Das Kreuz mit den Quereinsteigern

11. November 2009, 18:09
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    foto: robert newald, der standard

    Versuch der Erneuerung: Bei der 63. Landesversammlung der Wiener Grünen (im Bild die 62. in Floridsdorf) entscheiden neben Parteimitgliedern auch Sympathisanten mit.

Wenn sich die Wiener Grünen am Sonntag zur Kandidaten-Wahl für 2010 treffen, läuft alles nach streng basisdemokratischen Regeln ab - Politisch unerfahrenen Grünschnäbeln könnte dies ein Mandat bescheren

Wien - Königinnenmörder, sagt Michael Schober, wolle er keiner sein. Deshalb überlegt der 50-jährige IT-Spezialist auch noch, ob er am Sonntag bei der 63. Landesversammlung der Wiener Grünen tatsächlich gegen Maria Vassilakou antritt. Derzeit ist er neben der Grünen Klubchefin der einzige Listen-Kandidat, der sich für Platz 1 aufstellen ließ. "Ob ich wirklich für Platz 1 kandidiere, entscheide ich aber dann vor Ort", sagt er.

Kampf um die Plätze

Und das ist auch sein gutes Recht: Bei der Listenerstellung der Grünen für die Wien-Wahl 2010 kann quasi jeder Kandidat um jeden Platz kämpfen. Wer's in einer Runde nicht schafft, probiert's bei der nächsten. Oder erklärt gleich zu Beginn, dass er lieber an einem anderen Platz als ursprünglich geplant antreten will.

Die Wahllistenerstellung läuft bei den Grünen nämlich nach streng basisdemokratischen Regeln ab. Und deshalb musste sich Schober bisher auch nicht politisch engagieren, um gegen die Parteichefin anzutreten - er hat einfach einen Antrag eingesandt. Kommunalpolitik kenne er "nur auf User-Ebene", sagt Schober. Dass er sich Platz eins zutraut, sei "einfach ein Statement": "Man muss immer versuchen, erster zu werden. "

63 Kandidaten für 36 Plätze

Zwischen 800 und 1200 Menschen finden sich am Sonntag im Wiener Austria Center ein. 63 Kandidaten bewerben sich für 36 Plätze. Die ersten vier Plätze werden einzeln gewählt, ab Platz 5 dann blockweise. Neben Gemeinde- und Bezirkspolitiker stellen sich auch einige Quereinsteiger der Wahl - etwa Filmregisseur Peter Kern.

Quer eingestiegen ist zum Teil auch das Stimmvolk. Neben den Parteimitgliedern sind diesmal nämlich auch viele sogenannte Unterstützer dabei: 230 Sympathisanten, die einen Antrag stellten, wurden von den Grünen zur Vorwahl zugelassen. Dass sich diesmal so viele Nicht-Parteimitglieder wie nie zuvor für die grüne Listenerstellung interessieren, hat vor allem mit der Plattform gruenevorwahlen.at zu tun, die zur Einreichung von Unterstützungsanträgen aufrief.

Listenland

Allerdings wünschte sich Initiator Helge Fahrnberger wesentlich mehr Mitsprache als die Grünen letztlich gewährten: "Viele wählen die Grünen nur noch zähneknirschend" , sagt er, "die Grünen Vorwahlen haben diese negative Energie in positive umgewandelt. Anstatt diese zu nützen, wurde allerdings jeder zweite Unterstützungsantrag abgelehnt." Innerhalb der Grünen war die Initiative umstritten: Mäßig engagierte Greenhorns könnten, so die Befürchtung, erfahrene Kommunalpolitiker rauskicken.

Die Listenerstellung bei den Grünen sei "prinzipiell demokratischer" als bei den anderen Parteien, sagt Politikberater Thomas Hofer. "In einem Listenland wie Österreich ist ja sonst nicht klar, wie die Kandidaten auf die Liste kommen." Aber dennoch sei das grüne Modell nicht so demokratisch wie etwa bei den Primaries in den USA, bei denen sich die Wähler bei einer Partei registrieren lassen und dann ihren Kandidaten wählen.

