Grüß Gott, Antirassismus!

11. November 2009 17:48

Schwarze und Roma dürfen im österreichischen Kabarett beleidigt werden, und man nennt das "Ironie" - von Simon Inou

Im April dieses Jahres präsentierte die in Wien ansässige Europäische Grundrechtagentur für Grundrechte (FRA) eine Studie zum Thema Diskriminierung in der Europäischen Union. 55 Prozent der Befragten nannten Diskriminierung als großes Problem, 37 Prozent gaben an, selbst Opfer von Diskriminierung geworden zu sein. Zwölf Prozent berichteten von tätlichen oder verbalen Angriffen. Am stärksten betroffen sind laut dieser Erhebung zwei Gruppen: Zum einen die Roma. 47 Prozent von ihnen erklärten, sie seien in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal Opfer von Diskriminierung geworden. Zum anderen die Schwarzen. 41 Prozent stimmten dieser Aussage zu.

Ganz normal

Genau bei diesen zwei Bevölkerungsgruppen finden es viele Menschen in Österreich ganz normal, sie zu beleidigen. So auch in der Kabarettszene.

Mitte September 2009 in Wien: Die Creme de la Creme des Wiener Kabaretts präsentiert die Pläne des neuen Vindobona. Das neue Programm positioniert sich stark für "Ausländer". Am Podium sitzt Michael Niavarani, der bekannteste Österreicher mit persischen Wurzeln. Es schaut nach Multikulti-Kabarett aus.

"Ironietest"

Was lesen wir in der Presseaussendung? "Die erste Vorführung der neuen Bühne gibt es am 10. Oktober mit Johannes Glücks Grätzl-Soap Jägerstraße. Mit echten Chinesen, Jugos, Kurden, Negern, Philippinos, Türken, Wienern und Zigeunern". Protest aus den Communities: Die Worte „Neger" und „Zigeuner" seien rassistisch und abwertend. Schließlich die Antwort der Veranstalter: Das war ein Ironietest.

Ja, es ist eine sehr rassistische Ironie, die hier von Intellektuellen verbreitet wird. Während mehrere Institutionen seit Jahren den Rassismus in der Sprache, insbesondere in der öffentlichen Sprache, zu bekämpfen versuchen, verbreiten diese Kulturschaffenden ganz bewusst leutseligen Rassismus - unter dem Vorwand von Ironie und Witz. Und das mit öffentlichem Geld, denn die Kulturabteilung der Stadt Wien ist finanziell maßgeblich am Vindobona beteiligt.

Aggression

Was Rassismus in Österreich betrifft, kann man derzeit zwei Tendenzen bemerken: Zum einen reagieren Teile der Öffentlichkeit sehr vehement und aggressiv auf jeden Erfolg - wie z.B. das Ersetzen des N-Wortes in allen seinen Formen. In Kabarett, TV, Film gab es noch nie so viele rassistische Witze und Ironien wie heute. Political Correctness wird als Zumutung empfunden, Chefredakteure sagen offen, dass sie diese als Sprachterror empfinden.

Zum anderen wird der öffentliche Rassismus subtiler. Zur Ausgrenzung werden neue Begriffe geschaffen. „Personen mit Migrationshintergrund" ist so ein getarntes Wort. Man verwendet es, um Menschen, die Österreicher sind, nicht „Österreicher" nennen zu müssen. In Österreich lernen wir, auch Österreicher, die im Ausland geboren sind, „Migranten" zu nennen. Und wenn von „Migranten" die Rede ist, weiß gleich jeder genau, wer gemeint ist - nämlich alle, die zur "Integration" in die österreichische Gesellschaft gezwungen werden sollen.

