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Multitasking und gute Planung sind gefragt, wenn Lernen und Beruf unter einen Hut gebracht werden wollen
Stefan steht an zwei Tagen in der Woche erst am frühen Nachmittag auf. Er trinkt Kaffee, er duscht und er macht sich auf den Weg. Mehr als 100 Nächte hat er im letzten Jahr durchgemacht. Das späte Aufstehen hat mit Feiern oder sonstigem lustigen Studentendasein nichts zu tun. Stefan arbeitet in den Nächten als Nachtportier in einem Hotel in Wien. Oft auch auf Kosten von Vorlesungen und Prüfungen. Doch anders geht es nicht. Denn Stefans Lebensunterhalt bestreiten nicht etwa seine Eltern, der Staat durch Familienbeihilfe oder Stipendium, sondern er selbst.
Leben im Substandard
600 Euro, plus-minus, verdient Stefan mittlerweile monatlich. Am Anfang seines Studiums waren es weniger. Er wohnt in einer "Wohnung mit Komfort-Abstrichen", sagt Stefan, was so viel heißt wie: Dusche in der Küche, Klo am Gang, das auch andere Hausparteien benützen - typisch Wiener Substandard. Mitte 20, hätte er eigentlich schon am Ende seines Studiums sein können. Doch von Anfang an hieß es, mit Nebenjobs Geld fürs Leben zu verdienen. Zu Semsterbeginn 365 Euro parat zu haben, war bei einem so geringen Einkommen eine mittlere Katastrophe.
Teufelskreis Studium-Beruf
Der Teufelskreis hat es in sich. Arbeiten um zu Studieren. Zeit verlieren. Noch mehr arbeiten.
Stefan ist einer von vielen, besser gesagt, einer von den 60 Prozent der Studierenden, die laut Studierenden Sozialerhebung (Stand 2006) während des Semsters „in irgendeiner Form erwerbstätig" sind. 42 Prozent der Studis arbeiten demnach durchgängig im Semester, 18 Prozent gelegentlich. Ein weiteres Viertel ist nur in den Ferien erwerbstätig und 15 Prozent gehen keiner Erwerbstätigkeit nach. 20 Prozent aller Studierenden gingen bereits vor der Aufnahme des Studiums einer regulären Erwerbstätigkeit nach.
Je älter, umso fixer das Arbeitsverhältnis
Ein Trend ist zumindest feststellbar: Je älter die Studierenden sind, desto eher sind sie in einem fixeren Arbeitsverhältnis, trotz - oder wegen des - Studiums. Je fixer die Arbeit ist (also keine geringfügige Beschäftigung), desto mehr ist die Motivation "Bestreiten des Lebensunterhalts" und nicht etwa nur "sich etwas leisten können".
Privatleben zum Vergessen
81 Prozent der Vollzeitbeschäftigten und 57 Prozent der Teilzeitbeschäftigten meinen, es sei schwierig, Studium und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren. Dies trifft auch auf Studierende an berufsbegleitenden FH-Studiengängen zu: Hier bezeichnen es 58 Prozent als schwierig, Studium und Beruf zu vereinbaren. Das Privatleben kann man dann vergessen. Eine Studie der FH Wien zum Thema "Belastungssituatonen von Studierenden" hat ergeben, dass das Privatleben bei berufsbegleitend Studierenden ein weiterer Belastungsfaktor ist. Nicht, dass es auf der Uni anders wäre, könnte man jetzt sagen. Doch wer auf der FH der "Verpflichtung zum Studienfortschritt" nicht nachkommt, fliegt. Alles unter einen Hut zu kriegen ist Muss.
Kurse am Wochenende
Fachhochschulen, aber auch manche Unis haben auf die Doppelbelastung von arbeitenden Studierenden reagiert. Viele Kurse finden am Abend statt und auch an Wochenenden wird von früh bis spät volles Programm gefahren. Auch E-Learning wird angeboten. "Viele kündigen oder verzichten auf Stunden, um das Studium zu schaffen", sagt Thomas Wallerberger, Bundesvorsitzender der ÖH.
