Auf drei Prozent

EU fordert bis 2013 Defizitsenkung um sechs Milliarden

11. November 2009 22:00
  • Artikelbild
    grafik: apa

Verbesserung von 0,75 Prozent pro Jahr - Wifo-Expertin: "Umsetzung schwierig"

Brüssel - Die EU-Kommission hat am Mittwoch mehreren EU-Staaten Fristen gesetzt, um die hohen Budgetdefizite zu senken, die durch die Bekämpfung der Wirtschaftskrise entstanden sind. Die Kommission fordert Österreich auf, ab 2011 jährlich 0,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an Budgeteinsparungen vorzunehmen. Gegenüber dem für 2011 prognostizierten Defizitwert von 5,3 Prozent entspricht das einem Volumen von sechs Milliarden Euro. Bis 2013 soll der Bund die Maastricht-Kriterien, die ja eine Neuverschuldung von maximal 3,0 Prozent vorschreiben, wieder erreichen.

Wifo-Budget-Expertin Margit Schratzenstaller hält diese Salden-Verbesserung für äußert ambitioniert. Allerdings hofft sie, dass der Druck aus Brüssel "die Reformblockade aufbricht" , sagte sie dem Standard. Zudem könnte eine bessere Konjunktur mehr Steuereinnahmen in die Staatskasse spülen.

Eine längere Frist für die Budgetsanierung wurde auch Großbritannien und Irland gewährt. Probleme zeichnen sich in Frankreich ab, weil der Budgetkurs nicht mit den EU-Vorgaben in Einklang steht. Griechenland drohen Sanktionen.

Den Abschwung der Wirtschaft habe "Österreich erfolgreich gebrochen", sagte Finanzminister Josef Pröll (ÖVP). Konjunkturpakete und die Steuerreform hätten Wirkung gezeigt. Ein drittes Konjunturpaket sei daher nicht geplant. Bewegung kommt in die Pläne für ein weiteres Arbeitsmarktpaket. "Wir überlegen weitere Aktivitäten", sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner.

***

Brüssel - "Zwischen 2006 und 2008 war Österreich in einer sehr guten wirtschaftlichen Lage" , heißt es im Länderbericht der EU-Kommission zu den Defizitverfahren gegen insgesamt 14 Mitglieder trocken, "aber das Land hat die Gelegenheit nicht genutzt, seine öffentlichen Finanzen zu konsolidieren" .

Infolge der Wirtschaftskrise werde das Budgetdefizit 2009 auf minus 4,2 Prozent ansteigen und 2010 dann weiter auf minus 5,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), also deutlich über dem im Euro-Stabilitätspakt vorgesehenen Maximalwert von drei Prozent, berichtete Wirtschaftskommissar Joaquín Almunia am Mittwoch.

Wie Deutschland, Frankreich oder Italien auch räumt die Kommission Österreich nun vier Jahre - bis 2013 - ein, um das Budgetdefizit wieder zurückzuführen. Ab 2011 muss, wie schon berichtet, mit entsprechenden Maßnahmen begonnen werden. Von der Regierung in Wien erwartet die Kommission eine jährliche strukturelle Defizitreduzierung um 0,75 Prozent des BIPs, das sind umgerechnet rund zwei Milliarden Euro, bereinigt um konjunkturelle Effekte. Ab dem Jahr 2014 soll die Neuverschuldung wieder unter drei Prozent des BIPs liegen.

Dafür, schreiben die Prüfer der Kommission, sei in Österreich ausreichend Spielraum vorhanden, um auch 2010 noch konjunkturelle Maßnahmen zur Stützung des schwachen Aufschwungs fortzusetzen. Im Vergleich zu anderen Ländern, gegen die Verfahren laufen, steht Wien gut da. Nur der sprunghafte Anstieg der Gesamtverschuldung von 62,5 Prozent des BIPs 2008 auf mehr als 75 Prozent im Jahr 2010 wird kritisiert.

