
14.11.2009 22:56
Protestaktion im Burgtheater
150 bis 200 Demonstranten warben mit Erlaubnis der Direktion für ihre Anliegen - 1 Foto
Wien - Zwischen 150 und 200 Studenten haben am Abend die Bühne des Burgtheaters während der Vorstellung von Alfred de Mussets "Lorenzaccio" besetzt. Sie warteten die Pause des Stücks ab, bevor sie die Bühne stürmten. Das Publikum reagierte zweigeteilt: Während die eine Hälfte applaudierte, fing die andere an die Studierenden auszubuhen. Die Polizei bestätigte auf Anfrage von derStandard.at einen Einsatz beim Burgtheater.
Die Besetzer verlasen ihre Forderungen (siehe Video auf der Studierendenhomepage), währenddessen kam es zwischen Studenten und Theaterbesuchern zu einigen Wortgefechten.
"Schafft die Narren fort!"
Die Studenten hatten ein Transparent mit dem Brecht-Zitat "Schwierigkeiten werden nicht dadurch überwunden, dass sie verschwiegen werden" auf die Bühne mitgebracht. Außerdem skandierten sie "Wessen Theater? Unser Theater! Wessen Uni? Unsere Uni!" Eine erboste Theaterbesucherin antwortete darauf: "Und wessen Bierdosen sind das da draußen?" Während es von der Bühne unter anderem hieß "Wir brauchen junge und kritische Stimmen, damit was weitergeht", waren im Zuschauerraum unter anderem Rufe wie "Spielen!", "Auf Wiedersehen!", "Frechheit!" oder "Schafft die Narren fort!" zu hören.
Die Demonstranten, die nach rund 30 Minuten begleitet von Flugblättern, die vom Balkon in das Parkett segelten, einen bühnenreifen Abgang hinlegten, hatten für ihren Auftritt unmittelbar nach der Pause die Erlaubnis der Theaterdirektion eingeholt. Man sei von der Aktion überrascht worden, entschuldigte sich Vizedirektorin Karin Bergmann auf der Bühne für die Vorstellungsunterbrechung. Die Aspekte Bildung und Kultur seien jedoch so eng verbunden, dass es opportun gewesen sei, den Studenten die Gelegenheit zu geben, ihre Proteste zu formulieren.
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Der Hochschuldialog, zu dem Wissenschaftsminister Johannes Hahn für den 25. November geladen hat, wird mit Vertretern der Besetzer des Audimax der Universität Wien und anderer Räume an Hochschulen in ganz Österreich stattfinden. Die Teilnahme sei bereits in den Plenen aller betroffenen Unis beschlossen worden, heißt es aus dem Pressebüro der Audimax-Besetzer.
Debatte über Vertreter
Weiterhin unklar ist indes, welche und wie viele Personen entsendet werden sollen. Hahn hatte drei Vertreter eingeladen, allerdings "nicht einmal direkt", wie der Pressesprecher kritisiert, sondern über die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH). Die Besetzer wollen allerdings, "auch wenn wir den Hochschuldialog nicht boykottieren", darauf hinweisen, dass diese Veranstaltung zu nichts führen könne. "Es ist eine Katastrophe, wenn sich 50 Leute drei Stunden in einen Raum setzen und jeder weniger als eine Minute Redezeit hat".
Programm für Dienstag fixiert
Fixiert wurde mittlerweile auch das Programm in Wien für kommenden Dienstag (17.11.), den Weltstudententag. Für diesen Tag hat die Studentenplattform "International Student Movement" im Rahmen der "Global Week of Action" (9. bis 18.11.) aufgerufen. In der Bundeshauptstadt sollen zwischen 13.00 und 14.00 Uhr Vollversammlungen an allen Bildungs- und Forschungseinrichtungen stattfinden, für 15.00 Uhr ist eine Demonstration am Schwarzenbergplatz geplant.
Demo vor der deutschen Botschaft in Wien
In der Nacht auf Samstag hat vor der deutschen Botschaft in Wien eine "spontane Protestkundgebung" von Studenten stattgefunden. Wie einer Presseaussendung der Audimax-Besetzer zu entnehmen ist, habe sich der Protest aufgrund der Räumungen in fünf deutschen Universitäten - Münster, Marburg, Darmstadt, Tübingen und Bielefeld - formiert. In Bielefeld seien am Freitag bei der Räumung der besetzten Universitätsräumlichkeiten einige Studierende durch die Exekutive verletzt worden. Mit der nächtlichen Demonstration wollte man "ein Zeichen der Solidarität" setzen.
"Beispielhafte" Rolle der Polizei
Die Studierenden - nach eigenen Angaben bestand die Gruppe aus circa 150 Personen - skandierten: "Wir sind hier und wir sind laut, weil man in Deutschland Studis haut!" Wegen der nächtlichen Stunde und aus Rücksicht auf die Anrainer seien die Demonstranten bereits nach einigen Runden um die deutsche Botschaft zur TU Wien weitergezogen. Die Rolle der Polizei während dieser Protestkundgebung beschrieben die Audimax-Besetzer als "beispielhaft". (APA)
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