Österreichs Schuldenpolitik

174 Milliarden im Minus

16. November 2009, 14:47
  • Artikelbild
    foto: reuters

    Anfang Oktober hat die EU-Kommission ein Verfahren gegen Österreich eingeleitet, weil die Neuverschuldung die Drei-Prozent-Grenze überschritten hat.

  • Artikelbild
    vergrößern 800x650
    quelle: wifo
  • Die Gläubiger-Struktur der österreichischen Staatsschulden:

Wie funktioniert das mit den Staatsschulden genau? Wo borgt sich Österreich sein Geld? Und welche Möglichkeiten hat die Politik? derStandard.at hat nachgefragt

Dieses Mal wird folgende Frage von derStandard.at-User earl hickey beantwortet: Wie funktionieren Staatsschulden? Bei wem verschuldet sich der Staat? Gibt es noch irgendwo einen Staat der keine Schulden hat? derStandard.at hat nachgefragt:

****

Es geht bergauf in Österreich. Zumindest mit den Schulden. 174,2 Milliarden Euro Minus hat das Land dieses Jahr, laut Angaben des Wifo Instituts. Das entspricht einer Staatsschuldenquote von 68,5 Prozent - also dem Schuldenstand des Staates in Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), das den Wert aller Waren und Dienstleistungen eines Staates innerhalb eines Jahres angibt. 2007 lag der Wert noch bei 59,5 Prozent.

Kein Staat der Welt ist schuldenfrei

Schuldenrückzahlungen machen mittlerweile den zweitgrößten Finanzposten der Regierung aus (an erster Stelle steht "soziale Wohlfahrt", also Kosten für die Förderung und Sicherung von Arbeitsplätzen, die Integration von Arbeitslosen, Pflegegeld, Sozialversicherung und ähnliches). Österreich hat Schulden bei Privaten (zwei Prozent), bei inländischen Banken und Versicherungen (16,2 Prozent) und bei ausländischen Finanzinstitutionen (81,7 Prozent). Alleine steht das Land damit nicht da: Kaum ein Staat der Welt kommt ohne Schulden aus. Unter den OECD-Ländern ist Japan das am meisten verschuldeste Land, vor Italien und Griechenland. Österreich liegt unter den Ländern auf Platz 15 von 30.

Schulden führen zu Investitionen führen zu Wohlstand

Doch wieso sind Schulden mittlerweile eine Selbstverständlichkeit? Ab den sechziger Jahren bauten viele Länder - unter anderem Österreich - ihren Schuldenberg auf. Wissenschaftliche Grundlage der beginnenden Schuldenwirtschaft war die Lehre des aus Cambridge stammenden Ökonomieprofessors John Maynard Keynes (Begründer des Keynesianismus). Die Annahme: Je mehr Geld der Staat in die Hand nimmt, umso mehr kann er investieren. Schulden führen zu Investitionen führen zu Wohlstand.

In Österreich sprang der damalige Kanzler der SPÖ-Alleinregierung Bruno Kreisky (1971 - 1983) auf den Zug auf. Die damalige Ausgabenfreudigkeit zeigte sich vor allem in der Bildungsoffensive, die es vielen Kindern aus armen Verhältnissen ermöglichte zu maturieren und studieren. Doch das Minus von damals verschwand nie wieder. Zunehmende Sozialleistungen führten zu steigenden Ansprüchen in der Bevölkerung. "Es gibt natürlich Schulden, die gewissermaßen gerechtfertigt sind", sagt Margit Schratzenstaller-Altzinger, Mitarbeiterin des Wifo. "Solche nämlich, die zukünftigen Generationen entgegekommen, wie zum Beispiel Gelder für Bildungspolitik."

Das scheinbare Paradoxon, dass Österreich als verschuldetes Land auch eines der reichsten ist, ist demnach keines. Aufgenommene Schulden investierte man in Bildung und ins soziale Netz - in der Annahme, dies werde sich später refinanzieren. Den Schulden stehen außerdem die Vermögenswerte des Landes gegenüber, wie Infrastruktur, öffentliche Einrichtungen und ähnliches.

