Venezuelas Präsident: "Heiliges Heimatland verteidigen"
Caracas - Nach der Unterzeichnung eines umstrittenen
Militärabkommens zwischen den USA und Kolumbien hat Venezuelas Präsident Hugo
Chávez zur Vorbereitung auf einen möglichen Krieg aufgerufen. Es sei die
"Verantwortung aller", sich auf einen Krieg vorzubereiten, sagte Chávez am
Sonntag in seiner wöchentlichen Fernsehsendung "Aló Presidente". Kolumbien
kündigte an, wegen der Aussagen von Chávez die Vereinten Nationen anzurufen.
"Studenten, Revolutionäre, Arbeiter, Frauen: Alle sind bereit, dieses heilige
Heimatland Venezuela zu verteidigen", sagte Chávez. Es sei keine Zeit zu
verlieren, sich auf den Krieg vorzubereiten und der Bevölkerung bei den
Vorbereitungen zu helfen. Dies sei die "wichtigste Mission" in Venezuela. Die
beste Art, einen Krieg zu vermeiden sei es, sich auf ihn vorzubereiten.
Warnung an Obama
Mit deutlichen Worten warnte Chávez zudem US-Präsident Barack Obama vor
Aggressionen gegen Venezuela. Obama solle sich "nicht irren", Venezuela sei zu
allem bereit. Venezuela werde nie eine Kolonie der USA noch die Kolonie eines
anderen Staates werden. Sollten die USA Venezuela angreifen, so werde der "Krieg
der 100 Jahre" beginnen, der sich über den gesamten Kontinent erstrecken werde.
Niemand solle glauben, ein Krieg gegen Venezuela werde nur gegen Venezuela
geführt: "Wir sind nicht allein."
Die kolumbianische Regierung in Bogotá forderte, die Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) und der UN-Sicherheitsrat sollten sich mit "diesen
Kriegsdrohungen der venezolanischen Regierung" befassen. Kolumbien habe nie eine
"feindliche Geste" gegenüber der internationalen Gemeinschaft und noch weniger
gegenüber seinen Nachbarländern gezeigt und werde dies auch nie tun. Die
Regierung sei bereit zu einem "ehrlichen Dialog".
USA dürfen kolumbianische Basen benützen
Washington und Bogotá hatten Ende Oktober ein Abkommen über die Nutzung
kolumbianischer Militärbasen durch die US-Armee geschlossen. Die Vereinbarung
erlaubt den US-Streitkräften für die nächsten zehn Jahre die Nutzung von
mindestens sieben Stützpunkten in Kolumbien. Nach US-Angaben sollen die
Stützpunkte für den Kampf gegen Drogenhandel und Terrorismus genutzt werden. Die
Pläne waren bei den linksgerichteten Regierungen der Nachbarländer Venezuela und
Ecuador auf scharfe Ablehnung gestoßen. Sie werfen den USA vor, ihren Einfluss
in Südamerika vergrößern zu wollen. Chávez betrachtet die Präsenz der
US-Soldaten als direkte Bedrohung.
In seiner Radioansprache sagte Chávez, das Abkommen werde es der US-Armee
erlauben, sich in Kolumbien zu bewegen wie es ihr beliebe, so als sei Kolumbien
ein Teil der USA geworden. Die kolumbianische Regierung sei "in die USA verlegt"
worden. Beide Länder hätten sich vereinigt, um die Welt über ihre Absichten zu
belügen.
Unter anderem wegen der im Juli bekannt gegebenen Pläne für das Abkommen
hatte Chávez Ende Juli die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien auf Eis
gelegt. Der Konflikt zwischen der linksgerichteten Regierung in Caracas und der
konservativen kolumbianischen Regierung von Präsident Alvaro Uribe, des engsten
Verbündeten der USA in Südamerika, dauert aber bereits seit Jahren an. Zuletzt
hatten die Spannungen an der 2000 Kilometer langen Grenze zwischen beiden
Ländern zugenommen. Caracas behauptet, kolumbianische Paramilitärs versuchten
nach Venezuela vorzudringen um die Regierung zu destabilisieren. (APA)