Zum Jubiläum fallen tausend bunte Steine

8. November 2009, 19:12
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    foto: reuters/bensch

    Der frühere Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, Ex-US-Präsident George Bush senior und der ehemalige deutsche Kanzler Helmut Kohl feierten bereits im Oktober den Fall der Mauer.

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    Domino-Day in Berlin

Mauer-Domino in Berlin lockt tausende Besucher an - Gorbatschow und Bush senior bei Fest in Berlin

Berlin hat wieder eine Mauer. Aber diesmal geht von ihr kein Schrecken aus, und man kann sie auch ganz leicht durchqueren. Gut zweieinhalb Meter hoch sind die bunten Dominosteine aus Styropor, die in der deutschen Hauptstadt dort aufgestellt wurden, wo früher auch die Mauer verlief: vom Potsdamer Platz entlang des Holocaust-Mahnmals, vorbei am Brandenburger Tor bis zum Reichstag.

Schon am Wochenende war die sogenannte "Domino-Galerie" die neue Touristenattraktion. Bei strahlend schönem Wetter kamen Tausende, um die kleinen Kunstwerke zu betrachten. "Freiheit für alle - Tränen aus Freude" steht etwa auf einem Stein, den eine Klasse aus Berlin gestaltet hat. Und darunter das Zitat einer Schülerin: "Es kam mir in den Sinn, dass es der schönste Moment war, als die Menschen sich wiedergesehen haben." Alle Domino-Teile wurden von insgesamt 15.000 Schülern aus ganz Deutschland bemalt.

Walesa macht den Anfang

Zu Fall gebracht wird die "Mauer" am heutigen Abend, und dies soll um 20 Uhr der Höhepunkt der Feierlichkeiten sein, die das ZDF, moderiert von Thomas Gottschalk ab 19.25 Uhr live überträgt. Die ersten beiden Steine werden Lech Walesa und Miklós Németh anstoßen - zur Erinnerung daran, dass die Grundfeste des Kommunismus zuerst in Polen und Ungarn wankten. Walesa führte 1989 die Gewerkschaft Solidarnoœć und war später Präsident von Polen. Unter der Regierung Németh wurde im Sommer 1989 die österreichisch-ungarischen Grenzanlagen eingerissen.

Zum "Fest der Freiheit" , das das offizielle Deutschland sowie Bürgerinnen und Bürger abends am Brandenburger Tor feiern, reist auch Bundeskanzler Werner Faymann. Die deutsche Regierungschefin Angela Merkel hat viele Staats- und Regierungschefs eingeladen, darunter Gordon Brown (Großbritannien), Nicolas Sarkozy (Frankreich) sowie US-Außenministerin Hillary Clinton.

Die wahren Stargäste aber sind zwei Männer, die die politische Bühne schon verlassen haben: der russische Staatspräsident Michail Gorbatschow und US-Präsident Georg Bush senior, die nach dem Mauerfall 1989 die deutsche Einheit ermöglichten. Fehlen wird aus gesundheitlichen Gründen der Dritte im Bunde: der deutsche Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl. Er traf Bush senior und Gorbatschow jedoch schon vor einer Woche auf Initiative der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zu einem Festakt in Berlin. Seine Botschaft 20 Jahre danach: "Ich habe nichts Besseres, als stolz zu sein." (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 9.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
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wolfgang.wildner
00
9.11.2009, 12:05
Mauerphall

Man muss sich natürlich fragen, wodurch die Mauer ihre Spannkraft eingebüßt hat. Dabei war die Mauer im wesentlichen das einzige, was man in der DDR laufend modernisiert hat. www.flickr.com/photos/wildner

DieBo
00
9.11.2009, 10:28
Heute! Enthüllung der Berliner Siegessäule im neuen Look, im passenden Zeitgeist Style.

http://chilli.cc/dat/doc_7... _18812.jpg

Jürgen Rembremerding
00
9.11.2009, 14:07
Ha ha ha!

An Dir ist ja ein Bario Marth verloren gegangen!

Spüzünwüz!

charley-inc
56
8.11.2009, 19:10
Nie wieder Staats-Sozialismus!

Wehret den Anfängen!

anarchosyndikalist
21
9.11.2009, 12:29
Sie meinen Staats-KAPITALISMUS

die ddr war nämlich genauso kapitalistisch, wenn auch in einem veränderten Format... Sozialismus ist etwas anderes

und globaler kapitalismus ist auch nicht viel besser als ein Staatskapitalismus

DieBo
01
9.11.2009, 09:26
Wehret den Anfängen ist in diesem Fall leider verkehrt. Wie wollen sie was Neues probieren wenn sie noch nicht einmal im Ansatz dürfen? Ein Schritt zur Gedankenpolizei ist laut ihrem Posting dann nicht allzu weit.

antisumo
00
8.11.2009, 19:08

Konnte zufaellig die Dominosteine selbst anschauen, die sind wirklich z.T. grossartig gemacht. Ich finde das eine tolle Idee.