Wifo-Expertin Margit Schratzenstaller bezeichnet die Erfüllung der EU-Vorgaben als "schwierig" , zumal Strukturreformen - etwa in der Verwaltung - erst mittelfristig wirkten. Andererseits könnte der neue Druck die "Reformblockade aufbrechen" . Während Deutschland (- 3,4 Prozent), Italien (- 5,3) oder die Niederlande (- 4,7) ähnliche Ausgangslagen wie Österreich haben, fällt vor allem die riesige Differenz zu den budgetären Sorgenkindern der Union auf, insbesondere, wenn sie im Währungsverbund des Euro sind. So kämpfen Frankreich und Spanien gegen Budgetdefizite von - 8,3 bzw. -11,2 Prozent des BIPs an. Um 2013 Maastricht-konform zu sein, müssten sie jährlich 1,25 bzw. gar 1,75 Prozent ihres BIPs einsparen. Paris hat bereits angekündigt, dass es diese "sehr schwierige" Vorgabe aus Brüssel wohl nicht einhalten werde können. In diesem Jahr plant Frankreich ein Minus von fünf Prozent. Überdies will Finanzministerin Christine Lagarde Anleihen für Technologie- und Infrastrukturmaßnahmen von bis zu 50 Mrd. Euro begeben, die den Schuldenstand "nicht oder so gering wie möglich erhöhen" .

Noch trister sieht es in Irland und Großbritannien aus, wo die Neuverschuldung 2009 mehr als zwölf Prozent des BIPs betragen dürfte. Ihnen wurde ein Jahr länger, bis 2014/15, Zeit gegeben, sich zu konsolidieren.

Athen drohen Sanktionen

Besorgniserregend - auch wegen möglicher Folgen für die Stabilität des Euro - ist die Lage in Griechenland. Almunia bestätigte, dass Athen die von der Kommission im Frühjahr auferlegten Maßnahmen zur Schuldenbremse ignoriert und falsche Zahlen geliefert habe. Das Defizit verdoppelt sich heuer gegenüber den letzten Angaben der griechischen Regierung. Die EU-Kommission hat daher die letzte Verfahrensstufe vor der Exekution von Sanktionen eingeleitet. Sollte Griechenland bis zum Frühjahr nicht reagieren, drohen Zwangsmaßnahmen - eine bisher noch nie verhängte Strafe. (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 175
1 2 3 4
Mostbluzer
12.11.2009 11:02
wir sind ja noch gut dran,

wenn unsere oberdenker die paar milliarden in den paar jahren nicht hinkriegen, haben sie versagt und gehören weg.

das gilt auch für die opposition, der das genausowenig zuzutrauen wäre. so gibt eskeinen politiker mit hirn & mumm bei uns der die wahrheit sagt, durchgreift und auf jede klientel pfeift - weil alle sparen müssen. leider.

ps: und jetzt soll mir keiner der eierköpfe kommen, mit "in der krise spart man nicht" ... d.h. dass es bei uns keine doppelgleisigkeiten, keine verschwendung usw gäbe. 5 mrd pro jahr sind möglich, 3 davon sinnvoll einsetzen und 2 mrd zur tilgung. mit jeder mrd könnte man einen fonds einsetzen der ewig geld liefert (bildung, gesundheit, forschung). jeder zins-euro ist verloren

also dann ...
12.11.2009 20:21
o.k. - dann sanieren wir das budget - ganz einfach :

einsparungen - rasch und effektiv :
- subventionen - derzeit 9 mrd
...15 % = 1,5 mrd
- verwaltung ...ca. 18 mrd ausgaben
...5 % = 0,8 mrd
- gesundheits ...spitäler
...geschätzt ca. 0,5 mrd
- und total von ausgaben 137 mrd
...ca 1,5 % = 2 mrd.
- - - total ca. 4 - 5 mrd

+ neue einnahmen = vermög.bez. steuern
- das ges,vermögen = ca. 1000 mrd
...davon 1 % steuern = 10 mrd
und in der SOFT-variante :
ver,ög.bezu. steuern auf eu-niveau = 2,1 % d. BIP
= 4,2 mrd.
- - -
total : 8 - 9 mrd.
o h n e dass die "konjunktur"...einbricht.

it`s easy as that !

luke skywalker
12.11.2009 13:30
Es ist ganz einfach in der Demokratie


gewählt wird - und bestimmen darf - wer das meiste verspricht und austeilt mit beiden Händen - auf Kosten der nächsten Generation natürlich.

Ich habs aufgegeben, da noch an Wunder zu glauben.

Der gesamte Westen wird mit einem gigantischen Schuldenberg an die Wand fahren, die einzelnen Staaten verlieren einer nach dem anderen die Kreditwürdigkeit - die fallen dann um wie die Dominosteine - Päng.

