Dragomir Milosevic war wegen des Beschusses von Sarajevo angeklagt
Den Haag - Das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im
einstigen Jugoslawien (ICTY) hat am heutigen Donnerstag den
bosnisch-serbischen Ex-Offizier Dragomir Milosevic wegen der
Belagerung von Sarajevo zwischen August 1994 und November 1995
rechtskräftig zu 29 Jahren Haft verurteilt. In erster Instanz war der
67-jährige Milosevic vor zwei Jahren zu 33 Jahren Haft verurteilt
worden. Das Tribunal hat den Einspruch des einstigen Befehlshabers
des bosnisch-serbischen Romanija-Korps zum Teil akzeptiert und einen
Strafnachlass beschlossen.
Die Anklage warf Milosevic Morde und Terror vor. Der Beschuss der
Zivilbevölkerung mit Granaten zielte demnach darauf ab, die Bewohner
von Sarajevo in einem Zustand der ständigen Angst zu halten.
Lebenslange Haftstrafe für Vorgänger
Mit dem rechtskräftigen Urteil wurde Milosevic der Verantwortung
für den Beschuss eines Gemüsemarktes in Sarajevo befreit, bei dem am
28. August 1995 38 Zivilisten ums Leben kamen. Wie das Tribunal nun
feststellte, hielt sich Milosevic zu jenem Zeitpunkt zu einer
ärztlicher Behandlung in Belgrad auf.
Milosevics Amtsvorgänger, General Stanislav Galic, wurde 2006 zum
ersten Haager Angeklagten, über den eine lebenslange Haftstrafe
verhängt wurde. Er verbüßt seine Strafe in einem deutschen Gefängnis.
Dragomir Milosevic ist mit dem einstigen Präsidenten Serbiens und
Jugoslawiens, Slobodan Milosevic, der ebenfalls wegen
Kriegsverbrechen angeklagt wurde, vor dem Urteil aber verstarb, nicht
verwandt. (APA)