Die Argumente für den Preisanstieg sind unrichtig. Wer jetzt kauft, geht ein gewaltiges Risiko ein
Ok, ich gebe zu,
ich habe schon das Ende des Anstiegs des Goldpreises vorausgesagt, als die Unze
noch 800 Dollar gekostet hat. Das ist immer das Schicksal von jenen, die in
einer Kursentwicklung eine Blase vermuten. Sie sind meist zu früh dran, denn es
liegt in der Natur von Blasen, dass sie noch weiterwachsen, wenn es längst jeder
Logik widerspricht.
Aber irgendwann
einmal kommt der Zeitpunkt, an dem die Bären endlich Recht bekommen. Das war
bei Internet-Aktien im Frühjahr 2000 genauso wie beim Ölpreis im Sommer 2008.
Auch beim
Goldpreis ist das bald so weit. Das jüngste Rekordhoch könnte schon das letzte
– oder zumindest eines der letzten – sein. Und wenn die Stimmung einmal dreht,
dann platzt eine Blase, die den Goldfans noch sehr viel Geld kosten wird.
Gold wird derzeit
aus zwei Gründen gekauft: Schutz vor einem schwachen Dollar und Schutz vor der
kommenden Inflation. Das erste ist nicht
falsch, aber unnötig, das zweite eine Fehleinschätzung.
Der Dollar wird
sicher schwach bleiben. (Das ist auch einer der Gründe für den hohen Goldpreis,
der ja in Dollar notiert wird. In Euro hat das Gold viel weniger zugelegt).
Aber ein Absturz ist nicht in Sicht. China wird nicht im großen Umfang Dollar
verkaufen, denn dies würde ihnen wegen ihrer riesigen Dollar-Reserven an
meisten schaden. Ein Ersatz für den Dollar als Weltwährung wird auch nicht so
schnell kommen, denn dieser kann nur Euro oder Yen sein. Eine künstliche
Weltwährung wäre eine Totgeburt.
Wer sich gegen
einen weiteren Dollar-Verfall schützen muss, kann in Euro, Yen, Franken oder
Yen investieren und dort (wenn auch niedrige) Zinsen verdienen, statt für die
Lagerung von Gold zu bezahlen. Gold ist die teuerste Geldanlage, die es gibt.
Bleibt das
Argument der Inflation, die angeblich vor der Tür steht. Das ist Unsinn: Die
Hauptgefahr bleibt die Deflation. Für ein Inflationsszenario brauchen wir eine
Rückkehr zu starkem Wachstum kombiniert mit Notenbanken, die dennoch nicht auf
die Bremse steigen. Die Expansion der Geldmengen im vergangenen Jahr ist kein
Grund zur Sorge: Damit wurde nur die Schrumpfung der Geldmärkte durch die
Finanzkrise ausgeglichen.
Wenn ein
Vermögenswert aufgrund falscher Argumente an Wert gewinnt und dann immer mehr
Menschen, die von Finanzen keine Ahnung haben, auf den Zug aufspringen, weil
sie mitnaschen wollen, dann handelt es sich um eine Blase. Und die muss früher
oder später platzen.
Wer aus Angst vor
der Zukunft jetzt Gold kauft, ist in Wirklichkeit ein Super-Spekulant, der
damit ein gewaltiges Risiko eingeht.