht, sieht sich jetzt aber mit Daumenschrauben bei den Prozenten konfrontiert.

Nach dem Kompromiss vom Freitag sieht der Fahrplan so aus: Bis März wird über den Entfall von Überstundenzuschlägen und die von den Arbeitgebern verlangte Verlängerung des Durchrechnungszeitraums für Überstunden gestritten. Ab Mai soll die neue Regelung in Kraft treten. Als Opferlamm auf dem Altar des sozialen Friedens gilt der "Nürnberger-Strafzuschlag", ein 25-prozentiger Aufschlag auf jene Überstunden, die innerhalb des einjährigen Durchrechnungszeitraums nicht verbraucht werden können und deshalb ausgezahlt werden müssen. Dieser Zuschlag kommt in Zeiten der Wirtschaftskrise praktisch nicht zur Anwendung. Ein Verzicht würde daher kaum jemandem wehtun.

Dieses Paket könnte angesichts der angebotenen Mini-Lohnerhöhung nun wieder aufgeschnürt werden. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 104
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Rea List
11
16.11.2009, 16:03
na super

während die streiken, muss wenigstens der steuerzahler nicht ihre kurzarbeit subventionieren.

also dann ...
00
16.11.2009, 14:11
f a t a l e lohn-drückerei ... wie wahr : siehe ftd.de.

http://www.ftd.de/politik/k... 18349.html

Wahl 09
30
16.11.2009, 12:50

diese jährlichen verhandlungen sind nichts anderes als eine schmirenkomödie, die dazu gedacht ist uns sand in die augen zu streuen.

arbeitnehmer können niemals dauerhaft über dem marktpreis bezahlt werden. alles andere ist eine illusion. speziell die gewerkschaft kann dieses eherne gesetz nicht aufheben.

das einzige das die gewerkschaft macht ist den profiteuren ihrer lobby mehr zuzuschanzen auf kosten derjenigen die arbeitslos sind und durch die nach oben verzerrten löhne keine chance auf anstellung haben.
als entschädigung und bestechung werden die arbeitslosen mit arbeitslosengeld abgespeist, damit sie schön ruhig bleiben...

Childerich von Bartenbruch
03
16.11.2009, 13:27
alles klar! und einen zusammenhang ...

... zwischen der arbeitgeberforderung nach verbilligung und ausweitung der überstunden und der ankündigung, dass es kündigungen geben wird, sehen sie natürlich nicht. weil an der arbeitslosigkeit muss ja die gewerkschaft schuld tragen, nicht?

ihnen scheint nicht ganz klar zu sein, dass billige und flexible überstunden der in arbeit stehenden zusätzliche arbeitslosigkeit geradezu logisch herausfordert.

Wahl 09
10
16.11.2009, 14:26

na klar, wenn wir alle nur 5 stunden arbeiten würden, bräuchten wir mehr arbeitskräfte. ob aber die arbeitnehmer irgendetwas davon haben sei dahingestellt.

gewerkschaften und ihre nicht marktkonformen vorstellungen steigern umgesetzt die arbeitslosigkeit. das ist ganz einfach ein faktum, ob ihnen das nun gefäll oder nicht ist dabei irrelevant. die schwerkraft ist auch ein faktum, auch wenn sie vielleicht gerne fliegen können würden. die schwerkraft wird sich von ihrem wunsch nicht beeindrucken lassen.

Childerich von Bartenbruch
00
16.11.2009, 16:01
die schwerkraft mit den "gesetzen der marktwirtschaft" zu vergleichen, ...

... zeigt, dass sie ein marktFUNDAMENTALIST sind, der der menschlichen gesellschaft jegliche gestaltungsmöglichkeit abspricht. sie GLAUBEN scheinbar an von menschen geschaffene "gesetze", als seien sie naturgegeben. (wenn dem nicht so ist, so noch schlimmer: sie geben vor zu glauben.)

es gab übrigens auch in den "naturwissenschaften" zeiten, in denen als FAKTUM galt, was heute allgemein als absurde vorstellung gilt.

