Mensch und Technik

"Ein PC muss so einfach wie ein Toaster zu bedienen sein"

14. November 2009, 13:39
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    foto: ibm

    IBM-Trendforscher Moshe Rappoport

IBM-Trendforscher Moshe Rappoport freut sich über digitalen Aha-Effekt

Rund 60 Jahre nach Beginn des Computerzeitalters ist die IT generationsübergreifend in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Zu diesem Schluss kommt der Technologieforscher Moshe Rappoport, Executive Technology Briefer bei IBM Research Zürich, im Interview in Rüschlikon. "Im Prinzip hat es bis heute gedauert, dass jeder versteht, was man mit einem Computer alles machen kann. Dafür werden wir jetzt Zeuge eines ungeahnten digitalen Aha-Effekts, der stark von den Entwicklungen im Smartphone- und Mobiltelefonbereich beeinflusst wird", erklärt Rappoport.

PC so einfach wie Toaster

Die mobilen Alleskönner mit ihren intuitiv zu benutzenden Interfaces sieht der langjährige IBM-Forscher durchaus als Vorbilder für die klassische Computerindustrie. "In Wahrheit muss der PC der Zukunft so einfach wie ein Toaster zu bedienen sein. IT sollte so zugänglich sein, dass ältere und jüngere Bevölkerungsschichten die Technologie gleichsam nutzen können und Spaß daran haben. In der aktuellen Smartphone-Begeisterung über alle Alters- und sozialen Grenzen hinweg ist diese Entwicklung bereits vorweggenommen", zeigt sich Rappoport erfreut.

An den Innovationsprozessen der IT-Branche gehen diese Entwicklungen ebenfalls nicht spurlos vorüber. Fanden innovative Entwicklungen früher von den Forschungslabors über Business-Anbieter ihren Weg in die soziale Welt, verläuft der Entstehungsprozess heute vielfach mit umgekehrten Vorzeichen. "Heute ist es die soziale Welt, die Technologie-basierte Lösungen von Businesses und Forschungsinstituten einfordert. Angesichts der globalen Herausforderungen, denen wir auf unserem Planeten gegenüberstehen - vom Klimawandel bis zur demografischen Entwicklung - sind zudem Innovationen gefragt, die unsere Welt zum Besseren verändern und das Leben der Menschen erleichtern können", ist Rappoport überzeugt.

Grundstein für Technologieinnovationen

Mit über 3.000 Beschäftigten und acht Forschungszentren zählt die 1945 gegründete IBM Research zu den größten Forschungseinrichtungen der IT-Branche. IBM zufolge geht es im eigenständigen Forschungszweig neben der wissenschaftlichen Arbeit vor allem um nachhaltige und langfristige Investitionen, die den Grundstein für zukünftige Technologieinnovationen legen sollen. "Als IBM Anfang der 90er Jahre kurzzeitig in seiner Existenz bedroht war, war sicher auch der Gesamtfokus des Konzerns stärker auf die unmittelbare Wirtschaftlichkeit ausgelegt", räumt Rappoport ein.

"Bei IBM Research sind wir heute jedoch längst wieder zu unseren Wurzeln zurückgekehrt. So verfolgen wir neben anwendungsnahen Forschungsvorhaben auch eine Reihe von Ansätzen, die etwa in der Gesundheits-, Energie- oder Wasserversorgung bahnbrechende Innovationen versprechen, von denen die ganze Welt profitieren könnte." Angesichts der unüberschaubaren Breite und Tiefe, die der IT-Bereich in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt habe, werde es für Forschungseinrichtungen wie Unternehmen allerdings zunehmend wichtig die relevanten Zukunftsthemen zu erkennen.

Schnelles Geld als Sackgasse

"Wenn man sich nur auf einzelne Technologien oder Business-Modelle stützt, die heute lukrativ sind, und bei diesen verharrt, läuft man längerfristig unweigerlich Gefahr, die falschen Produkte und Services zu entwickeln. Wenn man aber Innovationen zutage fördert, die sich an den Bedürfnissen der Wirtschaft und Gesellschaft orientieren und nicht nur am vorderhand technologisch Möglichen, wird sich das langfristig gesehen auch im geschäftlichen Erfolg eines Unternehmens widerspiegeln. Dies ist eine veränderte Sicht auf Innovation. Ich denke, wir stehen hier vor einem wichtigen Wendepunkt", folgert Rappoport.

(pte)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 165
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mondaen
00
16.11.2009, 18:09

wird euer toaster überwacht?

Cereal Killer
 
00
16.11.2009, 10:26

hat euer toaster denn auch die tasten 'ctrl'+'alt'+'del'?

