Formel 1

"War keine Entscheidung Prüller oder Hausleitner"

10. November 2009, 12:41
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    foto: orf

    Ernst Hausleitner hat im März das Zepter von Heinz Prüller übernommen.

ORF-Kommentator Ernst Hausleitner zieht im Interview Bilanz über seine erste Saison als Nachfolger von Heinz Prüller

Nach rund 700 Grand Prix und im Alter von 67 wurde Formel 1-Legende Heinz Prüller vom ORF in die Pension geschickt. Im Interview mit etat.at spricht Ernst Hausleitner über die großen Fußstapfen seines Vorgängers und lässt die vergangene Saison Revue passieren. Die Fragen stellte Oliver Mark.

etat.at: Sie haben Ihr erstes Jahr als Formel 1-Kommentator absolviert. Wie fällt die Bilanz aus?

Hausleitner: Durchwegs positiv. Zum Ersten hat das Kommentieren großen Spaß gemacht. Vor allem das gemeinsam mit dem Alex Wurz zu machen. Ich glaube, wir harmonieren sehr gut. Zum Zweiten ist es bei den Sehern gut angekommen. Das hat das Feedback gezeigt.

etat.at: Hat sich das gute Feedback auch in den Quoten widergespiegelt? Wie hat sich das Zuseherinteresse im Vergleich zum Vorjahr entwickelt?

Hausleitner: Ich habe nur die Zahlen bis zum 15. Grand Prix. Aber bis dahin waren die Quoten so, dass wir sie unter dem Strich gehoben haben, was dafür spricht, dass es beim Publikum gut angekommen ist.

etat.at: Wie ist Ihr Verhältnis zu Alexander Wurz? Man hat den Eindruck, dass das gemeinsame Kommentieren großen Spaß macht.

Hausleitner: Ja, wir verstehen uns sehr gut und telefonieren auch zwischen den Grand Prix regelmäßig. Da geht es nicht nur um die Formel 1. Man kann durchaus davon sprechen, dass wir auch freundschaftlich verbunden sind.

etat.at: Sie haben ja Heinz Prüller als Kommentator abgelöst. Der ist nicht freiwillig gegangen. Hat es Zwist zwischen ihnen gegeben?

Hausleitner: Nein, ganz und gar nicht. Das Verhältnis zwischen dem Heinz und mir ist so, wie es vorher war. Ich glaube, dass es auch ihm klar war, dass es keine Entscheidung zwischen Heinz Prüller oder Ernst Hausleitner war. Die Entscheidung war primär, den Vertrag mit Heinz Prüller nicht mehr zu verlängern. Wenn ich es nicht gemacht hätte, dann wäre halt jemand anders zum Zug gekommen.

etat.at: Heinz Prüller kommentiert für Sky und ist nach wie vor bei jedem Grand Prix dabei. Gibt es zwischen ihnen regelmäßigen Austausch?

Hausleitner: Bis auf die letzten vier Grand Prixs war er immer vor Ort und da läuft man sich natürlich im Fahrerlager über den Weg. Über meine Tätigkeit haben wir wenig gesprochen, aber wir reden ganz normal über die Formel 1 und das tagesaktuelle Geschehen. Es gibt ja weder von meiner Seite - und ich glaube auch nicht von seiner Seite - irgendwelche Ressentiments.

etat.at: War das im Vorfeld der Saison für Sie ein besonderer Druck, weil es viel Wirbel um die Ablöse von Heinz Prüller gegeben hat und sich Initiativen formiert haben, die seinen Verbleib gefordert haben?

Hausleitner: Die Aufmerksamkeit, die man mir geschenkt hat, hatte ich natürlich zu 100 Prozent dem Heinz zu verdanken. Die Formel 1 war in Österreich so sehr mit seinem Namen verbunden, dass seine Ablöse das Interesse an dem Nachfolger geschürt hat. Für mich war es schon überraschend, was sich zu Saisonbeginn getan hat. Es war Thema in allen Medien und dementsprechend bin auch ich als Person im Mittelpunkt gestanden. Ich kommentiere ja auch den Ski-Weltcup, wo mein erstes Rennen als Kommentator ohne großes Aufsehen über die Bühne gegangen ist. Im Gegensatz zur Formel 1, wo es vor dem ersten Grand Prix in Australien ein ziemliches Tohuwabohu gegeben hat. Aber das hat sich dann im Laufe der Zeit wieder gelegt.

etat.at: Werden Sie auch wie Heinz Prüller nach jeder Saison ein Formel 1-Buch auf den Markt bringen?