Wahl 09
00
16.11.2009, 18:25

das gesetz von angebot und nachfrage ist nicht menschengeschaffen. und sie können nicht unabhängig vom marktpreis bezahlen. es geht nicht. und wenn sie sich auf den kopf stellen - sie werden es nicht schaffen.

erhöhen sie die löhne - also steigt der marktpreis der arbeit, steigt eben das preisniveau und es gibt höhere arbeitslosigkeit um sich an den marktpreis der arbeit anzupassen. man kann sich wünschen das es nicht passiert, aber es wird nichts helfen.

jane doe2
00
16.11.2009, 12:47

Wollten die Pensionisten nicht 1,9% und bekommen sie nich 1,5% anstandslos???

Elfmeter
10
16.11.2009, 12:38
Endlich einmal dürfen die Gewerkschafter zeigen,....

..... für was sie tatsächlich taugen. Ich befürchte nur, dass ihre volle Bäuche nicht geeignet sind, sich in das Berufleben ihrer Schäflein hinzufühlen. Denn erstens ist ihnen das Arbeiten selber fremd, zweitens wissen sie gar nicht, wie 800,- netto wirklich ausschauen.

jane doe2
02
16.11.2009, 12:11

Also wenn ich nicht total daneben liege, und mich mein Erinnerugnsvermögen nicht komplett im Stock läßt, dann wollten die Pensionisten erst mal 1,9%, und bekommen nun vorbehaltslos 1,5%! Die Beamten haben nicht mal eine Krise, und denken vermutlich an eine Erhöhung von über diesen 1,9%!

So, und jetzt kämpft das normal arbeitende Volk darum, dass es mehr als 1,1 mit Einmahlzahlung 1,4% bekommt.

Bin ich im falschen Film? Hier läuft doch etwas total aus dem Ruder!

immofuchs
51
16.11.2009, 11:28
Klarstellung

Arbeitnehmer sind für Unternehmen ein Kostenfaktor.
Um Kosten zu senken / niedrig zu halten wird jedes Argument recht sein.
Gewerkschaften können also maximal "erkämpfen", was die Unternehme(r)n für angemessen halten.
Wirklich sinnvolle gewerkschaftliche Ziele wären Stipendien an Eliteerziehungseinrichtungen und Bildungsschwerpunkte die nicht auf Massenniveau hängen bleiben sondern zu Spitzenleistungen qualifizieren

Michail Bakunin
010
16.11.2009, 12:08

ArbeitnehmerInnen sind in erster Linie einmal Menschen und kein Humankapital, das man einfach so auf den Müll schmeißen kann, wie`s einem gerade mal gefällt.

Wir können das auch gerne mal umdrehen: Wer produziert die ganzen Dinge, die wir zum Leben brauchen? Wer baut die Häuser, die Transportmittel, stellt die Kleidung und Nahrung her, sorgt für Bildung und Kinderbetreuung? Die Bankster, Bosse und Bürokraten sind das sicher nicht. Vielleicht haben ArbeitnehmerInnen irgendwann einmal keine Lust mehr, sich diesen Kostenfaktor weiter zu leisten?

Löhne sind also (unzumutbare) Kosten für ein Unternehmen? Was rechtfertigt dann die horrenden Dividenden, die den Unternehmen Jahr für Jahr entzogen werden?

immofuchs
03
16.11.2009, 12:34

1.) Selbstverständlich sind Arbeitnehmer Menschen. Das bestreitet ja keiner.
2.) Das mit der Produktion/Dienstleistung müssen Sie schon differentieren, oder wissen Sie zu wieviel % Ihre Einkäufe aus österr. Prod. kommen?
3.) Die zitierten Bankster und Bosse sind normalerweise Angestellte, die genauso einen Platz im Produktionszyklus haben wie jeder Arbeiter auch.
4) Löhne = Kosten! von unzumutbar werden Sie in meinem post nichts lesen, (real wird der Druck auf die Arbeitnehmer erhöht, bis die Arbeit unzumutbar ist)
5.) Dividenden/Kapitalentnahmen sind ein Megaproblem, deren effiziente Besteuerung m.E. der einzige Weg zur Entlastung des Faktors Arbeit ist

Urfahraner Auge
00
16.11.2009, 12:41
Zum letzten Punkt:

Das Megaproblem sehe ich darin, dass unser Wirtschaftssystem auf Wachstum ausgerichtet ist, aber keiner so recht weiß, wie man in einer auf hohem Niveau stagnierenden Wirtschaft den Wohlstand gerecht verteilen kann.

