Die Hassliebe zum Publizistik-Studium

9. November 2009, 18:38
  • Artikelbild
    foto: ap photo/lilli staruss

    Transparent von Wiener Publizistik-Studierenden aus dem Jahr 2004.

13 DiplomandInnen am Wiener Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft ziehen vor ihrem Studienabschluss Bilanz

Die österreichischen Universitäten erleben derzeit die größten Proteste seit langem - nicht zuletzt gegen überfüllte Hörsäle, Zugangsbeschränkungen und schlechte Betreuungsverhältnisse. Ein Studium, welches in diesem Zusammenhang immer wieder genannt wird, und auch ansonsten von negativer Berichterstattung - Stichwort: arbeitslose AkademikerInnen - nicht verschont bleibt, ist jenes der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.

Katharina Bacher ging in ihrer Diplomarbeit geläufigen Vorurteilen nach und bat 13 DiplomandInnen zum Gespräch. Durch die Methode in Form zweier Gruppendiskussionen und dreier Einzelinterviews tat sich dabei ein breites Themen-feld auf.

"...wenn man nicht weiß, was man sonst studiert"

Etwas überraschend kommt Bacher dabei zu dem Ergebnis, dass die Befragten einzelne Klischees über das Studium bzw. die Studierenden selbst reproduzieren: Angesprochen auf die Gründe der Studienfachwahl werden etwa die Leichtigkeit und ein fehlendes Anforderungsprofil genannt, wie Publizistik auch als Studium, "das man studiert, wenn man nicht weiß, was man sonst studiert" bezeichnet wird. Der Umstand, dass vor allem die hohe Anzahl der Studierenden für missliche Gegebenheiten wie Raumnot und mangelndes Feedback verantwortlich ist, schlägt sich in einer vergleichsweise schlechten Meinung gegenüber den KollegInnen, aber auch dem Ruf nach einem höheren Schwierigkeitsgrad nieder. Manche Studierende hätten im 10. Semester "von Wissenschaftlichkeit [...] echt keinen Plan" und könnten sich etwa durch Gruppenarbeiten durchschummeln, wird moniert.

Ein leichtes Studium - bis zur Diplomarbeit

In Anbetracht der zu vollbringenden Diplomarbeit rudern die Befragten aber etwas zurück, werde hier - im Vergleich zu anderen Studienrichtungen - doch vergleichsweise viel verlangt. Eine Befragte meint denn auch: "Du kannst rumbummeln wie du willst, und dann musst du auf einmal etwas leisten." Auftretende Probleme werden aber auch auf die mangelnde wissenschaftliche und methodische Ausbildung zurückgeführt. Nichtsdestotrotz wird dem Studium sehr wohl ein - zum Teil hoher - Nutzen zugesprochen: v. a. für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit wie das Erlernen von Selbstorganisation und die Fähigkeit, Kritik zu organisieren; aber auch Recherchefähigkeit und die Fähigkeit zum Networking werden ge-nannt.

"Kenne niemanden, der Taxi fährt"

Auf die Jobchancen angesprochen tut sich ein durchwegs positives Bild auf, was aber nicht zuletzt in Berufs- bzw. Praktikaerfahrungen der TeilnehmerInnen begründet liegt. Diesen wird zum Teil höherer Stellenwert als dem Studium beigemessen. Letzteres kommt dann doch einigermaßen gut weg: "Einen eklatanten Unterschied zwischen dem Image von Publizistikstudierenden unter Studierenden und von Publizistikstudierenden unter Human Ressources- oder Personalmenschen" ortet etwa ein Teilnehmer, der auch keine/n Absolventen/-in kennt, der/die Taxi fahre. Von "coolen Jobs" und gutem Verdienst im Bekanntenkreis ist an anderer Stelle zu hören. Angesichts der beruflichen Situation der Befragten - fast alle konnten bereits Erfahrung in ihrem gewünschten Berufsfeld sammeln - fällt die Bilanz positiv aus: Elf von dreizehn würden erneut Publizistik studieren.

