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09.11.2009 17:42

Hinrichtungstermin für den "DC Sniper"
Er erschoss vom Kofferraum seines Autos aus, wahllos auf jede Person die er treffen konnte - Sein Komplize war Teenager - 2 Fotos

Am Morgen, kurz nach acht, traf es einen Taxifahrer, der an einer Zapfsäule stand, um zu tanken. Kurz darauf brach eine auf einer Bank vor einem Restaurant sitzende Frau leblos zusammen. Zwei Stunden später tötete der Heckenschütze eine Autofahrerin, die mit einem Staubsauger ihren Wagen reinigte. Am Abend starb das vierte Opfer, ein Passant, der im Norden Washingtons eine Straße überquerte. "Nennt mich Gott" , schrieb John Allen Muhammad auf Zettel, die er der Polizei hinterließ.

Drei Wochen lang spielte er Gott, zusammen mit seinem Komplizen Lee Boyd Malvo, einem Teenager. Es war im Oktober 2002, der Schock der Terroranschläge auf das World Trade Center im Jahr davor war noch frisch. Als wäre er der Herr über Leben und Tod, wählte Muhammad willkürlich seine Opfer aus. Jeden konnte es treffen, es war das grausame Zufallsprinzip bei diesem russischen Roulette, das die amerikanische Hauptstadt und ihre Vororte in den Bundesstaaten Maryland und Virginia in Angst und Schrecken versetzte. Am Dienstag soll der "DC Sniper" hingerichtet werden, im Gefängnis von Greensville in Virginia.

Abends um neun, so ist es geplant, wird ein Beamter die Giftspritze ansetzen. Maximal 15 Minuten, erklären Ärzte, wird es dauern, bis Muhammads Herz zum Stillstand kommt. Theoretisch kann Tim Kaine, der Gouverneur Virginias, ein Freund Barack Obamas, noch Gnade gewähren. Es wäre das Signal einer Wende.

103 Hinrichtungen seit 1977

103 Verurteilte wurden in Virginia hingerichtet, seit die zwischenzeitlich ausgesetzte Todesstrafe 1977 wieder eingeführt wurde, nur in Texas waren es noch mehr.

Kaine könnte einen Schlussstrich unter die Praxis ziehen. Theoretisch kann auch das Oberste Gericht in letzter Minute einschreiten, um die tödliche Injektion zu stoppen. Im Moment deutet nicht viel auf eine solche Geste. Marion Lewis wird aus dem Rocky-Mountains-Staat Idaho an die Ostküste fliegen, um ihn sterben zu sehen. Lewis' Tochter Lori war ins ferne Washington gezogen, weil es Arbeit gab in der boomenden Stadt. Als Nanny betreute sie die Kinder gut situierter Familien, sie war 25, verheiratet und Mutter eines dreijährigen Mädchens.

Als Muhammad sie ins Fadenkreuz nahm, war sie gerade dabei, ihr Auto zu reinigen. Sie konnte nicht ahnen, dass im Kofferraum eines Chevy Caprice, der hinter ihr parkte, ein Ex-Soldat mit einem Präzisionsgewehr lag, um durch ein Loch im Blech auf sie zu zielen.

Lori Lewis-Rivera hatte gerade den Kindersitz aus dem Wagen genommen. "Trotzdem hat er sie erschossen" , sagt ihr Vater. "Ich will Gerechtigkeit. Ich will ihm ins Gesicht schauen, wenn er seinen letzten Atemzug macht." Andere sehen es milder, etwa Ben Panilaitis, Direktor der Initiative "Virginians for Alternatives to the Death Penalty" , die sich für ein Ende der Todesstrafe einsetzt. Es würde genügen, den Mehrfachmörder lebenslang einzusperren, wie seinen Komplizen. Auch so könne er kein Unheil mehr anrichten. Der Anwalt des Todeskandidaten führt die mentalen Probleme seines Mandanten ins Feld. "Er ist paranoid" , sagt Jonathan Sheldon.

Wahn nach dem Golfkrieg

"Nachdem Muhammad aus dem Golfkrieg von 1991 zurückkehrte, war er zornig auf die Regierung." Zudem hänge der dunkelhäutige Mann Wahnvorstellungen einer rassistischen Verschwörung an. Sich selber halte er für einen Propheten. Seinem Verteidiger erzählte er, dass ihn das Militär an Geheimschulen zum städtischen Guerillakrieger ausbilden ließ. (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD-Printausgabe, 10.11.2009)

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