Bonus für Kinderbetreuung

Daheimbleiben für Geld statt Kindergarten

11. November 2009 18:35
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    Foto: quax/bacher

    Die oberösterreichische ÖVP rührt in Sachen Kinderbetreuung kräftig im Finanztopf um. Mit dem Sanktus von SPÖ und FPÖ sollen Eltern künftig jährlich 700 Euro für den Verzicht auf einen Betreuungsplatz lukrieren.

Kaum ist der politische Urheberstreit über die "Erfindung" des Gratiskindergartens in Oberösterreich abgeklungen, verspricht die ÖVP Familien, die ihre Kinder zu Hause betreuen, Bonuszahlungen

Linz/Graz - Der schwarze Schwenk passierte im Dezember des Vorjahres. Entgegen der bis dahin gefahrenen ÖVP-Linie überraschte Landeshauptmann Josef Pühringer politische Mitbewerber mit der Ankündigung, dass Vorbereitungen für einen Gratiskindergarten für alle Kinder ab drei Jahren bereits voll angelaufen seien. Mit 1. September des heurigen Jahres startete dann der Gratiskindergarten in Oberösterreich offiziell, im Landtagswahlkampf heftete sich die ÖVP dies als christlich-soziale Errungenschaft auf die Parteifahne.

"Kinderbetreuungs-Bonus" gegen grüne Stimmen

Umso mehr erstaunt jetzt der jüngste schwarze Richtungswechsel in der Familienpolitik. Auf Antrag von Landeshauptmann Josef Pühringer und Familienlandesrat Franz Hiesl (VP) wurde am vergangenen Montag von der Landesregierung gegen die Stimmen der Grünen der sogenannte "oberösterreichische Kinderbetreuungs-Bonus" von bislang 400 Euro auf jährlich 700 Euro angehoben. Entschließen sich also Eltern, auf den von der ÖVP noch vor wenigen Wochen so heftig propagierten, beitragsfreien Kindergartenbesuch zu verzichten und ihren Nachwuchs vom 37. Lebensmonat bis zum verpflichtenden Kindergartenjahr selbst zu betreuen, lässt das Land künftig jährlich 300 Euro mehr springen. Man wolle eben den Eltern die Wahlfreiheit lassen, begründet Pühringer den zusätzlichen Griff in den Landes-Säckel. Für Hiesl ist die finanzielle Unterstützung schlicht "eine Anerkennung für selbsterbrachte Betreuungsleistungen" . Dass es dadurch zu Ersparnissen beim ohnehin schwer finanzierbaren und von chronischem Personalmangel geprägten Gratiskindergarten-Modell kommt, bezweifelt der Familienlandesrat.

"Das ist sicher nicht der steirische Weg" , sagt Martin Schemeth vom Büro der zuständigen Landesrätin Elisabeth Grossmann (SP). Die oberösterreichische Kinderbetreuungs-"Bonusvariante" - Ähnliches wird auch in der neuen Koalition in Deutschland überlegt - sei in der Steiermark nie zur Diskussion gestanden. Die Steiermark (hier läuft das ganztägige Gratiskindergartenmodell seit Herbst 2008) versuche vielmehr, die Betreuungsinfrastruktur für Kinder unter sechs Jahren zügig auszubauen.

Drei Jahre und gruppenfähig

Rund 110 Millionen Euro sind im Vorjahr für entsprechende Personalförderungen an die Gemeinden ausgeschüttet worden. Der Landes-Baufonds für die Errichtung und den Ausbau von Betreuungseinrichtungen, wie Kindergärten oder Krippen, sei zuletzt von 1,4 auf neun Millionen Euro aufgestockt worden. Was letztlich auch zu einer Verdoppelung der Kindergarten-Neubauten im Vergleich zum Vorjahr führen werde, sagt Schemeth. Die Zahl der Anträge auf Neubauten erhöhte sich von rund 50 im Vorjahr auf bisher bereits über 100. Mit den massiven Förderungen hofft man, bis 2011 eine Deckung von 102 Prozent zu erreichen. Dies bedeutet, dass mehr Plätze angeboten werden, als zum Stichtag nachgefragt sind.