ErikDerWikinger
02
16.11.2009, 09:21
Ein Computer ist kein Toaster

Ein Toaster ist genau für 1-2 Funktionen vorgesehen und gebaut. Dasselbe gilt für alle anderen Haushaltsgeräte.
Die Funktion eine Computers ist nicht so eindeutig. Damit kann man so viele Sachen machen, dass ein Reduktion auf ein paar Funktionen schlicht und einfach nicht sinnvoll ist.

Christian90
00
16.11.2009, 11:53

und so stell ich mir das vor: in zukunft wird sich der "personal computer" auf einen "browser" reduzieren lassen und sämtliche applikationen werden web basiert sein. wireless lan wird überall zur verfügung gestellt wie heute der radio empfang. ich hoffe auch stark, dass fernsehn, radio und internet verschmelzen in einem gerät "so einfach wie ein toaster" (nur schneller). die "fernbedienung" sollte was touchscreen mässiges in einem etwas kleineren tastaturformat werden.

ErikDerWikinger
00
18.11.2009, 13:03
Die Browser-basierten

Applikationen werdenaber auch mehr haben als einen Programmschalter plus ein/aus.

Christian90
00
18.11.2009, 13:20

zugegeben der toaster vergleich ist auch nicht besser als die autovergleiche - ich glaube aber beim toaster vergleich geht es mehr darum: vermutlich muss kaum jemand eine betriebsanleitung lesen um zu kapieren wie er ein getoastetes brot bekommt. wie man dann seinen toast verbessert (z.b. nutella drauf schmiert), ist zumindest für manche schon eine komplexe aufgabe. der pc sollte demnach so intutiv sein, dass ich es schaffe meine hardware zu verwenden ohne, dass ich mir um ein os, treiber, usw. sorgen machen muss. was ich dann mit dem browser (um bei meinem gedanken zu bleiben) mache ist so offen wie das was ich mit meinem toastbrot mache (und vielleicht baue ich ja ein kunstwerk aus toastbrot)

Nickless
22
15.11.2009, 14:28
Erst wen Lehrkörper die Möglichkeiten des PC verstehen werden wir neuargige Education erleben.

Vorher werden die Kids den Lehrern diese Geräte zu nutzen erst beibringen müssen, befürchte ich.

Wer sich im Web umschaut finden schon Ansätze für jegliche Bildung bis hin zum Atombombenbau - nicht daß das gut wäre - aber der österreichische Lee(h)rkörper besteht auf langweilenden Frontunterricht.

Themen sind verzopft und Leistngsfremd. Wer einige Addiotionen und Saldierungen vornimmt verwendet einen Taschenrechner und wer sich über Literatur kundig machen will, findet über jeden Autor die Vita.

Wie ist dieses Wunder möglich fragen Lehrkörper - im WEB rufen die Kids zurück und lachen.

Kids, Grundlagen sind wichtig - fast so bedeutsam wie eure Kreativität - erfindet eine neue Welt - die alte ist krankhaft verpolitisiert.

Rene Stangeler
04
15.11.2009, 22:49
Na, klar

wenn sich jemand über den Lebenslauf und das Werk eine Autors im Web kundig macht hat er Ahnung über das Werk. Sicher wozu etwas selbst lesen, sich eine Meinung über das Werk bilden, es selbst interpretieren wenn es vorgekaut im Web abrufbar ist.

Ich kenne Kinder die schon in der Volksschule Taschenrechner verwenden durften. Allerdings erkennen diese nicht dass das Ergebnis einer Addition nicht stimmen kann weil sie kein Gefühl für Zahlen entwickelt haben und nicht merken dass das Ergebnis das Resultat einer irrtümlich doppelt eingebenen Zahl ist. Wenns der Rechner anzeigt dann muss es stimmen.

Wie es scheint können sie zwischen Informationszugang (früher halt Bücher, heute das Web) und Wissensaneignung nicht unterscheiden.

Sofort am Ort
13
15.11.2009, 20:01
Falsch gedacht

Sie liegen komplett falsch: im Web ist derart viel Schrott, dass sich die Kids nur in den allereinfachsten Fällen etwas auf diese Weise selbst beibringen können. For allem in Foren wird der größte Unsinn verzapft. Das heißt nicht, dass ich Frontalunterricht gut heiße. Aber zu sagen: "schauts im Web nach" funktioniert nur selten.

Christian90
01
16.11.2009, 15:50

... also im web lernt man schnell eben nicht jeden schmarren zu glauben ...