Hausleitner: Bis jetzt habe ich es noch nicht geschafft, ein Buch zu schreiben, aber das ist durchaus eine Überlegung wert. Man müsste sich da natürlich auch diesen Stellenwert erarbeiten, den der Heinz hat. Das geht nicht von heute auf morgen. Seinen Status hat er sich mit viel Einsatz und mit viel Fleiß im Laufe von 40 Jahren verdient.

etat.at: Der ORF muss sparen, die teuren Sportrecht stehen auf dem Prüfstand. Die Rechte für die Formel 1 laufen im Jahr 2011 aus. Wie geht es weiter?

Hausleitner: Da kann ich leider nichts dazu sagen, weil das Entscheidungen sind, die auf höchster Ebene getroffen werden.

etat.at: Sie wollen sicher die nächsten 25 Jahre Formel 1-Kommentator bleiben. Was machen Sie, wenn der ORF auf die Übertragungsrechte verzichtet. Kommt ein Senderwechsel in Frage?

Hausleitner: Daran denke ich nicht. Ich bin jetzt 41 und hab natürlich keine Ahnung, was in 25 Jahren sein wird, aber es ist nicht mein Ziel, so lange die Formel 1 zu kommentieren. Einige Jahre würde ich es schon gerne machen, aber 25? Mal schauen.

etat.at: Was war Ihr persönliches Highlight im Rahmen der letzen Saison? Nicht sportlich gesehen sondern auf der emotionalen Ebene.

Hausleitner: Im positiven Sinne war das sicher der erste Grand Prix. Der Druck war sehr groß, was ich mir im Vorfeld nicht erwartet hatte. Ich betrachte mich eigentlich als sehr bodenständigen Menschen. Normalerweise kann mich nichts so schnell aus der Ruhe bringen, aber der Druck war nach der Ablöse von Heinz Prüller spürbar. Das ist mir schon auf die Substanz gegangen. Es war ein emotionaler Höhepunkt, wie das erste Rennen als Kommentator positiv zu Ende gegangen ist. Der Druck ist Erleichterung gewichen. Nach dem Grand Prix sind wir dann auf das Konzert von "The Who" gegangen. Das war der krönende Abschluss eines für mich sehr positiven Tages.

etat.at: Was war sonst noch ein prägendes Ereignis, das auf der Strecke passiert ist?

Hausleitner: Wenn ich zurückblicke, dann war das sicher der Unfall von Felipe Massa in Ungarn. Diese Ungewissheit, was genau passiert ist und wie man damit als Kommentator umgeht, war sehr schwierig und eine echte Herausforderung. Das ist auf der emotionalen Ebene nicht so leicht zu bewerkstelligen.

etat.at: Wenn Sie den Kurzsport moderieren, wünschen Sie den Zuschauern zum Schluss immer nur einen "recht schönen Abend". Warum?

Hausleitner: Wenn ich das nächste Mal im Einsatz bin, das ist am Donnerstag oder Freitag, bekommen Sie einen "sehr schönen Abend". Versprochen. (derStandard.at, 10.11.2009)

Zur Person:

Ernst Hausleitner (41) kam im Jahr 2000 als Oberösterreich-Korrespondent für Ö3 und als Sportreporter im ORF-Landesstudio Linz zum ORF. Von 2002 bis 2004 werkte er als Sportredakteur für Ö3. Mit der Formel 1 ist Hausleitner seit 2004 verbunden. Zuerst als Interviewer, im März 2009 gab er sein Debüt als Kommentator.

