ORF 2010

Gebühren: ORF-Chef setzt alle auf seine Karte

13. November 2009, 17:36
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    foto: apa/gindl

    Sorry, ohne Gebührenabgeltung weniger Geld für Film und Serie, Sport, keines für Infokanal: ORF-Chef Wrabetz.

"Geiselnahme" für Gebührenabgeltung - der ORF mobilisiert alle Lobbys und droht im Finanzplan: Filmförderung weg, kein Infokanal, weniger Sport-TV, Eigenproduktionen und Länderevents - Update: Koalition verhandelte bis Freitagnacht ohne finales Ergebnis über ORF-Gesetz

Der Schlüsselsatz steht am Schluss des E-Mails von ORF-General Alexander Wrabetz an alle Stiftungsräte: All diese Drohungen müssen nicht wahr werden. Wenn sich die Regierung bis zum Budgetbeschluss des ORF am 17. Dezember entschließt, die Gebührenbefreiungen abzugelten. Gut 60 Millionen entgehen ihm da pro Jahr.

Kommt die Refundierung nicht, sieht der Finanzplan für 2010 vor:

  • Kinofilmförderung zu streichen,
  • Eigenproduktionen zu kürzen, 
  • ORF-Sport Plus zu reduzieren
  • den Info- und Kulturkanal, der TW1 ersetzen soll, auf Eis zu legen,
  • Kultur- und Eventprogramme in den Ländern weniger zu unterstützen, 
  • barrierefreien Zugang zu ORF-Angeboten nicht auszubauen und
  • keine extra Investments in digitale Arbeitsabläufe und "weitere Strukturmaßnahmen", die „mittelfristig" Kosten reduzierten.

Mit dem Streichkonzert soll der ORF ohne Refundierung und nach kräftigem Sparen bei 848,7 Millionen Euro Umsatz ausgeglichen (100.000 Euro EGT) bilanzieren.

Mit dem Ende des Rundfunkorchesters zu drohen, das traute sich der Opernfan nicht. Wrabetz bringt auch so viele Lobbys in Rage, die dem ORF oft bei Wünschen an die Politik geholfen haben: die lautstarke Filmbranche, Sportfans, Politiker und Kulturschaffende, Landeshauptleute, Behindertenverbände. Ein Stiftungsrat spricht von der "größten Geiselnahme in der Geschichte des ORF".

Update: "Keine finale Einigung" der Koalition"

Wrabetz mailte, während die Koalition über den ORF verhandelte. Die Einigung auf ein neues Gesetz schien Freitag in greifbarer Nähe. Gegen 23 Uhr, 170 Seiten diskutiert, war aber nach STANDARD-Infos aus dem Umfeld der Regierung klar: "keine finale Einigung" über die ORF-Gesetze, "Montag wird weiterverhandelt", wenn etwa die Filmemacher zur nächsten Protestpressekonferenz laden. Offen blieben offenbar am Freitag die zentralen Themen Gebührenrefundierung und Beschränkung der Onlinewerbung.

Ein bürgerlicher ORF-Kenner riet im STANDARD-Gespräch der Volkspartei ohnehin zur Vorsicht mit der Gebührenabgeltung: "Das ist das einzige Atout der ÖVP. Den Joker spielt man zum Schluss aus."

Zum Beispiel für die Bestellung von Richard Grasl, ORF-Chefredakteur in St. Pölten, zum Finanzdirektor. Für Amtsinhaberin Sissy Mayerhoffer bringt der Abgang des ORF-Werbechefs eine neue Option, um Grasl Platz zu machen. Der rekonvaleszente Radiodirektor Willy Mitsche könnte, so er will, einen ruhigeren Job bei einer anderen ORF-Tochter bekommen. Onlinedirektor Thomas Prantner betont, er werde sich um keinen anderen Job zu bewerben. Er will 2010 Abrufportale für Handys und Kabelnetze in Angriff nehmen.  (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 105
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Mr. Wahoo
14
15.11.2009, 18:56

Je länger ich diese Diskussionen verfolge, desto mehr bin ich dafür dieses Fiasko an pseudo öffentlichem Rundfunk komplett zu schließen und eine neue Organisation unter den Vorraussetzungen zu schaffen.

