Alkohol am Steuer

Alle zweieinhalb Stunden ein Alkoholunfall

15. November 2009, 16:56
  • Artikelbild
    foto: apa/dpa/dpaweb/ulrich perrey

    Im Jahr 2008 kamen bei Alkounfällen 53 Menschen ums Leben. Laut Statistik passieren solche Unfälle vor allem nachts und an Wochenenden.

  • Artikelbild
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Vor allem junge Männer verursachen laut Statistik häufig Unfälle im betrunkenen Zustand: 88 Prozent der Alkolenker sind männlich, jeder vierte ist zwischen 18 und 24 Jahre alt.

6,8 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden werden durch Alkohol am Steuer verursacht - Vor allem junge Männer gehören zur Risikogruppe

53 Tote und 3.653 Verletzte bei 2.646 Verkehrsunfällen durch Alkohol am Steuer - so lautet die traurige Rekordbilanz für das Jahr 2008. Die Zahl der Alkoholunfälle mit Personenschaden sank zwar gegenüber 2007 (-3,1 Prozent), ihr Anteil am Gesamtunfallgeschehen erreichte jedoch mit 6,8 Prozent den Höchstwert der vergangenen zehn Jahre. 1999 lag der Wert bei 5,8 Prozent und blieb bis heute fast kontinuierlich über bei über 6 Prozent.

Höhere Dunkelziffer

Die Dunkelziffer scheint allerdings viel höher zu sein. Berücksichtig man beispielsweise auch jene Opfer, die nach einem tödlichen Alleinunfall keinem Bluttest mehr unterzogen werden, geht man von einem Anteil von 20 Prozent am gesamten Unfallgeschehen aus. "Alkohol am Steuer ist eine Geißel, Alkohol tötet", warnte Orthmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) unlängst. Verkehrsministerin Dores Bures (S) wies bei einer Pressekonferenz kürzlich darauf hin, dass in Österreich alle zweieinhalb Stunden ein Unfall durch Alkohol ausgelöst werde. Laut offizieller Statistik ist jeder 13. Verkehrstote Opfer eines Alkoholunfalles. Auch hier scheint die Dunkelziffer höher zu sein, weil Verkehrstote und Bewusstlose im Allgemeinen nicht auf Alkoholisierung untersucht werden.

2009 weniger Alkounfälle

Seit Jahren ist die Zahl der durch Alkohol verursachten Unfälle also auf hohem Niveau, erst seit 2009 ist dieser Trend rückläufig: In den ersten acht Monaten des heurigen Jahres gab es um 9,5 Prozent weniger Alkoholunfälle, die Zahl der Verletzten ist um 10,6 Prozent gesunken. Tote gab es im Vorjahr von Juni bis August 35, heuer waren es 31. Jedoch ist hier zu beachten, dass die Zahl der Verkehrsunfälle im Vergleichszeitraum insgesamt gesunken ist. Laut ÖAMTC habe das mit dem langen und schneereichen Winter zu tun, in dem es ganz einfach weniger Verkehr gegeben habe als üblich.

Junge Männer als Unfalllenker

Besonders junge Männer verursachen häufig Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel ist: 88 Prozent der Alkolenker sind männlich, jeder vierte ist zwischen 18 und 24 Jahre alt. Laut KfV steigt das Unfallrisiko schon bei der Höchstgrenze von 0,5 Promille um das Doppelte, bei 1,6 Promille um das 36-Fache an.

In Österreich gibt es seit 1997 Nachschulungen für Alkolenker, die zumindest 1,2 Promille im Blut hatten sowie für alkoholisierte Besitzer eines Probeführerscheins. Durch die vor zwölf Jahren eingeführten Nachschulungen sei das Rückfallrisiko um 50 Prozent minimiert worden, heißt es beim KfV.

Mehr Unfälle am Wochenend und nachts

Pro Tag werden laut Verkehrsdienst des Innenministeriums mehr als 100 Alkolenker aus dem Verkehr gezogen. Trotzdem würden täglich acht bis neun Alkounfälle registriert. Statistisch signifikant ist der Zeitraum Freitagabend bis Sonntagfrüh. Das impliziert gleichzeitig, dass vor allem Jugendliche in Gebieten mit schwach ausgebautem öffentlichen Verkehrsnetz gefährdet seien.

Ein Großteil der Alkounfälle geschieht in den frühen Abendstunden, in der Nacht oder am frühen Morgen: Passieren in der Zeit um 18 Uhr noch 7, 5 Prozent der Unfälle, so steigt diese Zahl am Abend und in der Nacht kontinuierlich an, bis sie ihren Höchstwert um drei Uhr morgens herum erreicht: Um diese Zeit sind 40 Prozent aller Alkounfälle zu verzeichnen.

