Am Schreiben gehen

9. November 2009, 16:31
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    foto: stadtkino

    "Ringe mit der Sprache (...), aber töte sie nicht, sonst stehst du ohne Waffen da" : Josef Winkler beim Arbeiten.

Im dokumentarischen Roadmovie "Der Kinoleinwandgeher" begleitet das Kameraauge Josef Winkler nach Indien und Mexiko

"In meiner Formulierphase stoße ich jeden Tag schreibend an die Grenzen meiner Möglichkeiten, bleibe vor einer Mauer, die ich durchbrechen möchte, stehen und schinde meinen Schädel blutig. Wenn mir das Blut (...) aus der Nase rinnt, kehre ich um, um neuerlich auf die Mauer zuzulaufen", sagt Josef Winkler.

Seinem Schmerz und einer bildmächtigen Sprache ist der 1953 im kärntnerischen Kamering geborene Schriftsteller treu geblieben. Schuld und Strafe, der Frei- und Liebestod, ein allgegenwärtiger Katholizismus und der Tod, immer wieder der Tod, sind Motive und Themen, um die Winklers Werk mit großer Inständigkeit kreist.

Kreisbewegungen sind es auch, die den Film Der Kinoleinwandgeher von Michael Pfeifenberger am ehesten charakterisieren. Erzählt werden Schreib- und Lebensepisoden Winklers, die in der Kindheit als Sohn eines das Kind prügelnden Bauern und einer verstummten Mutter ihren Ausgang nehmen. Literatur und das Kino, zu dem der damalige Busenfreund Winnetous nie ging, sondern stets rannte, boten dem Kind, so wie später das indische Varanasi und Mexiko, wohin das Kameraauge den Schriftsteller begleitet, eine andere Welt an.

Sehen kann man den - akustisch ausschließlich mit Winkler-Zitaten grundierten - Film nicht nur als ein auf drei Kontinenten spielendes Porträt eines Autors (und seiner Familie), sondern auch als Versuch, früh gesehene Bilder zu bewältigen. Und bildmächtig ist auch der Kinoleinwandgeher zuweilen, aber nur dann, wenn er sich visuell von Winklers Worten löst und ihnen eine zweite Ebene hinzufügt. (Stefan Gmünder, DER STANDARD/Printausgabe, 10.11.2009)

kinkerlitzchen
00
19.11.2009, 19:34

Selten so viele Leichen in einem Film: Babyleichen, Tierkörper, tote Alte; selten ein so fröhlicher Film. In einem. Beides in einem. Absolut sehenswert.

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