NGO-Vertreterinnen: Ausland darf Wahlen nicht anerkennen

12. November 2009, 10:59

Juristin Rodriguez: 70 Prozent der Bevölkerung "im Widerstand" gegen die de-facto-Regierung

Wien - Die internationale Gemeinschaft dürfe keine Beobachter zu den für den 29. November angesetzten Präsidentenwahlen nach Honduras entsenden und den Urnengang nicht anerkennen. Diese Forderung erheben Vertreterinnen der honduranischen Nichtregierungsorganisation EMIH (Equipo de Monitoreo Independiente de Honduras). "Wenn es in einem Staat de facto einen Staatsstreich gibt, dann sind alle Aktionen, die diese Regierung setzt, illegal", betont die Juristin Yadira Rodriguez, die sich diese Woche auf Einladung der entwicklungspolitischen Organisation Südwind in Österreich aufhält.

"Die de-facto-Regierung ist nicht legal, denn eine legale Regierung ist für uns eine Regierung, die wir in Wahlen gewählt haben", unterstreicht Rodriguez. In Honduras habe es hingegen quasi von einem Tag auf den anderen einen neuen Präsidenten gegeben, sagte die 38-Jährige in Anspielung auf den Putsch Ende Juni, bei dem der rechtmäßig gewählte Präsident Manuel Zelaya vom Militär gestürzt und zwangsweise außer Landes gebracht worden war.

Zelaya habe politische Maßnahmen gesetzt, die besonders großen Unternehmern im Land wenig gefallen hätten, wie etwa eine Erhöhung der Mindestlöhne für Arbeiter. "Präsident Zelaya hat sich Probleme gemacht. Und dann wollte er die Verfassung ändern." Von Gegnern sei argumentiert worden, der Präsident wolle sich damit nur an der Macht halten und "aus Honduras ein Venezuela oder Kuba" machen: "Es hieß, so hat Chavez auch angefangen, und dass Honduras denselben Weg einschlägt." Dabei sei es nur darum gegangen, eine Wiederwahl zu ermöglichen, wie sie auch Bürgermeistern und anderen politischen Amtsträgern im Land offenstehe. "Wir wollen ja auch nicht, dass es in Honduras einen Hugo Chavez oder einen Fidel Castro gibt."

Überraschender Putsch

Der gewaltsame Machtwechsel kam für die Juristin überraschend: "In Honduras hat es in den 70er und 80er Jahren mehrere Staatsstreiche gegeben. Wir dachten, wir hätten diese Phase überwunden ... Wir haben keinen Militärputsch erwartet." Auch habe Zelaya in seiner Amtszeit einiges für Militärangehörige getan, etwa ihre Löhne erhöht. "Es war eine große Überraschung, als sie ihn in der Früh holen gekommen sind. Er dachte, er hätte die Militärs auf seiner Seite, aber so war es nicht."

Die Putschregierung habe freilich den Widerstand in der Bevölkerung unterschätzt, ist sich Rodriguez mit Iris Oneyda Henriquez einig, die wie sie in der Organisation EMIH aktiv ist. Beide sehen die Stärkung und Einigung der sozialen Bewegungen im Land als eine von ganz wenigen positiven Folgen der jüngsten politischen Entwicklungen. Während rund 30 Prozent der Bevölkerung den Staatsstreich unterstützten, seien mehr als 70 Prozent "im Widerstand". Mittlerweile beteiligten sich fast alle Organisationen der Zivilgesellschaft, Vertreter von Gewerkschaften, kirchlichen und Frauenorganisationen, aber auch Abgeordnete und Unternehmer daran.

Die Protestaktivitäten fänden im ganzen Land statt - "in kleinen Dörfern ebenso wie in der Hauptstadt", sagt Rodriguez. Es würden Demonstrationen, Versammlungen und öffentliche Veranstaltungen organisiert, "bei denen die de-facto-Regierung für illegal erklärt und gefordert wird, dass man zur Demokratie zurückkehrt und die Verfassung der Republik reformiert, die so oft verletzt worden ist". Noch immer gebe es viel Repression im Land. Es habe Todesopfer gegeben, Menschen, die bei Demonstrationen geschlagen wurden. "In psychologischer Hinsicht aber ist das ganze honduranische Volk geschlagen."

Kritik an Medien

Ein Problem sei auch, dass die Medien kaum über diese Geschehnisse berichteten, erzählt Henriquez. "Alle großen Medien in Honduras gehören den honduranischen Unternehmern oder sogar Leuten, die in der Regierung sind", ergänzt Rodriguez. Medien, die eine andere Sicht der Dinge präsentierten, seien hingegen zumeist kleiner und fänden weniger Verbreitung. "Und wenn sie durchgekommen sind, hat man sie beschränkt. Jetzt haben sie weniger Publikum und senden nur noch lokal. Man kennt sie kaum."

Oft würden die Teilnehmerzahlen bei Demonstrationen gegen die Regierung als niedriger angegeben, als sie tatsächlich seien, sagt die frühere Näherin Henriquez, die heute in einer Kindertagesstätte arbeitet. Bei Demonstrationen gegen Zelaya hingegen sei von großen Veranstaltungen die Rede. "Es ist so, als wollten sie den Eindruck vermitteln, dass in Honduras nichts passiert. Dass sich die Leute schon abgefunden haben mit der de-facto-Regierung", meint Rodriguez. Dem sei aber nicht so, betonen beide Frauen, die auch nach den Wahlen ihren Protest fortsetzen wollen - auch wenn ihrer Ansicht nach schon klar ist, was am 29. November geschehen wird: "Die Wahlen vom 29. sind für uns bereits verloren. Für das Volk sind sie schon verloren, denn es ist bereits alles entschieden", zeigt sich Rodriguez überzeugt. Letztendlich könnte das wohl heißen: Noch vier weitere Jahre warten, glaubt Henriquez. (APA)

Alf von Melmak
 
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14.11.2009, 06:00
Die Wahlen vom 29. sind für uns bereits verloren.


Welche Wahlen??

Alf von Melmak
 
00
14.11.2009, 05:44
Die Putschregierung habe freilich den Widerstand in der Bevölkerung unterschätzt


Was sie wohl in erster Linie unterschätzt haben, ist die geschlossene Ablehnung des Putsches im Ausland.

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