Erneute Vorwürfe nach Waffenschieberprozess - Charles Pasqua: Beide wussten von Waffenhandel
Paris - Nach dem Waffenschieberskandal "Angolagate" hat
der frühere französische Innenminister Charles Pasqua erneut schwere
Vorwürfe gegen die damalige Regierung erhoben, insbesondere gegen
Altpräsident Jacques Chirac und den ehemaligen Regierungschef
Dominique de Villepin. Chirac und Villepin sowie der frühere
Verteidigungsminister Charles Millon hätten 1995 von den
Waffenverkäufen nach Angola gewusst, sagte Pasqua am Donnerstag bei
einer Pressekonferenz in Paris.
Der 82-jährige Senator war im Oktober wegen Bestechlichkeit zu
einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Chirac und Villepin haben
beteuert, nichts von den Waffenschiebereien gewusst zu haben.
Pasqua wies zum wiederholten Male auf eine Geheimdienstnotiz von
Dezember 1995 hin, die unter anderem dem französischen Generalstab,
dem Kabinett, dem Verteidigungs- und Außenministerium sowie dem
Afrikaberater des Elyséepalastes zugegangen war. "Die angolanische
Regierung hat über einen nicht genehmigten französischen Mittelsmann
großen Mengen Rüstungsgüter aus gewissen Oststaaten und Russland
erhalten", hieß es in der Notiz, in der der franko-brasilianische
Milliardär Pierre Falcone erwähnt wurde.
Falcone ist eine der beiden Schlüsselfiguren in dem Skandal, er
wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Er beschaffte Angola
zusammen mit seinem Partner Arcadi Gaydamak Waffen im Wert von 790
Millionen Dollar (526 Millionen Euro). Das afrikanische Land lag in
den 90er Jahren im Bürgerkrieg, die Regierung bekam unter anderem 420
Panzer, zwölf Kampfhubschrauber und sechs Kriegsschiffe geliefert.
Der Sohn des früheren französischen Präsidenten François Mitterrand,
Jean-Christophe, soll Angola den Kontakt zu den beiden
Geschäftsleuten vermittelt haben; er wurde zu zwei Jahren auf
Bewährung verurteilt. (APA/AFP)