Bundeskanzler nennt Juncker und Van Rompuy als Favoriten für EU-Spitze - Außenpolitik-Agenden dürften dafür an Labour gehen
Wien - Bundeskanzler Werner Faymann glaubt offenbar nicht daran, dass seine beiden Amtsvorgänger Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer tatsächlich bei der Vergabe von EU-Spitzenposten mitmischen können.
Einem Bericht des Nachrichtenmagazins Profil zufolge ist Gusenbauer aber sehr wohl noch als möglicher Ratspräsident im Gespräch.
Gegenüber der Tageszeitung "Österreich" (Sonntag-Ausgabe) sagte Faymann laut einer Vorausmeldung von Samstagabend: "Ich würde mich sofort für beide vehement engagieren, wenn sie genannt werden und Chancen haben - aber das ist derzeit definitiv nicht der Fall."
Die Entscheidung fällt kommenden Donnerstag bei einem Sondergipfel in Brüssel.
Schüssel als Ratspräsident gehandelt
Schüssel wurde in den vergangenen Tagen als möglicher Ratspräsident gehandelt, Gusenbauer als EU-Außenbeauftragter. Schüssel wurde ein gutes Verhältnis zur deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) attestiert, während sich für Gusenbauer vor allem die einflussreichen spanischen Sozialisten stark gemacht haben sollen.
Faymann: Gusenbauer nicht genannt
Faymann winkte gegenüber "Österreich" jedoch ab: "Ich schätze Alfred Gusenbauer besonders, aber er wurde in den Gesprächen bisher kein einziges Mal als Kandidat genannt, auch nicht von unseren spanischen Freunden. Gusenbauer ist definitiv kein Kandidat, weil er ja kein Kommissars-Amt hat, das dafür Voraussetzung wäre."
Dasselbe gelte für Schüssel, so der Bundeskanzler: "Auch für Schüssel gibt es enorme Wertschätzung von allen Seiten, aber er ist definitiv nicht als Kandidat genannt."
Als Favoriten für die EU-Spitze (Ratspräsident) nannte Faymann Kandidaten aus dem christdemokratischen Lager, namentlich den belgischen Ministerpräsidenten Herman van Rompuy ("ein Mann des Ausgleichs") und Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, "der viele Anhänger hat".
Bei der Besetzung des "Hohen Beauftragten für EU-Außenpolitik" sieht Faymann dafür einen Labour-Politiker als Favoriten. "Hier gibt es in unserem sozialdemokratischen Lager sehr viele Sympathien dafür, dass diesen Posten ein Vertreter der britischen Labour-Partei besetzt." Der britische Premier Gordon Brown habe angekündigt, seinen Vertreter am Dienstag in einem Telefonat zu benennen, meinte Faymann. (APA)