EU-Vertrag

Parlament bekommt mehr Rechte

10. November 2009, 11:26

Österreichische Verfassung muss nach Zustimmung zu Lissabon-Vertrag adaptiert werden

Wien - Der Lissabon-Vertrag, der nach der Unterschrift von Tschechiens Präsident Vaclav Klaus bald in Kraft treten kann, erfordert einige Änderungen in der österreichischen Verfassung. Konkret geht es um drei Mittel, welche die Mitwirkung der nationalen Parlamente im EU-Gesetzgebungsprozess stärken, für die es aber derzeit noch keine Instrumente in der Verfassung gibt, wie eine Mitarbeiterin des Rechts- und Legislativdienstes des Parlaments am Dienstag erklärte.

Die beiden ersten neuen Instrumente betreffen das Prinzip der Subsidiarität, das besagt, dass politische Entscheidungen der EU möglichst auf der untersten politischen Ebene - also beispielsweise auf der nationalen - fallen sollen. So können die Parlamente künftig eine "Subsidiaritätsrüge" einbringen, wenn sie der Meinung sind, dass ein zu beschließendes EU-Gesetz diesem Prinzip widerspricht. Die Rüge könne bewirken, dass das Gesetz nicht in Kraft tritt, so die Expertin des Rechts- und Legislativdienstes. Außerdem können die Parlamente in Zukunft eine "Subsidiaritätsklage" beim Europäischen Gerichtshof einreichen, etwa wenn das Gesetz trotzdem in Kraft tritt.

Neue "Instrumente in der Verfassung"

Ein weiteres neues Recht erwerben die Parlamente im Zuge der "Passerelle-Klausel (Brücken-Klausel)". Einige Materien in der EU erfordern nach wie vor einen einstimmigen Beschluss - dieses Einstimmigkeitsprinzip kann aber durch den Europäischen Rat (einstimmig) aufgehoben werden. Die nationalen Parlamente können aber dagegen Einspruch erheben, und Gesetze können nur dann nach dem Mehrheitsprinzip beschlossen werden, wenn kein Einspruch erhoben wird.

"Für keinen dieser Vorgänge gibt es Instrumente in der Verfassung", betonte die Expertin. Eine Frist für die Anpassungen gebe es für die Regierung nicht. Entsprechende Änderungen - sie würden eine Zweidrittelmehrheit und damit die Stimmen mindestens einer Oppositionspartei verlangen - lägen beim Willen des Parlaments.

"Einige formelle Anpassungen"

"Im Moment keinen dringenden Bedarf für Verfassungsänderungen" sieht hingegen Werner Zögernitz, Präsident des ÖVP-nahen Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen. Größere Änderungen seien nicht notwendig, es brauche lediglich "einige formelle Anpassungen", aber vieles lasse sich auch durch Ausschussfeststellungen oder Entschließungen lösen. Langfristig sei es aber sinnvoll, Verfassungsänderungen zu überlegen, so Zögernitz. (APA)

webinformationat
00
26.12.2009, 12:13
Die Subsidiarität ist zahnlos - die letzte Instanz ist der Europäische Gerichtshof!

Ein allfällige Subsidiaritätsklage muss innerhalb von 8 Wochen eingebracht werden - mit Unterstützung von einige weiteren Mitgliedsstaaten -, sonst gilt jeder Rechtssetzungsakt.

Bis jetzt hat der EuGH immer für die EU entschieden, die für die Nationalstaaten. Die Politik hat noch nie die Möglichkeit in Anspruch genommen, einen Rechtsetzungsakt zu stoppen. Durch das Prinzip der Subsidiarität hätte man schon vor dem Vertrag von Lissabon jeden Gesetzgebungsakt stoppen können, man macht es aber nicht...

Aber der österr. Bevölkerung wird Demokratie vorgegaukelt...

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www.eu-kritiker.blogspot.com

Dominik H.
20
10.11.2009, 14:08
Das wird jetzt das gleiche Spiel wie ...

bei uns im Bundesrat oder?
Wie die ihr Veto, haben unsere Marionetten dann das Subsidiaritätsrecht - "verhinden können wir's nicht, aber wir können es zumindest hinausverzögern". Ein Gewinn für die Demokratie. *rolleyes*
Dummes Volk, welches mit dem Lissabonvertrag in irgendeiner Weise liebäugelt...

Section Control
00
11.11.2009, 07:38

Allerdings mit dem Unterschied, dass es in Brüssel keinen Klubzwang gibt, die Abgeordneten keine Marionetten der Klubchefs und Parteivorsitzenden sind.

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
00
14.11.2009, 21:31

Ách, wissen Sie denn nicht, dass es auch in Österreich selbstverständlich keinen Clubzwang gibt? Würde gegen die Verfassung verstossen usw. Unsere Abgeordneten sind einfach immer der gleichen Meinung wie der Clubchef.

Alexander Reiter
00
28.11.2009, 15:57

De facto bleibt man aber nicht lange auf der Parteiliste, wenn man gegen die Fraktion stimmt.

Kleine Maxime
20
10.11.2009, 13:56
So eine kleine Verfassungsänderung wird vom HeiFisch abgesegnet wie nix!

Leser für die Leserin
00
10.11.2009, 13:27
Parlament bekommt mehr Rechte

Bei jeder Wahl

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