Studenten besetzen 20 Unis - Solidarität mit Österreich
Berlin - Auch in Deutschland steigen Studierende nun auf die Barrikaden. In 20 Städten, darunter Berlin, München, Tübingen, Würzburg und Coburg, wurden Hörsäle und andere Räumlichkeiten von Hochschulen besetzt. So blockierten in der Nacht zum Donnerstag 800 Studenten das Audimax der Berliner Humboldt-Universität.
Die Universitätsleitung engagierte daraufhin einen Wachdienst und riegelte den Zugang zur Uni ab. Die Polizei war zwar vor Ort, griff aber nicht ein. In Tübingen (Baden-Württemberg) hingegen bekamen die Demonstranten ein Ultimatum gestellt. Als sie auch danach den Hörsaal nicht verließen, wurde die Polizei gerufen. Darauf hin zogen die Studierenden freiwillig wieder ab. An der Ludwig-Maximilians-Universität in München forderten die Studenten auf Transparenten "Solidarität mit Österreich" . Der Bayerische Rundfunk (BR) bezeichnet Österreich als "Keimzelle" der Proteste.
Frustriert sind die deutschen "Kommilitonen" aus vielen Gründen: Viele Studiengänge sind überlastet, die Universitäten haben zu wenig Geld. Ein besonderer Dorn im Auge sind den Studierenden die Studiengebühren. Geld für den Uni-Zugang einzuheben ist in Deutschland Angelegenheit der Länder. Das rot-rote Berlin etwa verzichtet gänzlich darauf, im rot-grün regierten Bremen muss nichts zahlen, wer in der Hansestadt gemeldet ist und innerhalb der Regelstudienzeit studiert. In Bayern und Baden-Württemberg hingegen gibt es allgemeine Studiengebühren.
Reformen rasch umsetzen
Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) fordert ihre Kollegen in den Ländern auf, die verabredete Reform der Hochschulen umzusetzen. Dadurch könne man Studiengänge "entschlacken" . Sie will auch Stipendien prüfen - ob Beträge und Altersgrenzen angehoben werden könnten. Andererseits erklärt Schavan: "Elitenförderung gehört auch zur Bildungspolitik." Diese Woche erklärte Schavan im Bundestag, Berlin wolle zwölf Milliarden Euro zusätzlich für Forschung und Bildung geben. (bau, DER STANDARD-Printausgabe, 13.11.2009)