Eine vollflexible Ventilsteuerung macht die Drosselklappe überflüssig. Weniger Widerstand im Ansaugtrakt verspricht erhebliche Kraftstoffeinsparung
Früher, als es noch kaum Einspritzpumpen, sondern überwiegend Vergaser gab, war alles noch einfacher, um nicht zu sagen: genial einfach. Der Motor wurde im Wesentlichen über die Verstellung der Drosselklappe gesteuert. Durch Verdrehen der Drosselklappe bekam er mehr oder weniger Luft, und dementsprechend mehr oder weniger Kraftstoff wurde in den Brennraum hinein mitgerissen.
Das funktionierte tadellos, solange keine strengen Abgasgrenzwerte eingehalten werden mussten. Um einen Dreiwegkatalysator zur Abgasreinigung zu betreiben, erschien es dann schon notwendig, die Kraftstoffmenge exakter zu dosieren, deshalb setzte sich auch die teurere Einspritzpumpe durch. Die Drosselklappe blieb trotzdem, denn die einströmende Luft musste nach wie vor gesteuert werden.
Doch die Ingenieure würden liebend gerne auf sie verzichten, zumal sie im Teillastbereich, also in halb geöffnetem Zustand, einen gleichermaßen erheblichen wie unnötigen Widerstand im Ansaugtrakt darstellt. Es gilt die Faustregel, dass der Entfall der Drosselklappe zehn Prozent Kraftstoffeinsparung bringt, eine Größenordnung, die sonst kaum durch eine einzelne Maßnahme erreicht werden kann.
Um die Drosselklappe ganz wegzulassen, ist es nötig, die einströmende Luft alleine über die Ventile zu steuern. Eine herkömmliche Nockenwelle ist viel zu unflexibel, um für jeden Lastpunkt die optimale Ventilstellung zu gewährleisten. Viele Motoren besitzen deshalb mittlerweile eine verstellbare Nockenwelle, die es ermöglicht, den Motor überwiegend mit ganz geöffneter Drosselklappe zu betreiben. Sie kommt nur mehr selten zum Einsatz, beispielsweise wenn sich die Anforderungen an den Motor schlagartig ändern, etwa, wenn die Antriebsschlupfregelung einsetzt.
Verstellbare Nockenwellen sind mit erheblichem mechanischem, oft auch hydraulischem Aufwand verbunden, weshalb man sie erst bei teureren Autos findet. Alfa versucht nun mit der Multi-Air-Technologie, dieser Idee zum Durchbruch zu verhelfen, indem man ein System entwickelt hat, mit dem es möglich ist, trotz überschaubarem technischem Aufwand die Drosselklappe ganz wegzulassen.
Voll flexibel
Und das geht so: Die Ventile der Auslassseite werden über eine Nockenwelle in üblicher Art direkt betrieben. Wie bei einem simplen Motor mit obenliegender Nockenwelle treibt diese Nockenwelle zugleich auch die Ventile der Einlassseite. Allerdings sitzt zwischen dem zuständigen Nocken und dem einlassseitigen Ventil ein sehr flexibles Hydraulikelement, über das das Ventil voll flexibel gesteuert werden kann. Bei bisher bekannten Systemen kann nur der Ventilhub feinfühlig variiert werden (z. B. Valvetronic von BMW). Hier bei Alfa ist es auch möglich, das Ventil über nahezu beliebigen Zeitraum ganz geschlossen zu halten.
Interessant auch, dass das System quasi von "unten her" eingefädelt wird und bald in voller Breite im Fiat-Konzern zur Verfügung stehen soll. Und diesmal will man auch selbst berühmt werden, nicht so wie bei Common Rail, das man als Erster hatte, und jeder glaubt heute, Mercedes hätte es erfunden. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/6.11.2009)