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12.11.2009 18:51

Bayern zitieren Hypo-Aufsichtsräte nach München
Am Montag werden in einer Hypo-Aufsichtsratssitzung in München die Karten auf den Tisch gelegt - 1 Foto

Wien - Am Montag, ab 14 Uhr, werden in München Nägel mit Köpfen gemacht. Bei einer Aufsichtsratssitzung der Kärntner Hypo Group Alpe Adria, die freilich am Sitz der Hauptaktionärin BayernLB in der Münchner Innenstadt abgehalten wird, soll über die Vergangenheit der Hypo berichtet und über ihre Zukunft beraten werden.

Die österreichischen und deutschen Sonderprüfer vonPrice Waterhouse Coopers (PwC Deutschland ist Wirtschaftsprüfer der BayernLB) haben ihre in monatelanger Arbeit zusammengestellten Listen zu den Risikovorsorgen so gut wie fertig. Angeblich sind an die 1,3 Mrd. Euro zusammengekommen, die Hypo und BayernLB tief in die Verlustzone reißen werden.

Um die Frage der Kapitalerhöhung (rund 1,5 Mrd.Euro) und Zukunft der Bank (das Land Kärnten hält rund zwölf Prozent) wird schon heftig gerungen. Laut dem Chef der BayernLB und Hypo-Aufsichtsratspräsidenten, Michael Kemmer, hat die BayernLB "genug Kapital, um die Hypo-Verluste zu verdauen" . Kärnten hat dagegen angekündigt, kein Geld einschießen zu können, Finanzlandesrat Harald Dobernig (BZÖ; Aufsichtskommissär des Landes für die Hypo) behauptete, wegen allenfalls nötiger staatlicher Unterstützung für die Hypo schon Kontakt mit dem Finanzministerium aufgenommen zu haben.Ein Sprecher des Ministeriums dementiert das.

Kärnten soll versilbern

Aus Regierungskreisen ist überhaupt zu hören, dass an staatliche Hilfe nicht gedacht sei; das Land Kärnten werde nicht aus der Verantwortung für seine ehemalige Landesbank entlassen. Notfalls solle das Land eben sein restliches Vermögen bis hin zu Stromaktivitäten versilbern. "Es ist nicht einzusehen, warum der Steuerzahler für die von den Kärntner Politikern hausgemachten Probleme bezahlen soll" , drückt das ein Involvierter aus, der damit auch in Richtung BZÖ zielt.

Tatsächlich hat die Kärntner Politik die Bank, in der zur Zeit höchste Verunsicherung herrscht ("viele führende Mitarbeiter suchen schon nach neuen Jobs" , sagt einWiener Banker) ja für alle möglichen Projekte herangezogen, von der Finanzierung von Fußball-Vereinen über Immobilien- und Tourismusprojekte wie das Schlosshotel Velden am Wörthersee. Nicht wenige von ihnen stehen jetzt zur Wertberichtigung an. Überhaupt griff das Land tief in dieTaschen der Hypo; das Haftungsentgelt etwa, das die Bank für die Landeshaftung zu bezahlen hatte, wurde gleich für etliche Jahre im Voraus kassiert.

Deal in Höchstgeschwindigkeit

Bilder aus der Vergangenheit, die nun wieder auftauchen - und die auch die Bayern heftig hinterfragen. Im Mittelpunkt des dortigen Interesses steht der Verkauf im Jahr 2007; vor allem die Höchstgeschwindigkeit, mit der der Deal in wenigen Wochen durchgezogen wurde, beschäftigt sie. Der Aufsichtsrat in Kärnten bekam vor dem Einstieg der Deutschen nur eine Tischvorlage zu sehen, zum Studium des Syndikatsvertrags hatte er eine Minute Zeit. Kärnten brauchte das Geld aus dem Hypo-Verkauf dringend, da die Rückzahlung einer Wandelschuldverschreibung von 550 Mio. Euro fällig wurde. Zudem stand die Investorengruppe Tilo Berlin laut einer Anfrage der bayerischenGrünen "wegen einer bis 1. Juni 2007 befristeten" Kaufoption unter Druck.

Auch in München lief der Deal unorthodox ab: Im August 2007 (nach Vertragsabschluss und vor Closing; damals galt noch dieGewährleistungsfrist der Kärntner) fand eine Sondersitzung des BayernLB-Verwaltungsrats statt. Die Unterlage wurden laut Anfrage "als so brisant eingestuft, dass sie sofort vernichtet wurden". (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 12.11.2009)

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