Sparpakete für den Maastricht-Vertrag

Das offensive Geldausgeben endete mit den ersten Sparpaketen 1995 und 1996 - sie kamen mit dem Beitritt zur EU am 1. Jänner 1995. Der europäische Stabilitätspakt verpflichtet seine Mitglieder zu einer disziplinierten Haushaltsführung, festgelegt im Maastricht-Vertrag. 2009 überschritt Österreich die darin festgelegte Drei-Prozent-Grenze für Neuverschuldungen - Anfang Oktober leitete die EU-Kommission ein Verfahren gegen Österreich ein. Die Mehrausgaben eines Staates finanzieren sich über zwei Wege: Steuern erhöhen oder Schulden machen. Letzteres scheint wohl ausgereizt. (Saskia Jungnikl, derStandard.at, 14.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 88
1 2 3
MagnaMater
00
29.9.2010, 17:40

Sagts einmal bei der WIFO-Tabelle: Wie machen das Neuseeland und Australien?!? Bei denen SINKT der wert...
Was tun die? Zahlen die ihre schulden zurück, geben die nix mehr aus? Wenn schulden öffentlichen ausgaben und den staatsbürgern dienen, müssts den leuten dort ja furchtbar schlecht gehen.
Seh ich da was falsch?

ill sagt der hausverstand
 
01
22.8.2010, 22:39
Drecksartikel

LSDBlue
02
17.11.2009, 14:07
Is doch alles wuascht,

am 21.12.2012 geht die Welt sowieso unter - also kündigen, Kredite aufnehmen & sichs nochmal so richitg gutgehn lassen befor the whole shithouse goes up in flames!

Placebo
 
02
21.11.2009, 11:40
Wenn das shithouse doch nicht abbrennt ist die Kacke aber richtig am Dampfen.

El Rick
02
19.11.2009, 13:32

Besser erst den Kredit aufnehmen und dann kündigen. ;)

aktuelle Epoche: DesInformationszeitalter
07
16.11.2009, 23:59

Das dadurch weltweit die Armen und der Mittelstand durch Zins und Zinseszins moderne Sklaven dieser "Institute" wurden wird in dem Artikel leider nicht erwähnt.

Geld ist Schuld:

http://video.google.de/videoplay... 267580603#

videoopa
01
16.11.2009, 22:59
Gekaufte Gefälligkeitsberichte immer dreister

Koalition einig: 160 Millionen Euro extra für den ORF
16. November 2009, 16:45

irgendein/e posterIn
 
20
16.11.2009, 19:15

ich glaube was die schulden betrifft ist eh schon alles wurscht. denn bei der finanzkrise war das geld plötzlich wieder da - wie soll man da noch was ernst nehmen?

anton-notan
210
16.11.2009, 18:34
sehr aufschlussreicher artikel

unter kreisky wurde immens in zukünftige bildung geld investiert-nämlich an schüler ,studenten und lehrlinge.
heute kriegens unersättliche banken,unersättliche manager von hinigen banken oder hinig gemachten unternehmen.
das tafelsilber ist weg und mit dem auch arbeitsplätze-für immer.
zukunft ist bildung-wers noch net kapiert,ist ein narr.

Clemens Schwarz
310
16.11.2009, 18:08
Mit Geld Geld verdienen ist pervers.

Der Keynesianismus ist deshalb so beliebt, weil er den Reichen das Geld gibt, das er den Armen nimmt.
Das geht immer eine Zeit lang gut, so lange, bis die Schulden zu groß werden und der Schuldendienst abgearbeitet werden muss.
Dann bekommen die Armen nichts mehr und müssen für die Schulden schuften und die Reichen werden trotzdem Reicher, ohne das die Armen daran profitieren. Schuld ist der Arme der über die Verhältnisse gelebt hat. Da würde ich sagen, wird jemand schweinisch und nobelpreisverdächtig über den Tisch gezogen. Schon Silvio Gesell und andere haben dies vorausgesagt und aufgezeigt, dass das geparkte Geld der Reichen, das dem Umlaufvermögen entzogen wird, mit 6% strafverzinst sein muss, um die Wirtschaft zu stabilisieren.

ricki-ticki-tack
02
16.11.2009, 17:42
Schulden führen zu Investitionen führen zu Wohlstand

.. es sei den, diese sind von Kraysky gemacht !

;-))))

Perry36
05
16.11.2009, 17:41
85% Schulden im Ausland

Komischerweise interessiert es den Artikelschreiber nicht, wem im Ausland der Staat verpflichtet ist, vielleicht könnten dann viele seltsame Reaktionen unserer Politiker erklärt werden!

Michael Jack Dundee
 
00
25.2.2010, 13:23

Nicht alles, was so im Artikel steht, stimmt so.

Ava Tar
00
16.11.2009, 18:27
Namensliste werden Sie keine bekommen

Wem unser A* zu wieviel % gehört, diese Auflistung fällt wohl unter das Bankgeheimnis. Das wird nur für Private aufgehoben.

Schneck4ever
00
16.11.2009, 16:17

woher hat derstandard.at diese Zahlen bzw. Werte?

http://www.statistik.at/web_de/st... index.html

yada yada yada
00
16.11.2009, 17:10

vom wifo, steht eh im artikel. und was ich so gesehen haben sind es die gleichen zahlen wie bei ihrem link.

