"Es war sehr gewalttätig" - Nach Verwarnung wieder freigelassen - Human Rights Watch verurteilt Angriff auf Sanchez
Havanna - Die kubanische Bloggerin Yoani Sanchez ist
nach eigenen Angaben von Geheimpolizisten in Zivil geschlagen und
vorübergehend festgenommen worden. "Sie haben mich gehauen und mit
dem Kopf voran in ein Auto verfrachtet", schrieb die 34-jährige
Bloggerin am Samstag in ihrem Internetblog "Generacion Y". Die drei
Männer hätten ihr gegenüber keinerlei Erklärung abgegeben.
Es sei aber klar, dass es ihnen darum gegangen sei, ihre
Beteiligung an einer Demonstration für Gewaltfreiheit in der Welt zu
verhindern. An der etwa 15-minütigen Demonstration beteiligten sich
am Freitagabend in Havanna einige Dutzend Jugendliche, wie Teilnehmer
der Nachrichtenagentur AFP sagten.
Im Zentrum der Hauptstadt schlugen die Zivilpolizisten laut
Sanchez zwei weitere Kollegen und nahmen auch sie vorübergehend fest,
darunter ihren Freund Orlando Luis Pardo, der ebenfalls im Internet
bloggt. Alle drei kamen demnach nach etwa einer halben Stunde wieder
frei. Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch
verurteilte in einer Erklärung den Einsatz "brutaler Gewalt", um
Sanchez "zum Schweigen zu bringen". Die "internationale Gemeinschaft"
müsse dem kubanischen Präsidenten Raul Castro in scharfer Form
klarmachen, dass "derartige Angriffe gegen unabhängige Stimmen
vollkommen unannehmbar" seien.
Preisgekrönte Bloggerin
Sanchez ist wegen ihrer kritischen Berichte über das Leben in Kuba
international bekannt. Im vergangenen Jahr zeichnete die spanische
Zeitung "El Pais" sie mit dem prestigeträchtigen Preis Ortega y
Gasset aus. Von offizieller kubanischer Seite lag zunächst keine
Stellungnahme zu Sanchez' Darstellung vor. (APA/AP)