Die Einge-Weidegans

10. November 2009, 16:21
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    foto: fidler

    Gänseklein, aber aus dem Inneren des Tieres. Sieht im Vikerl original deutlich besser aus als von meinem alten iPhone.

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    foto: fidler

    Die Hauptgans im Vikerl, mit Speckkraut. Rotkraut kommt mir nicht auf den Teller, da bin ich eigen.

     

     

    Vikerls Lokal
    Würffelgasse 4
    1150 Wien
    01 894 34 30
    Zweimal zwei Gänge, Wein, Wasser, Kaffee 88 Euro

     

    Gasthaus Zur Sonne / Sodoma
    Bahnhofstraße 46
    3430 Tulln
    02272 64614
    Drei plus zwei Gänge, Wein, Wasser, Kaffee 122 Euro

So viele Brüste, so viele Keulen, aber: Was tun mit dem Rest vom Federvieh? Herr Balogh hat eine gansheitliche Antwort, die Harald Fidler gefallen musste: Bruckfleisch vom Martinivogel

Ganzheitlich war möglicherweise nicht das erste Wort, das Ihnen zu dieser kleinen, dreckigen Kolumne eingefallen ist, oder? Dabei wissen auch weniger treue Leserinnen und Leser, dass an dieser Stelle vor allem ein Motto gilt: Bloß nichts übriglassen vom Tier, wenn es schon für uns um die Ecke und hernach auf den Teller gebracht wird - siehe zum Beispiel hier, hier oder hier und hier. Nicht etwa, dass wir das Filet schmähen wollen, den Schinken oder die Brust. Aber: Wer das Vieh von Kopf bis Fuß auf den Tisch bringt, dem gilt unsere Sympathie. Diesmal werden wir, zum 11. November mäßig originell, gansheitlich.

Bruck'n'Roll

Sandro Balogh ist ohnehin keiner, der über innere Werte hinwegsieht. Trotzdem, danke, danke, danke! Er serviert zu Martini ein "Gansl-Bruckfleisch", das diese Werte nachhaltig, hell und mollig hochhält, mit Wachtelei und Grießnockerl. Der Mann weiß definitiv, was sich und auf den Teller gehört. Ich war jedenfalls so begeistert, dass ganz vergaß, die Ganslsuppe meines Mitessers zu probieren. Er wirkte aber sehr zufrieden mit seiner Wahl. Jedenfalls bis er den Löffel in mein Bruckfleisch getaucht hatte.

Hilbergs feuchte Träume

Es kann kein Zufall gewesen sein, dass diese kleine, dreckige Kolumne in Vikerls Lokal, bei den Baloghs, damals noch relativ neu in 1150, entstanden ist. Herr Winterberger und ich saßen gleich rechts vom Eingang, als man dort noch rauchte (danke, dass nicht mehr). Und von Gang zu Gang, von Glas zu Glas brach sich die Idee Bahn (von Reife würde ich an dieser Stelle nicht schreiben): ein Fressblog, von begeisterten Essern und gleichwohl bekennenden Nicht-Experten, in meinem Fall würde ich sogar von Banausentum sprechen. Über Vikerls Lokal zu schreiben, überließen wir glücklich, aber halt doch erschöpft, Herrn Hilberg, dem wir die Fact-Finding-Mission nach Rudolfsheim-Fünfhaus dringend ans Herz legten. Schon wegen des Schokodesserts, das ihm "feuchte Träume" bescherte. Da fällt mir ein: Wohin isst eigentlich Herr Winterberger verschwunden? Und wann schreibt Herr Hilberg wieder einmal?

Ich empfehle für den (baldigen) Vikerl-Besuch: Bruckfleisch von der Gans zur Vorspeise. Dann bleibt noch Platz für die klassische Weidegans aus dem Mostviertel (muss ja auch wer Brust und Keule futtern). Am besten natürlich mit Speckkraut und Erdäpfelknödel, und nicht etwa mit Rotkraut, über Serviettenknödel kann man schon reden. Sehr knusprig das Tier, sehr fein, wenngleich ein Alzerl weniger saftig als sein Artgenosse in Tulln, beim Sodoma. Prototypisch, würde ich sagen.

Von Schwanz und Hals

Gerti Sodoma verarbeitet vom Federvieh auch gerne etwas mehr als die edelsten Teile. Heuer hab' ich den gefüllten Ganslhals aber nicht entdeckt, quasi Gansl gefüllt mit Gansl, erinnert ein bisschen an Asterix in Übersee, finden Sie nicht? Der Fidler bekam auch so den Hals kaum voll genug, halt mit Wildschwein-Ravioli aus Filoteig und vor allem einem geschmorten Ochsenschlepp (yeah!). Aber das ist ja wieder eine gans andere Geschichte, von einem gans anderen Ende der Tierwelt. Aber natürlich auch ein Beitrag zur Gansheitlichkeit.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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23 Postings
ninagluck
11
11.11.2009, 11:01
schauen.....

........sie sich mal die gansl-karte vom hansy am pratersten an. klingt sehr vielversprechend.....

Letzte Tage
10
11.11.2009, 02:48
Das beste Gansl Wiens ...

... immer noch beim Grünauer. Leider ausgebucht. Und ab Ende Dezember - wenn kein Wunder passiert - geschlossen.

Hui Buh
00
25.10.2010, 21:48
Das bester Gansl Wiens ist seit Jahren, ich denke, ich genieße es seit ca. 12 Jahren in gleichbleibender Güte, beim Reznicek.

