
09.11.2009 16:20
Rammstein und der Papst
Zweierlei Maß - Von Karl Fluch
Vielen Dank an die "deutsche Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" . Wegen dieser Moralwächter kommt man nun in die Verlegenheit, für die Band Rammstein Partei zu ergreifen. Deren aktuelles Album Liebe ist für alle da - auf Platz eins in den Charts von D, CHund Ö - wurde indiziert. Das bedeutet, es ist erst ab 18 Jahren zu kriegen und darf ab Mittwoch nicht mehr beworben werden.
Begründung: "Die Band animiere auf dem Album zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr und verbreite gefährdende Sadomaso-Praktiken."
Rammstein entgegnen: "Wenn Meinungsfreiheit in der BRD bedeutet, dass Nazis unbehelligt ,Ausländer raus‘ brüllen dürfen, unsere Platte hingegen aus dem Verkehr gezogen wird, sind wir nicht viel weitergekommen."
Interessanter erscheint der Vorwurf der "Animation zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr". Sollte man das aus Rammstein-Texten herauslesen können, wäre das tatsächlich bedenklich. Warum aber nur die Berufsprovokateure Rammstein dafür strafen? (Die sich über diese PR in die harte Faust lachen dürften). Gibt es da nicht einen ungleich prominenteren Deutschen, der sich bei jeder Gelegenheit gegen Verhütung ausspricht? Richtig! Papst Benedikt XVI. Demnach gehörten dessen Reden ebenfalls als "jugendgefährdend" eingestuft.
Wenn man hier schon anmaßt, Moral zu beurteilen, dann bitte nicht mit zweierlei Maß.
Vergelt's Gott!
(Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 10.11.2009)
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>>> Rammstein-Album als jugendgefährdend eingestuft (Agentur-Meldung vom 08.11.2009)