Rewe stoppt Verkauf von Biomehl

12. November 2009, 21:48

Der Nachweis von Pestiziden in Waldviertler Biomehl hat die Behörden auf den Plan gerufen. Neue Analysen bestätigten den Verdacht vorerst nicht

Wien - In der Biobranche liegen die Nerven blank. Der Nachweis diverser Pestizide in als biologisch ausgewiesenem Mehl hat eine Kette an eiligen Reaktionen bei den Behörden, der Industrie und im Handel ausgelöst. Die Kontrollstelle Austria Bio Garantie ist dabei, den Warenfluss von den Bauern bis zu den Regalen der Rewe zu durchleuchten. Die Lebensmittelbehörde Niederösterreich zieht eigene Proben aus den Filialen. Rewe hat am Donnerstag den Verkauf des Waldviertler Ja!Natürlich-Mehls gestoppt.

Rewe müsse den Verdacht ausräumen, dass konventionelle Produkte als Bio verkauft wurden, sagt Walter Mittendorfer, Lebensmittelkontrollor in der Landesregierung, dem Standard. Solange dieser Verdacht bestehe, habe man die betroffene Ware vom Markt zu nehmen und Konsumenten zu informieren. "Sonst liegt eine Täuschung vor."

Die Behörden gehen von drei betroffenen Chargen aus. Eine macht in der Regel für große Handelsketten gut 20 Tonnen aus, also 20.000 Packerln. Rückrufaktionen gehen hart ins Geld. Rewe holte einst etwa gentechnisch veränderten Reis zurück, Hofer Hirse, der mit Stechapfelsamen verunreinigt war.

Martina Hörmer sieht keine Gesundheitsgefährdung. Es stehe jedoch ein Verdacht im Raum - und solange dieser Fall nicht lückenlos aufgeklärt sei, werde man das Mehl der betroffenen Mühlen nicht verkaufen, sagt die Chefin von Ja!Natürlich. Ihr Konzern bezieht aus dem Waldviertel jährlich tausend Tonnen Mehl. Das ist die Hälfte der Gesamtproduktion des kleinen Familienunternehmens, das sich zu den Pionieren am Biomarkt zählt.

Eingekauft wird das Getreide unter anderem von der Crop Control. Diese beliefert auch große Mühlen wie Schmid, sagt ihr Chef Karl Fischer. "Wir ziehen bei Landwirten Ährenproben, jeder einzelne LKW wird überprüft." Kurzum, man sei vorsichtig "zum Kubik" : Hörmer bezeichnet die Causa als mysteriös. Keine der bisherigen analysierten Proben sei positiv gewesen.

"Manipulierte Lieferungen"

Die Austria Bio Garantie gab gestern Nachmittag erste Entwarnung. Eine Analyse von zwei Packungen der betroffenen Charge habe keine Hinweise auf Chlorphyrifosmethyl gegeben. Die Menge an Piperonylbutoxid liege unter dem erlaubtem Grenzwert, sagt Bereichsleiter Josef Ritt. Endgültig seien die Ergebnisse noch nicht, aber der Verdacht steige, dass einzelne Lieferungen manipuliert worden sein könnten.

Wie berichtet hat die Lebensmittelversuchsanstalt Biomehl der Re-we-Marke Ja!Natürlich auf Pestizide untersucht und wurde fündig. Zulässige Grenzwerte wurden zum Teil massiv überschritten. Im Kilo Weizenmehl fanden sich gar 0,065 Milligramm eines Lagerschutzmittels. Toleriert wird ein Wert unter 0,01 Milligramm. Josef Ritt spricht von einer definitiv aktiven Anwendung. Experten sehen zwei mögliche Szenarien: Biogetreide wurde konventionelles beigemengt. Oder Bioware wurde im Lager mit im Biobereich unerlaubten Mitteln gegen Motten und Kornkäfer begast.

Der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft Krems und wird, wie sie am Donnerstag bestätigte, geprüft. Anwalt Johannes Wolf brachte zudem am 22. Oktober, wie er sagt, Anzeige in Wiener Neustadt ein. (Verena Kainrath, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 12.11.2009)

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16 Postings
Die Direktion
00
16.11.2009, 12:45
Schon Verurteilt?

Obwohl im Artikel auf ein laufendes Verfahren hingewiesen wird, und die Verunreinigungen bisher nicht nachvollzogen werden können, schreiben hier fast alle als wäre schon alles erwiesen. Dieses Verhalten stellt sich schnell ein, sobald wir es mit Grosskonzernen zu tuen haben: die sind ja natürlich alle böse.
In Wirklichkeit werden die grossen Marken gerade bei Bio hauptsächlich von klein und Mittelbetriebe beliefert, die noch viel mehr unter diesen nicht nachgewiesenen Diskreditierungskampagnen leiden.
Warten wir die Untersuchungen ab: Ich wette es wird sehr bald wieder Waldviertler Biomehl in den Regalen stehen.