Aus Katharina Bachers Diplomarbeit geht schließlich ein ambivalentes Verhältnis der Befragten zu ihrem Studium hervor. Oft kritisierte Ausbildungsmängel und Studien-bedingungen gehen nicht zwangsläufig mit schlechten Jobchancen einher; wobei darauf hingewiesen werden muss, dass bei einer niedrigen Responserate v. a. "etablierte" StudentInnen, darunter fünf TutorInnen, an der Befragung teilnahmen. Davon abgesehen gewährt die mit zahlreichen Vergleichsstudien angereicherte Diplomarbeit aber einen authentischen Einblick in das "Massenstudium" Publizistik - und weckt damit durchaus Interesse an Untersuchungen zu anderen Studienrichtungen.

Die Diplomarbeit "'Ich glaub nicht, dass wir nix können'. Selbstverständnis von Studierenden am Wiener Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft" (2008) von Katharina Bacher ist auf textfeld.ac.at im Volltext nachzulesen.


Die Autorin

Katharina Bacher studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien, und arbeitet als Lektorin beim Fachverlag LexisNexis.

Der Rezensent

Andreas Huber studiert Soziologie an der Universität Wien.












Logo: textfeld



 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 92
1 2 3
m3a
00
25.11.2009, 18:08

na bravo... fragen wir mal mediziner was sie über ärzte so denken. selbstbeweihräucherung der publizistiker.

Mario23
32
22.11.2009, 08:14
Na gratulation

Die Diplomarbeit wurde von einer Publizistik-Studentin geschrieben, der vorliegende Text von einem Soziologie-Studenten. Toll - dass sich jetzt diese Obi-zah-Studien zusammentun, um sich gegen das vorherrschende Bild in der Öffentlichkeit zu wehen!

Vollkommen lächerlich. Studierts was gscheids!

20k08
00
26.10.2011, 20:55
typische Vorurteile und Anmaßungen...

Es ist eine Frechheit jeden Soziologie/Publizistik Studenten über einen Kamm zu scheren, weil diese "obi-zah"-Vorurteile nicht auf jeden zu treffen.
Ich studiere Publizistik und kann sehr wohl von mir behaupten dass ich etwas "gscheits" studiere. Sicherlich gibt es schwerere Studien, aber vom durch schummeln hat man auch in Publizistik nichts. Spätestens wenn man sich fragt was man aus dem Studium mitgenommen hat, trennt sich die Spreu vom Weizen...

Ich hab's so satt mich dauernd für mein WUNSCH-Studium rechtfertigen zu müssen, nur weil viele keine Ahnung haben!
Und lächerlich ist hier höchstens der vorhergehende destruktive Kommentar.

Sie werden es kaum glauben aber: Ja, es gibt Leute, die das gerne,ehrgeizig UND erfolgreich studieren!

Elisabeth Jarok
36
16.11.2009, 18:04
bitte kommt endlich weg vom bauchnabelbetrachten!

eine diplomandin fragt 13 andere diplomanden übers studium und das ergebnis ist eine diplomarbeit.


klingt so wie "ein journalist fragt 13 andere journalisten und schreibt daraufhin eine analyse der welt".
(und dann wundert man sich dass niemand mehr zeitung liest)

bitte, wacht auf, geht raus aus euren zirkeln, und beschäftigts euch mit etwas anderem als dem eigenen bauchnabel. es gibt noch mehr, glaubt mir.

Lethawae
13
13.11.2009, 06:18

"der auch keine/n Absolventen/-in kennt, der/die Taxi fahre."

Sprachgendering ist super!

Esme Weatherwax
11
12.11.2009, 21:28

"Nichtsdestotrotz wird dem Studium sehr wohl ein - zum Teil hoher - Nutzen zugesprochen: v. a. für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit wie das Erlernen von Selbstorganisation"

Das ist ja echt lieb, wenn es selbst von den Studierenden als Zweck und Ziel des Publizistik-Studiums gesehen wird, zu lernen, wie man die Hausübung macht, äh lernt, ohne dass die Mama die ganze Zeit daneben sitzt und im Halbminutentakt herkeppelt, dann braucht sich wirklich keiner über den Ruf des Studiums wundern.