Und dann gehts von vorne los.

Erika Rothen
12.11.2009 11:27
"in der krise spart man nicht"

Haha, gut gebrüllt, Mostbluzer ;)

In der Tat spart man am meisten in der Krise. Warum? Weil einem nichts anderes übrigbleibt. So einfach ist das.

Die EU hat schon recht: in der Hochkonjunktur wurde das Geld mit beiden Händen sinnlosest und populistisch zum Fenster hinausgeworfen (letzte Parlamentssitzung vor den NR-Wahlen).
Und jetzt, wo wir das in gute Zeiten verpulverte und ohne positive Konjunktureffekte verpuffte Geld dringend bräuchten, fehlt es uns, sodass wir ganz einfach sparen MÜSSEN.

uncle sam3
12.11.2009 10:13
10%

beamten weniger!

DnaDoc
12.11.2009 08:57

Wie wärs, wenn wir einfach einen Tunnel weniger bauen?

Herzerzog Johann
12.11.2009 10:05
OK, diesmal lassen wir aber ein paar Straßentunnel weg ...

... davon gibts schließlich schon mehr als genug.
;-)

Erika Rothen
12.11.2009 08:39
Ich glaube einfach nicht den Schalmeientönen, die ein Ende der Wirtschaftskrise propagieren.

Denn das hemmungslose Spekulieren, Zocken und Betrügen der Großbanken hat durch die Krise kein Ende gefunden - im Gegenteil. Im verzweifelten Bestreben, alte Verluste wettzumachen, gibt es offenbar 'more of the same': solange, bis das Weltfinanzsystem vollständig zusammengebrochen sein wird.
Erst dann besteht Hoffnung, dass die Weltwirtschaft sich wieder auf Basis reeller Leistungen konsolidiert anstatt auf "Finanzprodukten" (was für ein blödes Wort).

Solange das Finanzsystem nicht auf echte Werte (Arbeitsleistungen, Produktivität usw.), sondern in Hauptsache auf virtuelle Finanz-Seifenblasen fokussiert, KANN es keine Normalisierung geben. Wer ernsthaft glaubt, dass "Geld arbeite", ist ein Narr.

Geld hat noch nie gearbeitet!

Mostbluzer
12.11.2009 11:03
gegenfrage

wer sagt denn überhaupt noch, dass alles gut wird (ausser analysten und institute).

keine ernsthafte meinung (profs, politiker, vorstände) sagt, dass 2010 ein aufschwung kommt, der weiterhilft.

Erika Rothen
12.11.2009 11:22
Ja, sehe ich auch so. Und ich gehe sogar noch weiter:

Aufgrund des lernresistenten Verhaltens der "Finanzjongleure" (ich vereinfache das mal so) gehe ich davon aus, dass das Szenario schlimmer als in den 1930ern sein wird.

Nach dem "Black Thursday", also dem 24.10.1929 gab es zunächst auch Zeichen für eine rasche Erholung (so wie jetzt), und erst nach einer gewissen Pause traf die Weltwirtschaftskrise mit voller Wucht.

Experten meinen zwar, dass das heutzutage nicht mehr so dramatisch ablaufen kann, da die Regierungen besser und akkordierter reagieren. Ich als Nichtexpertin fürchte aber, dass es womöglich schlimmer kommen könnte, weil die die (nach wie vor anhaltenden!) Spekulationen ungleich mehr auf irrealen Werten (Stichwort: "Finanzprodukte") basieren als 1929 ff.

per verser
12.11.2009 08:43

i agree!

Nobody777
12.11.2009 08:39
Ja und?

Was bedeutet dass 14 Länder vielleicht auch nach 2013 nicht den Stabilitätspakt erfüllen werden können. Das der Euro im Verhältnis zum USD wieder schwächer wird, wahrscheinlich, dass wir wieder einen Kurs Richtung 1:1 erwarten können? Die Exportwirtschaft wird´s freuen. Haben erst nicht vor ein paar Wochen die Währungshüter geschrien dass der Dollar zu schwach ist? Also für den Euro seh ich dass nicht tragisch, eher für die Gesamtverschuldung der einzelnen Mitgliedsstaaten, welche aber langsam aber sicher so hoch wird dass es schon lächerlich ist nur daran zu denken, dass diese Schuldsummen jemals auch nur von einem Staat zurückgeführt werden könnten.