Unpolitisch
53
8.11.2009, 13:08
Assistenzeinsatz

Gibt es eigentlich auch noch in Berlin einen Assistenzeinsatz der Bundeswehr oder dürfen da wirklich alle Ossis einfach so in den goldenen Westen?

20 Jahre Freiheit
78
8.11.2009, 12:36
Die Mauer der Schande

Es ist gut, dass es mittlerweile 20 Jahre her ist, dass dieser Schandfleck aus Berlin, aus Europa entfernt wurde.

Nichts repräsentiert den Sozialismus, die Illusion der Gleichheit der Menschen, so gut wie diese Mauer. Denn der Sozialismus steht für Unterdrückung, Tyrannei und Autokratie.

Gedenken wir dem Mauerfall und stellen wir sicher, dass wir nie wieder durch unrealistische Traumphantasien die Realität zur Hölle machen.

byron sully
01
8.11.2009, 19:20

den ersten beiden absätzen würd ich zustimmen - unter der einschränkung, daß ich statt des begriffs "sozialismus" eher begriffe wie "bolschewismus" oder "stalinismus" verwenden würde. daß die mauer und der verbrecherstaat DDR gefallen sind, ist aus meiner sicht uneingeschränkt zu begrüßen.
große probleme bereitet mir aber ihr dritter absatz, dem ich (abgesehen von den ersten vier wörtern) nicht zustimmen kann und will. denn gerade traumphantasien sind die basis dafür, daß es fortschritt gibt. und grad die montagsdemonstrantInnen des herbstes 1989 sind für mich menschen, die traumphantasien hatten und sich gegen ihre lebensrealität wehrten.

20 Jahre Freiheit
01
8.11.2009, 21:40

Ich glaube wir sprechen einfach von zwei verschiedenen Begriffen.

Sie meinen offensichtlich - Visionen, den Traum von einem besseren Leben etc.

Was ich meine ist so zu verstehen, dass man nicht an Dinge glauben soll, die mit der Realität schlicht und einfach nicht vereinbar sind.
Dass die Mauer fällt war zwar sehr lange sehr unwahrscheinlich. Aber diese Hoffnung war in der Realität möglich.
Dass alle Menschen plötzlich perfekt gleich sind und das ganze ohne Kosten möglich ist, verstößt hingegen fundamental gegen die Regeln der Realität.

Und das Wort Sozialismus ist bewusst gewählt. Denn wir müssen immer den Anfangen währen. Stalinismus wird niemand offen fordern, aber er kann und wird die Konsequenz sein des Sozialismus sein.

Mathias
 
00
9.11.2009, 12:45
Visionen, den Traum von einem besseren Leben

DAS gab es schon in der Antike, und nannte sich "Humanismus" ... dieser Traum ist ein ganz schön alter ... aber weiterhin Wert, dahin zu arbeiten, ganz ohne faschistoide Begleiterscheinungen ...

Hatte nicht auch Ghandi davon "geträumt"?

byron sully
01
8.11.2009, 22:31

was für real möglich gehalten wird, ist oft eine frage, die sich nur im eigenen kopf abspielt. vieles, was heute für uns selbstverständlich ist, wäre vor 100, 200 jahren als völlig realitätsfern bezeichnet worden.

und ihre sichtweise, den sozialismus als anfang des stalinismus anzusehen, lehne ich genauso ab wie die sichtweise mancher linker, die christdemokratie als anfang des faschismus zu sehen. ist beides unfug, der sozialismus ist (neben dem konservativismus und dem liberalismus) eine der drei grundströmungen, die die demokratie, wie wir sie heute kennen, begründet haben. der totalitäre nebenarm, der durch die oktoberrevolution entstanden ist, ist ein abfallprodukt des sozialismus und nicht DER sozialismus.

20 Jahre Freiheit
00
9.11.2009, 08:42

Genau das ist der große Trugschluss. Es gibt keinen totalitären "Nebenarm", keinen bösen Bruder, keinen unglücklichen Unfall oder gar Zufall. Was sie meinen ist die konsequente Weiterentwicklung des "harmlosen" Sozialismus, genauso wie ungebremste Christdemokratie (z.B. mangels Verfassung und/oder selbstrestriktivwirkender Kräfte) zwangsläufig zum Faschismus führt.

