Mauer-Domino in Berlin lockt tausende Besucher an - Gorbatschow und Bush senior bei Fest in Berlin
Berlin hat wieder eine Mauer. Aber diesmal geht von ihr kein Schrecken aus, und man kann sie auch ganz leicht durchqueren. Gut zweieinhalb Meter hoch sind die bunten Dominosteine aus Styropor, die in der deutschen Hauptstadt dort aufgestellt wurden, wo früher auch die Mauer verlief: vom Potsdamer Platz entlang des Holocaust-Mahnmals, vorbei am Brandenburger Tor bis zum Reichstag.
Schon am Wochenende war die sogenannte "Domino-Galerie" die neue Touristenattraktion. Bei strahlend schönem Wetter kamen Tausende, um die kleinen Kunstwerke zu betrachten. "Freiheit für alle - Tränen aus Freude" steht etwa auf einem Stein, den eine Klasse aus Berlin gestaltet hat. Und darunter das Zitat einer Schülerin: "Es kam mir in den Sinn, dass es der schönste Moment war, als die Menschen sich wiedergesehen haben." Alle Domino-Teile wurden von insgesamt 15.000 Schülern aus ganz Deutschland bemalt.
Walesa macht den Anfang
Zu Fall gebracht wird die "Mauer" am heutigen Abend, und dies soll um 20 Uhr der Höhepunkt der Feierlichkeiten sein, die das ZDF, moderiert von Thomas Gottschalk ab 19.25 Uhr live überträgt. Die ersten beiden Steine werden Lech Walesa und Miklós Németh anstoßen - zur Erinnerung daran, dass die Grundfeste des Kommunismus zuerst in Polen und Ungarn wankten. Walesa führte 1989 die Gewerkschaft Solidarnoœć und war später Präsident von Polen. Unter der Regierung Németh wurde im Sommer 1989 die österreichisch-ungarischen Grenzanlagen eingerissen.
Zum "Fest der Freiheit" , das das offizielle Deutschland sowie Bürgerinnen und Bürger abends am Brandenburger Tor feiern, reist auch Bundeskanzler Werner Faymann. Die deutsche Regierungschefin Angela Merkel hat viele Staats- und Regierungschefs eingeladen, darunter Gordon Brown (Großbritannien), Nicolas Sarkozy (Frankreich) sowie US-Außenministerin Hillary Clinton.
Die wahren Stargäste aber sind zwei Männer, die die politische Bühne schon verlassen haben: der russische Staatspräsident Michail Gorbatschow und US-Präsident Georg Bush senior, die nach dem Mauerfall 1989 die deutsche Einheit ermöglichten. Fehlen wird aus gesundheitlichen Gründen der Dritte im Bunde: der deutsche Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl. Er traf Bush senior und Gorbatschow jedoch schon vor einer Woche auf Initiative der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zu einem Festakt in Berlin. Seine Botschaft 20 Jahre danach: "Ich habe nichts Besseres, als stolz zu sein." (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 9.11.2009)