Vielen Dank an die "deutsche Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" . Wegen dieser Moralwächter kommt man nun in die Verlegenheit, für die Band Rammstein Partei zu ergreifen. Deren aktuelles Album Liebe ist für alle da - auf Platz eins in den Charts von D, CHund Ö - wurde indiziert. Das bedeutet, es ist erst ab 18 Jahren zu kriegen und darf ab Mittwoch nicht mehr beworben werden.
Begründung: "Die Band animiere auf dem Album zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr und verbreite gefährdende Sadomaso-Praktiken."
Rammstein entgegnen: "Wenn Meinungsfreiheit in der BRD bedeutet, dass Nazis unbehelligt ,Ausländer raus‘ brüllen dürfen, unsere Platte hingegen aus dem Verkehr gezogen wird, sind wir nicht viel weitergekommen."
Interessanter erscheint der Vorwurf der "Animation zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr". Sollte man das aus Rammstein-Texten herauslesen können, wäre das tatsächlich bedenklich. Warum aber nur die Berufsprovokateure Rammstein dafür strafen? (Die sich über diese PR in die harte Faust lachen dürften). Gibt es da nicht einen ungleich prominenteren Deutschen, der sich bei jeder Gelegenheit gegen Verhütung ausspricht? Richtig! Papst Benedikt XVI. Demnach gehörten dessen Reden ebenfalls als "jugendgefährdend" eingestuft.
Wenn man hier schon anmaßt, Moral zu beurteilen, dann bitte nicht mit zweierlei Maß.
Vergelt's Gott!
(Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 10.11.2009)
>>> Rammstein-Album als jugendgefährdend eingestuft (Agentur-Meldung vom 08.11.2009)
"Geht nicht" gibt's nicht - Von Andrea Schurian
Von Babys und Büchern - Von Andrea Schurian
Jedi gegen Wackeltier - Von Christian Schachinger
Der Stress mit der Zeit - Von Andrea Schurian
Sex sells - Von Andrea Schurian
Kunst und Erregung - Von Ronald Pohl
Jeder darf alles - Von Christian Schachinger
Danke, man klagt - Von Andrea Schurian
Blogs mit Zukunft - Von Christian Schachinger
Abo-Vorstellung in der Staatsoper - Von Thomas Trenkler
Namen im Doppel - Von Andrea Schurian
Bezahltes Ballgewalze - Von Andrea Schurian
Fiona ist zurück - aber wie! - Von Von Christian Schachinger
Die Bierdose ist 75 - Von Christian Schachinger
Störrische Schwiegertochter - Von Andrea Schurian
Korrektnessmarterln - Von Markus Mittringer
Frag nach beim Volk - Von Andrea Schurian
GLOSSE ZUR Glosse - Von Andrea Schurian
Fluch der Übergänge - Von Andrea Schurian
Bemerkenswere Kultur-Personalpolitik in der Ruhrregion - Von Thomas Trenkler
Wir lernen sprechen - Von Christian Schachinger
Schwein gehabt - Von Andrea Schurian
Der King feiert am Freitag 75. Geburtstag - Von Christian Schachinger
Der Sinn der Kulturhauptstädte - Von Thomas Trenkler
Architektonisches Huch - Von Andrea Schurian
Ihr Kommentar läuft vollkommen falsch:
1. Der Papst sagt, daß Sex seinen Platz in der Ehe hat und nur in der Ehe.
2. Der Papst sagt, daß, wenn Sex in der Ehe stattfindet, keine Kondome zur Empfängnisverhütung erlaubt sind (zur Ansteckung vor Krankheiten - da gibt es unterschiedliche Meinungen).
Warum sollte jemand (gilt eh nur für die in %-Zahlen max. 15% Katholiken), der Sex ausserhalb der Ehe hat und damit das weitaus wichtigere Gebot der Kirche mißachtet, sich um das Kondomverbot kümmern?
Ich halte Ihren Artikel für nicht mehr als populistisches Applaushaschen bei jenen zigtausend StandardleserInnen, die ganz begeistert sind, wenn jemand etwas gegen die kath. Kirche sagt.
lg
Dimple
Ich bin sogar der Meinung, dass man den Herrn Ratzinger und seine Gefolgsleute fuer die Predigt des ungeschuetzten Geschlechtsverkehres zur Rechenschaft ziehen sollte.
Wer so etwas in z.B. Afrika an die "gutglaeubige" Bevoelkerung predigt, der macht sich mitschuld an hunderten HIV Toten.
Preger, Teilzeitkuenstler/In
Allerdings kommt man durch ihn in die Verlegenheit, für den Papst Partei ergreifen zu müssen. Denn ihr Vergleich hält schlicht und einfach einer genaueren Betrachtung nicht stand. Oder wollen sie sagen, dass der Papst, weil er gegen Verhütungsmittel ist, sich für die Polygamie ausspricht?
Der Heilige Vater in Rom hätte gerne eine Welt in der Sex ausschließlich in einer Ein-Ehe stattfindet, in der die von Gott geschenkten Kinder angenommen werden. Das mag kein sehr modernes oder realistisches Familienbild sein - aber es ist in sich schlüssig, dass man dann eben keine Kondome verwendet. Was auch kein Infektionsrisiko darstellt.
Dass die meisten Menschen heute anders leben, kann ja nicht bedeuten, dass der Papst gezwungen ist, einer Mehrheit Rech zu geben.
Und natürlich ist das Argument seltsam, dass man heute noch ein Kunstwerk zensuriert, weil es eine angeblich "jugendgefährdende" Aussage beinhaltet. Die "Ausländer Raus"-Rufe erscheinen mir viel gefährlicher.
tatsächlich ist rammstein eine völlig unbedenkliche band. eigentlich auf der neuen scheibe viel harmloser als je zuvor, abgesehen davon, dass kunst immer provozieren muss. die alte doppelmoralgeschichte. die katholische kirche ist in der tat um längen gefährlicher, weil fakten leugnend, erkenntnis mit den füßen tretend, gesundheitlich und gesellschaftlich mehr als bedenklich agierend. die vorgaben der kirche bezüglich verhütung usw erzeugen wirklich leid auf dieser erde...
der herr fluch vermischt hier aber kräftigst äpfel mit birnen. selbstverständlich tritt der papst für ungeschützten geschlechtsverkehr ein - in der ehe zwischen mann und frau. geschlechtsverkehr soll ja lt. offizieller katholischer meinung darauf auslaufen kinderlein zu zeugen und nicht zum vergnügen da sein. ich wüsste nicht, dass der papst für ungeschützten geschlechtsverkehr für alle und jeden eintritt.
auch gleichzeitig für Enthaltsamkeit vor der Ehe und Treue innerhalb der Ehe eintreten würden
Ich höre gerne Rammstein aber ich finde es logisch wenn die Platte indiziert wird, die Texte sind nun einmal nicht jugendfrei
Die Antwort von Rammstein (oder ihrem Management) ist auch mehr als lächerlich, gibt es doch Gesetze die die Meinungsfreiheit von Nazis enschränken (Wiederbetätigung etc.)
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.