Kein life-long-learning
Eine Möglichkeit für Studierende, die bereits in der Arbeitswelt waren, sich ein Studium zu finanzieren, ist das Selbsterhalter-Stipendium, das man beziehen kann, wenn man mindestens vier Jahre in der Berufswelt war. Das bekommen aber nicht alle zugesprochen. Wallerberger ist verärgert: "Es wird immer life long learning propagiert, aber ab dem dem 35. Lebensjahr hat man keinen Anspruch mehr darauf."
Stefan würde sein Studium nie für den Job aufgeben. "Es ist nur ein Geld-Job", sagt er. Zwei Jahre braucht er noch, um sein Studium zu beenden. Bis dahin wird er noch einige Nächte durchmachen. Nein, nicht feiernd. "In ruhigen Nächten komme ich auch dazu, etwas zu lernen". (Marijana Miljkovic, derStandard.at, 17.11.2009)
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"Fachhochschulen, aber auch manche Unis haben auf die Doppelbelastung von arbeitenden Studierenden reagiert." Was heisst reagiert? Seit Jahren gibts auf FHs die Möglichkeit, entweder berufsbegleitend (abends u/o WE) oder eben vollzeit zu studieren. Ich studier auf der genannten FHWien neben einem 40h Job im unteren/mittleren Management. Also Job und Studium lassen sich sehr gut vereibaren. Würd den Master lieber auf der WU machen, aber die sind an Teilzeitstudenten (die schon eine Ahnung vom Leben haben) null interessiert. Mit vollem Beruf geht ein WU-Studium nicht zusammen. Leider...
Ich merke von dem Entgegenkommen noch nichts. Ich bin neben dem Studium selbständig - auf angestellter Basis ginge bei mir nichts, da ich LVs quer über den Tag verteilt habe.
Mit Müh und Not habe ich es geschafft, mir einen Tag unter der Woche zum Arbeiten freizuhalten.
Der zerrissene Stundenplan kostet leider sehr viel Zeit, weil es sich nicht ausgeht, in den vier Stunden Freizeit zwischen zwei LVs zu arbeiten. Hätte ich die LVs am Stück von morgens bis mittags (oder meinetwegen auch abends), wär auch gut ein Teilzeitjob drinnen.
LG,
Salem
Studenten aufgrund Ihres "Studentendaseins" ohne Rücksicht auf Vorbildung Jobs mit einem unverschämten Unter-Mindest-Lohn aufgezwungen werden, da die Regierung es nach wie vor verabsäumt, die a-typischen Beschäftigungsverhältnisse einzuschränken.
Es gibt viele Jobs, wo man sich fragen muss, warum macht das jemand zu diesen Konditionen. Einfache Antwort: Existenzangst. Es ist ja nach wie vor so, dass man trotz abgelegter Prüfungen in Spezialbereichen, einen Stundensatz zwischen € 7 und € 10 machen muss. Verschweigt man hingegen, dass man studiert, wird man besser bezahlt. Ist zumindest meine Erfahrung.
ja und dann mit 70 in die Kiste....bzw bis der Typ nen Job findet dauerts auch wieder ein bis zwei jahre(Praktika ect.) und dann hackeln bis man verreckt....also nix mehr mit netter Pension wie jetzt noch üblich...so is halt unser "faires" system
Praktika fallen eigentlich auch weg; unbezahlt arbeiten können sich nur die leisten, die sich auch unbezahlt studieren leisten konnten. Wenn das also einer dieser Jobs ist, wo man nachweisen muss, dass man ein paar Monate in der selben Branche Kaffee gekocht, Kopien erstellt und Zeit totgeschlagen hat ("Praktikum"), sieht es düster aus.
... ich hätte nämlich Interresse an so einem Angebot. Zumal die Angebote der FH's , die ich mich mir auf einer Hand abzählen kann, nicht gerade die berauschendsten sind (Berufsbegl.)
Es is hald einfach traurig, wenn man sich heutzutage zwischen Uni oder Job entscheiden muss. Wenn man beides will, is das nur mit etlichen abstrichen in der Lebensqualität konfrontiert.
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