20 Jahre nach Mauerfall

Als das Tor zur Freiheit aufging

8. November 2009, 18:21
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    foto: reuters/bensch

    Ostdeutsche Grenzwachen blicken durch eine Lücke in der Grenzmauer, nachdem Demonstranten ein Stück Mauer entfernt haben.

Sie stand 28 Jahre lang, teilte nicht nur eine Stadt und ein Land, sondern die ganze Welt in zwei Blöcke - Doch am 9. November 1989 brachten Chaos und Courage die Berliner Mauer ohne Blutvergießen zu Fall, und die ganze Welt jubelte

Grau ist sie, hässlich, beschmiert und natürlich unüberwindbar, auch wenn der Putz schon bröckelt und Eisenstäbe herausragen. "Das soll die berühmte Berliner Mauer sein? Ich habe sie mir viel monströser vorgestellt" , sagen Touristen heute noch, wenn sie in Berlins Mitte ihren Pflichtstopp in der Niederkirchner Straße machen. Dort steht noch ein Stück Mauer. Im Osten der Stadt erstrahlt hingegen die East-Side-Gallery zum Jahrestag in neuem, bunten Glanz. Künstler aus aller Welt haben sich auf 1200 Metern Mauer verewigt. Fröhlich schaut das aus, und hier kann man noch weniger als in der Niederkirchner Straße erahnen, welchen Schrecken die Berliner Mauer 28 Jahre lang ausübte.

"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" , hatte DDR-Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz erklärt. Zwei Monate später, am 13. August 1961, begannen die Bauarbeiten. Zuerst war es wirklich "nur" eine Mauer, die die Bürger der DDR daran hindern sollte, via Berlin in den Westen zu gelangen. Denn die DDR drohte zu dieser Zeit auszudörren. 3,5 Millionen Menschen hatten der von Sowjets besetzten Zone seit 1945 für immer den Rücken gekehrt. Später dann wurde aus der Mauer ein bis zu 4,2 Meter hoher, aus Sicht der DDR-Führung ein perfekter Grenzwall - mit Schussanlagen, Wachposten, Hundeauslaufzonen und Bunkern. Ein 167 Kilometer langes Bauwerk, das ein ganzes Volk einsperrte.

"Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf", erklärte der greise Staatsratsvorsitzende Erich Honecker noch im Herbst 1989 trotzig. Doch dies war einer der schönsten Irrtümer der Geschichte. Da war der Zerfall schon nicht mehr zu stoppen.

Österreichs Grenze

Begonnen hatte er bereits viel früher, im Mai 1989, als der Eiserne Vorhang an der österreichisch-ungarischen Grenze durchlässig wurde, weil die beiden Staaten anfingen, die Grenzanlagen abzubauen. Notiz nahm man in der DDR davon natürlich, aber die Führung war gerade mit anderem beschäftigt, der Fälschung der Kommunalwahlen. Später, als die DDR schon nicht mehr existierte, blieb den Linientreuen nur ein schwacher Trost: Auch im Westen ahnte damals kaum jemand, dass der Mauerfall und der Untergang der DDR damals so schnell kommen würden - wenngleich heute viele erklären, sie hätten es ja immer schon vorausgesagt.

Im September spitzte sich die Situation dann zu. Immer mehr Ostdeutsche wollten in den Westen und flüchteten in die Prager Botschaft. Die, die in der DDR blieben, waren nicht mehr bereit zu schweigen und jahrzehntelange Repressalien hinzunehmen. Von Leipzig ausgehend erfassten "Montagsdemonstrationen" das ganze Land. Unvergessen bleiben zwei Tage: Der 30. September, an dem der damalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) tausenden Flüchtlingen in der Prager Botschaft erklärte, sie könnten in den Westen ausreisen. Und der 9. Oktober, an dem in Leipzig nach dem montäglichen Friedensgebet in der Nikolaikirche 70.000 Menschen auf die Straße gingen. Schon damals ein kleines Wunder: Es fiel kein Schuss, alles blieb friedlich.

Dies wiederholte sich dann einen Monat später, allerdings in viel größerer Dimension. Der 9. November 1989 war zunächst Business as usual. In Bonn machte sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) auf den Weg zum Staatsbesuch nach Warschau. Unruhig zwar wegen der vielen Demonstrationen in der DDR, aber keinesfalls so nervös, dass er die lange geplante Reise absagen wollte.

In Ostberlin war für den Abend wieder mal eine Pressekonferenz des Politbüros angekündigt. Das neue Reisegesetz sollte erklärt werden. Es war langweilig wie immer, bis Politbüro-Mitglied Günther Schabowski um 18.53 Uhr sagte, jeder könne jetzt ohne Angabe von Gründen in den Westen reisen. Ab wann das gelte, will der italienische Journalist Ricardo Ehrmann wissen. "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort ... unverzüglich, stammelt der sichtlich überraschte Schabowski und kramt in seinen Zetteln. Noch heute ist unklar, ob sich Schwabowski tatsächlich irrte oder ein wenig nachhalf. Die Grenzer nämlich sollten die Schlagbäume erst am 10. November hochgehen lassen.