Aber mir, und vielen anderen, ist eines klar: Mich definiert niemand. Wer a Tschusch is, bestimm no immer i. (derStandard.at, 12.11.2009)

Zur Person

Simon Inou ist Geschäftsführer von M-MEDIA

  • Burn out-Falle

    Ausgebrannt [34]

    Die totale Erschöpfung: Niemand kann auf Dauer alle Aufgaben immer noch besser, noch schneller und noch gewinnbringender erledigen, ohne dabei sich selbst und/oder andere auszubeuten

  • 8.11.2011
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Alina Zak
17.01.2010 18:38
Tabus, Verbote....was hat das in der Geschichte je gebracht

dieser Ausdruck von Niavarani war einfach unnötig, denn so witzig/ironisch ist er eh nicht.
Aber: Das IRONIE immer öfter verboten wird...überall Tabus...das ist eine gefährliche Entwicklung...Karikaturen über Religionen werden verboten...man darf bei allen Themen die mit Migranten zu tun haben, nicht die geringste Kritik aussprechen, egal ob gerechtfertigt oder nicht, sogar wenn man links ist. Irgendwann, wenn man dann alle Probleme lang genug todgeschwiegen hat, wird es einen ziemlichen Vulkanausbruch geben und alle werden so überrascht sein (siehe Amokläufer)...Tabus verlocken eben dazu, sie zu brechen... die Geschichte hat das immer wieder gezeigt

Raphae1
17.09.2010 15:15
Tabus gefährlich?

Ich versteh' nicht worauf Du mit Deiner Analyse hinaus willst. Sind Tabus grundsätzlich schlecht? Soll Rassismus ent-tabuisiert werden? Sollen Karikaturen über Religionen grundsätzlich erlaubt sein? Auch wenn diese antisemitisch sind?

Merkel hat vor kurzem Westergaard, den Zeichner der "berühmtesten Mohammed-Karikatur", mit einer Auszeichnung geehrt. Hätte sie das auch gemacht, wenn nicht Mohammed sondern Moses ähnlich dargestellt worden wäre?

Alina Zak
17.09.2010 17:58
freiheit der Meinung

1.Hätte sie das auch gemacht, wenn Moses so dargestellt worden wäre?
Wieso nicht?! im Westen wird das Christentum ständig kritisiert, von Kabarettisten etc. sowieso. jeder macht es + es ist gut das es dieses Tabu nicht mehr gibt. es ist gut, daß das Christentum eine "erkaltete" Religion ist.
http://www.spiegel.de/spiegel/p... 03778.html
2.Tabus: größter Fehler seit 1945 ist das "Verbot" über ethnien zu reden. heimlich machen es die meisten, offiziel gibt sich jeder anständig. auf Nicht-österreicher wirkt das pervers, denn anderswo redet man frei. Ösis reagieren da äußerst verdächtig emotional: in der Psychologie weiß man was Tabus bewirken: das Verbotene wird einfach in tiefere Schichten ge/verdrängt=Schattenkonzept c.g.Jung

Gaviota
30.01.2010 15:59

Sie glauben aber hoffentlich nicht, dass Antisemitismus in Ö und D vor 1933 bzw. 1938 ein Tabu war?

Alina Zak
03.02.2010 14:10
natürlich war Rassismus früher nie ein Tabu

dazu wurde es erst nach 1945. Das ist eine neuer Trend.was anfangs gut+verständlich war, aber irgendwann bewirkt ein Tabu das Gegenteil von dem, wozu es da sein sollte.
aber es gab genug andere Tabus: im Bereich Sexualität, Gleichberechtigung v. Geschlechtern, die Kirche strotzt vor Tabus.
Bsp: gerade in rechten, konservativen Parteien spielt sich sexuell mehr im Hinterkammerl ab, verdrängte Homosexualität etc.

Der Waehlerwille
 
07.01.2010 23:09
sorry herr autor

aber sie haben die tehmatik einfach nicht verstanden

denkaufgabe für sie .. warum nennt sich eine band in wien tschuschenkapelle?

ganz genau .. weil man damit begriffe neu besetzt und okkupiert.

aber manche sind für sowas tatsächlich ein bisserl zu nunja .. "naiv"

. Kramar
 
01.02.2010 13:42
Zitat

"Mich definiert niemand. Wer a Tschusch is, bestimm no immer i."