Emulb
35
10.11.2009, 22:12

Ich bin im 7 Semester meines PuKW-Studiums und habe immer genau mit diesem Vorurteil zu kämpfen, mein Studium nur gewählt zu haben weil ich sonst nicht wusste was ich sonst wählen sollte. Fakt ist, dass die meisten mit denen ich studiere, wie ich, es gerne und aus Überzeugung gewählt haben. Und es keinen Falls einfach so leicht zu schaffen ist. Waren es im 1. Semester noch 1300, hatt es bis jetzt eine Aussiebung auf ca. 300 Leute gegeben. Schwarze Schafe gibt es immer und irgendwann verschwinden sie einfach. In meinen Übungen wurden vom wissenschaftlichen Standpunkt her, immer ein hoher Standard verlangt.

Naschgul
28
11.11.2009, 12:36

Ich fürchte, mit solchen Postings schreiben Sie gegen eine Wand an... bei vielen Usern hat sich das Vorurteil verfestigt, dass Publizistik
a) zu nix gut ist
b) nur von Leuten studiert wird, die nicht wissen, was sie sonst machen sollen und daher
c) siehe a)
Denen kann man noch so viele Gegenbeispiele bringen, die kommen von ihrem hohen Ross nicht runter und beharren darauf, dass nur wer was Technisches oder Naturwissenschaftliches studiert auch tatsächlich etwas Sinnvolles macht. Im Grunde sind das arme Würschtln, die offenbar ihr Selbstbewusstsein aus ihrem Studienfach beziehen müssen :)

good_friend
01
14.11.2009, 11:45
Kommunikation am Institut für Pub. und Komm. unterbelichtet - Ausland zeigts vor

Aus eigener Erfahrung behaupte ich:
a. Studium Pub.- und Komm. Wien bemüht sich mit Wissenssteilung von veralteten Lehrinhalten.
b. Bekannte Theorie wird kaum in Frage gestellt sondern als "Richtig" gewärtet, dient ausschliesslich zur Anwendung in der Praxis.
c. Schwerpunkt der "Ausbildung" liegt einzig im Medienbereich (Wie SOLL ich Job "ausführen" und mit 'mächtigen' Medien umgehen) - dadurch kaum Dialog über Sinn der Komm.forschung.
d. Mangelnder Dialog mit internat. Partnerinstitutionen (US., UK, AUT) verhindert neue Perspektiven und Entwicklung von Institut/Wissenschaftsphilosphie.
e. Analyse von Kommunikationsaktivitäten kein Thema =keine Möglichkeit auf Verbesserungen im Institut = keine Indikation für personelle Unterbesetzung

müllers kuh
 
00
18.11.2009, 21:44
Ganz so einfach ist es nicht,

Wenn ich diese Einwände ebenfalls aus eigener Erfahrung kurz kommentieren darf:
ad a) Das hängt extrem von den Lehrenden ab, aber insgesamt kann ich das nicht bestätigen.
ad b) Das habe ich definitv nicht so erlebt. Sogar in Seminaren mit 50 TeilnehmerInnen wurde versucht Zugänge und Theorien kritisch zu diskutieren.
ad c) Das ist IMHO ein großes Probelm der neuen Studienpläne. Gerade PKW hat einen viel zu großen Schritt Richtung Ausbildung statt Bildung getan.
ad d) Sehe ich ähnlich. Die starke theoretische Bindung zum großen Nachbar Deutschland verhindert eine echte internationale Ausrichtung des Studiums, was die Inhalte betrifft.
ad e) Diese Schlüsse verstehe ich nicht. Bitte um Erläuterung.

good_friend
00
19.11.2009, 07:52

Danke für deine Reaktion. Die Betreuung von Studenten und damit die Arbeit von Professoren/anderes Personal sollte verbessert werden. Darum sollten Meinungen und Wahrnehmungen der eigenen Studenten, Professoren und andere Mitarbeiter eigenholt werden. Sie können ihre Situation/Probleme beschreiben. Mängel aber zugleich auch eventuelle Verbesserungsvorschläge lassen sich so identifizieren. Das Streben nach einer ständigen Verbesserung und Vereinfachung der Studienbediengungen ist wahrscheinlich sowohl im Interesse des Instituts als auch im Interesse der Studenten. Darum Wahrnehmungen und Meinungen vier mal pro Jahr mit Studenten mittels online-Umfrage feststellen. Bietet Einsichten womit Verbessungen zielgericht vorgenommen werden können.

Little Willy
12
10.11.2009, 16:56
Technik lernen, nebenbei.

o Rly?
25
10.11.2009, 16:24
wos Taxi foans a ned? Faule Hund! :P

Bender Rodriguez
05
10.11.2009, 14:17
Nix gegen den gewählten Zugang

Wirklich entkräften könnten viele Klischees aber vermutlich nur harte Fakten.

