Pfarrer: "Wenn man keine Achtung mehr vor Kindern habe, vermittlet das ein schlimmes Bild vom Staat Österreich" - Geteilte Reaktionen in Oberösterreich
Linz - Pfarrer Josef Friedl, der die Familie Zogaj die vergangenen zwei Jahre unterstützt hat, sprach am Donnerstag im Zusammenhang mit dem angekündigten negativen Asylbescheid von einer "menschlichen Katastrophe".
"Die beiden sind mit den Nerven am Ende"
Friedl fürchtet um das Leben von Arigona und ihrer Mutter.
"Die beiden sind mit den Nerven am Ende", sagte er. Im Kosovo würden
die notwendige Betreuung und die Medikamente fehlen. Wenn man keine
Achtung mehr vor Kindern habe, vermittle das ein "schlimmes Bild" vom
Staat Österreich.
Pühringer: Lange Wartezeit "Skandal"
Er kommentiere keine Einzelbescheide, wollte sich der oberösterreichische
Landeshauptmann Josef Pühringer (V) am Donnerstag zunächst nicht zur Causa Zogaj äußern. Er vertraue
jedoch darauf, dass die zuständigen Stellen eine gerechte Entscheidung treffen würden. "Die Dramatik ist, dass der Bescheid
nach sieben Jahren kommt."
Ackerl fordert Bleiberecht
Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Ackerl von der SPÖ hält es für "nicht richtig,
solche Entscheidungen zu treffen, um einen Teil der Bevölkerung zu bedienen".
Familien, die bereits gut integriert seien,
sollten nicht abgeschoben werden. "Ich bin
dafür, dass man einen Schlussstrich zieht." Im Fall Zogaj müsse Innenministerin Maria Fekter ihre
Möglichkeiten nützen, um für ein humanitäres Bleiberecht zu sorgen, betonte
Ackerl.
Anschober: "Untragbar"
Für Grünen-Chef Landesrat Rudi Anschober ist der Bescheid "völlig untragbar".
Eine Abschiebung sei aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes von Arigona
Zogaj und ihrer Mutter Nurie undenkbar. "Das wäre
eine akute Lebensgefährdung."
Bürgermeister wünscht sich eine Lösung
Der Frankenburger Bürgermeister Franz Sieberer (SPÖ) erklärte, dass er wäre froh wäre, wenn bei dem Fall einmal ein Ende herausschauen würde. "Denn einmal heißt es so, dann heißt es wieder so." Patrick Gröstlinger vom "Wirt am Platzl" in Frankenburg erklärte auf die Frage nach der Stimmung im Ort: "Bei uns ist das Thema schon ziemlich abgedroschen, die Leute reden hier nicht mehr viel darüber."
(APA)