Neo-Kandidat Schober rechnet jedenfalls nicht damit, am Sonntag die Parteispitze zu übernehmen. "Einen Sitz im Gemeinderat könnte ich mir aber schon vorstellen." (Bettina Fernsebner-Kokert, Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 12.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 93
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living reef
11
14.11.2009, 20:06
es lebe der politische amateurstadl

news werden manipuliert
22
13.11.2009, 16:27
grün

quereinsteiger, grünschnäbel, sauhaufen...

henry "le filibustier"
05
13.11.2009, 12:02
furchtbar ist es, so scheints, wenn demokratie kein lippenbekenntnis ist

wenn ich mir div. kommentare hier durchlese muss ich mir ob der autoritätshörigkeit und der verachtung demokratischer prozesse, an den kopf greifen.
aber wenigstens erklärt sich damit der hohe anteil an menschen die in Ö einen starken führer wollen - kleine geister brauchen einfache lösungen.

Prof. Alois
 
00
17.11.2009, 21:00
Wundern tut sich hier nur ein ÖVPler

Gibt aber nicht viele hier da. Dort gibt es nämlich immer substantiell ganz unterschiedliche Kandidaten mit unterschiedlichen Programmen. K omische Typen oft. Aber immerhin. Etwas, das mich früher immer schmerzte: diese Uneinigkeit bei der ÖVP, wenn es um die Spitzenposition geht, die lernte ich als demokratische Tugend schätzen. Denn, wer 89% bekommt, der steht einem demokratisch leblosen Etwas vor.

Section Control
10
13.11.2009, 13:36

Und was sagens dazu, wie ihre Parteifeunde den Spitzenkandidaten in der Steiermark bestimmt haben.
Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen.

henry "le filibustier"
03
13.11.2009, 14:44
spitzenkandidat in der steiermark?

dem standard ist zu entnehmen dass der nominierte willnauer, im dezember von der steirischen landesversammlung bestätigt werden muss.

Section Control
10
13.11.2009, 19:43
Das machen die anderen Parteien auch

Ds Ergebnis ist halt immer 90%+. Meineswissens hat die VP Steierrmark für die NR-Wahl 2006 auch die Deligierten bei der Aufstellung der Regionalwahlkreise entscheiden lassen. Da gabs einige Watschen für die Größeren.

t-bonesteak
51
13.11.2009, 02:28
die grünen kapieren es einfach nicht

Der Ruhestifter
 
00
24.11.2009, 01:15
Sind Sie medium oder rare?

Jedenfalls wohl tot. Und hirnlos. Wie es sich für ein steak gehört.

rosa parks
05
13.11.2009, 09:32
was eigentlich?

dass listen nicht demokratisch gewählt werden dürfen?

George Walker B
22
12.11.2009, 19:10
Links

Wie schon der mit Orangen beworfene Hans Huber anno 2001 meinte: "Ich weiß, es interessiert Sie nicht, aber..." Ja, ich werde nächstes Jahr die Grünen wählen und mehr noch: ich werde am Sonntag den Linken unter ihnen die Daumen drücken und auf eine Niederlage der sog. Gestaltungsgrünen hoffen. Warum? Weil es in Wien/Österreich sonst niemanden links der Mitte gibt.

Drew R. Man
22
12.11.2009, 15:28
"kreuz"?

o mein gott, die haben wirklich "kreuz" gesagt! das ist diskrim*inierend! SOFORT VERBIETEN!!!

freiheit für die wale! laizismus jetzt!!!

Vedralo-Spiralo
101
12.11.2009, 14:58

Es ist phänomenal zu beobachten wie sich die Grünen die Probleme selber kreieren. Anstatt wie in einer Partei üblich solche Entscheidungen von speziellen Gremien absegnen zu lassen muss dies auf basisdemokratischer Basis geschehen. Die Grünen sind dann doch selber schuld wenn sie interne Streitigkeiten provozieren und grün-bürgerliche Wähler abschrecken.

yes2bertl
00
12.11.2009, 18:16
Also unsere Weltanschauungen müssen wirklich

diametral sein.
Einen der wenigen Anlässe den Grünen zu applaudieren finden Sie ablehnenswert.
Tja, die Bürgerlichen werden, wenn sie dann drauf kommen, dass das Wählen der ÖVP sie nicht automatisch zu "Großkopferten" macht, bitterlich weinen.
Möge diese Wahl und dem Entsprechendes abhüten, dass die Grünen der neue Hort der "Bürgerlichen" - dann mit Gewissensablass, werden.