E. Pagliacchi
00
15.11.2009, 17:36

Der beste Unterricht ist nach wie vor frontal. Für mich ist es ein Genuss, einem frei sprechenden Zeitgenossen zuzuhören, der es versteht, seine Sprache und Stimme einzusetzen, und der seine Zuhörer beim Reden anschaut und auf Regungen reagiert. Nebenbei viell ein bisschen Medienmix als kleine Würze, mehr nicht.

Das, was ich im Umgang mit der IT sehe, ist: der Vortragende versteckt sich hinter dem Bildschirm und langweilt die Zuhörer mittels Powerpoint, indem er sein Skript auf die Folien schreibt und dann mit dem Kopf zur Leinwand meist stotternd irgendwelche Abkürzungen vorliest. Hauptsache: intensiver Medieneinsatz! Die Kultur dazu lautet: nicht der Mensch, sondern das Werkzeug steht im Vordergrund. Hinter dem ist gut Munkeln.

Al Borland
01
15.11.2009, 16:54

Na dann fragen Sie mal nach wie groß der Schüleranteil ist, der sich tatsächlich selbständig neue Kenntnisse aus dem Web aneignen kann und will.

Den meisten ist es nämlich schon zu anstrengend, auch nur ein Schulbuch aufzuschlagen.

E. Pagliacchi
08
15.11.2009, 12:39
Willkommen in der Dienstleistungsgesellschaft

Das Thema ist sozial brisant. Denn der IT-Techniker war einst ungekrönter König, zu dem die Nutzer seiner Geheimlehre auf Knien hinrutschen mussten. Da war die Welt noch in Ordnung, es gab eine klare soziale Hierarchie: Technik-Kaiser oben, blöder Nutzer unten. Und jetzt schickt sich die Welt an, diese Hierarchie einzuebnen oder gar auf den Kopf zu stellen. Jetzt plötzlich müssen sich die Könige von damals vom DAU herumkommandieren lassen. Jetzt sagt der DAU ihnen, dem IT-Herrenvolk, was sie tun sollen. Das verkraften viele nicht. Daher auch das ausgedehnte dünkelhafte Geraunze hier!

Nebukadnezzar
00
16.11.2009, 13:21

Spricht der DAU... ;)

auf dem Gletscher liegt Schnee
00
16.11.2009, 15:23

wo - bist du der dau?
(pagliacchi hat recht!)

Christian90
00
16.11.2009, 15:52

naja zumindest kann der ehemalige könig immer noch sagen "das geht nicht!".

402
00
16.11.2009, 06:57

Ähm ja, grundsätzlich ist die IT Dienstleister, allerdings wird ma auch da auch oft (ok täglich) mit Usern und Situationen konfrontiert die teilweise absurd sind.
Gibts eigentlich auch Leute die auf die Idee kommen, sich beim Friseur ums Eck zu beschweren und zu fordern das er das sofort richtet, weil beim Haareschneiden daheim, ein Malheur passiert ist?

Flaschenpost
05
15.11.2009, 20:27
dem ist...

nichts hinzuzufügen.
Bin zwar auch Techniker, aber die Arroganz und Hochnäsigkeit vieler meiner Kollegen ging mir lange Zeit auf die Nerven. Die Hierarchien werden - zum Glück - schon seit Jahren flacher.

macabre89
01
15.11.2009, 12:20
sagt mal liebe Leute ...

... eigentlich hab ich großen Respekt vor den Standard Kommtaren und deswegen bin ich grad ein wenig enttäuscht. ;p

So schwer ist das ja auch nicht zu verstehen. Ich sag im Tennis auch manchmal, wow der Aufschlag hatte eine Mio kmh. ;) sprich: verdeutlichender Vergleich. Bildlicher Vergleich in dem Fall.

PC`s können sicher noch in Teilbereichen einfacher werden.

E. Pagliacchi
00
15.11.2009, 12:42

Hier gehts eh nicht um Technik, sondern um das angekratzte Seelenheil der IT-Techniker. Es wird nur vordergründig über IT geredet. Dahinter steckt Frustriertheit und Angst vor dem Verlust des sozialen Prestiges.

Christian90
00
16.11.2009, 21:10

prstige? das wo it-ler doch eher pauschal als bärtige nerds betrachtet werden?

Al Borland
00
15.11.2009, 13:56

Soziales Prestige? Wo?

Strukturelle Integrität
07
15.11.2009, 11:28
ich bin auch dafür

dass ein auto so einfach zu bedienen ist wie ein dreirad, ein flugzeug so leicht wie eine steckdose, ein raumschiff so leicht wie ein fernglas und die demokratie so leicht wie die diktatur.

ghandi2000
00
16.11.2009, 01:00

danke für den vergleich. zeigt wunderbar die problematik bzw den denkfehler des guten herren auf.

jot.zet
00
15.11.2009, 15:46
nice!

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