Donnergrollen im Euro-Raum

Kaum flaut die Krise ab, brechen alte Konflikte rund um die gemeinsame Währung auf

Oft sind es die ganz kleinen Anzeichen, die als Vorboten für aufkommende beinharte politische Auseinandersetzungen dienen. Ein solches Signal sandte der französische EU-Kommissar Jacques Barrot aus, als das Brüsseler Kollegium jüngst die rigiden Budgetkürzungsvorgaben für die Mitglieder vorlegte - insbesondere für jene Staaten, die mit dem Euro im gemeinsamen Währungsraum eng verbunden sind.

Barrot, hieß es, werde die Sitzung verlassen, weil er demonstrativ nicht mitbeschließen wolle, dass Frankreich sein in nur zwölf Monaten vollends explodiertes Defizit jetzt in vier Jahren von minus 8,3 Prozent des Brutto_inlandsprodukts unter den normal erlaubten Maximalwert von drei Prozent Neuverschuldung zurückführen muss. Das sei unmöglich, ließ Paris wissen.

Deutschland hält demgegenüber bei einer relativ bescheidenen Neuverschuldung von 3,4_Prozent. Dennoch zeigte sich Finanzminister Wolfgang Schäuble der EU-Kommission gegenüber äußerst freundlich: Selbstverständlich werde er die Auflagen erfüllen, auch wenn das die Steuersenkungsversprechungen der neuen Regierung in Berlin störe.

Diese Auffassungsunterschiede sind für ganz Europa höchst gefährlich. Wenn diese beiden Länder in einer so entscheidenden Frage wie der Wachstums- und Stabilitätspolitik für den Euro in verschiedene Richtungen laufen, dann müssen sich auch alle anderen warm anziehen.

Die einen wollen von hemmungsloser Staatsintervention à la Sarkozy nicht abrücken, die anderen zur (gesetzlich vorgeschriebenen) „braven" Budgetpolitik zurück. Auf diesen Konflikt scheinen wir frontal zuzusteuern.

Die Gefahr: Deutschland und Frankreich bilden aufgrund ihrer überragenden wirtschaftlichen Gesamtstärke nach wie vor das Powerpaar der Union. Im Euro-Raum sind sie sogar das Fundament, auf dem alle anderen draufsitzen.

Wobei es natürlich noch viel schlimmere Fälle gibt. Griechenland präsentierte zuerst so falsche und dann so katastrophale Zahlen, dass sich die Frage stellt, ob es noch euroreif ist.

Die gute Frage ist: Wer zahlt für all das am Ende die Rechnung? Wer haftet womit wofür?

In der furchterregenden Weltwirtschaftskrise seit 2008 war das alles kein wirkliches Thema. Die Zentralbank pumpte hunderte Milliarden Euro in die Märkte, zu einem Zinsniveau, von dem man in besseren Zeiten nicht zu träumen wagte.

Aber diese Phase der währungspolitischen Unbekümmertheit scheint langsam zu Ende zu gehen. Schon haben die Währungshüter in Frankfurt leise angekündigt, dass die Wachstumsaussichten für nächstes und übernächstes Jahr gar nicht so schlecht sind. Das bedeutet aber für die höchstverschuldeten Staaten nichts Gutes. Denn dann werden auch die Zinsen wieder langsam nach oben gehen. Denn die europäischen Zentralbanker haben gemäß den EU-Verträgen nur ein Hauptziel: Preisstabilität zu gewährleisten, die Währung hart zu machen. Milliardenschwere Konjunkturhilfen stehen nicht auf ihrer Agenda.

Spätestens dann aber steht der nächste große Konflikt im Raum. Zwischen jenen Ländern wie eben Frankreich, die eine solche strikte Zentralbanklinie traditionell nicht goutieren und politische Einflussnahme fordern, und der EZB. Diese zwei „Denkschulen" - die deutsche und die französische - haben das Projekt belastet, seit es den Euro gibt, seit 1998. Aber den Fall, dass Länder im gemeinsamen Währungsraum derart riesige Unterschiede bei Neuverschuldung und Gesamtverschuldung aufweisen, gibt es erst seit der Krise. Das wird zur eigentlichen Bewährungsprobe der EU.(DER STANDARD; Print-Ausgabe, 12.11.2009)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 85
1 2 3
Wird es den Euro also doch zerreissen?