Konkret: Was verdienen Absolventen im Schnitt, wie hoch ist die Arbeitslosigkeit etc....

Käme vielleicht heraus, dass ein Publizistik-Studium gar nicht soviel weniger bringt als ein anderes SoWi-Studium. Oder eben schon. Dann müsste man das auch kommunizieren. Wer bei 20% weniger Gehalt immer noch das Studieren will weils ihn interessiert, der soll. Der Rest kann sich ja überlegen, ob sich der Aufwand lohnt wenn man nichtmal interesse fürs Fach hat.

Vielleicht könnte man damit mal anfangen, anstatt zu diskutieren ob man jetzt Zugangsbeschränkungen braucht oder nicht.

dieter tafel
06
10.11.2009, 14:11

Also die zwei Diplomarbeiten die ich bis jetzt von Publizisten gesehen habe waren mit das schlechteste was ich je in einer wissenschaftlichen Arbeit gelesen habe...

einer hat sogar wikipedia als quelle drinnen gehabt -kein schmäh! hoffe da hab ich grad 2 Ausnahme fälle erwischt...

m3a
00
25.11.2009, 18:12

wer wikipedia in seiner arbeit zitiert, der hat von wissenschaftlichen arbeiten nichts verstanden.

aber wer wikipedia nicht ins quellenverzeichnis schreibt der gehört für mich sowieso gleichmal mit einer fünf bestraft, weil er seine quellen unvollständig angegeben hat!

müllers kuh
 
00
18.11.2009, 21:47
Gerade bei den Diplomarbeiten im Bereich PKW

gibt es extreme qualitative Unterschiede. Habe meine Diplomarbeit vor kurzem beendet, und mich während der Arbeit daran teilweise fürchterlich geärgert, wenn ich andere Arbeiten angesehen habe. Es stimmt, dass es hier echte Katastrophenfälle gibt, aber ich habe den Eindruck, dass

a) das sehr stark von der Betreuungsperson abhängig ist.

b) insgesamt das Niveau der Arbeiten innerhalb der letzten Jahre spürbar nach oben gegangen ist.

Flaumsen
01
17.11.2009, 07:12

dann lesens doch mal eine von wu-absolventen - aber gut, wissenschaftliches arbeiten wird dort auch nicht unbedingt verlangt

Naschgul
12
10.11.2009, 16:35

Ich glaub nicht, dass man das verallgemeinern kann; habe vor Jahren die Publizistik-Diplomarbeiten von Bekannten und Freunden Korrektur gelesen, und die waren durchwegs gut recherchiert, teilweise sehr interessant und spannend zu lesen, kurz: das, was man halt von einer Diplomarbeit erwarten darf. Die schlimmsten Diplomarbeiten, die ich jemals zu Gesicht bekommen hab, stammten von zwei entfernten Bekannten, die am Mozarteum studiert haben. Grauenhaft.

distroia
11
10.11.2009, 14:22

hab selbst publizistik studiert. dass jemand wikipedia zitate in seiner diplomarbeit verwendet kann man den studium nicht analsten

Experte für eeh alles
00
14.6.2011, 13:24

Sie haben Publizistik studiert und sind unfähig auch nur einen korrekten Satz hinzuschreiben?

Agent Provocateur!
01
10.11.2009, 15:55
"Analsten": freud'scher Versprecher? ;-))

infanterist
01
10.11.2009, 15:00

naja, aber das man damit durchkommt schon.
bei uns (jus) wollte auch ein lustiger mensch wikipedia zitieren...wollte!

alte frau
21
11.11.2009, 00:43

man muss unterscheiden wofür wikipedia zitiert wird.
als beleg für eine wissenschaftliche these wohl nicht.
für ein faktisches detail - wieso nicht?

Naschgul
13
11.11.2009, 12:42

Weil in Wikipedia oft ein Haufen Blödsinn steht und man "faktische Details" auch guten Lehrbüchern entnehmen kann, wo sie in der Regel auch verifiziert sind. Wikipedia hat als Quelle in einer seriösen Diplomarbeit nix verloren. Auch nicht in Proseminar-oder Seminararbeiten.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 92
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.