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 73
1 2
ich wollte gerade dasselbe schreiben...
00
12.11.2009, 13:46
"Formel 1-Legende Heinz Prüller"


Prüller in einer Reihe mit Jim Clark, Stirling Moss, Graham Hill, Jackie Stewart, ....

meisenkaiser
02
11.11.2009, 13:34

hausleitner kennt sich gut aus, harmoniert wunderbar mit seinem co., die beiden sind infotainment pur! das hausleitner-bashing ist völlig daneben! was los ist, wenn die beiden ausfallen, hat man ja deutlich beim brasilien gp gesehen und vor allem gehört...

DaPadawan
51
11.11.2009, 11:59
Da Ernst könnte nie einen Grand Prix alleine kommentieren!

Die Quote wär im A*sch!!

Ich bin froh, dass da Alex auch dabei ist.

Kein Sprachtalent aber er hat viel Hintergrundwissen und kennt die Schwächen/Stärken der Fahrer und Teams!

Da Ernst kennt si an Schaß aus und is einfach fad!

hanni fridrich
00
11.11.2009, 11:49

F1 ist so ein s....ss !

Tadej Brezina
00
12.11.2009, 16:24

"pa"
"cha"
"ü"
???

verleih nix
01
11.11.2009, 12:49

danke für dieses posting. die ganze lesergemeinde des standards hat es sehnsüchtig erwartet.

Ich bin der Meinung...
01
11.11.2009, 10:47
Ich ziehe auch Bilanz:

Die F1 Saison 2009 war die erste seit 35 Jahren, wo ich keine einzige Fernsehminute Formel 1 im ORF gesehen habe. (Alles in RTL, samt Niki)

Herrn Hausleitner zu beurteilen steht mir daher nicht zu. Auch wenn er der Grund für meinen Switch zu RTL ist.


zeno7
12
11.11.2009, 10:46

Was mich beim Hausleitner am meisten stört: er fängt normal an zu reden und ganz plötzlich, mitten im Satz, fängt er an zu schreien, ohne äußere Veranlassung, nur weil er sich erinnert, daß Sportreporter schreien müssen (müssen Sportreporter schreien?) Wenn er normal redet klingt er echt, wenn er schreit, klingt das künstlich und aufgesetzt. Wurz schreit nie und ist deshalb viel erträglicher.

profiler
02
11.11.2009, 10:32

dem prüller seine geschichten über die großväter und großmütter der fahrer hatten aber nicht wirklich etwas mit fachkompetenz zu tun..... oder will das jemand wissen, dass dem mika hakkinen sein vater hafenwärter in einer finnischen stadt gewesen ist. die ära prüller war zum schluß absolut nicht mehr zeitgemäß, jetzt bekommt man wenigstens ordentliche technische informationen geliefert, ob der stil von hausleitner und wurz gefällt oder nicht steht auf einem anderen blatt papier. mir jedenfalls gefällts obwohl die rennen selber auch nicht spannender sind als früher..

SeMi70
02
11.11.2009, 10:23
seit der Prueller endlich weg ist

kann man sich die F1 wieder auf ORF anschauen.

Sehr positiv finde ich, dass beide beim Boxenfunk meistens "Gusch" sind und der Wurz diese dann auch noch "richtig" uebersetzt.
Der Prueller hat ja nie seine Pappn halten koennen und damit hat man den Boxenfunk nicht gehoert, und er selbst auch nicht, damit gab es auch nur selten eine Uebersetzung.

ThE aThEiSt
12
11.11.2009, 10:10
Mit Hausleitner und Wurz

sehe ich Formel 1 wieder gerne an. Beim Prüller war es schon mehr Fremdschämen als Unterhaltung.
Weiter so! :)

Der Neisseer
111
11.11.2009, 08:32
Ich mag das ganz gern, wie die kommentieren

Seit die beiden das machen, schalte ich nicht mehr auf RTL um. Sie sind unaufdringlich und sympathisch. Auch fühle ich mich kompetent und wirklich live informiert, sodaß ich die Rennen immer interessanter finde, weil ich erstmals beginne, Taktik etc. ein wenig zu verstehen.

Detail am Rande: Endlich Kommentatoren, die mal Englisch sprechen (Boxenfunk live übersetzen) ...

Ned Litam
12
11.11.2009, 10:39

mich nervt aber, dass bei den pressekonferenzen immer dazwischenquatscht wird. würde lieber den originalkommentar hören, weil übersetzen tun sie ohnehin nur die hälfte.

heutzutage sollten doch die meisten in der lage sein und englisch sprechen bzw. es verstehen.

