Großbritannien

Premier Gordon Brown macht die Insel dicht

13. November 2009 18:07

Der britische Regierung macht mit ihrer Ankündigung "Britische Jobs für britische Arbeiter" ernst. Wegen der Krise werden Ausländer von zahlreichen qualifizierten Arbeitsplätzen ausgeschlossen

Die britische Labour-Regierung begegnet der ökonomischen Krise und der steigenden Arbeitslosenzahl mit einer immer restriktiveren Einwanderungspolitik. Vom kommenden Jahr an werden Ausländer von zahlreichen qualifizierten Jobs ausgeschlossen. Betroffene Berufsgruppen sind Handwerker, Krankenschwestern und Ingenieuren, kündigte Premierminister Gordon Brown in London an.

Zudem sollen Visa für Sprachstudenten einer genaueren Prüfung unterzogen werden. Ausdrücklich stellte der Regierungschef die Maßnahmen als Reaktion auf das vernehmliche Murren in der Bevölkerung über immer neue Immigranten dar: "Ich habe nie der elitären Meinung zugestimmt, dass die Einwanderung nur ein Thema für Rassisten sei."

Sechs Monate vor der nächsten Unterhauswahl steht Labour gerade in den angestammten Arbeiterbezirken des Landes unter hohem Druck. Zwar siegte die Partei am Donnerstag bei der Nachwahl im bettelarmen Nordosten der schottischen Metropole Glasgow; im Wahlkampf hatten der Regierung aber die Parolen die neofaschistischen British National Party zu schaffen gemacht, die im Juni erstmals ins EU-Parlament einziehen konnte.

Billige Arbeitskräfte

Erst kürzlich hatte Innenminister Alan Johnson die Einwanderungspolitik der seit zwölf Jahren amtierenden Regierung als "ungeschickt" bezeichnet. Jahrelang durften Unternehmen beinahe schrankenlos billige Arbeitskräfte weltweit rekrutieren; nach der Osterweiterung der EU 2004 strömten binnen kurzem 1,5 Millionen Polen, Tschechen und Balten ins Land. Auf die zunehmenden Proteste in der Bevölkerung reagierte Labour zunächst mit der besseren Bewachung der Grenzen und Beschränkungen für ungelernte Arbeitskräfte.

Kurz nach seinem Amtsantritt kündigte Premier Brown im Herbst 2007 bessere Ausbildungsmöglichkeiten für Einheimische an: Er wolle "britische Jobs für britische Arbeiter" schaffen. Der Slogan, der jedem Nationalisten zur Ehre gereichen würde, hängt dem Regierungschef seither wie ein Mühlstein um den Hals. Als wütende Arbeiter im vergangenen Winter gegen vermeintliche Diskriminierung zugunsten von Ausländern auf britischen Baustellen streikten, fehlte der Satz des Premiers auf keiner ihrer Kundgebungen.

Plus neun Millionen in 20 Jahren

Wie alle Restriktionen gelten die jetzt beschlossenen Hürden ausschließlich für Bürger außerhalb der EU. Zwar hat auch die mittlerweile abgeebbte Welle von Osteuropäern in vielen britischen Gemeinden für Unruhe gesorgt. Besorgnis erregt aber vor allem die Einwanderung und die hohe Geburtenrate schlecht ausgebildeter, integrationsunwilliger Gruppen aus den früheren britischen Kolonien wie Pakistan und Bangladesch. Laut dem nationalen Statistikamt wird die britische Bevölkerung in den kommenden zwanzig Jahren um rund neun Millionen auf 70 Millionen ansteigen.

Eine überparteiliche Gruppe einflussreicher Experten im Unterhaus kritisierte den Premierminister für sein begrenztes Vorgehen. "Wir brauchen eine klare Politik mit dem Ziel, die Einwanderung erheblich zu reduzieren" , argumentieren der Labour-Hinterbänkler Frank Field sowie sein konservativer Kollege Nicholas Soames. Umgekehrt befürchten die Arbeitgeberverbände höhere Kosten für die Unternehmen aufgrund der neuen Beschränkungen.  (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.11.2009)

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Flo S.
23.11.2009 11:51
Meiner Meinung nach sollten...