Wie Herbert Prockl (Reznicek) die glücklichen Burgenländischen Weidegänse zubereitet, die Zartheit des Fleisches, das vom Knochen fällt und auf der Zunge schmilzt, die Knusprigkeit der Haut, resch und krachend, wie einstens die Handsemmerln, die flaumig duftigen Waldviertler Knöderl (von einer Leichtigkeit, dass einem ein Juchezer auskommen könnte - nicht die schwere, zähe Pappigkeit der üblichen "Gummiknödel"), die lockeren Semmelknöderl, das köstliche, gut gewürzte Rotkraut, das nicht minder gute Weinkraut, das Safterl - kurzum, alles ein Gedicht!! Garniert mit Orangenscheibe und Preiselbeeren, dazu ein leichter Staubiger - Bei solch einer perfekten Gans macht das Leben Freude!
Freue mich jetzt schon wieder auf den November 2011!!!!! ;o)

cucina
00
11.11.2009, 09:18

was meinen Sie damit? sperrt der grünauer ganz zu? das ja hoffentlich nicht. ersuche um aufklärung. danke.

Michael B
01
11.11.2009, 01:02
Bringen Sie mir das beste Essen, das Sie haben, gefüllt mit dem zweitbesten" -

"Also Hummer, gefüllt mit Knödel"
Homer Simpson im Restaurant.

Piefke in Tirol
01
11.11.2009, 12:56
gefülltes Pferd mit Nudeln! ;-))

alte frau
00
10.11.2009, 16:37

truthahn mit wildschwein gefüllt...

schmecks
00
10.11.2009, 16:51

gut geraten, aber ich meinte den höhepunkt: guru-guru gefüllt mit guru-guru!
besten gruß,
fid

Schnabeltierfresser
01
11.11.2009, 09:02
Gefüllter Ganslhals

ist ja eher eine urfranzösische Spezialität, natürlich eingemacht im eigenen Fett. Letztes Wochenende gerade die jährliche frankophile Ration Ente im Fett eingemacht, da wird selbstverständlich auch alles verwertet. Und hinterher kommen die Knochen noch mal in die Suppe.

Was war denn alles drin im Bruckfleisch?

schmecks
00
11.11.2009, 16:46

sorry, kam vor gier nicht zur näheren analyse (soweit ich dilettant dazu in der lage wär). erinnere mich jedenfalls an lebriges.
besten gruß,
fid

kuchlmensch
02
11.11.2009, 09:14
Französiche Spezialität

Vielleicht auch dort, aber feder(!)führend ist hier wohl die jiddische Variante...Nur- mit den jetzigen spatzenartigen Gansln lassen sich viele der alten Rezepte gar nicht realisieren, oder wissen Sie vielleicht einen Ort, wo man 7Kilogänse bekommt?

Don Flamenco
00
11.11.2009, 14:22

das brauchen sie dann aber auch ein entsprechendes backrohr

kuchlmensch
00
11.11.2009, 18:33
Was ich brauche sind starke Männer

Ich habe ein breites backrohr (dank quelle, war nicht einmal teuer) und sogar eine riesige französische Gusseisenrein - da würde auch eine Siebenkilogans hineinpassen, wenn ich sie hätte....so habe ich mich mit schweinsbratenduell - kaiserfleisch hat gegen schopfbraten gewonnen- und lammschlögeln beholfen - das braten war kein problem, aber für die rein mit inhalt braucht man kräftige helfer

Don Flamenco
00
11.11.2009, 21:47

ich hätte da einen tipp, den ich aber nicht in der öffentlichkeit breittreten möchte. :-( könnte ich aber per mail verabreichen.

oliver schuh
00
11.11.2009, 13:01
naja

bei mir gabs (mittlerweile haben alle das zeitliche gesegnet und wurden verkauft) welche mit 5einhalb kilo .... für 7kilo muss man sie schon für eine in unseren breitengraden unüblich lange zeit behalten -- wobei weihnachten ging sich schon aus -- zum andern müsste man gar nicht so wenig zufüttern !!

pastinake
01
11.11.2009, 11:14
Gefüllten Ganslhals

hab ich gerade im Mühltalhof, OOE, perfekt zubereitet gegessen. War die jiddische Variante.
Ich mach im Herbst immer ein Menü für Freunde "Gutes von der Gans" (Rezepte: http://tinyurl.com/yjktay4) . Da wir auch nix weg geschmissen!

kuchlmensch
00
11.11.2009, 18:29
Bin dankbar, wenn man mir saores gibt

(Die redewendung kommt eh aus dem jiddischen - gib ihm zores). Danke für den Link, die Gänsebrust in saor muss ich umgehend ausprobieren!

pastinake
00
12.11.2009, 08:41
Dank retour

für die schöne Erklärung:
zores - saores !!!!

Linus Van Pelt
00
10.11.2009, 18:08

Also ich meine mich zu erinnern, dass der guru-guru mit Bär gefüllt war ...

Linus

jose luis schuster
00
10.11.2009, 18:55

nicht umgekehrt?

Linus Van Pelt
02
10.11.2009, 20:52
Nein.

Obelix: „[...] Ich hab nämlich Hunger.“

Asterix: „Hunger? Aber du hast doch grad erst zwei Gurugurus gegessen, einen sogar mit Bär gefüllt.“

Linus

schmecks
00
11.11.2009, 16:46

nach meiner erinnerung gehen die füllereivarianten so lang weiter, bis sie guru-guru mit guru-guru füllen.
besten gruß,
fid

Frasensprenger
00
11.11.2009, 10:43

das war der beginn des turducken...

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