Der grundlos gefeuerte Gärtner von Toto Schillaci
01
11.11.2009, 11:09
ad heutzutage.

Leider ist dem nicht so. Man muss sich nur ansehen, wie zB Studierende massiv mit englischsprachigen Vorträgen überfordert sind. Sicherlich ist das oft ein schwierigeres Englisch (als wenn ein "selbst nicht native speaker" Standardfloskeln zum Besten gibt), aber da sitzen großteils Leute, die in Englisch maturiert haben. Es ist sehr schade, dass bei uns alles synchronisiert wird. Hatte schon Kurse mit zB Schweden, welche einen Wortschatz haben, der einen durchschnittlicher AHS-Lehrer alt aussehen lässt.

Chronisch komisch und manisch damisch
17
11.11.2009, 08:27

Ich find auch, dass Herr Hausleitner seinen Job ganz gut gemacht hat. Vor allem als dynamisches Duo (manchmal damisches Duo) mit dem Alex Wurz kam ich dich hin und wieder zum Schmunzeln. Ob das nun an der kommentatorischen Qualität lag oder an der pubertären Art, die die beiden zeitweise an den Tag gelegt haben, sei nun hingestellt.

Und solange der Heinzi Prüller bei Sky ist und Hunter S. Thompson nicht wieder von den Toten aufersteht, ist der Ernst Hausleitner schon in Ordnung als F1-Kommentator.

Der Tod als Ziel
81
11.11.2009, 00:56
Viele finden den E.Hausleitner

"eh so im großen und ganzen in Ordnung"

UND???

Genau hier hätten wir bereits das Problem.
Zwar kompetent, jedoch zu BIEDER, zu Ö3-haft, langweilig und fad......
Ein Sportreporter darf viel sein, er darf sich mal irren, er darf aufregen, darf polarisieren, er soll mitreissen und Herzblut zeigen. Bloss eines soll er eben nicht:

L A N G W E I L E N(Hausleitners Problem, eben...)

Der sich den Wolf tanzt
43
10.11.2009, 20:17
ernst hausleitner kommentiert einen f1-grand prix welcher in einem unihörsaal übertragen wird:


http://pix.sueddeutsche.de/kultur/89... 400488.jpg

fraaaaaaaaaanzl
28
10.11.2009, 20:12
bravo!

hausleitner hat die wohl schwierigste und undankbarste aufgabe übernommen, die es orf zu vergeben gab, und er hat das mehr als beachtlich gelöst!

Fillet of Soul
01
11.11.2009, 06:37

undankbarst? wie meinen sie dass?

GAT
 
26
10.11.2009, 19:48
Gelungen

Ich finde, der Hausleitner hat seine erste Kommentatoren-Saison ganz gut gemeistert. Im "Duett" mit Alex Wurz fand ich den Kommentar ausreichend detailliert und gleichzeitig angenehm erfrischend.

Meine anfängliche Sorge, Prüllers Expertisen vermissen zu müssen, wurde nicht bestätigt.

Illusionist
21
10.11.2009, 19:43
Dazu gibts nur eines (Legendär):

http://www.youtube.com/watch?v=WUkigFt7SCo

Nathaniel Winerib
114
10.11.2009, 19:18
Wurz' Pudel

Wurz ist ein ausgezeichneter Co-Kommentator.

Hausleitner ist mir ihm jedoch zu unterwürfig. Das ergebene Gekicher bei jeder ironischen Bemerkung ist nicht auszuhalten. Das ist ja fast schon Pariasek-Niveau.

dahofawors
011
10.11.2009, 18:21
der schönste grand prix

war für mich der in indy, als nur 6 autos am start waren, und 2 kommentatoren (prüller/niki) den lustigsten kommentar aller zeiten lieferten.
den würd ich gern in sport+ wiedersehen.

Dr Zoidberg
02
11.11.2009, 09:48
"Heinz? HEINZ!! Schläfst du, Heinz?"



;°)

Gerhard G.
01
11.11.2009, 07:02
yeab..

..das war wirklich genial :-)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 73
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