Härter Strafen für Alkolenker

Seit September 2009 ist in Österreich das Verkehrssicherheitspaket in Kraft, das unter anderem höhere Strafen für Alkolenker vorsieht: Von 0,5 bis 0,79 Promille werden zwischen 300 (statt bisher 218) und 3.700 (bisher 3.633) Euro fällig. Autofahrer, die mit 0,8 bis 1,19 Promille erwischt werden, müssen ein Coaching absolvieren. Für diesen Alkoholisierungsgrad wurde außerdem die Mindeststrafe von bisher 581 Euro auf jetzt 800 Euro angehoben. Beim Führerscheinentzug gilt: Ab 1,6 Promille muss man seinen Schein für ein halbes Jahr abgeben, das sind zwei Monate länger als bisher. (red, derStandard.at)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
Elisabeth Jarok
23
19.11.2009, 09:13
sofort 0,0 promille einführen

so wie in vielen anderen ländern. dann weiß jeder, dass trinken und autofahren nicht zusammengeht.

luke skywalker
22
19.11.2009, 18:33
Einverstanden


Dann machma aber an Test.

Routinierter Fahrer der 0,5 Promille intus hat, fährt am Simulator oder abgesperrter Strecke gegen Sonntagsfahrer, Autofahrerinnnen, Pensionisten und was sonst noch so herumschleicht.

Dabei wird dann Reaktion getest, Verhalten bei plötzlich auftauchenden HIndernissen, Verhalten beim Schleudern, ..........

Und die Vergleichsgruppe muss dann aber auch den Schein abgeben, wenn die hinter der Vergleichsperson die mit 0,5 Promille antritt zurückfällt.

Aber keine Sorge: Sie können sich beim nächsten Fahrtechniktraining melden und solange trainieren, bis Sie den Test bestehen.

Für reaktionsschwache 95-jährige die nur mehr auf einem Auge a bissi was sehen wirds aber eng.

Chocoholic
01
20.11.2009, 18:15
Gerade die Ueberheblichkeit verursacht die meisten Unfaelle.

Selbstueberschaetzung, Ueberheblichkeit und Ignoranz. Jugendlicher Selbstherrlichkeitswahn und schon haben wir den Unfall.

Dr Grulka
 
10
19.11.2009, 19:00

Großkotzigkeit, zur dunklen Seite der Macht sie führt.

mika33
22
17.11.2009, 10:32
Wenn man Fahrer mit <0,5%o strafen will, dann

müsste man auch Fahrer die nach zu wenigen Stunden Schlaf einen Unfall bauen auch genauso strafen. Und auch handytelefonierer, Autoradioeinsteller, am Steuer raucher usw.

Dr Grulka
 
02
19.11.2009, 19:04


Das wäre ja auch eine Frechheit, wenn man die Telefonierer strafen würde.

Prost!

luke skywalker
33
16.11.2009, 21:05
Und womöglich werden gar 5000 Unfälle durch Alkohol vermieden ??


Z.B dadurch, dass der Großteil jener die etwas getrunken haben bewusster und langsamer fahren - weil die wissen dass sie etwas beeinträchtigt sind und auf keinen Fall einen Unfall riskieren wollen ??

Wer weis !!

Dr Grulka
 
13
19.11.2009, 17:55
Drollig, Luke.

Ich bin sehr stolz, daß du dich endlich von deinen Gefühlen leiten läßt.
Aber vergiß bitte nicht, daß die Macht bei den anderen Verkehrsteilnehmern nicht so wirksam ist wie bei dir.

Nebenbei, wenn die Konzentration nachläßt und sich der Blick eintrübt, was nutzt das ganze bewußt Fahren denn dann?

Aber ich will dir ja nichts dreinreden. Ich weiß, du wirst den nächsten Todesstern auch mit einem Schuß in die Luft jagen, wenn du eingesäuselt in deinem X-Wing sitzt.

Allerdings, Han würd ich nichts trinken lassen, der fliegt auch schon ohne kriminell genug.

Norbert Müller
 
35
18.11.2009, 13:42
bitte mit > 1 Promille nicht posten, danke!

tom2312
01
25.11.2009, 12:39

Verstehe. Wer Ihre Meinung nicht teilt, kann nur alkoholisiert sein, hm?

Die Gefahr von Alkohol am Steuer ist unbestritten. Den Alkohol zum Sündenbock im Verkehr zu machen, geht aber auch ein bisschen daneben.

Es gibt auch andere Fahrbeeinträchtigungen als Alkohol, aber es wäre zugegeben mühsam, die auch zu überprüfen.

Bleib ma also bei den Trinkern, die kann man einfach testen und zahlen lassen.

luke skywalker
00
17.11.2009, 19:19
Die Spezies der "in die Landschaft Schauer"


oder der "Schauer" allgemein nicht zu vergessen..

mika33
03
17.11.2009, 10:27
Wie können Sie nur unseren militanten Abstinenzlern dieses

Argument zumuten.
Die bekommen ja gleich massive Orientierungsprobleme wie durch ein Glas Sekt ...

Chocoholic
00
20.11.2009, 18:16
dafuer schlittert sichs mit a paar Bier umso heiterer und feuchtfroehlicher um die Kurve...

