Löcher machen Metall undurchsichtiger

11. November 2009, 16:58
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    grafik: universität stuttgart

    Elektronenmikroskopische Aufnahme: Fast die Hälfte des Goldfilmes bestand aus Löchern, dennoch gelangte deutlich weniger Licht hindurch.

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    Schematische Darstellung des untersuchten Goldfilmes.

Stuttgarter Physiker beobachten seltsames Phänomen: Winzige regelmäßig angeordnete Perforationen lassen weniger Licht durch Metallfilm

Bekanntlich reflektieren Metalle Licht mehr oder weniger vollständig und werden damit undurchsichtig. Eine praktische Anwendung dieser Eigenschaft sind Spiegel. Produziert man eine entsprechend dünne polierte Schicht, erhält man einen halbdurchlässigen Spiegel. Entsprechend der Logik müssten viele kleine Löcher in einer solchen dünnen Metallschicht die Durchsicht erhöhen. Paradoxerweise ist aber genau das Gegenteil der Fall, wie deutsche Physiker im Experiment herausgefunden haben.

Ein ähnlich merkwürdiges Phänomen haben Physiker bereits vor zehn Jahren entdeckt. Die Wissenschafter versahen einen lichtundurchlässigen dicken Metallfilm mit winzigen Löchern. Die gebohrten Öffnungen waren deutlich kleiner als die Wellenlänge des verwendeten Lichts. Den Gesetzen der klassischen Optik zufolge sollte das Licht daher weiterhin fast vollständig reflektiert werden. Die beobachtete Realität sah allerdings anders aus: Durch die Löcher ging wesentlich mehr Licht als die Forscher erwartet hatten.

Die Entdeckung führte zu einer Vielzahl an weiteren Untersuchungen in diesem Bereich. Eine davon wurde vom Physiker-Team rund um Martin Dressel und Bruno Gompf vom 1. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart durchgeführt. Die Wissenschafter versuchten, einen Metallfilm derart mit Löchern zu versehen, dass er Licht ungehindert durchlässt. Entsprechend groß war ihre Überraschung als sie genau den gegenteiligen Effekt beobachteten: Perforiert man einen dünnen, halbdurchlässigen Metallfilm mit einer periodischen Anordnung von winzigen Löchern, passiert diese Schicht deutlich weniger Licht als zuvor; selbst dann, wenn der Film fast zur Hälfte aus Löchern besteht.

Ultradünner Goldfilm

Konkret untersuchten die Stuttgarter Physiker die Licht-Transmission durch einen etwa 20 Nanometer dünnen Goldfilm (ein nm entspricht einem Millionstel eines Millimeters, Anm.). Der Goldfilm war damit nur ein paar Dutzend Atome dick. Die Filme wurden mit 200nm großen Löchern versehen, die einen gleichbleibenden Abstand von 300nm hatten. Derartige Filme lassen sich mit heute üblichen lithographischen Verfahren verhältnismäßig einfach großflächig herstellen; ähnliche Methoden werden auch in der Halbleiterproduktion eingesetzt.

Als die Physiker Licht durch den durchlöcherten Film schickten, wurden einzelne Frequenzen im sichtbaren und angrenzenden infraroten Bereich stark absorbiert. Wie sich zeigte, war diese zusätzliche Absorption eine direkte Konsequenz des periodischen Lochmusters und stand in erster Näherung nur mit dem Abstand, nicht aber der Größe der Löcher im Zusammenhang.

Plasmonen-Anregungen

Die Ursache für den Spuk liegt in den sogenannten Plasmaschwingungsquanten, kurz Plasmonen. Gemeint sind damit Elektronen, die relativ zu den positiven Ionen oszillieren. Die Periodizität der Löcher erlaubt kollektive Anregungen der Plasmonen, die bei einem durchgehenden Metallfilm ohne Löcher nicht möglich sind. Eine Besonderheit dieser Plasmaschwingungsquanten ist, dass ihre Anregung stark vom Einfallswinkel des auftreffenden Lichts abhängt. Wird der Metallfilm etwas geneigt, ändert sich die Farbe der Plasmonen. Dies wurde auch in den Experimenten von den Physikern beobachtet. 