G e o r g
08.01.2010 17:17

Denkaufgabe für Sie: Was ist der Unterschied, wenn jemand einen Begriff auf sich selbst bezieht, ihn vielleicht dadurch umdeuten will, im Gegensatz dazu, wenn jemand einen Begriff, der nicht auf ihn passt, auf andere anwendet (die das noch dazu regelmäßig explizit ablehnen)?
Wenn ein schwarzer Rapper das N-Wort verwendet, ist das etwas anderes, als wenn es ein weißer Kabarettist verwendet.

Der Waehlerwille
 
08.01.2010 21:10
sie verstehen aber schon wie die kabarettgruppe diese begriffe verstand und gebrauchte?

so schwierig kann das ja wohl nicht sein.

G e o r g
11.01.2010 17:47

Falls du es noch immer nicht verstehst: Ob ironisch oder sonstwie gemeint - die Verwendung rassistischer Begriffe wird dadurch nicht unproblematisch.

Richard III
07.01.2010 20:11
Gratuliere, Simon- du hast es dadurch sogar in´s BestOfBöse vom Falter geschafft!!!

DAS müsste dir doch zu denken geben, oder?

LG,

R

G e o r g
08.01.2010 17:21

Rassismus wird nicht besser, wenn er im Falter erscheint. Dass dort sowas dämliches zu lesen ist, gibt wirklich zu denken.

Gaviota
30.01.2010 17:43

Stimmt, ich wundere mich manchmal auch, was für schlichte Gemüter teilweise beim "Falter" arbeiten.

Ich wundere mich deshalb, weil ich den "Falter" für das mit Abstand beste österreichische Magazin und einige "Falter"-Redakteure und -Mitarbeiter für brillant, um nicht zu sagen genial halte. Umso mehr wundere ich mich dann über kindisches und unreflektiertes Blabla, das dort auch anzutreffen ist.

smea_gol
07.01.2010 17:24

ich glaube hr. Inou hat nicht ganz verstanden, dass die doch recht weit links positionierte wiener kabarett-szene mit solchen titeln versucht die menschen etwas mehr bewusst zu machen...

gerade hr. niaverani kann man denke ich verbalrassismus nicht vorwerfen...

außerdem schließe ich mich einigen vorpostern in folgenden punkten an:
- jugos erscheint mir - wenns ernstgemeint wäre - genauso rassistisch
- und ja, ich tu mir mit der kritik auch schwer. Herr Inou wäre vermutlich besser beraten eher auf bestimmte kasperln im parlament oder in südlichen landeshauptämtern hinzuweisen, die diese worte leider komplett ironiefrei und ernst meinen, oder etwa nicht herr dörfler?

G e o r g
08.01.2010 17:28

Weder wird Rassismus besser, wenn er von jemandem kommt, der sich als links versteht, noch müssen Sie Simon Inou Ratschläge erteilen, wo er Rassismus orten sollte und wo nicht.
Dass Niavarani mit der Verwendung des N-Worts Rassismus nicht verbreiten wollte, glaube ich gerne. Das ändert aber nichts daran, dass er es faktisch schon durch die Begriffsverwendung tut.

Am schlimmsten finde ich an der Sache aber, dass (höchstwahrscheinlich) weiße Poster definieren wollen, was nicht rassistisch ist.
Lesetipp: http://www.deutschlandschwarzweiss.de/nachhilfe... ssein.html