Manhã de Carnaval
00
13.11.2009, 09:53


Die Strategie, mit sogenannten Bio-Produkten eine vermeintlich relativ risikolose Vertriebslinie mit noch höheren Gewinnspannen zu etablieren, wird allen Beteiligten und insbesondere dem Handel auch weiterhin und zunehmend auf den Kopf fallen.

Meine Trauer darüber hält sich in Grenzen.

Joe Freibergson
00
13.11.2009, 02:14
ups.

hinter den kulissen rennt grad folgendes:
1.
wer hat geprüft
2.
wer wurde nicht informiert
3.
publik geworden durch wen oder was

irgendein/e posterIn
 
41
13.11.2009, 00:35

das ist die heuchlerei unserer zeit wenn man ein bisschen pestizide findet, dann schreien alle, aber wenn man die mitarbeiter ständig mies behandelt, dann macht das nichts.

rote Lola
00
14.11.2009, 08:30

und wie die erst schreien wenn sie ein bisschen krebs haben...

JohnP
00
13.11.2009, 08:12

naja - der vergleich hinkt doch etwas.

das sind zwei verschiedene bereiche, die man keinesfalls vergleichen sollte

ichstudierejus
10
13.11.2009, 01:22
wir versuchens

aber vom posten kommt nix :-) nicht falsch verstehen.

www.unsereuni.at
die verarschen uns doch alle nur, egal in welchen Bereich, welche Gruppe.

Wandbemaler ohne offiziellen Auftrag
 
00
13.11.2009, 00:09
das ist erst der anfang!

heinz feichtinger
10
12.11.2009, 23:06
Dass Bio mehr kostet ist klar -aber das man dadurch auch einlädt zum Beschiss ist bei der Abwesenheit von Ethik kein Wunder !

Man konnte ja Glykol im Wein vor etlichen Jahren nachweisen und Bleimennige in den Paprikasalami von Ungarn. Beides hervorragend für die Autos, da ein Doppler eingefüllt als Frostschutz, den Motorblock vor dem Zerplatzen schützt und eingerieben mit der Paprikasalami die Rostlaube langsamer rostet.
Man hatte nur vergessen zu warnen, dass bestimmte Lebensmittel nur für Autos geeignet sind - aber nicht für Menschen. Ach ja - immer mehr Anbaufläche ist nicht mehr für die Menschen, sondern für Autos reserviert - fast hätte ich das vergessen.

Hunger ? Ich hätte noch Gutscheine für Mc Food - falls es diese Firma morgen noch gibt....

JohnP
00
13.11.2009, 08:15

es ist nicht sehr sinnvoll und somit nicht vorstellbar, daß das absichtlich gemacht wird, daß in bioprodukten von rewe pestizide enthalten sind.

die schneiden sich ja damit selbst MASSIVST ins fleisch damit.

wird halt ein "produktions"fehler gewesen sein.

denke mal, daß der verursacher dieses fehler kein "freund" mehr vom lebensmittelkonzern sein wird.

dietmak
00
12.11.2009, 21:44
bioprodukte

ein gefundenes fressen für alle die der meinung sind dass biolebensmittel zu wenig strengen kontrollen unterliegen.

vom anderen Sternli
02
12.11.2009, 19:28
REWE wird das überleben

Einige "Bio"-Bauern vielleicht nicht! Ich gehe mal davon aus, dass REWE seine BIO-Handelsketten überwacht bzw. überwachen lässt. Dadurch lassen sich solche Verluste minimieren.

Jens Berger
00
16.11.2009, 17:49

Was ist eine "rewe-Biohandelskette"?

Zirkumplex
00
12.11.2009, 22:55

"Ich gehe mal davon aus, dass REWE seine BIO-Handelsketten überwacht bzw. überwachen lässt. "

genau deshalb glaube ich auch nicht dass das mehl derart verpestet ist. Würde mich nicht wundern wenn tatsächlich sabotiert wurde.

Entsetzen!
16
12.11.2009, 21:25

"Du, Bauer - das mit dem Bio-Mehl ist doch alles nur Beschiss, oder?"

"Ja!Natürlich!"

unterwegs in Österreich
00
13.11.2009, 01:00
Das schlägt ja noch die echte Schweinderl-Reklame

(gegen Hofers Zurück zum Ursprung)

gelt Bauer - ursprüüünglich waren die Bauern nicht
Bio

Ja,natürlich

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