Der Rücktritt von Legionär Martin Stranzl beschäftigt Dietmar Constantini nicht wirklich. Der Teamchef bereitet seine Buben auf Spanien vor. Und er weiß, wann die Welt gerecht ist: "wenn man nix gewinnt und rausgeworfen wird."
Bad Tatzmannsdorf - Ein sonniger Tag in Bad Tatzmannsdorf. "Gemma Andi" , sagte Teamchef Dietmar Constantini, und er meinte natürlich nicht das Phantom Andreas Ivanschitz, sondern den durchaus realen Andreas Hölzl. Die Schussleistungen im Vormittagstraining waren nicht gerade berauschend, "man sollte schon ab und zu ins Tor treffen" , forderte der Chef gar nicht so leise. Aber vielleicht sind auch nur die Torleute so gut gewesen, exklusive Helge Payer, der Fieber hat und immer noch in Wien im Bett liegt.
Fünf Spieler trugen je eine Pudelmütze, es waren Marc Janko, Christoph Leitgeb, György Garics, Christian Fuchs und Manuel Ortlechner, das fällt natürlich unter Datenschutz. Erwin Hoffer pfiff sich im burgenländischen Morgenfrost hingegen nichts, er trug kurze Hosen. "Lange Hosen stören beim Laufen." Wären alle Probleme so leicht zu lösen, frage nicht, Hoffer wäre wunschfrei und ein rundum glücklicher Stürmer. Wahr ist: Er kann sich bei Napoli überhaupt nicht durchsetzen, nicht einmal ein Platz im Kader ist ihm gegönnt. "Es ist schwierig in Italien. Ich muss dem Trainer beweisen, dass ich nicht für die Tribüne da bin." Constantini musste nicht überzeugt werden. "Dafür bin ich dankbar."
Am 18.November gegen Spanien werde er, Hoffer, einhundert Prozent geben - "sofern ich aufgestellt werde. Geben alle einhundert Prozent, wird es für Spanien gar nicht so leicht."
Am Donnerstag musste der Rücktritt von Verteidiger Martin Stranzl besprochen werden, der 29-jährige Legionär von Spartak Moskau hatte am Abend davor einen Schlussstrich unter seine Teamkarriere gezogen. Es bleibt bei 56 Einsätzen und drei Toren. Der für Spanien nicht berücksichtigte Stranzl meinte, das Fass sei voll, Constantini vertrete keine klare Linie. Constantini wiederum war darüber irritiert, "dass er mir das nicht am Telefon vorgeworfen hat. Aber ich respektiere seine Entscheidung. Von mir aus nehme ich auch den Rücktritt von Alexander Manninger auf meine Kappe."
Kapitän Paul Scharner beließ es bei einem lapidaren "schade" , es sei stets bedauerlich, "wenn gute Fußballer aufhören. Aber es ist Stranzls Entscheidung." Mit einem Mail von Ivanschitz an den ÖFB ist übrigens nicht zu rechnen, der Mainz-Legionär will zurückkehren, da bleibt er stur. Constantini denkt im Frühjahr darüber nach. Noch einmal Scharner: "Im österreichischen Fußball ist es offenbar Gesetz, dass die Besten nicht die Richtigen sein müssen. Die Verjüngung ist der richtige Weg."
Es wird gelacht
Constantini wirkte recht souverän, meinte, Kritik an seiner Person gehöre zum Geschäft. Seinem Kollegen Peter Pacult sei er nicht gram, von wegen "Gurkenspiel gegen Spanien" und "zweimal mit dem Hintern wackeln reicht" zur Einberufung. "Ich bin eh gut mit dem Peter, auch wenn er es vielleicht anders sieht. Vermutlich wird zu viel geredet." Die Stimmung im Team sei hervorragend. "Jeder lacht, wenn er bei der Tür reinkommt. Dass die Klasse manchmal noch fehlt, ist ein anderes Thema."
Europameister Spanien hat zweifelsfrei Klasse. "Eine perfekte Mannschaft, jeder beherrscht den entscheidenden Pass, die berühren den Ball einmal. Ein einfaches System, sofern man es kann." Dass einige der österreichischen Jungspunde müde seien, müsse ignoriert werden, "Wer die Strapazen schneller verkraftet, setzt sich auf Dauer durch."
Am vergangenen Freitag, als Constantini in Wien den Kader bekanntgab, begründete er den Verzicht auf Ivanschitz so: "Das Leben ist eben ungerecht." Der Fußball hatte schon nachvollziehbarere Argumente geliefert. In Bad Tatzmannsdorf sagte der Teamchef: "Die Welt ist nur dann gerecht, wenn der Trainer nix gewinnt und rausgeworfen wird." Aber noch scheint die Sonne. Und Legionär Mario Hieblinger ist nicht zurückgetreten. Jedenfalls ist aus Kreta keine Mail eingelangt.(Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 13.11.2009)