Juristen: Neue Datenschutzbestimmungen kaum umsetzbar

12. November 2009, 14:49

Ob Arbeitgeber in die Mailbox der Mitarbeiter schauen darf, ist unklar

Der Datenschutz ist in Österreich größtenteils weit strenger geregelt als das Arbeitsrecht, gleichzeitig sind die Regeln aber so komplex, dass sie Firmen überfordern, so die Einschätzung der Juristen von Freshfields Bruckhaus Deringer. "Die Unternehmen werden in Wertungsfragen vom Gesetzgeber alleine gelassen", erklärten Bertram Burtscher und Stefan Köck am Mittwochabend vor Journalisten.

Dabei hätten die Datenschutzbestimmungen umfangreichste Auswirkungen auf die Unternehmen, so müsse die gesamte IT-Infrastruktur darauf ausgerichtet werden - und selbst dann sei es fraglich, ob die Vorgaben für den Datenschutzrat ausreichend seien. Hinzu kämen Verzögerungen bei den Genehmigungen aufgrund der personellen Überlastung des Rats.

Unklar

So sei unklar, ob ein Arbeitgeber die Mailbox eines Mitarbeiters kontrollieren dürfe. Selbst die firmenseitige Einrichtung von Spamfiltern könne ein Verstoß gegen den Datenschutz sein, gaben die Juristen zu bedenken. Da hilft auch keine Betriebsvereinbarung, weil die Zustimmung jedes einzelnen Mitarbeiters erforderlich wäre und dieser ohne Angabe von Gründen dieses Ja auch wieder zurückziehen könne - woraufhin wieder die IT des Unternehmens umgestellt werden müsse. Das sei nur eines von vielen Beispielen, wie wenig Rechtssicherheit es beim Datenschutz gebe, so die Juristen.

Zu der Weitergabe von Bankdaten meinten sie, dies sei innerhalb Europas wohl kein Problem, weil der Datenschutz EU-weit sehr gut harmonisiert sei. Eine Abgabe etwa an die USA bedürfe auf jeden Fall eines vorherigen Antrages, hieß es.

Ungeregelt

Völlig ungeregelt ist laut Freshfields Bruckhaus Deringer die Videoüberwachung. Das Wort komme im Datenschutzgesetz nicht einmal vor. Hier bestehe aber die begründete Hoffnung, dass die Datenschutznovelle Klarheit schafft. Von Seiten des Arbeitsrechts sei jedenfalls gewährleistet, dass der persönliche Bereich (Umkleideräume, Pausenräume) nicht überwacht werden darf.

(APA)

0Stoney0
00
16.11.2009, 10:21
Weiter gehts

"Indect": Werkzeuge für den Präventivstaat
Link:
http://futurezone.orf.at/stories/1631510/

Und wenn alle Bürger komplett entmündigt sind - ist dann endlich Ende des Überwachungswahnsinns?!?!

Lichtfreak
00
20.11.2009, 18:12
Indect

Es wird richtiggehende Aktionen gegen solche Überwachung geben.

Anstatt eines Flashmobs lungern dann 1000 Menschen gleichzeitig in der Stadt herum...
Totalalarm?

Jedes automatisierte System kann man zum Ausflippen bringen.

Wie reagiert das System auf Papfiguren, die man an irgendwo hinstellt?

Was tut das System, wenn ich mich grundsätzlich nicht wie die Masse verhalte?

- mit dem Hund 3 mal um den Block gassi gehen
- Obdachloser
- Drogensüchtiger
- Alkoholisierter
- defektes Auto ...
- Liebespärchen beim Verabschieden
- Im Park nach der Disco herumschmusen

usw....


PyroTFD
40
12.11.2009, 18:41

Datenschutz ist schön und gut, nur laut Datenschutz darf ich dann an und für sich ja wahrscheinlich nicht mal Remote Programme nutzen um einem Benutzer helfen zu können (ich könnte ja seine Mails sehen)
Spamfilter werden ein zu tiefer Eingriff in die Privatssphäre und Datensicherung Datenklau...

Ich bin ja wirklich für sichere Systeme, aber wenn man mehr und mehr dem Admin an Handlung weg nimmt, dann kann man echt bald nur mehr sagen: "Sie haben Ihre Daten auf dem kaputten Computer? tut mir leid, ich kann Ihnen leider aufgrund Paragraph XYZ nicht helfen, sonst mach ich mich strafbar"

Btw. Admins dürfen keine Mails lesen, auch keine Vorgesetzten, somit ist das NICHT unklar, lieber Standard!

Mathias
 
00
13.11.2009, 11:23
Remote Zugriff

Im Regelfall werden Remote Zugriffe dann verwendet, wenn es bezüglich System und Anwendungen Probleme gibt. Daten unterliegen da sowieso der "Geheimhaltungspflicht" eines ordentlichen Administrators. Hier würde sogar auch die Hacker-Ethik greifen!

Und ein seriöser Admin / Systembetreuer interessiert sich sowieso nicht die Bohne für die privaten Daten seiner "Kunden" ;-)

RS69
 
00
12.11.2009, 22:15

Sie dürfen Remote helfen, wenn SIe den User vorher fragen. Kein Problem.


---

Ganz so klar ist das nicht, dass Vorgesetzte Mails nicht lesen dürfen - wenn die Private Nutzung explizit untersagt ist, können Sie auch nicht in persönliche Daten des Users eingreifen.

Als Admin dürfen Sie übrigens wirklich nicht.

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