Australiens Koalas gehen am Stress zugrunde

14. November 2009, 17:45

Zerstörung des Lebensraums durch die Menschen und Umsiedelung machen die Tiere anfälliger für Krankheiten

Cudlee Creek/Australien - Australiens Koalas sind bedroht - durch Stress. Denn Abholzung und Umsiedlung durch die Menschen machen den kuscheligen Tieren zu schaffen, und sie werden dadurch anfälliger für eine Erkrankung, die 50 bis 90 Prozent aller Tiere trifft.

"Die Koalas stecken in ernsten Schwierigkeiten", sagt der Wissenschafter Frank Carrick, der an der Universität von Queensland arbeitet. Landesweit Beachtung fand das Problem im Sommer mit dem Tod des berühmten Koala-Weibchens "Sam". Es litt unter einer Chlamydien-Infektion und war von der Krankheit so stark gezeichnet, dass Tierärzte in einer Operation die einzig mögliche Rettung sahen. Aber "Sams" Organe waren schon so angegriffen, dass ein medizinischer Eingriff sinnlos gewesen wäre und der Koala eingeschläfert werden musste. Das Tier hatte im Februar während der verheerenden Buschbrände für weltweite Schlagzeilen gesorgt, als es beim Trinken aus einer Wasserflasche eines Feuerwehrmannes in einem glühenden Wald fotografiert wurde.

Vor allem unter Stress erkranken Koalas an einer Chlamydien-Infektion - ähnlich wie beim Menschen dann eine Erkältung ausbricht. Das Virus führt zu Infektionen unter anderem der Augen, der Atemwege und der Geschlechtsorgane, kann Unfruchtbarkeit, Erblindung und den Tod der Tiere zur Folge haben. Deborah Tabart von der Australian Koala Foundation drängt die Regierung daher, nach dem Tod von "Sam" aktiv zu werden und die Koalas auf die Rote Liste der bedrohten Tierarten zu setzen.

100.000 Koalas

Schätzungen der Tierschutzorganisation zufolge leben heute weniger als 100.000 Koalas in Australien. Zählungen durch die Landesregierung belegen eine gewaltige Abnahme, und es gibt klare Hinweise, dass bereits viele Populationen wegen einer Chlamydien-Infektion ausgelöscht wurden, wie der Wissenschafter Carrik erklärt.

Größere Populationen sind entlang der Ostküste in den Staaten Queensland und New South Wales zu finden. An der "Koala-Küste" im Südosten von Queenslands gibt es eine der bedeutendsten Koala-Populationen des Landes. Allerdings ist laut einer Studie der Regierung von Queensland aus dem Jahr 2008 die Zahl der Koalas um 64 Prozent gesunken, von mehr als 6.200 Tieren im Jahr 1999 auf 2.800 im vergangenen Jahr.

Auch Verkehrsunfälle und Angriffe durch Hunde kosten viele Koalas das Leben. 60 Prozent der Tiere starben dem Bericht zufolge jedoch an einer Chlamydien-Erkrankung. "Wir müssen lernen, mit unseren heimischen Arten zusammen zu leben, stattdessen greifen wir in ihren natürlichen Lebensraum ein", sagte Tracy Goodman während eines Besuches im Gorge Wildlife Park. "Der Schutz der Koalas muss gesetzlich festgeschrieben werden."

Überprüfung der staatlichen Schutzmaßnahmen

Ein Regierungsausschuss für bedrohte Tierarten kam zwar 2006 zu dem Schluss, dass der Populationsrückgang der Koalas nicht unbedingt das ganze Land treffe. Die Beuteltiere seien außerdem belastbar genug, um in kleinen, nicht zusammenhängenden Gebieten zu leben. Umweltminister Peter Garrett ordnete inzwischen aber eine Überprüfung der staatlichen Schutzmaßnahmen an. Die Situation habe sich offenbar geändert, sagte er. Die Zahlen seien "nicht so, wie ich sie gerne hätte".

Sowohl New South Wales als auch Queensland haben daraufhin verstärkt Schutzmaßnahmen ergriffen. Carrick appelliert dennoch an die Regierung in Canberra, sich endlich mit der Angelegenheit zu befassen. "Wenn die Koalas nicht von nationaler Wichtigkeit sind, was um Himmels willen ist dann von Bedeutung?", sagt er. "Koalas sollten genauso wie die Pandabären in China unter Artenschutz stehen."(red/APA)

Clemens Schwarz
00
16.11.2009, 14:05
Uns Menschen geht es doch auch nicht anders.

Wenn es so weitergeht, werden wir auch mehr und mehr unter dem Stress leiden. Einige werden daran zugrunde gehen. Schön wäre es, wenn wir von der Natur mehr lernen könnte. Es wäre zu schade, wenn es sie eines Tages nicht mehr geben würde und wir sie nur noch von Plakaten träumen.
Ich bin mir nicht sicher, ob wir Menschen für die Käfighaltung geeignet sind.

Der müde Joe
10
15.11.2009, 16:45
Stress...

einmal zu schnell ums Eck gehn, und du hast vier tote Koalas vor dir liegen.

valentinapuma
01
15.11.2009, 12:47
"Wenn die Koalas nicht von nationaler Wichtigkeit sind, was um Himmels willen ist dann von Bedeutung?"

APPLAUS!!!

Nick Tameer
15
14.11.2009, 20:22

Putzige Weicheier!

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