Betrunken Autofahren erhöht das Unfallrisiko enorm - Bewusstseinswandel in der Bevölkerung gibt es keinen
Warum zuerst die gute Nachricht, wenn man auch mit der schlechten beginnen kann: Die Zahl der Todesopfer durch Alkohol am Steuer ist heuer im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent gestiegen, in den ersten fünf Monaten starben nämlich 23 Menschen, 2008 waren es 17. Im Schnitt gibt es bundesweit alle zweieinhalb Stunden einen alkohol-induzierten Verkehrsunfall. Das sagt der VCÖ (Verkehrsclub Österreich).
Die gute Nachricht hat Dieter Krainz, Verkehrspsychologe vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV): Laut seinen noch nicht veröffentlichten Statistiken der Alkoholunfälle 2009 gibt es bis August einen Rückgang der nicht tödlichen Unfälle von 9,3 Prozent. "Die Dunkelziffern bei den tödlichen Unfällen sind freilich bei weitem höher: Wenn Autofahrer allein verunglücken, gibt es oft keine Blutuntersuchung", sagt Krainz.
"Falsches Wissen"
Dass erhöhtes Unfallrisiko bei Alko-Fahrten besteht, wird von Ministerien, Autofahrerclubs und Rettungsorganisationen seit vielen Jahren gebetsmühlenartig thematisiert. Allein ihre Warnungen verhallen in der österreichischen Bevölkerung ungehört. "Die Menschen haben ein völlig falsches Wissen über Auswirkungen von Alkohol am Steuer. Nur 10 Prozent aller Autofahrer glauben, dass sie jemals in einen Unfall verwickelt werden könnten", sagt Krainz. Autofahrer machen sich in der Tat weniger Gedanken, ob durch ihr Verhalten sie selbst und vor allem andere ins Unglück gestürzt werden, die größte Angst herrscht vor hohen Geldstrafen und dem Entzug des Führerscheins. Ein Leben ohne Auto, das ist nicht mehr so bequem.
Bei 0,5 Promille ist das Unfallrisiko doppelt so hoch, bei einer ordentlichen Fahne von 1,6 Promille steigt die Gefahr um das 36-fache. Krainz: "Die Wahrnehmung von rotem Licht nimmt rapide ab, darum gibt es auch so viele Auffahrunfälle. Die Leute fühlen sich extrem leistungsfähig, ab 0,5 Promille kommt aber bereits der Tunnelblick. Periphere Dinge wie Fußgänger am Schutzweg werden nicht mehr gesehen. Das ist eben der feine Unterschied zwischen subjektiver und objektiver Wahrnehmung."
Suche nach Gleichgewicht ab 0,8 Promille
Beim ÖAMTC gibt es eine detailierte Auflistung, wie sich ein steigender Alkoholpegel auf das Fahrverhalten auswirkt. Bei 0,2 Promille steigt bereits die Redseligkeit, ab 0,5 Promille verlangsamt sich die Hell-Dunkel-Anpassung beim Sehen. Die Blendempfindlichkeit der Augen erhöht sich, weil sich die Pupille bei plötzlichem Lichteinfall zu langsam schließt. Gleichgewichtsstörungen setzen bei 0,8 Promille ein, spätestens ab 1,0 Promille kommt es zu Sprachstörungen und massiven Orientierungsproblemen.
VCÖ-Sprecherin Judith Schübl vergleicht "Betrunken Autofahren mit dem Telefonieren am Handy", die Aufmerksamkeit sei "schwer beeinträchtigt". Gerade jetzt, wo der Winter in Österreich bereits anklopft, verdeutlichen Berechnungen vom VCÖ die Folgen von Alkohol im Blut und Schnee und Eis auf der Fahrbahn. Schübl: "Auf trockener Fahrbahn ist der Bremsweg 21 Meter lang, bei Schnee verlängert er sich auf 56 Meter. Ist der Autofahrer auch noch mit 0,8 Promille unterwegs, verlängert sich der Bremsweg auf 70 Meter und ist somit dreimal so lang." (fv, derStandard.at, 15.11.2009)