Aufnahme des thailändischen Ex-Regierungschefs in Kambodscha hatte in Bagkok heftige Irritationen ausgelöst
Phnom Penh - Der thailändische Ex-Regierungschef
Thaksin Shinawatra, gegen den die Behörden seines Heimatlandes einen
Haftbefehl erlassen haben, hat seinen in Bangkok als Provokation
empfundenen Aufenthalt im Nachbarland Kambodscha beendet. Ein
Sprecher der Regierung in Phnom Penh teilte am Samstag mit, Thaksin
habe das Land verlassen. Thaksins Zielort - er lebt derzeit in Dubai
in den Vereinigten Arabischen Emiraten - war nicht bekannt. Die
Ernennung des Milliardärs zum Berater der kambodschanischen Regierung
wurde in Thailand als Affront betrachtet. Thailand und Kambodscha
zogen ihre Botschafter aus dem jeweils anderen Land ab.
Thaksin war am Dienstag in Phnom Penh eingetroffen und hatte dort
am Donnerstag vor 300 Regierungsbeamten eine Rede zur
Wirtschaftspolitik gehalten. Am Mittwoch hatte Kambodschas Regierung
ein offizielles Auslieferungsgesuch Thailands abgelehnt. Rund 50
Abgeordnete der thailändischen Oppositionspartei Puea Thai kamen zum
Flughafen, um sich von Thaksin zu verabschieden. Zuvor war er in Siem
Reap erneut mit dem kambodschanischen Ministerpräsidenten Hun Sen
zusammengekommen.
Angespanntes Verhältnis
Die Beziehungen der beiden Nachbarländer sind bereits seit Mitte
2008 gespannt, als die UNESCO die berühmte Tempelanlage von Preah
Vihear im Grenzgebiet, deren Haupteingang auf thailändischer Seite
liegt, als kambodschanisches Denkmal auf die Weltkulturerbeliste
aufnahm - zum großen Ärger thailändischer Nationalisten. Der Haager
Internationale Gerichtshof hatte 1962 entschieden, dass die Ruinen
von Preah Vihear zu Kambodscha gehören.
Der 2006 gestürzte Thaksin war im August 2008 ins Ausland
geflohen, um seiner Gefängnisstrafe wegen Korruption zu entgehen.
Sein Sturz spaltet bis heute die thailändische Gesellschaft. Thaksins
Anhänger, die sogenannten Rothemden, bekämpfen die sogenannten
Gelbhemden von der "Volksallianz für Demokratie" (PAD) des
Pressemagnaten Sondhi Limthongkul. Die PAD wird von den konservativen
royalistischen Eliten getragen, die Thaksin, das vom Militär
entmachtete Idol der armen Landbevölkerung, von der Regierung
fernhalten wollen. (APA/AP)