...die Menschen arbeiten, die sich für ihre Arbeit interessieren, sich einbringen, sich weiterbilden, etc...unabhängig von Herkunft, Religion und Hautfarbe. Der Staat kassiert von dem oder von dem Steuern. Das Wirtschaftswachstum steht schon fast an der oberen Grenze, die rechtsdenkenden Menschen werden immer mehr, Radikalität und Zerissenheit werden immer mehr gefördert, Ängste werden bewußt in den Medien geschürt, Sicherheiten werden immer weniger, Menschen werden immer mehr verunsichert, Reiche werden immer Reicher und Arme werden immer Ärmer, Bildung wird von den "Mächtigen" verspottet (sollen tun was wir wollen) und die Eigenständigkeit der Bürger nimmt immer mehr ab...aber es gibt ja solch gute Lösungen...

chaote2
 
01.12.2009 14:01
die Menschen arbeiten, die sich für ihre Arbeit interessieren, sich einbringen, sich weiterbilden, etc...unabhängig von Herkunft

Problem ist nur dabei - was tun mit denen welche keine Arbeit in ihrem Lande finden. Entsorgen ?
Müllhalde ? Sozialleistungen von Österreich für alle egal woher sie kommen ? Da wird das Faß bald leer sein.

solandre
 
15.11.2009 22:57

children of men

DirtyHarry
15.11.2009 11:40
Europa ist sehr dicht besiedelt


Die EU als Gemeinschaft muss dichtmachen und ausschließlich Zuwanderung von Personen mit höchster Ausbildung zulassen.
Es ist nicht möglich alle Menschen dieses Planeten mit niedrigem Lebensstandard in Europa aufzunehmen

Franzi Sobotka
21.11.2009 01:01
Ja, das ist leider richtig.

Gleichzeitig muss die EU aber ernsthafte Schritte setzen, den Entwicklungsstandard außerhalb Europas massiv anzuheben, ansonsten werden uns die Massen einfache überrollen - siehe Spanien, siehe Italien, siehe Frankreich.

Lorenz Davis
 
23.11.2009 07:55

... siehe auch Wien (innere Stadt), Linz-Zentrum etc. etc. ....

adaschauher
15.11.2009 09:18
der typ is a wahnsinn...

(faymann hoch10)

Juergen Hoffmann
 
15.11.2009 17:15

ja, beide haben einiges gemeinsam: kein Charisma, keine Visionen und kein Talent.

Austrianer was sonst.....
15.11.2009 08:45

Da sollte sich Österreich ein Beispiel nehmen!

aceFruchtsaft
15.11.2009 14:31

Weil Österreich ja ein Paradies für Nicht-EU-Ausländer ist? Haha.. restriktiver kann ein Land kaum noch sein, was den Zugang zum Arbeitsmarkt angeht.

Die Briten waren da viel liberaler, vor allem was Bürger der NMS angeht. Und für die wird sich auch nichts ändern.

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
15.11.2009 16:26
"vor allem was Bürger der NMS angeht"

Ja, weil sie nicht so einen grossen Zutrom erwartet haben.
Als im Sommer vor 3 Jahren alle grösseren britischen Zeitungen Resümee zogen (weil die Erweiterung oder Öffnung des Arbeitsmarktes gerade 2 Jahre her war oder so), war nur der Independent positiv, der Rest ging in Richtung KronenZeitung Niveau.

zack de la rocha
 
15.11.2009 01:03
...

Ach was... Es gibt integrationsunwillige Personen in England? Haett ich mir nicht gedacht... Aber kann ja eigentlich nur an der heimischen Bevoelkerung liegen! So wie in Oesterreich.
Und was mich sehr wundert ist, dass der Standard das im Artikel so offen anspricht, dass es dort wohl viele integrationsunwillige Gruppierungen gibt. Normalerweise ist es doch eher der Stil, sich eine Person aus diesen diversen Herkunftslaendern zu suchen um dann eine RIESENgrosse Migrationserfolgsstory zu schreiben! Oder hat der Standard keinen Pakistani auftreiben koennen???