Prof. Alois
 
00
17.11.2009, 21:03
Es ist halt leider so

dass viele idealistische Grüne ein bürgerliches Elternhaus haben und sich von Grün das Bessermachen im Vergleich zur ÖVP erwarten. Dass diese Hoffnung schmerzhaft zugrundegehen kann, ist ein gesunder demokratischer Vorgang.

Der Ruhestifter
 
00
24.11.2009, 01:24
Gesunder vorgang? Wie man's nimmt.

Angesichts dessen, dass sämtliche alternativen noch grausliger sind, bin ich mir nicht so sicher, dass die enttäuschte abkehr von den grünen so ein richtig gesunder vorgang ist. Dessen ungeachtete ist er freilich ziemlich unvermeidlich. Die grünen sind das kleinste im parlament vertretene übel und wollen wohl auch gar nichts anderes mehr sein.

Section Control
14
12.11.2009, 14:18
Kommunalpolitik kenne er nur auf User Ebene

Sorry, das ist aber schon ein bisserl wenig.Vielleicht hätte man es mal mit dem Bezirksrat versuchen sollen.

Maurice Chevalier
33
12.11.2009, 14:51

Da stimme ich voll zu. Daher überrascht es mich, dass es so einen starken Wunsch nach Erneuerung gibt. Die Grünen haben in Wien einige gute und sehr erfahrene Leute wie Chorherr aber auch Ellensohn, Vana, Maresch, Margulies die sich von einer SP oder auch SP/VP nicht so leicht über den Tisch ziehen lassen. Stattdessen wünscht man sich junge und/oder unerfahrene. Auch wenn frischer Wind scheinbar immer gut klingt (warum eigentlich?), erinnert das Ganze doch etwas ans Nationalteam. Aber jung und unerfahren allein macht noch keinen Weltmeister.

Section Control
10
12.11.2009, 14:17
Und wann werden die Wahllisten für die Steiermark bestimmt?

Gibt es dort schon eine SpitzenkandiatIn? Auf jedenfall wird in der grünen Mark kein so großes Tamtam gemacht. Und hier in Wien? Hier gehts doch nur um die Landesliste. Wer bestimmt die Kandidaten in den Regionalwahlkreisen? Wieviele Leute vor der Reststimmenliste werden eigentlich in den Gemeinerat kommen? Die ersten 4?

bezahlter kampfposter
14
12.11.2009, 15:15
die regionalwahlkreise werden,...

...das ist statutarisch vorgesehen, so gebildet, dass sie das wahlergebnis auf der landesliste wiederspiegeln. heißt in der praxis: bei der letzten wahl zogen tatsächlich die ersten sechzehn gewählten von der landesliste in den landtag ein. das ist möglich, da in wien abgeordnete in mehreren regionalwahlkreisen kandidieren dürfen. probleme hat es erst einmal gegeben, als wer nachgerückt ist und die person, die laut landesliste nächste gewesen wäre, halt nicht auf der entsprechenden regionalwahlkreisliste stand. ansonsten funktionierte dieses modell bisher bei allen wahlen (übrigens auch bei der nr.-wahl).

hexe caracas
03
12.11.2009, 14:08
Das Kreuz mit...

diese Redewendung ist eindeutig christlich und verletzt die Gefühle Andersgläubiger...

rorschach
00
12.11.2009, 18:34
wirklich? vorsicht als hexe leben sie gefährlich

im christlichen abendland ....

Kool Killer
 
11
12.11.2009, 11:31
test

test

Der Große von Gegenüber
10
12.11.2009, 13:54
test 1234

test 1234

komajo
33
12.11.2009, 11:25
Ein Ermittlungsverfahren

ist nur dann als demokratisch zu bezeichen, wenn alle Kandidaten die gleichen Chancen haben. Das heißt, alle Kandidaten stehen auf einem Wahlzettel und alle Wähler haben die gleiche Anzahl von Stimmen. Alles andere verdient nicht die Bezeichnung demokratisch. Übrigens Personen mit Mehrfachstaatsbürgerschaften sollten nicht kandidieren dürfen.

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