Alina Zak
17.01.2010 17:55
Niavarani nicht schwarz genug

ich weiß daß man im Orient (=Migrationshintergrund von Herrn Niavarani) auch sehr dunkle Menschen (Haarfarbe, bräunlicher Haut-Ton) auch oft als schwarze bezeichnet werde. Niavarani, dachte eben als "Migrant" wird ihm Rassismus nicht vorgeworfen. normalerweise ist das ja auch so. Man kann darauf hinweisen, daß es einen verletzt, aber warum immer gleich die Rassismuskeule...viele haben eben gar keinen Sinn für Humor. will man damit auch Linke vergraulen - kenne einige die aus solchen Gründen nicht mehr Grün wählen - aus Wut, über den Verlust von Freiheit (Meinungsfreiheit, Sprachlich). übrigens sagt man im Spanischen "negro": ist das auch rassistisch, da gibt es aber keine anderes Wort.denn negro heißt eben schwarz

G e o r g
19.01.2010 14:20

Rassistisch ist eben kein Humor, auch wenn das gerne so verdreht wird. Wer meint, Kritik an der Verwendung rassistischer Begriffe sei ein Grund, nicht links zu wählen, soll das tun, aber bitte nicht eine angebliche Einschränkung der Meinungsfreiheit, die hier in Wirklichkeit eine Freiheit zu Diskriminieren meint, vorzuschieben. So viel Ehrlichkeit muss sein: Wer rassistische Begriffe verwenden will, sollte wenigstens dazu stehen, und sich nicht als armes Opfer darstellen.

Richard III
27.01.2010 13:19
Sag Schurl- was symbolisieren die Leerzeichen zwischen den Buchstaben in deinem Nick eigentlich? :)

....irgendwie scheinst du diesen simplen Sachverhalt nicht ganz zu verstehen....Der Niavarani hat das IRONISCH gemeint und darum ist es eben KEIN Rassismus. Dass es auch RassistInnen gibt, die sich aufgrund des Programmuntertitels auf die Schenkeln klopfen, glaub ich Dir schon, aber der Kommunikator (= Niavarani) kann nichts dafür, wenn der Rezipient die Ironie nicht schnallt- so wie du!

Und zum Falter: das mit dem dreimal "Neger" schreiben, fand ich vom Falter auch etwas überzogen, aber wenn du jetzt tatsächlich den Falter als rassistisch bezeichnest, ist dir nicht zu helfen: Dann bist du ein typischer politisch Überkorrekter wie der Inou, der keinen Sachverhalt mehr neutral beurteilen kann.

LG,

R

G e o r g
05.02.2010 15:25

Schreib keinen Unsinn. Rassismus wird nicht unbedenklich, wenn er ironisch verwendet wird. Du kannst dich zwar selbst belügen und glauben, ich würde Ironie nicht versehen; das ändert aber nichts.

Du kannst mir sicher zeigen, wo ich den Falter als rassistisch bezeichnet hätte. (Mach dir nicht die Mühe, es wird dir nicht gelingen. Ich habe nämlich geschrieben, dass Rassismus nicht besser wird, wenn er im Falter erscheint. Der Unterschied ist dir wohl zu hoch.)

Es ist übrigens eher peinlich, Kritik an Rassismus als "politische (Über-)Korrektheit" abzutun. Argument ist das nämlich keines.

Poldi Fesch
16.01.2010 18:56
nach diesem Artikel erscheint

es mir doch, dasz Hr. Simon Ratschlaege benoetigt

G e o r g
19.01.2010 14:20

Von dir braucht wohl niemand Ratschläge.

Richard III
27.01.2010 13:22
Georg: von dir aber ah ned....weil die Leerzeichen in deinem Nick offenbar immer wieder geistig aktiv zu werden versuchen- hihi

hat sein müssen, wenn du schon so obertoll Zensuren vergeben willst.

LG,

R

G e o r g
05.02.2010 15:20

Schön, dass es dir nach einer plumpen Beschimpfung besser geht.

Poldi Fesch
19.01.2010 16:59
wennst

glaubst

Frankensteins Fekter
01.01.2010 22:26

Wirklich gute Kabarettisten wie etwa Urban Priol haben wir in Österreich leider nicht.
Unsere Komiker sind nur Kasperln.

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