US-Behörden wussten von Mann, der zwei der 9/11-Attentäter kannte - Diskussion ob Amoklauf hätte verhindert werden können
Fort Hood / Washington - Am Tag der Gedenkfeier für die 13 Todesopfer des Amoklaufs von Fort Hood drängte sich immer mehr die Frage auf, ob die Bluttat hätte verhindert werden können. Beispielsweise hatten Behörden den Militärpsychiater Nidam Hasan, der vergangenen Donnerstag auf der Militärbasis um sich geschossen hat, mehrmals überprüft und als harmlos eingestuft. Seine E-Mail-Kontakte zu einem radikalen Imam, der auch Kontakt zu zwei Attentätern des 11. Septembers 2001 gehabt hatte, waren bekannt.
Zudem warnte Hasan vor eineinhalb Jahren Kollegen, um "feindlichen Ereignissen" vorzubeugen, sollten muslimische Soldaten als Kriegsdienstverweigerer aus den Streitkräften entlassen werden, anstelle gegen andere Muslime kämpfen zu müssen.
Trotz der fragwürdigen Kontakte hat der Psychiater vermutlich allein gehandelt. Eine Steuerung von außen habe es nicht gegeben, verlautete am Montagabend aus Ermittlerkreisen. Nach neuesten Angaben wurden 42 Menschen bei dem Attentat verletzt.
Hasan hatte zehn- bis 20-mal Kontakt mit dem radikalen Imam Anwar al Awlaki. Der Austausch habe 2008 begonnen und sei heuer fortgesetzt worden, sagte ein Ermittler. Weil in den Mails Gewalt weder verherrlicht noch angedroht worden sei, habe man Hasan nicht als gefährlich eingestuft.
Al Awlaki lebte bis 2002 in den USA, reiste dann in den Jemen aus, wo er bis zum vergangenen Jahr inhaftiert wurde. Al Awlaki betreibt einen US-kritischen Blog und lobte am Montag darin den Amokläufer: "Nidal Hasan ist ein Held." Der 39-Jährige habe es nicht mehr ertragen, "ein Muslim zu sein und in einer Armee zu dienen, die gegen sein eigenes Volk kämpft".
Hasan, der nach dem Amoklauf selbst schwer verletzt war, ist inzwischen wieder aufgewacht und ansprechbar, wie ein Kliniksprecher am Montag mitteilte. Er machte gegenüber den Ermittlern zunächst keine Angaben und verlangte, einen Anwalt zu sprechen. Sollte er wegen vorsätzlichen Mordes verurteilt werden, droht ihm die Todesstrafe. Sein Fall wird vor einem Militärgericht verhandelt.
US-Präsident Barack Obama wollte am Dienstag an einem Gedenkgottesdienst in Fort Hood teilnehmen. Zuvor waren private Treffen mit Opferangehörigen geplant, nach dem Gottesdienst stand noch der Besuch eines Krankenhauses auf dem Programm, in dem verletzte Überlebende des Amoklaufes behandelt werden. (AP)