Die Ergebnisse ihrer Forschungen haben die Stuttgarter Wissenschafter in der aktuellen Ausgabe der Physical Review Letters veröffentlicht. Weitere Forschungen sollen nun klären, welche möglichen künftigen Anwendungen sich aus diesen unerwarteten optische Eigenschaft von Nanostrukturen ergeben könnten. (red/derStandard.at, 11.11.2009)

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Posting 1 bis 25 von 66
1 2
Greyarea
 
00
12.11.2009, 22:04
um die untrige diskussion wegen der röntgenstrahlung

aufzuklären:

röntgenstrahlung entsteht, wenn beschleunigte elektronen (glühkathode) mit einigen keV, auf ein target metall treffen. dort schlagen einige dieser elektronen INNERE elektronen (der K und L Schale) heraus. Elektronen höherer ordnung (M Schale) fallen auf den leeren platz und emitieren dadurch Strahlung bestimmter diskreter energie. Die röntgenstrahlung.

Spinndoktor
00
12.11.2009, 17:03
Die Praxis versus Theorie:

Versieht man einen ganz dünnen Holz- und Resopalfilm mit ein paar regelmäßig abgeordneten - äh ich meine angeordneten Löchern, entsteht ein völlig undurchlässiges Konstrukt, das weder Licht noch rgendetwas anderes durchläßt.

gucky
01
12.11.2009, 16:51
Definiere "großflächig"

"Derartige Filme lassen sich mit heute üblichen lithographischen Verfahren verhältnismäßig einfach großflächig herstellen; ähnliche Methoden werden auch in der Halbleiterproduktion eingesetzt."

10 x 10 µm?
100 x 100 µm?
oder gar - huch - 1 mm x 1mm?

edgw
00
12.11.2009, 16:46

Das heisst dass die Wellen-korpuskulare-Licht Theorie und / oder die Theorie vom hypothetischen Ether nur ein Mythos sind.

Die moderne Wissenschaft hat scheinbar keine Ahnung wieso wir überhaupt irgendwas sehen können :-)

Sonstwer
00
12.11.2009, 16:10
kann mal wer den Wikipedia Artikel über den Streisand Effekt aktualisieren ?

dieser Wolfgang Wörle gehört da unbedingt hinein

:)

Imi Söba
30
12.11.2009, 14:53
ist doch eh sonnenklar!

primitive mittelschulfüsik: die durchmesser der einzelnen löcher liegen in der größenordnung der lichtwellenlänge, darum wird das licht massiv gebeugt. die abstände zwischen den löchern sind genausogross wie die durchmesser der löcher, es überlagern sich also die fänomene beugung und interferenz. nur der nicht gebeugte anteil des lichts wird nicht durch interferenz ausgelöscht. bei der in diesem experiment gewählten schichtdicke des goldfilms ist die lichtdurchlässigkeit der verspiegelung ohne beugungseffekte größer als bei der verspiegelung mit 'beugungsschikanen'. bei einer größeren schichtdicke wäre es umgekehrt.
auch wenn die löcher unregelmäßig angeordnet wären, ware die undurchlöcherte schicht undurchlässiger.

mereandor
 
00
12.11.2009, 16:50
... nichts da Beugung ...

Im Artikel wird das glasklar auf die Wechselwirkung mit den Elektronen im Metall zurück geführt - mit Beugung im klassisch-optischen sinn hat das nichts zutun. Drum ist auch bestimmten Frequenzen die rede.

Doktor Leid
00
12.11.2009, 17:14
woran sonst sollten fotonen gebeugt werden als an der elektronenhülle von atomen?