Das könnte passieren, wenn die EZB nicht verdammt gut aufpasst.
Aber egal ob ein harter oder weicher Euro, der Bankrott der EU ist kaum aufzuhalten, denn eine Währungskrise hätte noch viel schlimmere Auswirkungen auf EU.

Also lassen wir die Gläubiger draufzahlen.
Ich würde besser keine Staatsanleihen mehr kaufen.
Und mit der Großzügigkeit der Regierungen (Leben auf Pump) wäre es dann auf Jahrzehnte vorbei.

Aber es wäre sicher ein gesunder Läuterungsprozess.
Vielleicht erleben wir dieses geschichtsträchtige Ereignis noch?

Das Projekt "Euro" ist genauso wie das gesamte EU-Projekt endenwollend, also wozu die Aufregegung? Weil etwa kommt, was eines Tages kommen muss, nämlich dass dieses zwanghaft künstliche Konstrukt wieder auseinanderfällt?

also ich finde diese stabilitätskriterien lächerlich. die ezb sollte selbst schauen, dass sie den kurs stabil hält. das wir einen gemeinsamen währungsraum haben, finde ich super. das mit den kriterien allerdings massiv die wirtschaftliche leistung der eu andauernd behindert wird, finde ich besch***en. deshalb hat die eu nie die chance die usa in sachen wirtschaftsleistung einzuholen oder gar zu überholen (vor einigen jahren selbst gestecktes ziel der eu).

Der Euro ist schon immer eine Weichwährung

Nur weil sie (derzeit) gegenüber dem Dollar ein wenig härter ist, heißt das noch gar nichts.

Man kann bekanntlich mit einer weichen Währung kein reales Wirtschaftswachstum produzieren!
Denn wäre das so, hätte Simbabwe das höchste Wachstum und den größten Wohlstand der Welt ;-)
Und nominell haben sie sogar das größte Wachstum.
Aber beim Wohlstand bin ich mir da jetzt nicht so sicher.

aber, aber,...

seit geraumer zeit ist die eu der einzige garant, dass die usa überhaupt noch exestiert.
nur weil die ezb unsummen in den dollar pumpt, die
übrigens wir alle bezahlen müssen, nur deshalb gibt es
die usa noch.
weil sie partner der eu wirtschaftsverbrecher sind.

Den Kurs stabil zu halten?

Wem gegenüber?

Dem Dollar, dem Jen, der norwegischen Krone, oder gar der isländischen Krone???

ziehl ist es

eine stabile waehrung zu haben die nicht von der inflation gefressen wird. wenn nun land A geld das es nicht hat ausgibt land B aber geld hortet funktioniert das da land B nund fuer das land A zahlt. die frage ist nur wie lange wird land B das wollen? der euro ist eine der waehrungen die abgesichert ist (der usd ist es nicht, der basiert auf das vertrauen in die regierung der usa) und zwar mit der wirtschaftskraft der eu. das macht zwar die waehrung etwas teurer als andere aberr dafuer sicherer. wie auch die kriese bewiesen hat. nur muss man dafuer sorgen das es so bleibt und nicht irgendwer mehr geld druckt als er eigentlich haben kann.

Der Euro

ist so wie der Dollar und alle anderen großen Weltwährungen ein Fiat-Money Konstrukt. Alle diese Währungen sind durch nichts gedeckt, als durch das Vertrauen in die Regierungen die dahinter stehen.

Dieses Vertrauen geht zusehends verloren, da diese Regierungen sichtlich keine nachhaltige Politik betreiben. Die Schuldenberge wachsen in den Himmel und die Regierungen behaupten, das sei alles kein Problem. Doch das Volk ist zwar oft naiv, aber nicht dumm.

euro ja

dollar nein, auch wenn es paradox ist aber der dollar gehoert der usa nicht, das geld wird von banken geborgt, (geleast) ein grund warum es der usa egal ist ob er gefaelscht wird oder nicht. die menge erhoeht oder verringert den wert fuer die usa nicht. die banken decken den usd mit ihren vermoegen. die goldreserven sind in usd gewertet daher keine richtige sicherstellung. das alles macht den usd zur sonderstellung. der euro ist teilweise abgedeckt eben mit den reserven der eu. die bei weitem nicht ausreichen, da die staaten ihre waehrung ja in devisen sichergestellt haben(man erinnere sich nur an die stuezkaeufe der DE fuer den FF) nicht die regierung sonder die wirtschaft gibt die garantie fuer den euro.