-gesetzlich gesicherte Politikunabhängigkeit
-alteingesessene, müde "weiße Elephanten" loswerden
-neuer Standort, neues Team, nicht nur TV, sondern auch Web und ev. Verlag
-klarer Bildungsauftrag und keine Infotainmentkram als Konkurrenz zu den privaten Sendern
-ev. 3 Programme:
1 Kultur, Bildung, Nachrichten
2 Sport und Regionales
3 Unterhaltung, Pensionistenprogramm, etc.

was da herumgeeiert wird ist ja nicht mehr schön, je mehr man in diese Loch noch stopft, desto weniger kommt da raus...

nueva arte
 
00
15.11.2009, 17:11

Das ist ja Einmischung in die Politik pur. Alles Einsparungen die wenig bringen, nur viel Aufregung verursachen.

keiner da
01
15.11.2009, 17:08

weniger Sport-TV
---
wäre das dann nicht schon eher ein ernst gemeintes versprechen als eine drohung?

Apologet
11
15.11.2009, 17:02
Keine Rettung mehr für den ORF!

Was jetzt geschieht, sind Akte der Verzweiflung.
Umschalten auf BR(-Alpha), 3sat, ARTE ... !

marty fink
14
15.11.2009, 16:55
Finanzplan 2010 (persönlich)

1. ORF abmelden!

mLoc
00
16.11.2009, 11:57
ORF abmelden...

ist gar nicht so einfach. ein computer und die empfangsmöglichkeit der orf-programme reicht der GIS, um gebühren einzufordern.

Hellex
01
16.11.2009, 17:17
Zwangsvergebührung

für Laptop mit Breitbandinternet wurde bereits 2 mal vom Finanzamt wieder aufgehoben!

Bernout
 
11
15.11.2009, 16:14
Schaltets gleich ganz ab!

Wems abgeht, der soll sich ein Sky-Abo besorgen, kostet gleichviel und ist auch noch zweisprachig.

ARD, 3sat, Arte, BBC usw. für den Rest.

haymat
00
15.11.2009, 15:51

Was ich echt schlimm finde: da wird eines der bedeutendsten österreichischen Unternehmen bewusst zugrunde gerichtet - von den Verantwortlichen, aber auch von Politik und Lobbyisten (die nur an irgendwelche Posten oder frei werdende Marktanteile denken) - und, anstatt sich dagegen zu wehren, klatschen alle Beifall.

Kohlhaas1
00
15.11.2009, 15:18
Was er da androht ist lächerlich.

Macht er das, dann gibt´s keine Werbeeinnahmen mehr weil immer mehr Österreicher dann zu deutschen Privatsendern abwandern.
Und das wäre das Ende des ORF.
Anstatt tollwütig herumzuschäumen, sollte sich der ORF neue Wege ausdenken.
Einer davon wäre, wenn die Regierung schon ein Medium braucht, dieses durch Steuern zu bezahlen.
Dann wäre die unsägliche Gebühr weg und der ORF läge unter der Kontrolle des Parlamentes.
Freilich bräuchte es dazu nur ein einziges Programm.

Juergen Hoffmann
 
00
15.11.2009, 16:03

Dann wäre es aber auch Essig mit Werbung und deren Schleich im ORF.

ja aber
00
15.11.2009, 12:44
was bleibt dann eigentlich über?

am besten zusperren. braucht ausser den politikern eh keiner. und werbung hat der orf genausoviel wie privatsender.

wenn der orf weiterhin gebühren bekommen, dann keine werbung mehr! damit haben die privatesender ein grösseres budget und werden sicher professioneller.

Pannonia Jack
06
15.11.2009, 16:47

Jede seriöse Sendeanstalt hat das Wetter innerhalb der Nachrichtensendung, nur der ORF koppelt das Wetter von den restlichen Nachrichten ab, um dazwischen rund 7 min Werbung hineinzuquetschen!

Zwischen 19:45 bis 20:15 gibt es mehr Werbung als Programm (gefühlt)!!!!

Auch Shows werden in mehrere Teile zerlegt, damit der ORF Werbung schalten kann - was meines Erachtens einer Werbeunterbrechung (wie bei Privatsender) gleichkommt - und somit nicht tolerierbar ist!!!

Und dennoch wollen die höhere Gebühren!

Zaubersalz
00
15.11.2009, 10:29
Was für eine Drohung!

Gute Idee! Draht's erm gleich ab eicheren Sender am Küniglberg!