Sonstwer
11
12.11.2009, 16:05
rote Stricherln

für diese Hässlichen (in der deutschen Sprache trotz Rechtschreibreform nichtvorhandenen) Wörter

Füsik - gibts ebensowenig wie
Fänomen

suchen sie sich ein gescheites Wörterbuch

Imi Söba
01
12.11.2009, 19:03
ein grünes stricherl

weil ihnen sowas offenbar viel bedeutet. teoretisch zumindest. oder sind sie etwa ein züniker?

Auch ich poste jetzt anonym
01
19.11.2009, 14:45

gruen fuer witzig provokante antwort :-)

Imi Söba
00
21.11.2009, 12:35

grün als dank und anerkennung für die anerkennung

default-user
00
12.11.2009, 15:42

hab ich auch gedacht.. aber ganz so trivial kanns wohl nicht sein..

Homer Simpson II.
 
02
12.11.2009, 14:29

Mir kommt grad eine Idee wie wir die Goldreserven der Republik verdoppeln können...

Powernapper
10
12.11.2009, 11:29
Licht ist eben was ganz besonderes

Welle u Teilchen.

knievel
035
12.11.2009, 11:22

is immer so.
auch die goldreserven unserer banken wiesen in jüngster vergangenheit viele löcher auf.
das bankwesen wurde dadurch aber nicht transparenter...

Kapitalismus Luege
00
25.3.2010, 08:18
hat die nicht der beste Finanzminister aller Zeiten verklopft?

ARO5
18
12.11.2009, 09:47
Ist eh logo

Man mache in eine Glasscheibe einen Haufen kleiner Löcher (D=2mm). Hernach wird man leicht feststellen, dass man weniger durchsieht als vorher.

shadow on the wall
00
12.11.2009, 11:56

naja der Unterschied liegt darin, dass beim Metallfilm die Löcher deutlich kleiner sind als die Wellenlänge des Lichts. Es sollte also keine Streuung auftreten wie sie bei Glas mit 2mm Löchern auftritt und dieses undurchsichtig macht.

worldiscubik
01
12.11.2009, 10:34
^^

meine rede :D

Gerhard1967
00
12.11.2009, 10:18
Na sehr logo ...

... denn vorher konnte man ja durch den Metallfilm durchsehen (wie bei der Glasscheibe). LOL

Liebe Grüße

Rudolf Mentär
00
12.11.2009, 11:02
Ja, genau das:

"Perforiert man einen dünnen, halbdurchlässigen Metallfilm mit einer periodischen Anordnung von winzigen Löchern, passiert diese Schicht deutlich weniger Licht als zuvor;" ;)

ARO5
00
12.11.2009, 10:34
Produziert man eine entsprechend dünne polierte Schicht, erhält man einen halbdurchlässigen Spiegel.

Erweitern wir den Begriff des "sehens" auf die allgemeine Durchlässigkeit von em. Strahlung durch Metallfolie, wie im Artikel beschrieben, dann ja. LOL

Nanomyte
00
12.11.2009, 08:56
Hmm...

"Die Periodizität der Löcher erlaubt kollektive Anregungen der Plasmonen, die bei einem durchgehenden Metallfilm ohne Löcher nicht möglich sind."

Eine spezielle Anordnung der Materie in der Raumzeit (löchriges Gold) ermöglicht einen emergenten Effekt bei Plasmaschwingungsquanten...?

Andreas Grois
01
12.11.2009, 14:49

Das ganze ist aus der Festkörper-Physik für einzelne Teilchen wohl bekannt. Ein periodisches Potential führt zur Entstehung so genannter Bloch-Wellen. Diese lassen sich durch ein Produkt einer ebenen Welle und eines gitterperiodischen Teils (welcher von der genauen Form des Potentials abhängt) darstellen. Man erhält eine andere Dispersionsrelation als bei wirklich freien Teilchen, eventuell auch Bandlücken (Energiebereiche, bei denen es keine wellenförmigen Lösungen gibt). Für Licht gibt es das bei transparenten Materialien auch -> photonische Kristalle.
Neu ist wohl, dass noch niemand auf die Idee kam, diesen Ansatz für Plasmonen zu verwenden.

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