- Ykä -
11
16.11.2009, 18:48

Tausende schwer Verletzte und hunderte Tote in Österreich durch Verkehrsunfälle diese Jahr :-o
Wie soeben erfahren ist dies auch in anderen Ländern der Fall.
Ich werde daher sofort die WHO informieren, denn hier scheint es sich um eine richtige Pandemie zu handeln die jede Grippe in den Schatten stellt.
Ich fordere daher: Impfung gegen Verkehrsunfälle!
Was sind -zig Schweinegrippetote gegen hunderte Todesopfer im Strassenverkehr? Da muss eine Impfung her!

4th wall commentary
00
17.11.2009, 19:26
"Ich werde daher sofort die WHO informieren, denn hier scheint es sich um eine richtige Pandemie zu handeln die jede Grippe in den Schatten stellt. "

Eigentlich nicht...es sterben mehr Leute an Grippe...bedeutend mehr.... :(

Gurkhasalat
02
16.11.2009, 16:01
Das Problem Alko-Raser sind eine schöne Metapher.

Im Grunde weiß man ja immer, wie man ein Problem verringern kann. Nur würde das ja oft die eigenen Schützlinge treffen.
Nachdem aber keiner Alko-Raser schützen will, zeigen sie schön, wie dümmlich so manche Vorschläge sind:

- LIF: Wenn jeder frei trinken und fahren darf wie er will, gibts auch keine Unfälle mehr, weil dann jeder Verantwortung übernimmt.

- Grüne: Strafen sind keine Lösung. Wir brauchen Toleranz und integrative Maßnahmen. Jedenfalls sind Alkomaten als Eingriff in die Privatsphäre abzulehnen.

- FPÖ: Es gäbe keine Alko-Unfälle, würden die linken Nüchternen den Alko-Rasern nicht im Weg herumstehen.

- ÖVP: Ich bin gegen Strafen. Man muss Anreize bieten, nicht besoffen zu fahren.

- SPÖ: Ich muss erst den Dichant fragen.

Shanajio
02
16.11.2009, 15:52
Wie groß ist eigentlich der Einfluß von Alk?

Wieviele dieser 2.646 Unfälle wären eigentlich nicht passiert wenn die Fahrer nüchtern gewesen wären?

Was ist mit den Unfällen bei denen bei zwei nüchternen Unfallteilnehmern (A+B) A die schuld zugesprochen würde, aber aufgrund der Alkoholisierung von B dieser schuldig gesprochen wird?

Und warum ist es so schwer bei tödlich verunglückten Autofahrern einen Alktest zu machen?

ram shackle
00
16.11.2009, 22:24

>> Und warum ist es so schwer bei tödlich verunglückten Autofahrern einen Alktest zu machen?


Menschenrechtskonvention?

Shanajio
00
17.11.2009, 12:56

Bitte verweisen Sie bitte auf eine dementsprechende Passage, bzw. erklären Sie mir, wie eine Obduktion nach diesem Menschnrecht rechtmäßig ist.

ram shackle
00
17.11.2009, 23:40

Artikel 8 (2) - sollte alles beantworten.

oxy
02
16.11.2009, 14:00
die zahlen muss man - so wie alle vcoe und kfv zahlen - hinterfragen

grundsätzlich gilt bei allen unfällen eine teilschuld ab 0,5 promille. hier werden also alle unfälle mit personen -oder sachschaden herangezogen bei denen zumindest einer der beteiligten alkoholisiert war. das sagt aber gar nichts über die causalität des unfalls aus. dh. man kann nicht davon ausgehen, dass bei strikten 0,0 promille es 2.600 unfälle weniger gegeben hätte.

japsa
20
16.11.2009, 13:57
und schon wieder einen Grund gefunden weshalb man noch mehr

von den gemeingefährlichen, aggressiven, ungebildeten und vor allem fremdenfeindlichen Polizisten auf die Zivilbevölkerung loslassen könnte.

Der groBe Mann
00
16.11.2009, 12:16
zum Titel: "Mei Bia baut kan Unfoi!"

Michael B
37
16.11.2009, 00:16
Was sind die URSACHEN der übrigen 12 von 13 Unfällen?

Warum ist man eigentlich so auf die Alkohollenker fixiert, wenn die einen so geringen Anteil an den Unfällen haben? Wäre es nicht effizienter, man würde auch die anderen Unfallursachen wirksam bekämpfen?
Auch wenn einmal kein einziger Alkoholunfall mehr passiert, geschehen immer noch 12 von 13 Unfällen. Welche Hysterie wird dann ausbrechen, und warum bricht sie nicht jetzt schon aus?
Fragen über Fragen....

Chocoholic
00
20.11.2009, 18:18
Nun, die Fixiertheit ist einfach: Man sauft sich nicht mehr an, wenn man Auto faehrt und schon ists weniger gefaehrlich.

Wenigstens wird ja jetzt wenigstens auch der 'Alkohol' aus der 'zu schnell gefahren' Zahl heraus gezaehlt...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.