Proteste

Auch in Deutschland gärt es

12. November 2009 17:47

Studenten besetzen 20 Unis - Solidarität mit Österreich

Berlin - Auch in Deutschland steigen Studierende nun auf die Barrikaden. In 20 Städten, darunter Berlin, München, Tübingen, Würzburg und Coburg, wurden Hörsäle und andere Räumlichkeiten von Hochschulen besetzt. So blockierten in der Nacht zum Donnerstag 800 Studenten das Audimax der Berliner Humboldt-Universität.

Die Universitätsleitung engagierte daraufhin einen Wachdienst und riegelte den Zugang zur Uni ab. Die Polizei war zwar vor Ort, griff aber nicht ein. In Tübingen (Baden-Württemberg) hingegen bekamen die Demonstranten ein Ultimatum gestellt. Als sie auch danach den Hörsaal nicht verließen, wurde die Polizei gerufen. Darauf hin zogen die Studierenden freiwillig wieder ab. An der Ludwig-Maximilians-Universität in München forderten die Studenten auf Transparenten "Solidarität mit Österreich" . Der Bayerische Rundfunk (BR) bezeichnet Österreich als "Keimzelle" der Proteste.

Frustriert sind die deutschen "Kommilitonen" aus vielen Gründen: Viele Studiengänge sind überlastet, die Universitäten haben zu wenig Geld. Ein besonderer Dorn im Auge sind den Studierenden die Studiengebühren. Geld für den Uni-Zugang einzuheben ist in Deutschland Angelegenheit der Länder. Das rot-rote Berlin etwa verzichtet gänzlich darauf, im rot-grün regierten Bremen muss nichts zahlen, wer in der Hansestadt gemeldet ist und innerhalb der Regelstudienzeit studiert. In Bayern und Baden-Württemberg hingegen gibt es allgemeine Studiengebühren.

Reformen rasch umsetzen

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) fordert ihre Kollegen in den Ländern auf, die verabredete Reform der Hochschulen umzusetzen. Dadurch könne man Studiengänge "entschlacken" . Sie will auch Stipendien prüfen - ob Beträge und Altersgrenzen angehoben werden könnten. Andererseits erklärt Schavan: "Elitenförderung gehört auch zur Bildungspolitik." Diese Woche erklärte Schavan im Bundestag, Berlin wolle zwölf Milliarden Euro zusätzlich für Forschung und Bildung geben. (bau, DER STANDARD-Printausgabe, 13.11.2009)

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21 Postings
Südbahn
13.11.2009 21:17
DieMuse
 
13.11.2009 01:13

Andererseits erklärt Schavan: "Elitenförderung gehört auch zur Bildungspolitik."
das ist eine äußerst fragwürdige aussage…

Jürgen Rembremerding
 
13.11.2009 08:38
Warum?

Raptor Jesus
13.11.2009 14:21
Elitenbildung führt unwiederruflich zur Adelsbildung (ist den Deutschen und Österreichern nicht zu verübeln, früher war halt immer alles besser)

Dabei können hochbegabte aus dem Nicht-Adel "übersehen" werden.
Röntgen zum Beispiel kam aus einfachen Verhältnissen und hatte noch nicht einmal Abitur.
Gut zu sehen auch an den Frauen!
Über Jahrhunderte sind nur männliche Wissenschaftler bekannt, die was entdeckt haben.
Frauen mit potenzial wurden heruntergeredet und man hat auch dafür gesorgt, dass diese andertweitig beschäftigt waren.
Das wird die Elite, falls sie sich durchsetzt, auch mit den Gewöhnlichen machen, denn die hat dazugelernt!

Jürgen Rembremerding
 
13.11.2009 20:20
"Elitenbildung führt unwiederruflich zur Adelsbildung"

Mit der These bist Du schon mal nicht elitefähig!