Doch viele Ostberliner hatten den entscheidenden Satz verstanden. An der Bornholmer Brücke wuchs die Schar derer, die in den Westteil der Stadt wollten, minütlich. "Tor auf, Tor auf" , riefen sie den ratlosen Grenzern zu, die keine Order von oben hatten.

Gegen 23 Uhr war der Druck so groß, dass Chef-Grenzer Harald Jäger den beherzten Entschluss fasste, den Schlagbaum hochzuziehen, anstatt die Neugierigen gewaltsam zurückzuhalten. Auch da fiel kein Schuss. Das Einzige, was knallte, waren die Sektkorken.

Die Nacht vom 9. auf den 10. November war West-Berlin dann eine einzige Party. Wildfremde küssten und umarmten sich. Und vor allem ein Wort war es, das immer wieder ertönte: "Wahnsinn!" Wie es weitergehen sollte, daran dachten die wenigsten. In dieser Nacht zählte nur der Augenblick. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 9.11.2009)

Kommentar posten
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20 Jahre Freiheit
72
9.11.2009, 18:20

Schaut Euch das Bild gut an:

DAS ist Sozialismus und nichts anderes.
Kein Zufall, kein Unfall, sondern das was immer zwangsläufig rauskommen muss.

Randalf X.
00
29.11.2009, 03:31
Nein das ist radikaler Sozialismus

und radikale Politiken haben noch nie funktioniert egal ob rechts oder links.

Im Exil
22
9.11.2009, 20:49
das war die diktatur kleinbürgerlicher spiesser, die sozialismus spielen wollten

Horst Holger
32
9.11.2009, 22:33
das war ein kleine Minderheit von Spiesser, die Kommunismus spielen wollten

und dafür gleich ein ganzes Volk unterdrückt haben. Gibt´s immer noch, siehe N-Korea, Cuba, Venezuela...
ist aber auch alles zum Scheitern verurteilt- früher oder später

anarchosyndikalist
00
9.11.2009, 18:58

Sie lernen einfach nicht dazu oder?

Es gibt Positiv Beispiele für einen libertären Sozialismus in Mexiko.. der seit den 80er jahren bis heute existiert... wie oft wollen Sie das noch ignorieren?

und wieso heißen Sie eigentlich "20 Jahre Freiheit"?
Besteht Ihr einziger Lebensinhalt aus der Auflösung des totalitären Kommunismus??

Jürgen Rembremerding
02
9.11.2009, 21:29
Mexiko?

Ist das nicht das Schwellenland, in dem Drogenbarone ihren eigenen "Staat" bilden?

anarchosyndikalist
10
10.11.2009, 17:16
ja und das aufgrund der korrupten Politik, die von den Amerikanern unterstützt wird

20 Jahre Freiheit
20
9.11.2009, 19:14

Sie fragen mich, ob ich nicht dazulerne und reden einer Idee das Wort, die 100 Millionen Tote gefordert hat und mit jedem einzelnen Versuch kläglich gescheitert ist und nichts hervorgebracht hat ausser Unterdrückung, Not, Mangelwirtschaft, Repression, totale Überwachung und nachhaltige ökologische Schäden?

Ach so ich wusste nicht, dass Ihr Nick Ihren gesamten Lebensinhalt repräsentiert, aber trotzdem danke für die Information.

anarchosyndikalist
10
9.11.2009, 21:49
Anscheinend können Sie zwischen zwei grundlegenden Dingen nicht unterscheiden

Nach dem 5ten Erklärungsversuch steht mein Beschluss fest: Sie sollten ernsthaft Hilfe in Erwägung ziehen(Therapie)

Sogar ein 6-jähriger kann zwischen zwei völlig verschiedenen Dingen unterscheiden... Bei Ihnen fehlt anscheinend ein Entwicklungsschritt

nocheinmal: ich rede vom libertären Sozialismus und Sie vom totalitären Sozialismus... durch den libertären Sozialismus ist noch keiner gestorben, bis auf manche Bauern, die von Truppen einer kapitalistischen(!!) und korrupten Regierung getötet worden sind... weil sie Demokratie forderten..

klingelts jetzt?

20 Jahre Freiheit
10
10.11.2009, 16:40

Der Sozialismus ist immer gescheitert, stets und in jedem Fall. Warum ist das so schwer zu akzeptieren, warum reden sie ihm noch immer das Wort? Nur weil sie es für so eine gute Idee halten und es sich ach so gerne Wünschen würden, dass der Sozialismus funktioniert. Sorry, willkommen in der Realität, er tut es nicht und ich denke es ist an der Zeit diese irrgeleitete Idee endgültig ruhen zu lassen. Es gab bereits genug Tote und Unterdrückte. Kapital abgehakt.

libertärer Sozialismus? Was soll das sein eine kreative contradictio in adiecto?
Aha, Mexiko ist also das heimliche reichste Land der Welt, nur es merkt leider niemand. Und das Mexikaner Schlange stehen um in die kapitalistische USA zu kommen stimmt nicht. Jaja, alles wird gut.