Warum? Weil selbsterklärend alle Maßnahmen, die darauf ausgelegt sind den Einfluss des Staates zu erhöhen die Freiheit beschneiden und ohne Restriktionen folglich im Totalitarismus enden müssen.

Real möglich: spätestens 1918, wenn man schon nicht durch Denken a priori erkennt, hätte klar sein müssen, dass der Kommunismus unverwirklichbar ist. Manche wissen es immer noch nicht.

brand
00
9.11.2009, 12:37

also verabscheuen sie die Christdemokratie in ähnlicher Weise wie den Sozialismus? Finde es allerdings seltsam Christdemokratie und Sozialismus gegenüberzustellen.
Wo siedeln sie dann den Kapitalismus an?

Interpretiere ich ihre Aussagen korrekt, wenn ich annehme, dass sie als einzig richtige Lösung den Anarchismus sehen (da dieser eigentlich das Gegenteil des Sozialismus, wie sie ihn verstehen, sein müsste)

anarchosyndikalist
00
9.11.2009, 12:30
haben sie schon einmal etwas von Chiapas gehört??

dort funktioniert der libertäre Kommunismus sehr gut

byron sully
00
9.11.2009, 12:17
das seh ich anders,

denn sonst müßte eigentlich JEDE ideologie bzw. politische richtung, sofern sie sich weiterentwickelt, eine totalitäre werden.

20 Jahre Freiheit
00
9.11.2009, 13:42

Jede, die danach trachtet den Einfluss des Staates zu vergrößern - ja.

20 Jahre Freiheit
00
9.11.2009, 13:48

und natürlich keine Restriktion erfährt - das war mein zweiter Punkt. Also ein Limit in Form einer Verfassung beispielsweise.

Ein solches Regelwerk muss aber auch verbindlich sein. Wenn sie sich Österreich ansehen - da verkommt die Verfassung zum politischen Spielball zweier Großparteien.

byron sully
00
9.11.2009, 13:45
und jene,

die trachten, den staat abzuschaffen, dann nicht?

20 Jahre Freiheit
00
9.11.2009, 14:19

Ich halte diese Frage zwar für praktisch irrelevant, da es meines Wissens nach keine nennenswerten Kräfte gibt, die die Abschaffung des Staates anstreben, aber solche Bestrebungen würden konsequent weiterverfolgt natürlich nicht in Totalitarismus und Diktatur enden, sondern in Anarchie.

Aber auch gegen solche Bestrebungen schützt eine funktionierende Verfassung.

byron sully
00
9.11.2009, 15:00
gut,

dann anders formuliert: nicht abschaffung des staates, sondern abschaffung des sozialstaates?

20 Jahre Freiheit
00
9.11.2009, 15:50

Dieser Fall ist ja völlig analog.
Wenn Sie unter Sozialstaat sämtliche Sozialleistungen verstehen dann würde deren völlige Abschaffung die Einkommensverteilung verändern, sie also dem der Verteilung aus dem Marktergebnis gleichsetzen, selbstverständlich nicht aber zu Totalitarismus oder Diktatur führen. Kann es ja nicht, weil Diktatur einen mächtigen Staat bedingt. Eine Abschaffung des Sozialstaates beraubt den Staat aber eines seiner mächtigsten Instrumente, wirkt also in die entgegengesetze Richtung.

Ob das gesellschaftlich gewünscht/sinnvoll ist, ist wieder eine völlig andere Frage.

byron sully
00
9.11.2009, 17:30

erst meinen sie, es könne keinen demokratischen sozialismus geben, jetzt meinen sie auch noch, ein radikaler kapitalismus könne per se nicht totalitär sein. damit definieren sie die frage demokratie/diktatur einzig und allein durch das wirtschaftssystem, was ich äußerst hinterfragenswert finde. oder sind sie tatsächlich z.b. der meinung, daß chile unter pinochet demokratischer war als unter allende?

20 Jahre Freiheit
00
9.11.2009, 17:58

?

Ich verstehe ihren Einwand nicht.

Ich habe gesagt, dass konsequenter Sozialismus zwangsläufig im Totalitarismus mündet. Weiters habe ich geschrieben, dass jede Ideologie, die danach trachtet den Staatseinfluss zu vergrößern zwangsläufig im Totalitarismus endet. Auf das Wirtschaftssystem habe ich das nie isoliert. Diese Beschränkung kommt jetzt von ihnen.

Sie haben mich gefragt, ob eine Abschaffung des Sozialstaates ceteris paribus zum Totalitarismus führt und ich habe das verneint.

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