Raptor Jesus
14.11.2009 03:40
Ich will deinem hochexquisiten Klub auch garnicht beitreten

Als jemand der sich mit Geschichte mit Hilfe DEINER Steuer auseinandergesetzt hat, weiß ich, was Adelige in ihrer Freizeit machen. Mittelalter Italien, nee?
Ich rede hier vom Geldadel. Wer das Geld hat, sollte auch ein göttliches Recht zum Studieren haben. Studiengebühren war ein übereilter Anlauf, zum scheitern verurteilt. Das Etabelieren eines nicht demokratisch legitimierten Hochschulrates, ist jetzt das Gang zurück, um sich wie Ninjas an der Hochschulmasse vorbeizuschleichen.
Geschichte wiederholt sich, doch wir lernen immer wieder die falschen Lektionen daraus.

Und was dich anbetrifft, ich hab ein Auge auf dich!

Jürgen Rembremerding
 
14.11.2009 20:39
"Und was dich anbetrifft, ich hab ein Auge auf dich!"

Ist das eine Liebeserklärung?

Raptor Jesus
14.11.2009 22:09
Fast

DieMuse
 
13.11.2009 13:07
elitär

weil sich eine elite meist nur selber schöpft.
elitenförderung ist ein gedanke den nur die elite hat.
eine bildungselite ist absolut negativ behaftet (für mich) da sie gewisse (die meisten) leute ausschließt.
die beste bildungspolitik ist eine für die masse, denn in einem demokratischen land (und das ist deutschland meines wissens) entscheidet die masse (bis zu einem gewissen grad) und eine gebildete masse kann bessere entscheidungen treffen.

Der Kreter
 
13.11.2009 09:49

Weil Elite nichts ein Synonyom für die herrschende Klasse, deren Nachwuchs und und deren Gefolge ist.

Sehr aufschlußreich in diesem Zusammenhang ist die Studie "Der Mythos von den Leistungseliten" von Michael Hartmann, der Ihnen - als Mitglied der Bildungselite - ja sicherlich bekannt sein wird.

Jürgen Rembremerding
 
13.11.2009 20:23
Da würde ich nicht widersprechen!

Es muss halt so sein - ich weiß es klingt naiv - dass tatsächlich ein Befähigungs- und Leistungsprinzip herrscht!

Jacksonson
13.11.2009 08:18

wieso? weil er Moeglichkeiten fuer ausgewoehnlich begabte Menschen sich zu entfalten schaffen will?

silverfinger
13.11.2009 14:26

wirklich aussergewöhnlich begabte Menschen entfalten sich auch ohne eine Eliteuniversität, das muss mal gesagt werden

Der Kreter
 
13.11.2009 09:52
Nur für diese oder auch für diese?

Und worin äußerst sich im übrigen diese 'ausgewöhnliche' Begabung? Darin, einen Vater zu haben, der einem den Trainingskurs für den Aufnahmetest finanzieren kann?

Jacksonson6
13.11.2009 10:42

Man kann das Glas auch als halbvoll ansehen. Zynismus ist meiner Meinung nach fehl am Platz solange nichts konkretes Vorgeschlagen/diskutiert ist.

Ich denke jedenfalls auch das die Foerderung von aussergewoehnlich Begabten zur Bildungspolitik gehoert. Es ist nun mal so das es Genies gibt und diese zu Foerdern kann ja wohl dem Staat und der Gesellschaft nur zugute kommen.

Melanie H
12.11.2009 19:01

Wieso kann es da Ultimaten geben und die Polizei geholt werden? Haben die keine Versammlungsfreiheit in Deutschland?

silverfinger
13.11.2009 14:28

das ist deshalb so, weil die deutsche Bildungspolitik eigentlich noch schlechter ist als unsere und der Protest im Keim mittels staatl. Gewalt unterdrückt werden soll

bokomo_vie
13.11.2009 09:43

Also solltest Du in meinem Wohnzimmer eine Demonstration starten, hau ich Dich auch raus! ;-)

Killer Bunny
13.11.2009 12:51

Auch bei einer Demonstration von Sexspielzeug?

saoTan
12.11.2009 22:33

Naja schon, aber natürlich nicht in Gebäuden die im Eigentum von irgendjemand (auch der öffentlichen Hand) stehen.

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