Horst Holger
31
9.11.2009, 22:36
was bitte ist ein "libertärer Sozialismus"

wenn Sie Sozialusmus mit Freiheit verbinden, empfehle ich IHNEN dringend eine Therapie- Sie haben anscheinend nicht aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt- der Sozialismus in jedwelcher Form ist bisher immer gescheitert- oder sind nur einfach zu jung und zu dumm...

anarchosyndikalist
10
9.11.2009, 23:14

libertärer Sozialismus ist Sozialismus der durch eine direkte Demokratie geleitet wird und nicht durch irgendeine Autorität... dieser Sozialismus funktioniert in Chiapas seit den 80ern...

"oder sind nur einfach zu jung und zu dumm."

nein - sie sind zu uninformiert

Mario Rutar
11
10.11.2009, 08:35
WAS "Libertärer Sozialismus" ist:

Das gleiche, wie Nationalsozialismus MIT demokratischen Wahlen UND OHNE Holocaust. Summa summarum also: Etikettenschwindel der übelsten Sorte, erdacht von jenen, die einer verbrecherischen Ideologie nachtrauern und die schönsten Märchen erdichten um dieses Monstrum attraktiv und für die Menschen wählbar zu machen...

anarchosyndikalist
10
10.11.2009, 17:18
können Sie sich bitte informieren, bevor sie irgendwo die Naziettickete aufpicken??

Sieh an
01
9.11.2009, 23:03
... was verstehen Sie unter "Freiheit"?

... Freiheit unter der Brücke zu schlafen? ... Freiheit keine Arbeit zu bekommen oder wenn doch, dann zu einem Lohn wovon niemand leben kann?

... Freiheit mit Kindern regelmässig beste Chancen zu haben arbeitslos zu werden...

... Freiheit für Verluste und Risiken von Unternehmen die Gesellschaft und jeden Steuerzahler haften zu lassen und wenn es um Gewinnverteilung geht, dann heisst es keine Rückzahlung - ist alles privat?....



Konrad Chreeb
57
9.11.2009, 17:28
Als das Tor zu Harz IV aufging oder die verordneten Feierlichkeiten zum Mauerfall

Nun bitte mal nicht die Realität aus dem Blick verlieren. Den Mauerfall feiern doch höchstens die Gesinnungsmedien, Merkel und Co. Aber nicht doch viele der ehemaligen DDRler. Den ist doch schon lange ein Licht von dem Propandandatheater aufgegangen, was Harz IV, Mietwucher, Obdachlosigkeit und all die anderen Nettigkeiten welche hinter dem Tor zur "Freiheit" zu finden sind, bedeuten. Und selbst im Westen Deutschlands hat, mal abgesehen von Parlamentsbonzen (die ja bekanntlich für's Nichtstun Steuergeldern abkassieren und verprassen) die Normalbevölkerung wirklich andere Sorgen als den sog. Mauerfall (der zudem keiner war) zu feiern.

Mario Rutar
23
10.11.2009, 08:36

Für die STASI-Spitzel, SED-Büttel und ehemalige linientreue Apparatschiks ist dieser Tag natürlich Staatstrauer...

sestrelevante
74
9.11.2009, 15:19
Nieder mit dem Kapitalismuss ,brüder auf zur Sonne auf zur Freiheit,,,

Ivan Bukov
24
9.11.2009, 16:44

Komisch dass die Mauer errichtet wurde um die Leute davon abzuhalten vom Sozialismus zu fluechten. Kann mich nicht erinnern dass Westeuropaeer massenhaft davon abgehaltet werden mussten in die DDR zu reisen... Muss sich wohl um Orientierungslosigkeit gehandelt haben. Oder wie erklaeren sie sich das?

Thomas Arnoldner
 
00
10.11.2009, 16:50

es sind viele menschen vorm kapitalistischen franco,salazar,obristen und türkischen militärregime geflohen!

Girgl Galgenstein
10
26.11.2009, 09:02
Sie sind nicht vor dem Kapitalismus

sondern vor einer Diktatur geflohen. Sie vermischen da (un-)gewollt zwei Dinge. Wenn diese Menschen klug waren, flohen sie in den ach so kapitalistischen Westen, wenn sie dumm waren in die Sowjetunion, wo sie vom Regen in die Traufe kamen, wie das Schicksal zahlreicher Spanienkämpfer, die in die Mühlen des GULAG kamen, belegt.

Dumm wählt gut!
41
9.11.2009, 14:47
Unglaublich, was es in diesem Forum für antidemokratische Aufrührer gibt!

Sieh an
13
9.11.2009, 23:07
... vielleicht sind die "Antidemokraten" einfach nur realistisch und objektiv... und sind sie nicht damit die wahren Demokraten?

besson
11
9.11.2009, 14:06

habe ich da was falsch verstanden? wurde die mauer errichtet um die leute davon abzuhalten in den kommunismus zu stürmen?

Hans Müller1
 
24
9.11.2009, 14:02
Bei solchen Umfragen sollte man doch vorher

abfragen ob die Teilnehmer "Kapitalismus" definieren können und was sie glauben welche Systeme den besser funktionieren würden

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