Jimmy Neutron
14.11.2009 22:08

Um die schwache Wirtschaft anzukurbeln, sollen jetzt qualifizierte Erwerbstätige gekündigt werden. Eigenartig, paradox.

Ibn Chaldun
15.11.2009 11:38
Hier im Forum wimmelt es nur so

vor Spezialisten der englischen Verhältnisse und der englischen Wirtschaft.
Kleiner Tip: Erst vor der eigenen Haustüre kehren.

Paolo Rossi
14.11.2009 21:56
UK vs. Europa

Alles bloße Rhetorik. En gros sind die britischen Inseln noch immer wesentlich offener als der Kontinent.

Ben Griffith
15.11.2009 06:19
Genauso erlebe ich es auch!

FrostY Iceberg
14.11.2009 21:16

Wusste gar nicht das es in England noch Engländer gibt, in London habe ich keine gesehen.

ZOLAISGOD
15.11.2009 15:12

die wollen halt touristen wie dich vermeiden und bleiben daher dem zentrum fern und leben im wahren london abseits von leicester square und oxford street

Winegum
15.11.2009 00:07

diejenigen die ich kenne gehen nicht mehr zurueck.

Al Bundy & Ortner
14.11.2009 20:40
Weilst in London eh an


qualifizierten gebürtigen britischen Handwerker findest, des schau i ma on.

Ben Griffith
14.11.2009 20:15
Lieber Standard,

wenn Sie schon die oesterreichischen Leser, die nie in Ihrem Leben oder in den letzten 10 Jahren auf der Insel waren, mit Nachrichten von dieser versorgen, dann bitte korrekt:
- Brown spricht ueber die Nicht-EU-Auslaender (@ Student der Magie)
- Die 1.5 Millionen Polen liegen keineswegs dem Staat auf der Tasche (@ Granny,@ da Maier)
- Obwohl rund 3 Millionen Auslaender die letzen 5 Jahre hineinkamen, sind aber nur 250.000 seit September 2008 arbeitslos aufgrund der Finanzkrise geworden. Irgendwo muss es hier ein Erfolgsmodell gegeben haben, sonst waeren in den 5 Jahren davor Millionen arbeitslos geworden (@ Bertel Mann, @caranx, @Management Quatscher).

Informieren Sie sich bevor so einen Bloedsinn schreiben.

Paolo Rossi
14.11.2009 21:57

es gibt keine 1,5 Mio Polen in Großbritannien. In Summe wanderten rd. 1,2 Mio Osteuropäer ein, wovon die Hälfte wieder rückwanderte.

Ben Griffith
15.11.2009 06:29
Standard strich wohl meine Antwort, nun nochmal mit anderen Worten

Hier sind so viele Polen als Touristen gekommen und haben dann schwarz geaebeitet, dass diese niemals in irgendeiner Statistik auftauchten, zumal es eine Statistik nie gegeben hat, immer nur Schaetzungen. Als ich beim JobCentre meine Aufnahme fuer die National Insurance beantragte, waren alle (es waren viele!) vor mir Illegale, die einen legalen Job bekommen hatten und nun auch die Legalitaet brauchten.

Ben Griffith
15.11.2009 06:04
Wie viele es sind/waren kann keiner zaehlen

weil die Osteuropaer oftmal als Touristen herkamen und sofort eine Arbeit fanden. Die Regierung weiss ueberhaupt, wieviele eingewandert und wieder zurueckgekehrt sind, weil das Wort "Statistik fuehren" hier ein Fremdwort ist. Tatsache ist aber, dass es weniger geworden sind - wie ich es selbst merken kann.

aceFruchtsaft
15.11.2009 14:35

Das stimmt doch zumindest für den Zeitraum nach 2004 nicht. Zuwanderung und Zugang zum Arbeitsmarkt standen allen neuen EU-Bürgern offen, einzige Auflage war eine Registrierung. Ich nehmen nicht an, dass viele einen Grund hatten, diese zu umgehen, zumal sie ja an keine Auflage gebunden war. Daher sollten die Statistiken seitdem recht gut sein.

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