So viele Brüste, so viele Keulen, aber: Was tun mit dem Rest vom Federvieh? Herr Balogh hat eine gansheitliche Antwort, die Harald Fidler gefallen musste: Bruckfleisch vom Martinivogel
Ganzheitlich war möglicherweise nicht das erste Wort, das Ihnen zu dieser kleinen, dreckigen Kolumne eingefallen ist, oder? Dabei wissen auch weniger treue Leserinnen und Leser, dass an dieser Stelle vor allem ein Motto gilt: Bloß nichts übriglassen vom Tier, wenn es schon für uns um die Ecke und hernach auf den Teller gebracht wird - siehe zum Beispiel hier, hier oder hier und hier. Nicht etwa, dass wir das Filet schmähen wollen, den Schinken oder die Brust. Aber: Wer das Vieh von Kopf bis Fuß auf den Tisch bringt, dem gilt unsere Sympathie. Diesmal werden wir, zum 11. November mäßig originell, gansheitlich.
Bruck'n'Roll
Sandro Balogh ist ohnehin keiner, der über innere Werte hinwegsieht. Trotzdem, danke, danke, danke! Er serviert zu Martini ein "Gansl-Bruckfleisch", das diese Werte nachhaltig, hell und mollig hochhält, mit Wachtelei und Grießnockerl. Der Mann weiß definitiv, was sich und auf den Teller gehört. Ich war jedenfalls so begeistert, dass ganz vergaß, die Ganslsuppe meines Mitessers zu probieren. Er wirkte aber sehr zufrieden mit seiner Wahl. Jedenfalls bis er den Löffel in mein Bruckfleisch getaucht hatte.
Hilbergs feuchte Träume
Es kann kein Zufall gewesen sein, dass diese kleine, dreckige Kolumne in Vikerls Lokal, bei den Baloghs, damals noch relativ neu in 1150, entstanden ist. Herr Winterberger und ich saßen gleich rechts vom Eingang, als man dort noch rauchte (danke, dass nicht mehr). Und von Gang zu Gang, von Glas zu Glas brach sich die Idee Bahn (von Reife würde ich an dieser Stelle nicht schreiben): ein Fressblog, von begeisterten Essern und gleichwohl bekennenden Nicht-Experten, in meinem Fall würde ich sogar von Banausentum sprechen. Über Vikerls Lokal zu schreiben, überließen wir glücklich, aber halt doch erschöpft, Herrn Hilberg, dem wir die Fact-Finding-Mission nach Rudolfsheim-Fünfhaus dringend ans Herz legten. Schon wegen des Schokodesserts, das ihm "feuchte Träume" bescherte. Da fällt mir ein: Wohin isst eigentlich Herr Winterberger verschwunden? Und wann schreibt Herr Hilberg wieder einmal?
Ich empfehle für den (baldigen) Vikerl-Besuch: Bruckfleisch von der Gans zur Vorspeise. Dann bleibt noch Platz für die klassische Weidegans aus dem Mostviertel (muss ja auch wer Brust und Keule futtern). Am besten natürlich mit Speckkraut und Erdäpfelknödel, und nicht etwa mit Rotkraut, über Serviettenknödel kann man schon reden. Sehr knusprig das Tier, sehr fein, wenngleich ein Alzerl weniger saftig als sein Artgenosse in Tulln, beim Sodoma. Prototypisch, würde ich sagen.
Von Schwanz und Hals
Gerti Sodoma verarbeitet vom Federvieh auch gerne etwas mehr als die edelsten Teile. Heuer hab' ich den gefüllten Ganslhals aber nicht entdeckt, quasi Gansl gefüllt mit Gansl, erinnert ein bisschen an Asterix in Übersee, finden Sie nicht? Der Fidler bekam auch so den Hals kaum voll genug, halt mit Wildschwein-Ravioli aus Filoteig und vor allem einem geschmorten Ochsenschlepp (yeah!). Aber das ist ja wieder eine gans andere Geschichte, von einem gans anderen Ende der Tierwelt. Aber natürlich auch ein Beitrag zur Gansheitlichkeit.
Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und
Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als
Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine
Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was
nicht immer gelingt.