Im übrigen... welche Eigenproduktionen denn bitte? Wo sind AmDamDes, Panoptikum, Trailer & Co?! Statt dessen muß ich mir Blockbuster ansehen, die ich zur selben Zeit auf einem privaten Sender ansehen kann! Als Staatsbetrieb keine Kunst, diesen ohne Werbung zu zeigen - nur, die Aufgabe des ORF sollte sein, ein Minderheitenprogramm zu fahren, nicht eins, daß alle anderen Sender ebenfalls zeigen!

hcl
00
15.11.2009, 18:02

Vor allem mit einem modernen Sat-Receiver resp. DVD-Recorder ist es eine Arbeit von 15 Minuten, die Werbung bei der Aufnahme wieder loszuwerden.

ranchorelaxo
04
15.11.2009, 10:19

bitte diesen unnötigen staatsfunk mit erbärmlichen programm einfach verrecken lassen...und aus fertig!

Grummel
01
15.11.2009, 08:34
keine extra Investments in digitale Arbeitsabläufe und "weitere Strukturmaßnahmen", die „mittelfristig" Kosten reduzierten.

Das allein klingt wie eine Drohung, aber eher die eines trotzigen Jugendlichen. Wo hier die Logik sein soll verstehe ich auch nicht.

Der Rest klingt eigentlich ganz gut

klausenpown
00
15.11.2009, 04:25

Also man streicht quasi alles was dem Bildungsauftrag zugutekommt?

Von 'Formel 1 streichen', 'Champions League kürzen' lese ich hier nichts. Kostet zwar auch viel aber äh - das kann man halt nicht machen. Ich bezweifle, dass die Formel 1 kostendeckend übertragen wird.

hcl
00
15.11.2009, 18:05

Champions League verstehe ich sowieso nicht. Ich gebe zu ich schau auch gerne mal das eine oder andere Spiel, aber als öffentlich rechtlicher Sender, sollten sie eigentlich eher den nationalen Sportauftrag erfüllen und lieber die Spiele der österreichischen Mannschaften einkaufen/zeigen.

EquinoxOmega
00
15.11.2009, 03:01
Wo ist die Drohung?

das wird ja eh schon alles dauernd gemacht

benjohnson1988
11
15.11.2009, 03:01

egal wie schlecht der orf momentan läuft. wir brauchen einen öffentlich rechtlichen Rundfunk, wenn die Demokratie nicht vor die Hunde gehen soll. Der Markt wird auf gar keinen Fall in der Lage sein anständige journalisitsche Leistungen zu erbringen. Ohne Staat wirds keinen professionellen Journalismus geben. Dann gibts Pressetexte von PR-Agenturen und Blogger die das hobbymäßig betreiben. Die Produktion einer gut recherchierten Reportage kostet aber mehrere tausend Euro.

keiner da
01
15.11.2009, 17:03

liab.

sixela
00
14.11.2009, 23:07

Außer Punkt 3 (Sport plus) sind das eh keine Drohungen. Also bitte keine Gebührenabgeltung.

marksu
010
14.11.2009, 23:02
filmförderung erhöhen und orf weg

die heutige form des ORF ist ein gebührenfinanzierter privatsender. wirklich interessante sendungen mit bildungs- und demokratieauftrag laufen in anderen programmen.
atv talk of town ist um vielfaches besser als alles was der orf bietet. okto bringt berichte über das elevate festival in graz, sendungen für minderheiten. servus tv bringt mehr wissenschaft als der orf.

also wozu noch den orf?

Sortini
07
15.11.2009, 08:25
talk of town läuft auf puls4...

Aber ich stimme zu. Eine Sendung wie talk of town würde man sich eigentlich vom ORF erwarten. Der begnügt sich mit einer Stunde "Im Zentrum" in der Woche und gelegentlich einem "Runden Tisch". Wissenschaft wird mit 25 Min. "Newton" abgedeckt...
Jetzt geht es wieder los mit Wintersport; und zwar nicht nur 2 Stunden, sondern den ganzen Tag. Es will sicher nicht jeder den 50 minütigen "Report" (um auch mal ein positives Beispiel zu nennen) schauen, aber es will auch nicht jeder den ganzen Tag Wintersport schauen. Beides soll seinen Platz haben, aber die Relationen sind meiner Meinung nach beim ORF zum Teil komplett daneben.

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