Experten halten wenig vom oberösterreichischen Heimbetreuungsmodell. "Der Kindergarten ist für das Erlernen intellektueller Fähigkeiten enorm wichtig. Ein Kindergartenjahr ist dafür aber sicher zu wenig" , sagt die Linzer Kinderpsychologin Sandra Wöss. Ab dem dritten Lebensjahr hätten die Kinder "plötzlich Interesse an einem sozialen Austausch" und seien "gruppenfähig" . Generell seien die Kindergartenjahre "ein enorm wichtiger Schritt in Richtung Autonomie" . Und die Kleinen würden lernen, "auch Beziehungen zu Personen außerhalb der Familie, wie eben zur Kindergärtnerin, aufzubauen" , sagt Wöss. (Markus Rohrhofer, Walter Müller/DER STANDARD-Printausgabe, 12.11.2009)

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Selm. A.
27.11.2009 13:55

Achja? dürfen sich jetzt irgendwelche Leute auf eine Stufe stellen mit ausgebildeten Tagesmüttern?
Genau darauf wird es nämlich rauslaufen!

Deanna Troy
17.11.2009 11:47
damit Migrantenkinder für nix Deutsch noch Kohle nachgeschmissen bekommen???

GudrunTrudhuhn
15.11.2009 18:38

gibt sicher eine nicht zu unterschätzende anzahl von kindern, die froh sein kann, zumindest ein paar stunden von zuhause wegzukommen...

Kleinesnussbäumchen
14.11.2009 15:41

eingeführt. Die Wirtschaft kann wachsen, dass Geld fließt, die Wohlfahrt kann erhalten bleiben.
Wenn dies doch nur das richtige im Leben ist, wäre es nicht schlecht, doch ich finde, dass schöne geht dabei ganz verloren, nämlich die gemeinsame Zeit mit seinem Sprössling zu verbringen. Dem Sprössling in dem man sich wieder erkennen kann, ja sogar viel lernen kann. In der Hinsicht finde ich es nicht so schlecht wenigsten eine Kleinigkeit von der ÖVP zu bekommen, wenn auch viele des Geldes wegen meinen. Ich bin doch nicht so blöd und bleibe für die paar Euros bei dem Kind zu Hause, wenn ich es in den Kindergarten stecken kann und so viel mehr Geld verdienen kann. Sprich wohl die Mehrheit, ob es richtig ist, muss jeder für sich entscheiden

Kleinesnussbäumchen
14.11.2009 15:34

Also ich war weder im Kindergarten noch hatte ich eine optimale Erziehung, dafür aber viel frei Lauf :)

Das verpflichtende Kindergartenjahr ist meines Erachtens sowieso nichts ganz nachvollziehbar.
Ich finde es gut wenn das Kind solang wie möglich von den Eltern oder nur Vater oder Mutter, besser meines Erachten Mutter großgezogen wird. Ich will hier keine Gender Diskussion auslösen, doch dass hat meines Erachtens etwas mit dem Urinstinkt des Kindes zu tun, dem Bewusstsein, von der Mutter gekommen zu sein. (Geschwister wären gut)
Aber heutzutage will/muss ja jeder immer mehrGeld verdienen, dem Staat, der Wirtschaft freuts, wenn Frauen sich emanzipieren und bei Eltern arbeiten, dafür wird auch der Gratis Kindergarten

nowi
21.11.2009 20:43

Leider haben die Kinder heute meist keinen freien Auslauf, in Großfamilien wachsen sie meist auch nicht auf und die Geschwister fehlen ebenfalls.
Daher ist es wichtig im Kindergarten sozialverhalten zu lernen.

marie berg
16.11.2009 18:51
das ist

aber ein tiefer, finsterer wald in dem sie stehen müssen!

Lectrice
16.11.2009 11:25

Mann und Frau mussten schon immer Geld verdienen, d.h. arbeiten um genug zu Essen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Im Allgemeinen wurden nur Alten, Kranke und Behinderte davon ausgenommen und von den anderen Miterhalten. Heute werden die abstrusesten Argumente bei den Haaren herbeigezogen mit denen manche Mütter sich(ich spreche hier nicht von der Nachkriegsgeneration der Frauen, die das Land wieder mitaufgebaut hat) einen Erhaltungsanspruch durch die Allgemeinheit sichern wollen.

Bezüglich aller anderen Punkte sollten Sie sich etwas bilden.

Doper
13.11.2009 07:50
Als Kinderpsychologin habe ich in jahrelangen Untersuchungen festgestellt,

dass die erste Sommervollmondnacht nach dem 3.Geburtstag eines Kindes unbedingt in einem Kindergarten verbracht werden muss, weil das Kind sonst den Rest seines Lebens kein Vertrauen zu anderen Menschen aufbauen kann.
Weiters ist die Scheidungsrate unter Eheleuten, die beide obiges Prozedere eingehalten haben, 0 (Null) Prozent.
Insbesondere die letzte Tatsache führte zu internationaler Beachtung meiner Studie bei allen Religionsgemeinschaften.

hagane
13.11.2009 19:12

Aber nur wenn das Kind die Vollmondnacht davor mit Mandelöl eingerieben und mit Ingwer-Kümel-Erdbeermarmelade gefüttert wurde mit 0% (Null Prozent) Zucker und nur der Süße aus Früchten.
Diese Kinder haben dann allerdings die erhöhte Wahrscheinlichkeit ihren PsychologIn mit einer Gummiente zu verprügeln.

