Günter Schabowski stolz auf Maueröffnung

8. November 2009, 20:24
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    foto: ap/schmidt

    Günter Schabowski bei der historischen Pressekonferenz im Jahr 1989

Bestreitet Darstellung von Krenz zur angeblichen Sperrfrist für DDR-Reiseregelung

Berlin - Der ehemalige SED-Politiker Günter Schabowski erinnert sich "mit Genugtuung und auch mit einem gewissen Stolz" daran, dass er am 9. November 1989 mit der Bekanntgabe einer neuen Reiseregelung den Mauerfall ausgelöst hat. Zwar sei die Linkspartei der Meinung, er sei "ein Verräter und Schweinehund", aber es gebe auch Menschen, die seinen damaligen Versuch respektierten, "die Spaltung zwischen Ost und West zu überwinden", sagte der 80-Jährige dem Berliner "Tagesspiegel".

Die historische Dimension des Augenblick sei ihm allerdings erst viel später bewusstgeworden, sagte Schabowski. Zwar sei ihm klar gewesen, "dass das ein relativ einschneidender Schritt war", der die Konfrontation zwischen Ost und West beendete. "Und wir waren uns im Klaren, dass daraus eine Entwicklung wird, bei der wir uns mit dem Westen arrangieren müssen. Allerdings noch unter den Bedingungen einer deutschen Teilung mit einer souveränen DDR."

Pressekonferenz

Das damalige Politbüromitglied Schabowski hatte am Abend des 9. November auf einer Pressekonferenz die neue Reiseregelung bekanntgegeben und auf Nachfrage, ab wann dies gelten solle, geantwortet: "Ab sofort, unverzüglich." Diese Regelung war angeblich noch nicht endgültig abgestimmt worden.

Es habe ihn "verflucht geärgert, dass (Staats- und Parteichef Egon) Krenz dann herumzeterte, er hätte das nicht gemacht", sagte Schabowski. Er bestritt, dass der Nachfolger von Erich Honecker als SED- und Staatschef ihm am 9. November 1989 mitgeteilt habe, für die neue Reiseregelung gelte eine Sperrfrist, wodurch der Ansturm der Reisewilligen womöglich hätte kanalisiert werden können. Krenz habe ihm das Papier "vor der Pressekonferenz gegeben - ohne ein Wort von einer Sperrfrist, nichts dergleichen. Im Nachhinein hat er versucht, sich vor den Gremien damit zu rechtfertigen, dass er mir das Papier übergeben hätte und dabei sei eine Sperrfrist gewesen. Natürlich wäre eine Sperrfrist angemessen gewesen, wenn wir drei - Siegfried Lorenz, der Parteichef aus Karl-Marx-Stadt, Krenz und ich - uns darauf geeinigt hätten."

Mit der DDR und dem Sozialismus hat er inzwischen abgeschlossen. Der Versuch, ein solches Gesellschaftskonstrukt zu schaffen, sei "von vornherein zum Scheitern verurteilt", sagte er. "Zu glauben, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt die Gesellschaft ideal zu formen sei, ist eine Illusion." Inzwischen habe sich auch die Linkspartei "von sozialistischen Vorstellungen verabschiedet, auch von ihrer Terminologie", sagte Schabowski. "Die Linkspartei möchte nur das abschöpfen, was von den sozialistischen Träumen übrig geblieben ist, um daraus politischen Gewinn zu ziehen." (APA/AP)

alexanderletten
 
01
8.11.2009, 23:37
".. Zwar sei die Linkspartei der Meinung, er sei "ein Verräter und Schweinehund", aber .."

Die Linke hätte das Ganze eleganter gelöst.
Sie hätte die Ursachen der schnell herbei entschiedenen Reiseregelungen erstmal völlig ignoriert und weitergesoffen zu Ehren des 40. Jahrestages der kollektiven Superlüge.

? ? !
02
8.11.2009, 21:00
lesenswert dazu:

Günter Schabowski: 'Wir haben fast alles falsch gemacht'.

Econ-Verlag, Berlin 2009

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