Eine - geringfügige - Inflation ist aber wünschenswert, weil man dabei leichter Einkommens- und Verteilungskorrekturen unterbringen kann. Prozentuell Unterschiedliche Gehalts- und Pensionserhöhungen sind viel einfacher durchzusetzen als eine Reduktion, wie sie ohne Inflation notwendig wäre um Querveränderungen zu bewirken. Gleiches gilt für Änderungen im Steuersystem und im Bereich der Transferleistungen.

Und gezahlt wird es von jenen, die sowieso viel Geld ungenutzt liegen haben.

was korrekt ist

weil ja eine rezession die wirtschaft behindern wuerde, und ohne inflation die leute das geld nicht ausgeben, ist die inflation aber zu hoch wuerde sparen keinen sinn machen weil das geld zu schnell den wert verliert und die wirtschaft wieder baden geht.
es ist also nicht ganz so einfach, und eine knifflige aufgabe der EZB

Richtig

Inflation ist ein versteckter Diebstahl (Steuer) an den Geldhaltern. Vor allem muss verschleiert werden wie hoch in der Realität die monetäre Inflation ist. Dann geht das für die Umverteiler noch viel besser.
Viele Leute mit Geld haben keine Ahnung, was da vor sich geht. Die Zinsen sind nahe Null, aber die Geldmengen steigen rasant. Das unterscheidet sich kaum vom Geldfälschen. Der Staat darf das vorerst einmal ungestraft tun. Doch die Strafe wird kommen. Nur bezahlen wird es das Volk.

und ich sage ihnen,...

auch der euro ist nicht das papier mehr wert, auf dem er gedruckt ist.
die eu steuert dem freiermarktwahnsinn nicht entgegen,
man hat aus der krise nichts gelernt, der völlig aus den
fugen geratene kapitalismus hat uns diese krise beschehrt und die wirklich krise kommt erst.
und zwar schon in den nächsten monaten.
wenn immer mehr firmen in die pleite gehen, immer mehr an in kurzarbeit gehen.
dann wird das geld knapp und das hauen und stechen beginnt, jeder gegen jeden und die eu verabschiedet sich, auch einzelne staaten, sie lösen sich auf im chaos.

joehh noch ein shadowrun fan

aber mal im ernst, was ist die alternatieve zum freien markt? der komunissmus? der ist eine super idee, scheitert aber am menschen, ebenso wie der kapitalismus. alle modelle haben ein grundproblem. der mensch. so lange der egoismuss und neid vorherschen wird es immer wieder zu wirtschaftskatastrophen kommen. das ist nun mal ein fakt. der sozialkapitalismus ist auch gescheitert. viele weitere formen haben wir nicht. ein kluger mann hat einmal gesagt wenn um 12 uhr alle menschen das gleiche haetten, gaebe es spaetestens um 1 wieder arme und reiche. die wirtschaft wird sich erholen, langsam, neue firmen werden entstehen, und grosse firmen und banken gehen nocht maechtiger hervor.

die angstpropaganda der ...

... diversen eu-gegner in diesem forum zeigt deutlich das niveau dieser typen.
stammtisch-argumente, null-ahnung von währungspolitik, noch weniger von zentralbank-wissen - es ist schlicht traurig.
d und fr zanken ständig - wenn es hart auf hart kommt, haben sie sich immer noch geeinigt.
gegen die eu-zb haben beide keinen hebel, da die charta diese vollständig aus der politischen sphäre heraushebt - und nicht mal szarko will einen währungskollaps!
der einzig wirklich kranke ist griechenland, und die habe die buchhaltung wirklich nicht erfunden.
also - bip der euro-zone ist ok, zentralbank unabhängig, der euro ist als anlagewährung gefragt wie nie (vertrauen!) - was ist daran schlecht?

Ihren Optimismus hätte ich gerne ;-)

Aber ich bin eher Realist und so denke ich, dass die EZB sich die Entwicklungen in F, D und in den anderen Ländern genau ansehen wird und dann zusammen mit der Entwicklung des Euro gegenüber dem Dollar ihre Entscheidungen treffen wird.