Der Schauer
12.11.2009 17:24
Der jeweilige Ort ist keine Garantie...

...für erfolgreiche Sozialisation. Kinder brauchen selbstverständlich andere Kinder, sowie Erwachsene, um zu lernen, sich in einer Gesellschaft zurecht zu finden. Aber weder der Kindergarten, noch das Zuhause sind eine Garantie dafür. Im Kindergarten ist die Chance auf Erfolg zwar größer, aber auch dort können Fehler passieren; genauso kann zuhause ein geeignetes Umfeld für Kinder vorherrschen, das sie nicht isoliert.

Vereinfachte Extrempositionen ändern nichts daran, dass jedes Kind, abhängig von vielen Faktoren, individuelle Ansprüche hat. Kinder sind nun einmal keine Tamagotchis.

Dagmar Rehak
 
13.11.2009 10:29

Was es im Kindergarten aber garantiert NICHT gibt, ist eine sichere Elter-Kind-Bindung.
Und ebenso sicher ist, dass es Kind was fehlt, wenn es NUR eine gesicherte Elter-Kind-Bindung gibt - aber das erst am einen bestimmten Alter.

Dagmar Rehak
 
14.11.2009 03:38

- es
+ dem

wol
12.11.2009 17:08
Unsinn hoch 3!

"Der Kindergarten ist für das Erlernen intellektueller Fähigkeiten enorm wichtig. Ein Kindergartenjahr ist dafür aber sicher zu wenig" , sagt die Linzer Kinderpsychologin Sandra Wöss. Ab dem dritten Lebensjahr hätten die Kinder "plötzlich Interesse an einem sozialen Austausch" und seien "gruppenfähig" . Generell seien die Kindergartenjahre "ein enorm wichtiger Schritt in Richtung Autonomie" . Und die Kleinen würden lernen, "auch Beziehungen zu Personen außerhalb der Familie, wie eben zur Kindergärtnerin, aufzubauen" , sagt Wöss.

Dann frag ich mich, warum die heutigen Schulkinder derart egoistisch, asozial, un usw sind, wo doch eh praktisch alle mehrere Jahre in den KG gehen.

hei
12.11.2009 17:23
Sie schauen sich das

von den Erwachsenen ab, die in ihrer My-home-is-my-castle-Biedermeierwelt leben und als Freizeitbeschäftigung shoppen gehen. Vom Kindergarten haben sie das sicher nicht, da werden nämlich verwöhnte Einzelkinder sozialisiert.

Dagmar Rehak
 
13.11.2009 10:36

Wenn der Segen des Kindergartens tatsächlich greifen würde, müssten Kindergartenkinder aber schon ein bissl angenehmere Zeitgenossen sein als sie tatsächlich sind.
Wenn das wirklich so toll wär, wären da nicht auch jede Menge Krätzn dabei.
Und die Kindergärtnerinnen sind auch oft nicht so, wie sie in den Medien präsentiert werden, die professionellen Pädagoginnen, die aus Kindern die besten Menschen machen und auf eine Art und Weise fördern, wie die Eltern es niemals könnten. Da gibt es auch jede Menge Krätzn, die besser einen anderen Beruf gewählt hätten.

Sind wir sich ehrlich: Wir brauchen einfach nur die besten Eltern der Welt und die besten Kindergärtnerinnen der Welt, dann könnten Kinder überall sein und dort bestens aufgehoben sein.

exilkaerntner
13.11.2009 11:19
also hatte meine zwei kinder in zwei verschiedenen kindergärten.

und die kindergärtnerinnen war in beiden kigas durch die bank kompetent und sind vor allen liebevoll mit den kleinen umgegangen.

aber ich geben ihnen recht, dass kinder beides brauchen: gute und liebevolle kindergärtnerinen und eltern die liebevoll sind und die auch die verantwortung für die erziehung der kleinen nicht an den kindergarten vollends abgeben.