Schneck4ever
03
16.11.2009, 16:26

sorry - in ner Jahreszahl verlesen :)

dennoch interessant:

"Die Schuldenstandsquote, die zwischen Ende 2001 (67,1%) und Ende 2007 (59,5%) kontinuierlich gesunken war, stieg – vor allem aufgrund der Neuverschuldung im Rahmen des „Bankenpaketes“ – 2008 wieder deutlich an (62,6%)."

Bedenkt man dass der Staat beim Bankenpaket quasi nur als Bürge auftritt, also sich selbst Geld geborgt hat welches er wiederum an die Banken verlieh - relativiert sich das Budgetdefizit doch wieder. Wenn ich hier nicht komplett irre steigen durch das Bankenpaket ergo unsere Staatsausgaben, da wir an ausländische Geldinstitute Zinsen dafür zahlen müssen, auf der anderen Seite steigen unsere Staatseinnahmen da die heimischen Banken an den Staat Zinsen zahlen

Josef Malik
01
16.11.2009, 20:03

Das Problem ist nur, daß die heimischen Banken leider keine Zinsen an den Staat zahlen. Somit steigen leider nur die Zinsaufwände des Staates.

Für die österreichischen Steuerzahler von heute bedeutet das unter anderem:

- Keine Aussicht auf Senkung der exorbitant hohen Steuer- und Abgabenquote
- Reduktionen/Streichungen bei den staatlichen Gegenleistungen (Gesundheit, Bildung, Forschung etc.)
- Schlechte Aussichten für die eigene Pension

G. B. Corner
00
16.11.2009, 22:41

ich dachte, die Bankenrettung laufe im Rahmen einer Art Anleihe, so dass doch Zinsen fällig werden?

Josef Malik
01
16.11.2009, 23:55

Zinszahlungen sind scheinbar nur unter bestimmten Voraussetzungen fällig. Für 2009 zahlen jedenfalls zumindest die Volksbank und die Kärntner Hypo keine Zinsen für das Staatskapital.

Umgekehrt zahlt der Staat - respektive der Steuerzahler - natürlich schon für jeden Cent.

Schneck4ever
00
17.11.2009, 08:39

interessant, das war mir nicht bekannt. Ohne jetzt an der Richtigkeit Ihrer Aussagen zu zweifeln, aber kann man dies irgendwo nachlesen?

Aber auch wenn der Staat z.B. im ersten Jahr keine Zinsen erhält oder die Kredite teilwese zinsfrei sind - das Defizit erhöht das Bankenpaket nur indirekt (also in dem Fall = Staat zahlt die Zinsen der Banken). Denn das Geld ist in jedem Fall, verzinst oder zinsfrei, nur geliehen.

wolfgang rosar
 
04
16.11.2009, 16:04

alle banken sind miteinander verbunden, in einer art globalen banken-und versicherungssystem. wenn einzelne elemente dieses systems zu grosse verluste machen, müssen sie die jeweiligen staaten mit krediten ausbailen. diese staaten sind aber ihrerseits bei dem erwähnten universellen finanzsystem verschuldet. das heisst, alle schuldner sind gleichzeitig ihre eigenen gläubiger.

funktioniert die ganze welt nur deshalb, weil die logik nicht funktioniert, oder wäre das zu logisch?
die anzeichen für eine übergeordnete realität der integrierenden widersprüchlichkeit mehren sich. ich bin nicht, also bin ich. tod und & leben sind eins. und das gegenteil ist genauso wahr.

Schneck4ever
10
16.11.2009, 15:54
Staatsausgaben in Bereiche unterteilt

http://www.statistik.at/web_de/st... 19106.html


Am erschreckensten ist für mich dass man bei der Statistik Austria des Prozentrechnens nicht mächtig ist oder, noch schlimmer, nicht addieren kann... (1995 = 99,9%, 1998 = 99,9%, 2001 = 100,2 % usw...)

656731
00
16.11.2009, 23:38
Sie sollten sich einmal mir Rundung beschäftigen:

5555 --> 55,6 % von 10000
4445 --> 44,5 % von 10000
macht in Summe 100,1%

5553 --> 55,5 % von 10000
2223 --> 22,2 % von 10000
2224 --> 22,2 % von 10000
macht in Summe 99,9%

Michael Jack Dundee
 
00
25.2.2010, 13:28

Die Rundung der Rundung gehört aber auch gemacht, damit in Summe es wieder auf 100,0% kommt. Die statistischen Rundungen entsprechen nicht den kaufmännischen Rundungen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 88
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.