El Chó
24
16.11.2009, 11:07

Die Arbeitnehmer jetzt mit Mini-erhöhungen abzuspeisen ist volkswirtschaftlicher Schwachsicnn der Sonderklasse. Wenn die staatlichen Konjunkturspritzen aufhören zu wirken, werden wir den Konsum brauchen, um nicht tief in die Rezension zu rutschen. Und wer hat die höchste Einkommenselastizität? Kleinverdiener.

Auch wenn das gegen meine eigenen Interessen wäre- Gehälter bis sagen wir mal € 1.800,- netto sollten großzügig erhöht werden- das geht direkt in den Konsum. Höhere Gehälter können dann ruhig eine Nullohnrunde einlegen und ihre Sparquote eben nicht weiter anheben.

Ich bin immer wieder fassungslos, wie wenig volkswirtschaftliches Grundverständnis bei vielen Unternehmensvertretern herrscht...

Urfahraner Auge
00
16.11.2009, 12:36
Nicht nur bei Unternehmensvertretern ...

der worte freiheit keine grenzen
30
16.11.2009, 11:19
Was für ein Blödsinn .....

sie nehmen sich ja auch keinen Kredit auf nur um mehr auszugeben und damit die Konjunktur anzukurbeln ....

Urfahraner Auge
01
16.11.2009, 10:42
Streik ja,

aber wegen der tausenden verlorenen Arbeitsplätze. Die sollten eher das Thema der Verhandlungen sein.

dahofawors
12
16.11.2009, 10:14
"Die zwingen uns ja zum Streiken"

na, vielleicht wollens des, kommt dann billiger für die unternehmen, wenn produktionslücken durch fehlende auftragslage durch die gewerkschaften bezahlt werden.

in zeiten von wirtschaftlichen krisen ist streik vielleicht kein so gutes druckmittel?

vielleicht gibts was besseres? arbeitszeitverkürzung?

Putin Okotie
30
16.11.2009, 09:26
Ja bitte streikts

und setzts der momentan schwachen wirtschaft noch eins drauf

HotDoc
00
16.11.2009, 14:34

wirtschaft is ein kreislauf und wenn der kreislauf auf einer seite gestoppt wird schauts bei der anderen auch schlecht aus.

Ernst Guevara
112
16.11.2009, 06:40
interessant

"Nach der Kurzarbeit kommen sowieso Kündigungen." 11.000 Arbeitsplätze sind bereits weg, davon mehrheitlich Leiharbeitsplätze."

ich kann mich noch gut erinnern, wie die unternehmer den arbeitnehmern die kurzarbeit schmackhaft machen wollten, mit der behauptung, dass dadurch die arbeitsplätze gerettet würden. welche überraschung, dass sich das als lüge der unternehmer herausstellt. naja, die gesellschaft leidet scheinbar am kollektiven stockholm-syndrom. es ist völlig egal, was die geiselnehmer von der industrie verbrechen, die menschen identifizieren sich trotzdem mit ihren geiselnehmern. auch der ÖGB ist leider viel zu zahm und lässt sich von den terroristen aus der wirtschaft an der nase herumführen.

Childerich von Bartenbruch
00
16.11.2009, 13:33
ja, die erinnerung!

es wurde ja auch jahrelang erzählt, dass leiharbeitsfirmen ihre existenzberechtigung und damit das mitschneiden am lohnkuchen aus der unabhängigkeit vom tatsächlichen arbeitgeber begründen. nun haben wir natürlich die einzig logische folge gesehen, nämlich, dass die leiharbeitsfirmen die ersten sind, die ihre arbeitnehmer kündigen. kann ja auch gar nicht anders gehen, wenn ich nix produziere und exklusiv von der arbeitskraft anderer lebe.

express55
22
16.11.2009, 11:05

Haben Sie in Ihrer beschränkten Welt eigentlich irgendeine Ahnung, wieviele Arbeitsplätze durch die Kurzarbeit zumindest befristet erhalten wurden?
Hätten Sie lieber gleich Kündigungen gehabt?

Wir sind die Guten!
01
16.11.2009, 11:50
das ist so hintenrum gedacht, dass es einem die Sprache verschlägt!

zuerst die Rahmenbedingungen schaffen, dass Arbeitsplätze bloß als Kostenfaktor angesehen werden (dürfen) und dann sich positiv darauf beziehen und sagen, wenn es kostet, gehts halt nicht anders! Unternehmen müssten für die schaffung von arbeitsplätzen von denen man leben kann, belohnt und nicht bestraft werden!

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