"Android & Eve"

Künstliche Lebewesen werden keine Methusalems

12. November 2009 14:18

Forscher präsentieren ihre Entwicklungen auf Symposium in Wien

Wien - Beim derzeit laufenden Symposium "Android & Eve" am Vienna Biocenter präsentieren Forscher ihre Entwicklungen in Sachen künstliche Lebensformen - etwa der mit seinen Mini-Cyborgs auch in der Öffentlichkeit bekannt gewordene US-Forscher Carlo Montemagno von der University of California. Der Forscher verwendet Teile oder Mechanismen des Lebens und kreiert daraus etwa sich selbst bewegende Strukturen.

Unter diesen Pseudo-Lebewesen im Mikrobereich fanden sich winzige Silizium-Roboter, die von lebenden Herzmuskelzellen von Ratten angetrieben wurden. Montemagno weiß aber auch künstlichen Membranen oder Membran-Bläschen "Leben" in Form von Bewegung oder sonstige Funktionen einzuhauchen. Er ist nach eigenen Angaben überzeugt, dass davon schon bald technische Revolutionen ausgehen werden, die Natur sei in Sachen funktioneller Grundbausteine wesentlich vielfältiger als die herkömmliche menschliche Technik.

Mangelnde Selbstreparatur

Auch wenn lebenden Organismen abgeschaute Motoren, Pumpen oder auch Ventile im Nanomaßstab teilweise schon ganz gut funktionieren, ist an einen technischen Einsatz noch nicht zu denken, sagte Uwe Sleytr, Leiter des Zentrums für Nanobiotechnologie der Universität für Bodenkultur. In Organismen funktionieren Membranen, Antriebssysteme oder auch zelluläre Kraftwerke deshalb nachhaltig, weil sie laufend überarbeitet und repariert werden, so der am Symposium teilnehmende Nano-Wissenschafter.

Ohne solche Service-Dienste eines Organismus gehen die mühsam in der Retorte aufgebauten Häutchen, Kanälchen oder Bläschen rasch kaputt und damit ist die Wirkung - beispielsweise als Sensor - dahin; die künstlichen Geschöpfe sind dementsprechend kurzlebig. Nicht weniger Erfolg versprechend als die kleinen Bewegungsmaschinen sind etwa Ansätze, mittels maßgeschneiderter Membranen etwa künstlich Riechorgane zu schaffen, die dann beispielsweise Sprengstoffe aufspüren sollen. Ganz ähnlich den lebenden System werden in den Membranen Moleküle eingearbeitet, an die nach dem Schlüssel/Schloss-Prinzip ganz bestimmte Geruchsstoffe andocken. Aber auch dabei sei die Haltbarkeit noch stark begrenzt und an einen breiten technischen oder medizinischen Einsatz noch nicht zu denken.

Eine Möglichkeit zur Behebung des Mangels wäre die Ergänzung der künstlichen Maschinen und sonstigen funktionellen Einheiten durch die - ebenfalls von den lebenden Vorbildern abgeschauten - Reparaturmechanismen, so Sleytr. Allerdings steigt damit die Komplexität der Kreaturen. Denn die lebensverlängernden Systeme befinden sich teilweise an völlig anderen Orten und bedürfen ihrerseits wieder Kontroll- und Ergänzungseinrichtungen. Der Wiener Wissenschafter ist überzeugt, dass derlei Anforderungen ausschließlich durch "Converging Sciences", die Zusammenarbeit möglich vieler Fächer, zu lösen sein werden. (APA/red)

bro
13.11.2009 10:09

Dass auch diese Forschung von Tierversuchen abhängt ("lebende Herzmuskelzellen von Ratten"), scheint niemanden zu stören.
Wir träumen von der Weiterentwicklung und Perfektion von Mensch und Maschine auf Kosten anderer Lebewesen, ohne die Schattenseiten zu thematisieren.
Nur weil wir einen Vorteil aus neuen Erkenntnissen ziehen, sollte das nicht gleich bedeuten, dass Tierversuche für diese Zwecke unproblematisch wären.
Ich habe den Eindruck, dass immer mehr zum Mittel als Zweck instrumentalisiert wird, ohne dabei zu hinterfragen, ob wir den Zweck überhaupt brauchen. Was haben wir denn eigentlich davon, wenn wir x-mal so alt werden und alle Krankheiten behandeln können, aber geistig und ethisch nicht weitergekommen zu sein?

Prolet
12.11.2009 16:13
Sobald der Nachweis der sich Reproduzierenden Substanz gelingt, sind alle Allahs dieser Welt ihrer Aufgabe enthoben!

Wir machen in Zukunft neben Göttern auch Zellen.

Nicht im Gefängnis einer Religion, sondern im Reagenzglas!

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