Eines sollte jedoch klar sein. Jeder zu rasche Anstieg der Zinsen kann sehr rasch den einen oder anderen EU Staat in den Bankrott treiben.
Daher ist klar, dass der Euro keine harte Währung sein kann, egal was die D wünschen.
Es wird eher eine Gratwanderung zwischen Euro- Stabilität und hoher Inflation.

re: gratwanderung

jede währungspolitische entscheidung einer zentralbank ist eine gratwanderung.
die aktuell niedrigen zinsen der ezb erklären sich ja nur aus der notwendigkeit der rettung des bankensystems vor dem us-induzierten crash.
die eu-staaten sind f.d. ezb eher unwichtig, deren entscheidung werden auf basis der euro-zone getroffen.
sobald dort die talsolen erreicht sind (lt. den letzten quartalszahlen scheint da anfang 2010) muss die ezb lt. satzung geld a.d. markt nehmen (klar werden die banken heulen - aber momentan stecken sie das günstig geborgte geld eh nur i.d. eigenen bilanzen, damit ist dann schluss).
was bei einer solchen bewahrenden geldpolitik schlecht sein soll, entgeht mir.

Die EZB macht keine nachhaltige Geldpolitik, genausowenig wie die Amis, die Japaner oder sonstwer auf dieser Welt.

Geld wird gedruckt, um die Schulden noch irgendwie bewerkstelligen zu können.
Da ist die Retung der großen Banken eben eine Notwendigkeit - ein tolerierbares Übel.

Aber verursacht wurde das Desaster schon viel früher. Wahrscheinlich 1933 mit Aufgabe des Goldstandards.

entweder sind sie blind, oder nur niederträchtig...

re: goldstandard

das märchen vom alles-heilenden goldstandard geistert immer noch durch die welten der halbwissenden.
währungen, die sich krampfhaft an rohstoffe binden sind genauso volatil wie kursgesetzte.
glauben sie der goldkurs ist irgendwo in stein gemeisselt? in den letzten jahren gabs ein heilloses auf und ab! sie setzen damit ihre währung genauso den angriffen von spekulanten aus wie bei kurssetzung - ohne aber die ähnlich wirksame abwehrmassnahmen zu haben (sie können weder inflationieren noch deflationieren). gebundene währungen sind toll für einen stadtstaat der renaissance (oder f. us-hinterwäldler) aber in einem globalen handelsraum absolut unbrauchbar.

weder - hoch, aber im gegensatz ...

... zu ihnen versuche ich zu argumentieren, und das auch noch höflich.

Es dürften ca. 3-4 Jahre sein, jedenfalls noch vor der Krise, war im TV, glaub es war arte, eine Sendung über den €.
Darin kamen Mitarbeiter der Geldbeschaffungsagentur des französischen Finanzministeriums zu Wort. Die waren derart euphorisch über die Möglichkeiten, welche ihnen der € öffnete, daß man meinte, sie hätten jetzt nun Midas´Hände. Sie meinten, mit FF hätten sie damals kaum grössere Anleihen plazieren können und mit dem € könnten sie jetzt die Volumina verzehnfachen.
Wohin diese Bonanza geführt hat, sieht man heute.
Zu FF-Zeiten war Frankreich sehr gering verschuldet 30-40%/Bip und heute dürften sie schon über 80% liegen. Der Euro als Droge.

Die Verschuldung liegt wohl in der Verantwortung der Länder, die diese Schulden machen!
Ich frage mich, warum jetzt schon wieder die Währung schuld sein soll...

Weil

niedrige Zinsen (die kurzfristigen Zinsen werden von der EZB manipuliert) praktisch fast JEDEN dazu verleiten Schulden zu machen. Das ist nur eine Frage der Zeit.

Jeder kommt sich in diesen Zeiten super schlau vor.
Besonders Regierungen können so großzügig Geschenke verteilen.
Wie es endet, dafür haben wir in den letzten 2 Jahren einen Vorgeschmack erhalten.

die eu ist nicht nur ein wirtschaftlichs gebilde,

sondern - und das leider - auch ein politisches! die eu wäre als währungsunion beschränkt auf das eigentliche kerneuropa eine sehr gute idee gewesen!

die eu wäre mit dem makel das es prinzipiell hat (ein bürokratischer moloch sondergleichen) auch noch überlebensfähig, aber diese krise wird tatsächlich eine nagelprobe!!!!

bin mal gespannt wenn sich die haushalte in den nächsten jahren auch nicht erholen!

Posting 1 bis 25 von 85
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.