Präsidenten- und Parlamentswahlen am 13. Dezember - Hundete Kandidaten teilen sich 20 Minuten
Santiago de Chile - Bei den anstehenden Parlamentswahlen
in Chile haben unabhängige Kandidaten ein schweres Los gezogen: Sie
haben im Fernsehen gerade einmal zwei Sekunden Zeit, sich und ihr
Programm vorzustellen. Einen Monat vor den Wahlen am 13. Dezember
begannen am Freitag die Werbespots der Kandidaten im Fernsehen zu
laufen. Wegen des Gedränges um die wenigen Sendeplätze, ist
Kreativität gefragt. "Arbeit! Arbeit! Arbeit!", ruft etwa der
parteilose Kandidat Samuel Velasco, bevor seine Sendezeit vorbei ist.
Während bezahlte Werbesports im Fernsehen verboten sind, müssen
die Fernsehsender täglich kostenlos 40 Minuten ihrer Sendezeit den
Kandidaten einräumen. 20 Minuten teilen sich die vier
Präsidentschaftskandidaten, die ebenfalls am 13. Dezember zur Wahl
stehen. Die restliche Zeit wird unter den hunderten Kandidaten der
Parlamentswahl aufgeteilt. Weil dabei das Ergebnis einer Partei bei
den vorherigen Wahlen eine Rolle spielt, bekommen unabhängige
Kandidaten nur zwei Sekunden zugesprochen.
Stummer Pinochet-Enkel
"Ich heiße Tomás, und das wichtigste meiner Kampagne ist...", sagt
etwa der unabhängige Kandidat Tomás Días Hidalgo, der damit gegen die
knappe Zeit protestiert. Rodrigo García Pinochet, Enkel des früheren
Diktators Augusto Pinochet, sagt gar nichts und lässt sich zwei
Sekunden lang neben einem Porträt seines Großvaters filmen.
Bei den Präsidentschaftswahlen gilt der konservative Kandidat
Sebastián Piñera als Favorit. Er könnte damit die seit 20 Jahren
herrschende Mitte-Links-Regierung ablösen. (APA)