per verser
12.11.2009 08:46
"Die Exportwirtschaft wird´s freuen."

genau das ist der punkt dabei.

wie es den leuten geht, ist scheißegal. europa ist in den händen der brachialkapitalisten, es ist der eurofaschismus, der leben ruiniert anstatt lebensbedingungen zu verbessern.

stolmich
12.11.2009 08:38
machen wir doch glatt,

wenn die EU als Gegenleistung 5 Jahre auf sämtliche Beitragszahlungen aller Mitgliedsstaaten verzichtet. Nebst Gehaltskürzungen um 50 % für alle EU-Parlamentarier, dann halte ich sowas durchaus für machbar und möglich.

Mc Cormick
12.11.2009 18:26
Eigentlich easy.

Bei einer 0,05% Steuer auf alle Finanztransaktionen würden sich laut WIFO Einnahmen von 230 Mrd Euro in der EU ergeben. Damit könnte man auf die bisherigen 130 Mrd Euro Zahlungen der Mitgliedsstaaten locker verzichten.

per verser
12.11.2009 08:46

75%. bleibt genug übrige für die gierschlünde.

grisse78
12.11.2009 09:22

manche postings hier sind so naiv und einfältig, daß man sich nur mehr an den Kopf greifen kann.....
der Österreicher und die böse,böse EU und die böse,böse Wirtschaft...eine neverending story..

per verser
12.11.2009 16:03

okay, sie haben mich überzeugt. 80%.

mag2412
12.11.2009 07:54
die EU hat

mit bush und den anderen schweinen die globalisierung des geldverkehrs erst möglich gemacht. die EU hat mit den amis die zölle und handelsbeschränkungen aufgehoben, alles im namen des kapitals, die brocker hatten plötzlich so viel geld zum verspielen wie nie zuvor und natürlich haben sie es verspielt. nun strengt die EU eine glaubensdiskussion an, um im hintergrund die wirklich asozialen entscheidungen zu treffen. und die dämlichen bürger können sich über das kreutz in der schule über kopftücher über streikende studenten und über das eine oder ander "skandälchen" ärgern

sie checken allerdings nicht wie gerade ihr arsch verkauft wird.

unsere politiker die eigentlich dafür gewählt wurden unsere interessen zu vertreten - schauen zu

per verser
12.11.2009 08:48

"schweine": sie haben ja so recht.

allerdings ist nicht die globalisiserung das problem. das problem ist die neoliberale globalissierung.

der neoliberale ansatz entlarvt den kapitalismus endgültig als faschismus, marx wird wieder einmal bestätigt.

Erika Rothen
12.11.2009 08:42
Sie sollten Ihren Nick ändern auf

Lieschen Müller oder so.

Selten derart eindimensionalen Quatsch gelesen.

Kaiser Schmarren
12.11.2009 09:36

Der Herr hat, trotz emotional gefärbten Formulierungen offensichtlich mehr kapiert als Sie. Denn er bietet eine Diskussionsbasis, im Gegensatz zu Ihnen, die Kritik offensichtlich nur in Form von persönlichen Anfeindungen zu formulieren im Stande ist.

Erika Rothen
12.11.2009 09:51
"Der Herr" - sofern "er" keine Dame ist -

hat gar nichts kapiert, sondern quasselt irendwelche simplifizierenden Pauschalurteile im Krone-Strache-Stil nach und meint, das Ei des Kolumbus efunden zu haben.

Quintessenz seiner/ihrer Weisheiten: Die EU und "die da droben" sind an allem Schuld und "unser A**** wird verkauft".
Platitüden und Nullmeldungen. Sie finden derlei vielleicht faszinierend, mir ist das zu langweilig.

mag2412
12.11.2009 07:47
jo jo

von den 6 milliarden sind 900.000.000.-- an die hypo gegangen die heuer wiede einen verlust von 1.000.000.000,-- schreibt und vermutlich wieder kohle vom staat bekommen wird. ganz zu schweigen von den anderen banken (raika, ba, usw.)

der flughafen wird zusätzlilches geld brauchen, ebenso das ams (opel, und quelle)

erinnert euch bitte an das theater als, vor den wahlen eine milliarde an die wähler vegeben wurde...

janosch83
12.11.2009 08:28

wenn man darüber nachdenkt könnte man k....

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 175
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.