Dagmar Rehak
 
14.11.2009 03:37

Ja eh, die meisten sind eh ok. Aber es gibt auch die eine oder andere Krätzn. Eine zB war ganz besonders schlimm. Die hat ihr Lieblingskind immer an der Hand genommen und durch den Kindergarten gezogen und dabei ständig auf es eingeredet. Das Kind hat versucht zu antworten, aber sie hat es nicht verstanden, manchmal sogar ihm versucht einzureden, dass es das, was sie verstanden hat, wirklich gesagt hat. Zum Glück ist das nur kurz vor Schluss passiert, wenn nur mehr wenig Kinder da waren.
Oder andere sind einfach ungeduldig oder desinteressiert, nicht unbedingt so, dass man es sofort bemerkt. Sowas lauft ja leise ab. Aber mir fallen immer wieder solche Sachen auf. Und man merkt es auch an der Stimmung der Kinder.

Heimwerkerkönig
 
12.11.2009 16:49
Die Phalanx der hysterischen Post-68er mal wieder

Dass der Optimalfall jener ist, wo sich die eigenen Eltern um die Erziehung der Kinder kümmern, anstatt sie Fremden zu überantworten, scheint manch einem selbstgerechten Klugsch... und intellektuellen Borderliner sehr gegen den ideologischen Strich zu gehen.
Wenn man nun Frauen die Wahlmöglichkeit gibt, so wie in Oberösterreich, kreischt man gleich hysterisch und mit Schaum vor dem Mund und phantasiert vom politisch korrekten Schreckensbild schlechthin - nämlich der Frau die am Herd steht.

Wie sozial geschädigt seid ihr Apologeten eigentlich, dass ihr kleine Kinder lieber in staatliche Erziehungseinrichtungen stecken wollt, anstatt sie in der häuslichen Geborgenheit bei Vater und Mutter zu belassen?

Lectrice
12.11.2009 17:58

BTW wenn ich häusliche Geborgenheit von V+M höre, dann muss ich an so manchen Zeitungsartikel generell und ein paar Kinder i. e. SOS-Kinderdorf speziell denken.

Dagmar Rehak
 
13.11.2009 10:39

Das ist DEIN Bild von häuslicher Elternschaft, und die Gründe sind bei DIR zu suchen.
MIR zB fallen ganz andere Dinge dazu ein.

Lectrice
13.11.2009 12:23

Nun ja Frau Rehak - es gibt auch noch etwas anderes als Mutter- u. Gebärexpertin zu sein.

Wenn Sie jemals unterrichtet haben oder Statistiken anschauen, dann schaut es mit der spiessigen Familienbiedermaieridylle schon wieder ein bissl anders aus.

Und die Wahlmöglichkeit der Frau ist pure Verlogenheit. Aber wenn Frauen so dämlich sind sich mit nicht mal 70 EUR monatlich abspeisen zu lassen und den Deppen spielen sollen sie es machen. Jammern sollen's dann halt auch nicht und von dem Leben was übrig bleibt.

Dagmar Rehak
 
14.11.2009 03:32

Lectrice, was konkret fällt dir ein, wenn du an häusliche Geborgenheit denkst?

Lectrice
16.11.2009 11:31

Als allererstes Verlogenheit, denn fühlt sich ein Kind und später erwachsener Mensch in sich geborgen, weil es/ eben von liebenden Eltern, anderen Erwachsenen und Kindern umgeben wird, dann fühlt es/er sich auch anderswo geborgen.

Geborgenheit ist nichts was sich auf die Familie beschränken lässt oder eine Familie erzeugt, sondern einen Menschen sich so entwickeln lässt, dass er überall bestehen kann. Das was sie unter Geborgenheit erzeugen verstehen ist meiner Meinung nach eher erzeugen von Abhängigkeit, d.h. die Kinder so sehr an die Mutter zu binden, dass es ohne sie möglichst lange nicht auskommen kann.

Die häusliche Geborgenheit brauchen die Leute als Argument, die andere gerne kontrollieren.

Dagmar Rehak
 
18.11.2009 10:29

Ich hab bei dir den Eindruck, dass du den Widerwillen, den du bei deinem Sohn, wie er ein Baby war, empfunden hast, irgendwie zu rechtfertigen versuchst. Du redest dir ein, ein Baby soll auf möglichst viele Leute verteilt werden, damit nur ja die Mutter nicht zu viel davon mitkriegen muss - weil das bei dir so war.
Vermutlich hat ihm das tatsächlich das Leben gerettet, war also in deinem Fall gut. Aber für den Rest der Welt ist es gut, wenn die Mutter, die das Kind in der Regel am meisten liebt und daher seine Interessen am besten vertreten kann, in den ersten Jahren immer um das Kind herum ist.

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